27. Januar. Holocaust-Gedenktag und die russischen Kriegsgefangenen in Born a. Darß

27. Januar. Holocaust-Gedenktag und die russischen Kriegsgefangenen in Born a. Darß

104 russische Kriegsgefangene waren im „Borner Hof“ untergebracht. Mitten im Dorf Born auf dem Darß. Man hörte, wenn sie morgens in Holzpantinen zur Arbeit marschieren mussten, singend.
Jeder konnte sie sehen, sie zogen ja mitten durchs Dorf zur Meilerei der SS, die am Ortsrand aufgebaut war.
4 Todesopfer sind bezeugt, vermutlich waren es mehr.
Auf dem Friedhof in Born gibt es eine weit abgelegene Ecke, die von den Dorfbewohnern „das Russengrab“ genannt wird. Wer hier bestattet liegt, bleibt bislang Vermutung. Wahrscheinlich handelt es sich um erschossene Menschen, die aus dem KZ-Außenlager im „Borner Hof“ fliehen wollten.

Es gibt keine Gedenktafel für diese Menschen in Born.

Deshalb erinnere ich an sie. Nicht nur heute, am „Holocaust-Gedenktag“, sondern schon seit beinahe zwei Jahren. Ein Buch ist mittlerweile über das KZ-Außenlager „Borner Hof“ entstanden, eine facebook-Seite bringt die Recherche-Fortschritte.

Wir können die Menschen nicht wieder lebendig machen, aber wir können an sie erinnern. An Meta Zils beispielsweise, die Zeugin Jehovas, die mit drei anderen Zeuginnen beim SS-General Franz Mueller-Darss auf dem Hof schuften musste. Heute ist dort das „Forst- und Jagdmuseum „Ferdinand von Raesfeld„“ untergebracht. Auch dort kein Hinweis auf die „privaten Häftlinge“ des SS-Generals, der zum engsten Kreis von SS-Reichsführer Heinrich Himmler gehörte.

Wir können nicht wieder gut machen, was damals geschehen ist.
Aber wir können daran erinnern.
Damit sich so etwas niemals wiederholt.

Die Gemeinde Born hat im vergangenen Jahr beschlossen, die Geschichte des KZ-Außenlagers, zu dem auch das heutige „Forst- und Jagdmuseum“ gehörte, aufarbeiten zu lassen und hat dafür auch einen beträchtlichen Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Dass es dazu kam, hängt auch mit meinen Recherchen zusammen, wenn sie einen kleinen Anstoß gegeben haben, soll es mich freuen. Auch waren Beiträge von Dr. Sternkiker von der Ostsee-Zeitung dem Anliegen sehr dienlich, dafür sei ihm gedankt.
Es ist dringend wünschenswert, dass am Ende der Recherchen nicht nur eine Publikation erscheint, sondern dass auch durch kleine Gedenktafeln im Ort an die Häftlinge erinnert wird.

Erinnerung ist Arbeit. Erinnerung ist manchmal auch sehr unbequem und schmerzhaft, weil Fragen gestellt werden, die man nicht gern gehört hätte. Es ist aber not-wendig, dass diese unbequemen Fragen gestellt werden. Damit ausheilen kann, was gewesen ist.

Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Die Tagespolitik ist mit Corona beschäftigt. Ich bin in freiwilliger Quarantäne, habe also Gelegenheit mich um das große Thema Klimaschutz zu kümmern und zu überlegen, was ich beitragen kann, damit die zahlreichen Wahlen, die in diesem Jahr auf uns zukommen, Fortschritte im Klimaschutz bringen.
Klar ist: wir brauchen angesichts der Lage deutlich mehr Abgeordnete in den Parlamenten, die sich wirklich engagiert für Klimaschutz einsetzen. Denn die täglich veröffentlichten Messwerte und Befunde verheißen nichts Gutes. Solche Abgeordnete gibt es in allen Parteien, außer der AfD, denn die hat sich klar gegen Klimaschutz ausgesprochen.

Was also kann jetzt im Januar getan werden?
Man kann sich 1. zunächst einen Überblick verschaffen, zu welchem Bundestagswahlkreis mein Wohnort gehört. Dann kann man sich 2. – online natürlich – bei den jeweiligen Parteien erkundigen, wer inzwischen nominierter Wahlkreiskandidat (-in) ist und sich eine kleine private Liste mit den Telefonnummern, Mail Adressen etc. anlegen 3. Kontakt zu den KanditatInnen aufnehmen (per Telefon oder mail oder Post oder wie auch immer). 4. sind die Kandidaten zu befragen. Diese Fragen können sorgfältig, vielleicht sogar in einer kleinen privaten Wählerinitiative vorbereitet werden. Unser Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org hat sich bei allen zurückliegenden Wahlen auch als solche Wählerinitiative verstanden, die ihren Beitrag dazu geleistet hat, dass das Thema Klimaschutz immer weiter auf der Prioritätenliste nach oben gerückt ist. Da unser Netzwerk europäisch (vor allem Deutschland, Österreich, Schweiz) arbeitet, haben wir, je nach Wahltermin, verschiedene Schwerpunktzeiten. Diesmal nun ist vor allem Wahlzeit in Deutschland, die Termine sind bekannt.

Die „neuen Medien“ geben uns bei der Vorbereitung der Wahlen gute neue Möglichkeiten an die Hand. Vorstellbar sind zum Beispiel online-Kandidaten-Befragungen durch eine private Wählerinitiative, die man anschließend in den jeweiligen Netzwerken verbreiten und so für mehr Klarheit sorgen kann. Oft wird ja geklagt, man kenne die Kandidaten gar nicht – dem kann man ja abhelfen. Die Bundestagswahl ist im September. Wir haben also genügend Zeit, uns vorzubereiten.

Eins noch: die mittlerweile (seit 2017) https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundestagswahl-senioren-erstmals-groesste-waehlergruppe.7fa8b7a7-d281-490c-82f2-d53ca5415c87.html wichtigste Wählergruppe ist die der Gruppe der ab 55-Jährigen. Sie ist wahlentscheidend.
Wenn diese Gruppe für ihre Kinder und Enkel wählt und diejenigen unterstützt, die sich wirklich glaubwürdig für engagierten Klimaschutz einsetzen – dann ist die Wahl gelaufen.

Es ist an der Zeit, dass die Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel entscheiden.

Weshalb bloggen? Ein Beitrag zur #blogparade unter #liveloveblog


start:talking fragt, ob blogs ein „vergangenes Format“ seien. Ich kann das nicht bestätigen. Gerade für meine historischen Arbeiten könnte ich ohne längere Texte, Fotobeiträge, Sound-Dateien etc. gar nicht angemessen kommunizieren.

Jüngstes Beispiel sind meine Bemühungen, in Born a. Darss eine Gedenktafel am „Borner Hof“ anbringen zu lassen, die daran erinnern soll, dass der „Borner Hof“ zeitweilig ein KZ-Außenlager von #Ravensbrück und #Neuengamme war. Die blog-Beiträge haben zu dieser Diskussion erheblich beigetragen, wie ich aus der Region erfahren konnte. Sie wurden gelesen, sie wurden ausgedruckt, sie wurden diskutiert. Das Thema „kam an“ an der Region – auch durch die Interviews, die hier im blog zum Thema kommuniziert worden sind. Die Kategorie „Darss 1933 – 1945“ fasst die Beiträge sehr gut zusammen, ermöglicht Leserinnen und Lesern, die sich eingehender z.B. mit Regionalgeschichte beschäftigen wollen, die Lektüre der Rechercheergebnisse im Zusammenhang.

All das wäre so allein mit facebook, twitter & co. nicht auf diese Weise darstellbar, weshalb aus meiner Sicht ein eigenes blog als Instrument unverzichtbar ist.

