Reaktionen. Ostsee-Zeitung vom 9. 10. 2020

Reaktionen. Ostsee-Zeitung vom 9. 10. 2020

Das Internet gibt Informationen schnell weiter. Heute früh erreichte mich die Nachricht, dass die Ostsee-Zeitung, Ausgabe Ribnitz-Damgarten eine ganze Seite (12) zum Thema Franz Mueller-Darss und Erinnerungsarbeit veröffentlicht hat. Dr. Edwin Sternkiker hat dazu folgendes geschrieben:

Forstmeister machte Karriere bei der SS Der Borner Franz Mueller-Darß war für den Einsatz von KZ-Häftlingen auf dem Darß verantwortlich / Zur Verantwortung gezogen wurde er dafür nie.

Born. Je mehr sich die militärische Lage an allen Fronten verschlechterte, desto abenteuerlicher wurden die Bemühungen hochrangiger Nazis, das Ruder doch noch herumzureißen. Der Aufbau einer Partisanenarmee gehört zu diesen sinnlosen Vorhaben. Sie erhielt die markig klingende Bezeichnung „Werwolf“. Deren Angehörige sollten in den vom Feind besetzten Gebieten Anschläge verüben. Bereit zum Guerillakampf Der Werwolf unterstand Heinrich Himmler persönlich. Chef der Terrortruppe war SS-Obergruppenführer Hans Prützmann. Im Mai 1945 wartete ein Mann auf dem Darß auf Nachricht von ihm – und auf die versprochenen Schnellboote mit Stoßtrupps. Doch der Mann wartete vergebens. Sein Name: Franz Mueller-Darß. Der bekleidete zu diesem Zeitpunkt den Rang eines SS-Obergruppenführers und „bildete mit einigen hartgesottenen Getreuen eine kleine Werwolfgruppe, legte mit ihnen in mehreren unterirdischen Bunkern Waffendepots an und war zu einem Guerillakampf gegen die ’Russen’ bereit“, so schreibt Helga Radau aus Barth, die seit vielen Jahren die Zeit des Nationalsozialismus in ihrer Heimatstadt erforscht, in einem 2017 in der Buchreihe „LandeBarth“ erschienenen Beitrag. Die Mitglieder der Darßer Werwolfgruppe hätten sich bis zum 20. Juni 1945 versteckt gehalten, bevor es ihnen dann gelungen sei, auf nächtlichen Märschen die britische Besatzungszone zu erreichen, schreibt Helga Radau weiter.
Wer war dieser Franz Mueller-Darß? Geboren wurde er am 29. April 1890 im bayerischen Lindau (Landkreis Northeim). 1909 legte er sein Abitur ab, leistete dann seinen Militärdienst, begann anschließend eine Forstlehre und studierte danach Forstwissenschaften in Eberswalde und München. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Kriegsfreiwilliger teil. Als Oberförster kam er 1923 nach Born und übernahm hier 1925 die Leitung des Forstamtes. Mueller-Darß hatte sich bereits sehr frühzeitig der Nazi-Bewegung angeschlossen. Als Forstmeister in Born war er von 1940 bis 1945 zuständig für den Einsatz von mehr als 200 KZ-Häftlingen auf dem Darß und in Zingst. Franz Mueller-Darß machte schnell Karriere. Im Juli 1942 wurde er hauptamtlich als SS-Standartenführer in den persönlichen Stab Heinrich Himmlers geholt. Hier war er „Beauftragter für das Diensthundewesen“ und „Beauftragter für das Forst- und Jagdwesen“. Außerdem wurde ihm unter anderem die Leitung der Hauptabteilung DI/6 „Schutz- und Suchhunde“ im Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) der SS übertragen. Sie war auch für den Einsatz von Hunden in Konzentrationslagern zuständig, so Bertrand Perz in einem 1996 in den Dachauer Heften erschienenen Beitrag. Nach Flucht neue Karriere Nach seiner Flucht in den Westen kam Mueller-Darß in britische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung gelang es ihm, wieder schnell Karriere zu machen, nämlich beim Bundesnachrichtendienst (BND). Wie jetzt Anfragen und Recherchen von Ulrich Kasparick, der sich intensiv mit der Geschichte des Darß zwischen 1933 und 1945 befasst, ergeben haben, war Mueller-Darß bereits seit 1948 Mitarbeiter der „Organisation Gehlen“ und schied erst im Februar 1966 aus dem BND aus, so Kasparick in einer Mail an den Autor dieses Beitrages. Juristisch ist die Rolle von Franz Mueller-Darß als Verantwortlicher des KZ-Außenlagers auf dem Darß übrigens nie aufgearbeitet worden. 1976 verstarb er, von der Justiz völlig unbehelligt, im oberbayerischen Lenggries.
(Quellenangabe: Dr. Edwin Sternkieker Ostsee-Zeitung Ribnitz-Damgarten vom 09.10.2020, Seite 12)