Für mich kommt ein Weiteres hinzu: in einer Welt, die in immer kürzeren „Botschaften“ immer schneller kommuniziert geht Wesentliches verloren. Wesentliches wird erst sichtbar, wenn differenziert argumentiert werden kann. Das aber ist in einem wenige Zeichen enthaltenden tweet nicht möglich. Blogs sind, wenn sie sorgfältig betreut und erarbeitet werden, ein wichtiges „Gegengewicht“ gegen eine oberflächliche Kommunikation, die oft rationaler Argumentation gar nicht mehr zugänglich ist, sondern nur noch in möglicher „Zustimmung“ oder „Ablehnung“ besteht. Eine Kommunikation aber, auf die ich nur noch mit „Zustimmung“ oder „Ablehnung“ reagieren kann, ist keine dem Menschen angemessene Kommunikation mehr.

Deshalb blogge ich weiter. Einmal, um die dringend notwendige Aufarbeitung der NS-Geschichte vor Ort weiter zu unterstützen und zum anderen, um meinen Beitrag für eine differenzierte Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart zu leisten.

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

„Wir müssen aufhören, in die Zerstörung des Klimas zu investieren“ forderte der UN-Generalsekretär Antonio Guterres wiederholt und völlig zu Recht. Es grenze an „Wahnsinn“, angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Zerstörung des bislang weitgehend stabilen Klimas immer noch Milliarden von Dollars oder Euros in die weitere Zerstörung zu investieren.
Wo das geschieht?
In Subventionen beispielsweise. Nach wie vor geben die Regierungen dieser Welt in nicht geringem Umfang Subventionen für Kohle, Öl und Gas. Das Bundesumweltamt hat diese Subventionen allein für Deutschland für das Jahr 2012 auf 57 Milliarden Euro beziffert.
Auch sind die Pensions-Anlagen des Bundes und der Länder nach wie vor in fossile Energien investiert. Etwa 13,2 Milliarden Euro sind in Fossil-Aktien an der Börse investiert, wie der SPIEGEL im September 2020 notierte.

Solange wir nicht alle Konten, Investitionspläne und Rücklagenfonds daraufhin überprüft haben, ob sie in fossile Energien investieren – solange kann unsere Klimapolitik nicht glaubwürdig sein.
Wir können noch so viel in Solarenergie und Elektromobilität etc. investieren – wenn wir gleichzeitig in die Zerstörung des Klimas investiert bleiben, dann ist uns schlicht nicht mehr zu helfen. Mit solcher ausgesprochenen Unvernunft muss nun endlich Schluss sein.

Überall auf der Welt sind Initiativen dabei, ihre Universitäten, Kirchgemeinden, Unternehmen, ihre Rücklagen und Depots auf solche klimaschädlichen Investitionen hin zu überprüfen und zu de-investieren. Diese weltweite Bewegung wächst, aber sie wächst viel zu langsam. Es gibt längst keine Notwendigkeit mehr, Geld in fossile Energien zu investieren, wenn man Geld verdienen will. Ganz im Gegenteil, solche Investitionen sind in zunehmendem Maße stranded investments, rausgeworfenes Geld.
Man kann gutes Geld sehr wohl auch mit Erneuerbaren Energien verdienen – dieser Markt wächst weltweit sehr stark und es gibt zahlreiche großartige Anlagemöglichkeiten.

Im kommenden September wird nun wieder ein Deutscher Bundestag gewählt und dieser Bundestag wird entscheidend sein.
Denn innerhalb der dann beginnenden Legislatur muss es gelingen, einen unumkehrbaren Pfad zur zwingend notwendigen NULL-Emission im Jahre 2030 zu erreichen. Davon jedoch ist Deutschland meilenweit entfernt.
Ich wünsche mir daher, dass wir im kommenden Jahr alle gemeinsam in dieser Beziehung wirklich etwas „auf die Beine stellen können“: FridaysForFuture ebenso wie die Divest-Initiativen überall im Lande, lokale „Wahlprüfsteine“ ebenso, wie öffentliche Aufrufe von Kirchen, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Bündnissen.

Die Welt ist „spät dran“ mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Klimas, nicht wenige Klimaforscher sagen mittlerweile, dass wir bereits „zu spät dran“ sind, weil wichtige Kipp-Punkte im Klimasystem bereits überschritten wurden: das Abschmelzen der Arktis beispielsweise gilt mittlerweile als unumkehrbar.
Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat nicht ohne Grund im Dezember diesen Jahres vor der UN eine Brandrede gehalten und die Staats- und Regierungschefs dringend aufgefordert, endlich konkrete Pläne vorzulegen, die das in Paris vereinbarte Ziel auch tatsächlich erreichen – davon ist die Welt bislang allerdings sehr weit entfernt. Die Entwicklung geht gegenwärtig eher auf plus 3 Grad, denn auf 1,5 Grad zu, wie Anfang Dezember 2020 von der UN wiederholt zu hören war.

Wenn das gelänge, dass wir Wählerinnen und Wähler in Deutschland zur Bundestagswahl 2021 ein klare Fokussierung auf das Thema „divest“ hinbekämen, dann wäre das ein sehr wichtiger Beitrag zu glaubwürdigem Klimaschutz. Diese Bundestagswahl muss eine „Klimawahl“ werden – die uns vorliegenden Daten sind dermaßen alarmierend, dass die Weltgemeinschaft und jeder einzelne Nationalstaat dringend zum Handeln gezwungen ist. Und die Konzentration darauf, die vielen Milliarden, die nach wie vor in die Zerstörung des Klimas investiert sind, dort abzuziehen und in Erneuerbare und in aktiven Klimaschutz zu investieren, eine solche Konzentration wäre überaus wichtig und hilfreich, damit wir wirklich einen Schritt voran kommen. Vielleicht gelingt es ja. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten.

Die Rede des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 2. 12. 2020 in New York „Zur Lage des Planeten“

Die Rede des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 2. 12. 2020 in New York „Zur Lage des Planeten“

Es gibt Texte, die sollen weite Verbreitung finden. Deshalb stelle ich heute die wichtige Rede des UN-Generalsekretärs auch in meinen blog ein. Das Dokument kam heute aus New York via UN-Office in Umlauf:

New York 02. Dezember 2020

Ansprache des Generalsekretärs an der Columbia University: „Der Zustand des Planeten“

[Sehen Sie sich das Video auf webtv.un.org an ]

Präsident Bollinger,
liebe Freunde,

Ich danke der Columbia University für die Ausrichtung dieses Treffens – und ich begrüße diejenigen, die sich weltweit online anmelden.

Wir treffen uns auf diese ungewöhnliche Weise, wenn wir in den letzten Monat dieses ungewöhnlichsten Jahres eintreten.

Wir stehen vor einer verheerenden Pandemie, neuen Höhen der globalen Erwärmung, neuen Tiefs der ökologischen Verschlechterung und neuen Rückschlägen bei unserer Arbeit an globalen Zielen für eine gerechtere, integrativere und nachhaltigere Entwicklung.

Einfach ausgedrückt ist der Zustand des Planeten gebrochen.

Liebe Freunde,

Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur.

Das ist Selbstmord.

Die Natur schlägt immer zurück – und das bereits mit wachsender Kraft und Wut.

Die Artenvielfalt bricht zusammen. Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht.

Ökosysteme verschwinden vor unseren Augen.

Wüsten breiten sich aus.

Feuchtgebiete gehen verloren.

Jedes Jahr verlieren wir 10 Millionen Hektar Wald.

Ozeane sind überfischt – und ersticken mit Plastikmüll. Das Kohlendioxid, das sie absorbieren, säuert die Meere an.

Korallenriffe sind gebleicht und sterben ab.

Die Luft- und Wasserverschmutzung tötet jährlich 9 Millionen Menschen – mehr als das Sechsfache der aktuellen Zahl der Pandemien.

Und da Menschen und Nutztiere weiter in tierische Lebensräume eindringen und wilde Räume zerstören, konnten wir sehen, dass mehr Viren und andere Krankheitserreger von Tieren zu Menschen sprangen.

Vergessen wir nicht, dass 75 Prozent der neuen und neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotisch sind.

Heute zeigen zwei neue maßgebliche Berichte der Weltorganisation für Meteorologie und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wie nahe wir der Klimakatastrophe sind.

2020 ist auf dem besten Weg, eines der drei wärmsten Jahre weltweit zu werden – auch mit dem Kühleffekt der diesjährigen La Nina.

Das letzte Jahrzehnt war das heißeste in der Geschichte der Menschheit.

Die Meereswärme ist auf Rekordniveau. 

In diesem Jahr erlebten mehr als 80 Prozent der Weltmeere Hitzewellen im Meer.

In der Arktis herrschte 2020 außergewöhnliche Wärme mit Temperaturen von mehr als 3 Grad Celsius über dem Durchschnitt – und mehr als 5 Grad in Nordsibirien.

Das arktische Meereis war im Oktober das niedrigste seit Bestehen – und jetzt war das Wiedergefrieren das langsamste seit Bestehen.

Das grönländische Eis hat seinen langfristigen Rückgang fortgesetzt und durchschnittlich 278 Gigatonnen pro Jahr verloren.

Permafrost schmilzt und setzt so Methan frei, ein starkes Treibhausgas.

Apokalyptische Brände und Überschwemmungen, Wirbelstürme und Hurrikane sind zunehmend die neue Normalität.

In der Hurrikansaison im Nordatlantik gab es 30 Stürme, mehr als das Doppelte des langjährigen Durchschnitts und der Rekord für eine ganze Saison.

Mittelamerika schwankt immer noch von zwei aufeinanderfolgenden Hurrikanen, die Teil der intensivsten Zeit für solche Stürme in den letzten Jahren sind.

Letztes Jahr haben solche Katastrophen die Welt 150 Milliarden Dollar gekostet.

COVID-19-Sperren haben Emissionen und Umweltverschmutzung vorübergehend reduziert.

Aber die Kohlendioxidwerte sind immer noch auf Rekordhöhen – und steigen.

Im Jahr 2019 erreichte der Kohlendioxidgehalt 148 Prozent des vorindustriellen Niveaus.

Im Jahr 2020 hat sich der Aufwärtstrend trotz der Pandemie fortgesetzt.

Methan stieg sogar noch höher – auf 260 Prozent.

Lachgas, ein starkes Treibhausgas, aber auch ein Gas, das die Ozonschicht schädigt, ist um 123 Prozent gestiegen.

In der Zwischenzeit muss sich die Klimapolitik der Herausforderung noch stellen.

Die Emissionen sind jetzt um 62 Prozent höher als zu Beginn der internationalen Klimaverhandlungen im Jahr 1990.

Jeder zehnte Grad an Erwärmung ist wichtig.

Heute sind wir bei 1,2 Grad Erwärmung und erleben bereits beispiellose Klimaextreme und Volatilität in jeder Region und auf jedem Kontinent. 

Wir stehen vor einem donnernden Temperaturanstieg von 3 bis 5 Grad Celsius in diesem Jahrhundert.

Die Wissenschaft ist glasklar: Um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, muss die Welt die Produktion fossiler Brennstoffe bis 2030 jedes Jahr um etwa 6 Prozent senken.

Stattdessen geht die Welt in die entgegengesetzte Richtung – sie plant eine jährliche Steigerung von 2 Prozent. 

Die Folgen des Angriffs auf unseren Planeten behindern unsere Bemühungen, die Armut zu beseitigen und die Ernährungssicherheit zu gefährden.

Und es macht unsere Arbeit für den Frieden noch schwieriger, da die Störungen zu Instabilität, Vertreibung und Konflikten führen.

Es ist kein Zufall, dass siebzig Prozent der klimaschädlichsten Länder auch zu den politisch und wirtschaftlich fragilsten gehören. 

Es ist kein Zufall, dass von den 15 Ländern, die am anfälligsten für Klimarisiken sind, acht eine Friedenssicherung der Vereinten Nationen oder eine besondere politische Mission veranstalten.

Wie immer sind die Auswirkungen auf die am stärksten gefährdeten Menschen der Welt am stärksten.

Diejenigen, die am wenigsten getan haben, um das Problem zu verursachen, leiden am meisten.

Selbst in den Industrieländern sind die Ausgegrenzten die ersten Opfer von Katastrophen und die letzten, die sich erholen.

Liebe Freunde,

Lassen Sie uns klar sein: Menschliche Aktivitäten sind die Wurzel unseres Abstiegs in Richtung Chaos.

Aber das bedeutet, dass menschliches Handeln helfen kann, es zu lösen.

Frieden mit der Natur zu schließen, ist die bestimmende Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Es muss die oberste Priorität für alle sein, überall.

In diesem Zusammenhang ist die Erholung von der Pandemie eine Chance.

Wir können Hoffnungsschimmer in Form eines Impfstoffs sehen.

Aber es gibt keinen Impfstoff für den Planeten.

Die Natur braucht eine Rettungsaktion.

Durch die Überwindung der Pandemie können wir auch Klimakatastrophen abwenden und unseren Planeten wiederherstellen.

Dies ist ein epischer Richtlinientest. Aber letztendlich ist dies eine moralische Prüfung.

Die Billionen Dollar, die für die Wiederherstellung von COVID benötigt werden, sind Geld, das wir von zukünftigen Generationen leihen. Jeder letzte Cent.

Wir können diese Ressourcen nicht nutzen, um Richtlinien festzulegen, die sie mit einem Schuldenberg auf einem zerbrochenen Planeten belasten.

Es ist Zeit, den „grünen Schalter“ zu betätigen. Wir haben die Chance, die Weltwirtschaft nicht einfach zurückzusetzen, sondern zu verändern.

Eine nachhaltige Wirtschaft, die von erneuerbaren Energien angetrieben wird, wird neue Arbeitsplätze, eine sauberere Infrastruktur und eine belastbare Zukunft schaffen.

Eine integrative Welt wird dazu beitragen, dass die Menschen eine bessere Gesundheit und die uneingeschränkte Achtung ihrer Menschenrechte genießen und mit Würde auf einem gesunden Planeten leben können.

Die Wiederherstellung von COVID und die Reparatur unseres Planeten müssen die beiden Seiten derselben Medaille sein. 

Liebe Freunde,

Lassen Sie mich mit dem Klimanotfall beginnen. Wir sehen uns drei Notwendigkeiten bei der Bewältigung der Klimakrise gegenüber:

Erstens müssen wir innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte eine globale Kohlenstoffneutralität erreichen.

Zweitens müssen wir die globalen Finanzen hinter dem Pariser Abkommen ausrichten, dem weltweiten Entwurf für Klimaschutzmaßnahmen.

Drittens müssen wir einen Durchbruch bei der Anpassung erzielen, um die Welt – und insbesondere die am stärksten gefährdeten Menschen und Länder – vor Klimafolgen zu schützen.

Lassen Sie mich diese der Reihe nach nehmen.

Erstens Kohlenstoffneutralität – Netto-Nullemissionen von Treibhausgasen.

In den letzten Wochen haben wir wichtige positive Entwicklungen gesehen.

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden – und ich gehe davon aus, dass sie beschließen wird, ihre Emissionen bis 2030 auf mindestens 55 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Das Vereinigte Königreich, Japan, die Republik Korea und mehr als 110 Länder haben sich bis 2050 zur CO2-Neutralität verpflichtet.

Die neue Regierung der Vereinigten Staaten hat genau das gleiche Ziel angekündigt.

China hat sich verpflichtet, vor 2060 dorthin zu gelangen.

Dies bedeutet, dass bis Anfang nächsten Jahres Länder, die mehr als 65 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen und mehr als 70 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen, ehrgeizige Verpflichtungen zur CO2-Neutralität eingegangen sind.

Wir müssen diesen Schwung in eine Bewegung verwandeln.

Das zentrale Ziel der Vereinten Nationen für 2021 ist der Aufbau einer wirklich globalen Koalition für CO2-Neutralität. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass 2021 eine neue Art von Schaltjahr sein kann – das Jahr eines Quantensprungs in Richtung CO2-Neutralität.

Jedes Land, jede Stadt, jedes Finanzinstitut und jedes Unternehmen sollte Pläne für den Übergang zu Null-Emissionen bis 2050 verabschieden – und ich ermutige die Hauptemittenten, jetzt entscheidende Schritte zu unternehmen, um den richtigen Weg zu finden und diese Vision zu verwirklichen bedeutet, die globalen Emissionen bis 2030 gegenüber 2010 um 45 Prozent zu senken. Und dies muss in den national festgelegten Beiträgen klar sein.

Jeder Einzelne muss auch seinen Beitrag leisten – als Verbraucher, als Produzenten, als Investoren.

Technologie ist auf unserer Seite. 

Eine solide wirtschaftliche Analyse ist unser Verbündeter. 

Mehr als die Hälfte der heute betriebenen Kohlekraftwerke kostet mehr als der Bau neuer erneuerbarer Energien von Grund auf.

Das Kohlegeschäft steigt in Rauch auf.

Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass die Umstellung auf saubere Energie trotz unvermeidlicher Arbeitsplatzverluste bis 2030 zur Schaffung von 18 Millionen Arbeitsplätzen führen wird. 

Ein gerechter Übergang ist jedoch absolut kritisch.

Wir müssen die menschlichen Kosten der Energiewende erkennen.

Sozialschutz, vorübergehendes Grundeinkommen, Um- und Weiterbildung können die Arbeitnehmer unterstützen und die durch die Dekarbonisierung verursachten Veränderungen erleichtern.

Liebe Freunde,

Erneuerbare Energien sind heute nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft die erste Wahl. 

Aber es gibt besorgniserregende Anzeichen.

Einige Länder haben die Krise genutzt, um den Umweltschutz zurückzudrängen.

Andere erweitern die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und ziehen sich aus dem Klimaschutz zurück.

Die G20-Mitglieder geben in ihren Rettungspaketen jetzt 50 Prozent mehr für Sektoren aus, die mit der Produktion und dem Verbrauch fossiler Brennstoffe verbunden sind, als für kohlenstoffarme Energie.

Und über Ankündigungen hinaus müssen alle einen Glaubwürdigkeitstest bestehen.

Lassen Sie mich ein Beispiel nehmen, das Beispiel des Versands.

Wenn die Schifffahrt ein Land wäre, wäre sie der sechstgrößte Treibhausgasemittent der Welt. 

Auf dem letztjährigen Klimaschutzgipfel haben wir die Koalition Getting to Zero Shipping ins Leben gerufen, um bis 2030 auf emissionsfreie Tiefseeschiffe zu drängen.

Die derzeitige Politik entspricht jedoch nicht diesen Zusagen.

Wir brauchen durchsetzbare regulatorische und steuerliche Schritte, damit die Schifffahrtsbranche ihre Verpflichtungen erfüllen kann.

Andernfalls ist das Netto-Nullschiff gesegelt.

Genau das Gleiche gilt für die Luftfahrt.

Liebe Freunde,

Die Pariser Unterzeichner sind verpflichtet, ihre überarbeiteten und verbesserten national festgelegten Beiträge mit ihren Emissionssenkungszielen für 2030 einzureichen.

In zehn Tagen berufe ich zusammen mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich anlässlich des fünften Jahrestages des Pariser Abkommens einen Klimagipfel ein.

In weniger als einem Jahr werden wir uns in Glasgow zur COP26 treffen.

Diese Momente sind Gelegenheiten, die wir den Nationen nicht entgehen lassen dürfen, um detailliert darzulegen, wie sie vorankommen und besser aufbauen werden. Dabei werden die gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortlichkeiten angesichts der nationalen Umstände – wie im Pariser Abkommen erwähnt – anerkannt, jedoch mit dem gemeinsamen Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 .

Zweitens möchte ich mich nun der zentralen Finanzfrage zuwenden.

Die Zusagen zur Netto-Null-Emission senden ein klares Signal an Investoren, Märkte und Finanzminister.

Aber wir müssen noch weiter gehen.

Wir brauchen alle Regierungen, um diese Zusagen in Richtlinien, Pläne und Ziele mit bestimmten Fristen umzusetzen. Dies gibt Unternehmen und dem Finanzsektor Sicherheit und Vertrauen, in Netto-Null zu investieren.

Es ist Zeit:

Einen Preis für Kohlenstoff setzen. 

Auslaufen der Finanzierung fossiler Brennstoffe und Beendigung der Subventionen für fossile Brennstoffe.

Den Bau neuer Kohlekraftwerke einstellen – und die Finanzierung der Kohlekraft im In- und Ausland einstellen.

Verlagerung der Steuerbelastung vom Einkommen zum Kohlenstoff und vom Steuerzahler zum Umweltverschmutzer. 

Integration des Ziels der CO2-Neutralität in alle wirtschafts- und fiskalpolitischen Maßnahmen und Entscheidungen.

Und um klimabezogene Angaben zu finanziellen Risiken verbindlich zu machen.

Die Mittel sollten in die Programme für grüne Wirtschaft, Widerstandsfähigkeit, Anpassung und gerechte Übergänge fließen. 

Wir müssen alle öffentlichen und privaten Finanzströme hinter dem Pariser Abkommen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung aufeinander abstimmen.

Multilaterale, regionale und nationale Entwicklungsinstitutionen sowie Privatbanken müssen sich alle verpflichten, ihre Kreditvergabe an das globale Netto-Null-Ziel anzupassen.

Ich fordere alle Eigentümer und Manager von Vermögenswerten auf, ihre Portfolios zu dekarbonisieren und sich wichtigen Initiativen und Partnerschaften anzuschließen, die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurden, einschließlich der Global Investors for Sustainable Development Alliance und der Net-Zero Asset Owners Alliance, die heute ein Vermögen von 5,1 Billionen US-Dollar haben.

Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen – und Investoren müssen von Unternehmen Informationen über die Widerstandsfähigkeit dieser Modelle verlangen.

Die weltweiten Pensionsfonds verwalten Vermögenswerte in Höhe von 32 Billionen US-Dollar. Wenn sie in eine einzigartige Position gebracht werden, um die Nadel zu bewegen, müssen sie die Nadel bewegen und den Weg weisen.

Ich appelliere an die Industrieländer, ihr langjähriges Versprechen zu erfüllen, jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, um die Entwicklungsländer bei der Erreichung unserer gemeinsamen Klimaziele zu unterstützen.

Wir sind noch nicht da.

Dies ist eine Frage der Gerechtigkeit, Fairness, Solidarität und des aufgeklärten Eigeninteresses.

Und ich fordere alle Länder auf, bei der Vorbereitung der COP26 einen Kompromiss zu Artikel 6 des Pariser Abkommens zu erzielen, um uns die klaren, fairen und umweltverträglichen Regeln zu liefern, die die Kohlenstoffmärkte benötigen, um voll funktionsfähig zu sein.

Ich begrüße die Arbeit der im September eingeleiteten Task Force mit Mitgliedern aus 20 Sektoren und 6 Kontinenten, um einen Entwurf für große private Märkte für CO2-Ausgleich zu entwickeln.

Drittens brauchen wir einen Durchbruch in Bezug auf Anpassung und Belastbarkeit.

Wir sind in einem Wettlauf gegen die Zeit, um uns an ein sich schnell änderndes Klima anzupassen. 

Anpassung darf nicht der vergessene Bestandteil des Klimaschutzes sein. 

Bisher macht die Anpassung nur 20 Prozent der Klimafinanzierung aus und erreichte in den Jahren 2017 und 2018 durchschnittlich 30 Milliarden US-Dollar.

Dies behindert unsere wesentliche Arbeit zur Reduzierung des Katastrophenrisikos.

Es ist auch nicht klug.

Die Globale Anpassungskommission stellte fest, dass jeder in Anpassung investierte US-Dollar fast 4 US-Dollar an Vorteilen bringen könnte.

Wir haben sowohl einen moralischen Imperativ als auch ein klares wirtschaftliches Argument für die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Anpassung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit an aktuelle und zukünftige Klimafolgen.

Vor der COP 26 sollten sich alle Geber sowie die multilateralen und nationalen Entwicklungsbanken verpflichten, den Anteil der Anpassungs- und Resilienzfinanzierung auf mindestens 50 Prozent ihrer Klimafinanzierungsunterstützung zu erhöhen.

Frühwarnsysteme, klimaresistente Infrastruktur, verbesserte Trockenlandwirtschaft, Mangrovenschutz und andere Maßnahmen können der Welt eine doppelte Dividende bringen: Vermeidung künftiger Verluste und Erzielung wirtschaftlicher Gewinne und anderer Vorteile.

Wir müssen zu einer umfassenden, präventiven und systematischen Anpassungsunterstützung übergehen.

Dies ist besonders dringend für kleine Inselentwicklungsstaaten, die einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. 

Der Wettlauf um Resilienz ist ebenso wichtig wie der Wettlauf um Netto-Null.

Liebe Freunde,

Aber wir müssen uns daran erinnern: Es kann keine Trennung der Klimaschutzmaßnahmen vom größeren Planetenbild geben. Alles ist miteinander verbunden – das globale Gemeinwesen und das globale Wohlbefinden.

Das heißt, wir müssen an vielen Fronten breiter und ganzheitlicher handeln, um die Gesundheit unseres Planeten zu sichern, von dem alles Leben abhängt.

Die Natur nährt uns, kleidet uns, stillt unseren Durst, erzeugt unseren Sauerstoff, prägt unsere Kultur und unseren Glauben und schmiedet unsere Identität.

2020 sollte ein „Superjahr“ für die Natur sein, aber die Pandemie hatte andere Pläne für uns.

Jetzt müssen wir 2021 nutzen, um unseren planetarischen Notfall anzugehen.

Nächstes Jahr werden sich die Länder in Kunming treffen, um einen Rahmen für die biologische Vielfalt nach 2020 zu schaffen, um die Aussterbungskrise zu stoppen und die Welt auf einen Weg zu bringen, im Einklang mit der Natur zu leben.

Die Welt hat keines der für 2020 festgelegten globalen Ziele für die biologische Vielfalt erreicht. Deshalb brauchen wir viel mehr Ehrgeiz und mehr Engagement, um messbare Ziele und Mittel zur Umsetzung, insbesondere Finanz- und Überwachungsmechanismen, zu erreichen.

Das heisst:

– Immer mehr effektiv bewirtschaftete Schutzgebiete, damit unser Angriff auf Arten und Ökosysteme gestoppt werden kann;

– Biodiversitätspositive Landwirtschaft und Fischerei, Verringerung unserer Übernutzung und Zerstörung der natürlichen Welt,

– Auslaufen negativer Subventionen – Subventionen, die gesunde Böden zerstören, unsere Wasserstraßen verschmutzen und dazu führen, dass wir unsere Ozeane leer fischen.

– Übergang vom nicht nachhaltigen und naturnegativen Rohstoffabbau zu umfassenderen nachhaltigen Konsummustern.

Biodiversität ist nicht nur eine süße und charismatische Tierwelt. es ist das lebendige, atmende Netz des Lebens. 

Ebenfalls im Jahr 2021 werden die Länder die Ozeankonferenz abhalten, um die Gesundheit der Meeresumwelt der Welt zu schützen und zu fördern.

Überfischung muss aufhören; Die Verschmutzung durch chemische und feste Abfälle – insbesondere Kunststoffe – muss drastisch reduziert werden. Die Meeresreserven müssen erheblich zunehmen. und Küstengebiete brauchen mehr Schutz.

Die blaue Wirtschaft bietet ein bemerkenswertes Potenzial. Bereits jetzt generieren Waren und Dienstleistungen aus dem Meer jedes Jahr 2,5 Billionen US-Dollar und tragen über 31 Millionen direkte Vollzeitstellen bei – zumindest bis zur Pandemie.

Wir brauchen dringend globale Maßnahmen, um diese Vorteile zu nutzen, aber die Meere und Ozeane der Welt vor den vielen Belastungen zu schützen, denen sie ausgesetzt sind.

Die globale Konferenz zum nachhaltigen Verkehr in Peking im nächsten Jahr muss auch diesen wichtigen Sektor stärken und gleichzeitig seinen negativen ökologischen Fußabdruck berücksichtigen.

Der Food Systems Summit muss darauf abzielen, die weltweite Produktion und den weltweiten Verbrauch von Lebensmitteln zu verändern. Nahrungsmittelsysteme sind einer der Hauptgründe, warum wir nicht innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten bleiben.

Anfang 2021 werden wir die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen starten, die darauf abzielt, die Verschlechterung von Wäldern, Land und anderen Ökosystemen weltweit zu verhindern, zu stoppen und umzukehren. Die Dekade ist ein Sammelruf für alle, die die Doppelkrisen des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Klimawandels mit praktischen und praktischen Maßnahmen bewältigen wollen.

Die Internationale Konferenz für Chemikalienmanagement wird einen Rahmen für Chemikalien und Abfälle nach 2020 schaffen. Laut der Weltgesundheitsorganisation könnte ein solides Chemikalienmanagement mindestens 1,6 Millionen Todesfälle pro Jahr verhindern.

2021 wird auch für die Weiterentwicklung der New Urban Agenda von entscheidender Bedeutung sein. Die Städte der Welt sind grundlegende Fronten für eine nachhaltige Entwicklung – anfällig für Katastrophen, aber Vektoren für Innovation und Dynamik. Vergessen wir nicht, dass bereits mehr als 50 Prozent der Menschheit in Städten leben – und diese Zahl wird 2050 fast 70 Prozent erreichen.

Kurz gesagt, das nächste Jahr bietet uns eine Fülle von Möglichkeiten, die Plünderung zu stoppen und mit der Heilung zu beginnen.

Einer unserer besten Verbündeten ist die Natur.

Die drastische Reduzierung der Entwaldung und die systematische Wiederherstellung von Wäldern und anderen Ökosystemen ist die größte naturbasierte Möglichkeit zur Klimaschutzminderung.  

In der Tat könnten naturbasierte Lösungen ein Drittel der Nettoeinsparungen bei den Treibhausgasemissionen bewirken, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens erforderlich sind.

Das Weltwirtschaftsforum hat geschätzt, dass Geschäftsmöglichkeiten in der Natur bis 2030 191 Millionen Arbeitsplätze schaffen könnten.

Allein die Große Grüne Mauer Afrikas hat 335.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Indigenes Wissen, das über Jahrtausende in engem und direktem Kontakt mit der Natur destilliert wurde, kann dabei helfen, den Weg zu weisen.

Indigene Völker machen weniger als 6 Prozent der Weltbevölkerung aus, sind jedoch Verwalter von 80 Prozent der weltweiten Artenvielfalt an Land.

Wir wissen bereits, dass die von indigenen Völkern bewirtschaftete Natur weniger schnell abnimmt als anderswo.

Da indigene Völker an Land leben, das am anfälligsten für Klimawandel und Umweltzerstörung ist, ist es an der Zeit, ihre Stimmen zu beachten, ihr Wissen zu belohnen und ihre Rechte zu respektieren.

Lassen Sie uns auch die zentrale Rolle der Frau erkennen.

Die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung fallen am stärksten auf Frauen. Sie sind 80 Prozent der vom Klimawandel Vertriebenen. 

Frauen sind aber auch das Rückgrat der Landwirtschaft und wichtige Verwalter der natürlichen Ressourcen. Sie gehören zu den weltweit führenden Umweltverteidigern. 

Die Vertretung von Frauen in nationalen Parlamenten wurde direkt mit der Unterzeichnung von Klimaschutzabkommen in Verbindung gebracht. 

Da die Menschheit Strategien für die Steuerung natürlicher Ressourcen, den Umweltschutz und den Aufbau einer grünen Wirtschaft entwickelt, brauchen wir mehr weibliche Entscheidungsträger am Tisch.

Liebe Freunde,

Ich habe einen Notfall detailliert beschrieben, sehe aber auch Hoffnung.

Ich sehe eine Geschichte von Fortschritten, die zeigen, was getan werden kann – von der Rettung der Ozonschicht über die Reduzierung der Extinktionsraten bis hin zur Erweiterung von Schutzgebieten.

Viele Städte werden grüner.

Die Kreislaufwirtschaft reduziert den Abfall.

Umweltgesetze haben eine wachsende Reichweite.

Mindestens 155 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen jetzt rechtlich an, dass eine gesunde Umwelt ein grundlegendes Menschenrecht ist. 

Und die Wissensbasis ist größer als je zuvor. 

Ich habe mich sehr gefreut, von Präsident Bollinger erfahren zu haben, dass die Columbia University eine Climate School ins Leben gerufen hat, die erste neue Schule hier seit einem Vierteljahrhundert – herzlichen Glückwunsch. Dies ist eine wunderbare Demonstration von Wissenschaft und Führung. 

Ich freue mich zu wissen, dass heute so viele Mitglieder des Sustainable Development Solutions Network als besondere Gäste bei uns sind – Universitätspräsidenten, Kanzler, Dekane, Fakultäten und andere Wissenschaftler.

Die Initiative Academic Impact der Vereinten Nationen arbeitet mit Hochschulen auf der ganzen Welt zusammen. Die Beiträge der Universitäten sind entscheidend für unseren Erfolg. 

Liebe Freunde,

Eine neue Welt nimmt Gestalt an.

Immer mehr Menschen erkennen die Grenzen herkömmlicher Maßstäbe wie des Bruttoinlandsprodukts, bei denen umweltschädliche Aktivitäten als wirtschaftliche Vorteile gelten. 

Denkweisen verändern sich.

Immer mehr Menschen verstehen die Notwendigkeit ihrer eigenen täglichen Entscheidungen, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und die Grenzen der Planeten zu respektieren.

Und wir sehen inspirierende Wellen sozialer Mobilisierung durch junge Menschen.

Von Protesten auf der Straße bis zur Online-Anwaltschaft…

Von der Unterrichtsausbildung bis zum Engagement in der Gemeinschaft…

Von Wahlkabinen zu Arbeitsplätzen…

Junge Leute drängen ihre Ältesten, das Richtige zu tun. Und wir sind in einer Universität.

Dies ist ein Moment der Wahrheit für Menschen und Planeten gleichermaßen.

COVID und Klima haben uns an eine Schwelle gebracht. 

Wir können nicht zur alten Normalität von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und achtloser Herrschaft über die Erde zurückkehren.

Stattdessen müssen wir einen sichereren, nachhaltigeren und gerechteren Weg einschlagen.

Wir haben eine Blaupause: die Agenda 2030, die Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Übereinkommen über den Klimawandel.

Die Tür ist offen; Die Lösungen sind da.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die Beziehung der Menschheit zur natürlichen Welt – und untereinander – zu verändern.

Und das müssen wir gemeinsam tun. 

Solidarität ist Menschlichkeit. Solidarität ist Überleben.

Das ist die Lehre von 2020.

Wenn die Welt in Uneinigkeit und Unordnung ist und versucht, die Pandemie einzudämmen, lernen wir die Lektion und ändern den Kurs für die entscheidende Zeit.

Danke.
(Quelle: https://www.un.org/sg/en/content/sg/statement/2020-12-02/secretary-generals-address-columbia-university-the-state-of-the-planet-scroll-down-for-language-versions

Übersetzung aus dem Englischen: UN).

Bleiben Sie mal realistisch!

Bleiben Sie mal realistisch!

Man solle „realistisch bleiben“, sagt die Frau Bundeskanzlerin in Richtung Europäisches Parlament in Bezug auf dessen Vorschlag, mehr für den Klimaschutz zu tun.
Was sie vermutlich meint: „ich habe keine Lust, mich noch mehr zu engagieren“; sie meint vielleicht auch: „wir sollten erst mal das Ziel erreichen, auf das wir uns nach langen Mühen verständigt haben, bevor wir neue Reduktionsziele beschließen“; vielleicht meint sie ja auch: „mehr als das Beschlossene ist angesichts der Kräfteverhältnisse in der EU nicht zu erreichen“.

Ich höre vor allem eine müde Kanzlerin.
Ihre Regierungszeit geht nun zu Ende. Das Jahr 2021 wird voraussichtlich das letzte ihrer langen Kanzlerschaft sein, eine Fortsetzung hat sie mehrfach öffentlich ausgeschlossen.

Gerade jetzt aber kommt es darauf an, dass die Staaten der Erde, dass die politischen Gemeinschaften dieser Erde, also auch die Europäische Union, deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um den sich beschleunigenden Klimawandel wenigstens etwas zu verlangsamen. Das wäre schon viel. Gerade jetzt befinden wir uns im entscheidenden Jahrzehnt, die kommende Legislaturperiode wird die vielleicht wichtigste in der Geschichte der Europäischen Union sein – wenn die Staatengemeinschaft jetzt nicht „die Kurve kriegt“, dann ist es zu spät, denn die Naturkreisläufe reagieren äußerst träge. Was wir jetzt sehen, sind die Auswirkungen der Emissionen der Neunziger Jahre, alle späteren Emissionen werden ihre Wirkung erst noch entfalten!

„Bleiben Sie realistisch!“ sagt die Kanzlerin Richtung Europäisches Parlament und ich will ihr sagen:
Wenn wir wirklich realistisch blieben, uns also von dem, was wir wissen, leiten ließen, dann müssten wir sagen: im Moment deutet alles darauf hin, dass die von der Menschheit beschlossenen und eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um das 1,5-Grad-Ziel des Paris-Vertrages zu erreichen.
Wenn wir wirklich realistisch blieben, dann hätten wir momentan keinerlei begründeten Hinweis auf eine wirkliche Wende bei den CO2-Emissionen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nimmt weiter zu – trotz Corona.
Wenn wir realistisch blieben, müssten wir angesichts der vorliegenden Zahlen feststellen: wir werden es nicht schaffen, bis 2050 die Emissionen auf NULL zu bringen. Aber genau das wäre notwendig, wie die internationale Klimawissenschaft seit langen Jahren nachweist.

Wir kommen folglich nicht weiter, wenn wir „realistisch bleiben“.
Was notwendig wäre, wäre eine mutige und entschlossene Klimaschutzpolitik, die wirklich alles versucht, um die Emissionen dramatisch zu senken. Auf diesem Wege wären selbst die vom EU-Parlament beschlossenen minus 60% nur ein kleiner Schritt.

Das, was auf einen Blick plausibel erscheint – Realismus – erweist sich bei genauerer Betrachtung als gewaltiger Hemmschuh und bremst diejenigen, die engagierten Klimaschutz vorantreiben wollen, nicht zuletzt das Europäische Parlament.

Wer, wie die Kanzlerin, angesichts der Lage fordert, man solle auf strengere Ziele verzichten und stattdessen „realistisch bleiben“, der dient nicht dem Klimaschutz, der steht ihm im Weg.

Wahlvorbereitung 2021: Listen anlegen

Wahlvorbereitung 2021: Listen anlegen

Im nächsten Jahr finden in Deutschland zahlreiche Wahlen statt. Es ist sinnvoll, diese Wahlen zu Klima-Wahlen zu machen, so, wie es bei vergangenen Wahlen schon gelungen ist, denn die Weltgemeinschaft hat nicht mehr viel Zeit, die wirklich entscheidenden Schritte zu gehen. KandidatInnen werben um Stimmen der Wählerinnen und Wähler. Die wiederum können (und sollten) denjenigen ihre Stimme geben, die wirklich glaubwürdig, engagiert und überzeugend für einen engagierten Klimaschutz fechten. Wir haben nämlich nicht mehr viel Zeit.
Die kommende Legislaturperiode des Deutschen Bundestages wird maßgeblich sein. Entweder gelingt es, das Ruder der immer noch steigenden CO2-Werte herumzureißen und die Emissionen wirklich drastisch zu reduzieren – oder die letzte politische Chance dafür ist auch vertan. Spätestens seit dem Klima-Gipfel in Paris (2015) ist klar, dass die Weltgemeinschaft höchstens noch 10 – 15 Jahre Zeit hat, um einen unumkehrbaren Pfad zu NULL-CO2-Emissionen um die Jahrhundertmitte einzuschlagen – also in schon 30 Jahren!
Wählerinnen und Wähler können sich auf ein solches Wahljahr ganz in Ruhe vorbereiten. Zum Beispiel dadurch, dass sie mit Hilfe der sozialen Medien die maßgeblichen Informationen zum Thema Klimaschutz zusammenfassen. Plattformen wie Twitter und facebook geben dazu ein gut geeignetes Werkzeug an die Hand: Listen. Man richtet sozusagen einen „Filter“ ein, der den „Nachrichtenstrom“ auf die Informationen durchfiltert, die wirklich für das Thema wichtig sind. Auf diese Weise vernetzt man sich mit Redaktionen, mit Forschungseinrichtungen, mit einzelnen Forschern; aber auch mit politischen Gremien, mit Parteien etc.
Ich habe mir nun für die kommenden Monate bei Twitter eine Liste der maßgeblichen accounts zum Thema Klimaschutz angelegt, die ich hier gerne zur Verfügung stelle und die ich ständig überprüfe, aktualisiere, schärfe. Sie enthält vor allem die accounts von Forschungseinrichtungen, aber auch von Initiativen, Verbänden, Parteien; von Forschungs- und Politikzusammenschlüssen (beispielsweise das Council der Länder, die Anrainer im „Hohen Norden“ sind).
Solche Listen haben den Charme, dass man mit schnellem, kurzem Blick erfährt, was beispielsweise im Hohen Norden diskutiert wird; was maßgebliche Forschungsinstitute sagen; wie sich Parteien „positionieren“.
Man kann mit Hilfe solcher Listen erstklassige Informationen zusammentragen, um sich selbst ein gut begründetes Urteil darüber zu bilden, wie überzeugend die politischen Angebote sind, die uns dann im kommenden Jahr präsentiert werden.
Solche Listen geben ebenfalls eine gute Möglichkeit, verlässliche Informationen im deutschsprachigen Raum weiter zu geben, die nicht in anderen tagesaktuellen Medien vorkommen.
„Teile und herrsche“ – ein alter Satz, der in Zeiten von social Meedia neue Bedeutung gewinnt.
Wahlen können nur dann zu überzeugenden Ergebnissen führen, wenn die Wählerinnen und Wähler bestens und umfassend informiert sind und sich ein gut begründetes Urteil bilden können.
Dafür ist jetzt Zeit.

Worauf es jetzt ankommt

Worauf es jetzt ankommt

Es gibt diese schönen Bilder, die Hoffnung machen. Das Foto vom ehemaligen amerikanischen Außenminister John Kerry und seiner Enkeltochter Isabelle vom April 2016 ist so ein Foto. Man sieht die beiden in dem Moment, in dem Kerry den Internationalen Klima-Vertrag von Paris für die Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet.
Kerry wird nun in der Biden-Administration für die Klimaschutzpolitik der Vereinigten Staaten zuständig sein.
Das Bild zeigt, worauf es ankommt: es kommt auf die Solidarität zwischen den Generationen an.
Es ist der Job der Älteren, nicht der Jüngsten. Auch das zeigt dieses Foto.

Mir scheint das erwähnenswert. Denn nicht wenige der Älteren lehnen sich etwas zurück, beklatschen jüngere engagierte Menschen wie Greta Thunberg oder die jungen Leute von FridaysForFuture – aber sie selbst bewegen sich wenig oder kaum oder gar nicht. Es bleibt beim Applaus.

So aber kann es nicht gelingen. Die jetzt kommenden vier Jahre sind entscheidend, denn das CO2-Budget, das uns nur noch zur Verfügung steht, wird von Tag zu Tag rasend schnell geringer. Die jüngeren Menschen werden es nicht schaffen, das Ruder herumzureißen. Wie wir gerade erfahren haben, ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre trotz Corona und Einbruch der Weltwirtschaft weiter gestiegen! Der Grund ist simpel: CO2 reichert sich in der Atmosphäre an und verbleibt dort mehrere Jahrhunderte – wenn es nicht wieder herausgefiltert wird. Wenn aber inzwischen die Ozeane und Wälder an der Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit angekommen sind (und die Wälder zusätzlich in enormem Ausmaß verbrennen), dann ist klar, dass die CO2-Konzentration immer weiter steigt, solange wir CO2 emittieren.

Wir müssen bis spätestens 2050 (das ist schon in dreißig Jahren! Dreißig Jahre sind die Distanz vom Fall der Mauer bis heute) mit den Emissionen auf NULL sein, sonst ist eine Begrenzung des Temperaturanstieges im Mittel auf 1,5 Grad nicht mehr zu erreichen. Die Folgen würden katastrophal sein. Die Aufgabe, dieses Ziel zu erreichen, ist gewaltig.

Die Älteren sind jetzt gefordert.
Das zeigt dieses schöne Foto, das der erfahrene John Kerry ja nicht ohne Grund so hat aufnehmen lassen. Er weiß sich in einer Reihe mit dem UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der zum Thema gesagt hat: „Dieser Kampf um engagierten Klimaschutz wird der härteste Kampf meines politischen Lebens sein.“
Die Älteren sind gefordert, sich wirklich einzusetzen für die Zukunft der Jüngsten.
Darauf kommt es jetzt an.

Deshalb gibt es Für-unsere-Enkel.org.

Wie meine Seiten zusammenarbeiten

Wie meine Seiten zusammenarbeiten

Manchmal muss man die online-Aktivitäten neu sortieren, neue Prioritäten bilden, die Zusammenarbeit der einzelnen Möglichkeiten überdenken.
Mein Werkzeugkasten besteht aus diesem blog, dazu kommt facebook, ein twitter-account, Instagram und LinkedIn.
Da ich gern in Projekten arbeite, haben meine einzelnen Projekte jeweils eine facebook-Seite. Derzeit arbeite ich besonders intensiv an einem regionalgeschichtlichen Projekt zur NS-Geschichte auf dem Darss.
Aber auch das große Netzwerk „Für-unsere-Enkel.org“ hat natürlich eine eigene facebook-Seite.
Bislang kannte facebook auf Seiten die Möglichkeit des microblogging, man konnte „Notizen“ erarbeiten, ein schöner Service, der aber leider eingestellt wurde, weshalb das gute alte blogging wieder zu neuer Geltung kommt.

Die eigentliche inhaltliche Arbeit – von tagesaktuellen postings direkt in den facebook- und twitter-Kanälen einmal abgesehen – findet also hier im blog statt. Die Beiträge werden nach Kategorien geordnet und entsprechend auf den dazugehörenden Seiten bei fb gepostet. Wenn man beispielsweise im blog die Kategorie „Darss 1933-1945“ abonniert, kann man die Beiträge automatisch per mail nach Hause bekommen. Man kann aber umgekehrt auch die zur Kategorie gehörige Seite bei fb abonnieren. Ich habe diese Möglichkeit vor allem für diejenigen eingerichtet, die sich immer noch vom Umgang mit facebook, twitter et.al. scheuen.

An dieser Stelle darf ich mich bei meinen zahlreichen Leserinnen und Lesern für die treue Aufmerksamkeit und freundlichen Kommentare bedanken. Ich hoffe, dass die Kommunikation zwischen blog und den anderen Kanälen nun noch leichter zu handhaben ist.

Mueller-Darss und der „Werwolf“

Mueller-Darss und der „Werwolf“

Der Historiker und Journalist Dr. Edwin Sternkiker von der Ostsee-Zeitung in Ribnitz-Damgarten, der sich intensiv mit der NS-Zeit und auch der Zeit danach auf dem Darss befasst hat und befasst, meint, Franz Mueller-Darss habe am Ende des Krieges im April/Mai 1945 versucht, von seinen Bunkern im Darss-Wald aus Aktionen des „Werwolf“ zu organisieren. Schriftliche Belege dafür habe ich bislang in den untersuchten Akten zu Mueller-Darss nicht gefunden, was auch seltsam wäre, ich will aber dennoch dieser Spur einmal genauer nachgehen.
Gesichert ist, dass sich Mueller-Darss ab dem 30. April 1945 in Bunkern im Darss eingegraben hat.
In seinem Buch „Kein Ort zu bleiben“ (Schweiz 1955) spricht er von zwei Bunkern, im Buch „Verklungen Horn und Geläut“ (verfasst von dem NS-Schriftsteller Wolfgang Frank) ist von vier Bunkern die Rede.
Die Frage ist, weshalb Mueller-Darss nicht auf die Flucht gegangen ist, sondern weshalb er sich überhaupt eingegraben hat. Klar war, „die Russen“ suchten ihn. Er behauptet, „10.000 Mark“ seien auf ihn ausgesetzt gewesen. In seinem Buch „Kein Ort zu bleiben“ behauptet er, er sei „aus Liebe zu meinem Wald“ geblieben, er habe „seinen Lebensinhalt“ auf dem Darss gefunden und wollte deshalb bleiben.
Das ist wenig glaubwürdig. Man bleibt nicht, wenn man mit Kopfprämie gesucht wird, nur weil man einen Wald schön findet.
Glaubwürdiger ist ein anderer Gedanke: dass sich der SS-Mann Mueller „so lange es irgend geht gegen die Russen“ zur Wehr setzen wollte. Mueller-Darss war er verblendeter Russen-Hasser, die Belege dafür sind zahlreich.
Allerdings schreibt er in „Kein Ort zu bleiben“:
„Zwar habe ich meine Waffen vergraben, doch wollen wir sie nicht anrühren. Ich habe keine Lust, Werwolf zu spielen. Das war die letzte verrückte, verbrecherische Idee, die in Berlin ausgeheckt wurde. Der Krieg ist aus, und jeder, der die Waffe och einmal aufnimmt, ist des Todes. Und ist ein Narr!“
Diese Bemerkung wiederum könnte ein nachträglicher Vertuschungsversuch seines Verhaltens sein. Das Buch erschien erst 1955, also zehn Jahre nach den Ereignissen in einer Zeit, in der man nicht gern an seine SS-Vergangenheit erinnert werden wollte.

Klar ist zweitens: Mueller-Darss und Himmlers Beauftragter für die „Werwolf“-Organisation, der SS-Oberführer Hans-Adolf Prützmann kannten sich. Und zwar kannten sie sich gut. Sie waren mehrmals bei Himmler zu Tisch, wie ich anhand des Diensttagebuches von Himmler kürzlich nachgewiesen habe. Mehr noch, sie waren „gute Kameraden“.
Mueller-Darss berichtet im Buch „Verklungen Horn und Geläut“:
„Ich habe auch noch einmal eine Frau gefunden, zudem die Witwe eines Kameraden, ……“ (433 in der 15. Auflage von 1985).
Diese Frau war Christa, geb. von Boddien, verwitwete Prützmann, wie meine Recherchen nachweisen konnten. Ihre Todesanzeige von 2008 gibt den Hinweis. Ihre Söhne unterzeichnen mit „Prützmann“, nicht mit „Mueller-Darß“.
Auch diese enge Verbindung zwischen der Familie Prützmann und Franz Mueller-Darss könnte ein Hinweis dafür sein, dass sich der „Forstmeister“ eher den „Werwölfen“ angeschlossen hat, als einfach in den Westen zu ziehen. Der Darss war militärisches Sondergebiet, Anschläge hätten wirkungsvoll sein können. Allerdings: es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Mueller-Darss und seine Kumpane, mit denen er im Bunker gesessen hat, tatsächlich Anschläge verübt haben.
Heute fand ich eine englisch-sprachige Aufzeichnung über die „Werwölfe“, die hier im Beitrag eingefügt sein soll. Zu sehen sind unter anderem Reichsführer SS, Heinrich Himmler und sein Werwolf-Organisator Hans-Adolf Prützmann. Auch gibt es einführende Hinweise im „Lebendigen Museum online.“ Klar ist: am Ende des Krieges waren es oft verblendete sehr junge Hitler-Jungen, die als „Werwölfe“ unterwegs waren, wie der Schriftsteller Erich Loest im hier verlinkten Beitrag des ZDF von sich erzählt. In der sowjetischen Besatzungszone sind viele von ihnen zunächst im NKWD-Sonderlager (zum Beispiel in Fünfeichen oder auch in Hohenschönhausen), nicht wenige von ihnen auch im Gulag gelandet. So mancher Ort ist von der Roten Armee beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden, nur weil in den letzten Tagen des Krieges solche verblendeten „Werwolf“-Jüngelchen auf einem Kirchturm die Hakenkreuzfahne gehisst haben, obwohl die russischen Panzer schon direkt vor dem Ortseingang standen, wie es in Gartz an der Oder beispielsweise gewesen ist. Dieser Heimatort meiner Familie war bis unmittelbar vor dem Kriegsende fast völlig unversehrt, wurde dann aber zu einer Ruinen-Stadt, als Hitler-Jungen, die sehr wahrscheinlich den Werwölfen zuzurechnen sind, die alte Fahne auf der Kirche gehisst haben. Die militärischen Erfolge, die sich Himmler von den „Werwölfen“ erhoffte, sind nicht eingetreten.