zum Thema Erinnerungsarbeit ist in derselben Ausgabe zu lesen: Historiker soll beauftragt werden / Kosten würden sich auf 25 000 Euro belaufen / Gemeindevertretern liegt am 14. Oktober entsprechender Antrag vor Von Edwin Sternkiker
Born. Die NS-Zeit ist ein Thema, um das auf den Homepages vieler Kommunen bis heute ein großer Bogen gemacht wird. Die zwölf Jahre der NS-Diktatur bleiben ausgespart. Als hätte es sie nie gegeben. Ein Befund, der nicht nur auf zahlreiche kleinere Orte, dazu gehören auch die Kommunen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, sondern auch auf viele Städte im Lande zutrifft. Michael Buddrus und Sigrid Fritzlar schreiben in ihrem 2014 erschienenen Buch „Städte Mecklenburg im Dritten Reich“: „Betrachtet man die heutigen Internet-Auftritte der mecklenburgischen Städte – sowohl die offiziellen Homepages dieser Kommunen als auch die historisch ambitionierten Artikel unter Wikipedia – so ist für die meisten Städte des Landes eine weitgehende Abwesenheit der Zeit des Dritten Reiches zu beobachten, eine geradezu gespenstisch anmutende Ausblendung der nationalsozialistischen Geschichte des jeweiligen Ortes.“ „Borner Hof“ fungierte als KZ-Außenlager Warum das so ist, darüber machte sich unter anderem der Historiker Wolfgang Benz Gedanken und kam in einem 2007 von der OZ mit ihm geführten Interview zu dem Schluss: „Sich zur Vergangenheit zu bekennen, könnte, so glauben viele immer noch, in den Kommunen dem Image schaden oder dem Tourismus.“ Bereits seit Langem ist bekannt, dass in der Zeit von 1940 bis 1945 auf dem Darß und in Zingst insgesamt über 200 männliche und weibliche Häftlinge aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Ravensbrück eingesetzt worden waren, wobei die Gaststätte „Borner Hof“ als KZ-Außenlager fungierte. Verantwortlich für den Einsatz der ­KZ-Häftlinge war der Borner Forstmeister und SS-Obergruppenführer Franz Mueller-Darß. Mehrere ­KZ-Häftlinge überlebten diese Zeit nicht, so wurden fünf Männer im Oktober 1944 bei einem Fluchtversuch erschossen. Ihre Gräber befinden sich am Rande des Borner Friedhofes. Die KZ-Häftlinge mussten unter schwersten Bedingungen Bäume im Darßer Wald fällen und in der ­SS-Meilerei Born schuften, andere Häftlinge wurden in Eiseskälte beim Schneiden von Schilfrohr eingesetzt. Und was findet sich auf der Hinweistafel vor dem „Borner Hof“? Nichts.
Statt dessen ist da unter anderem nachzulesen, dass hier Masken-, Schützen- und Tonnenbälle sowie Kinderfeste stattfanden. Aus Sicht von Ulrich Kasparick, Staatssekretär a. D. aus Berlin, ist es an der Zeit, dies zu ändern. Er ist Autor des Buches „Der Darß zwischen 1933 und 1945 – Eine Studie zur Regionalgeschichte im nördlichen Teil des ehemaligen Landkreises Franzburg-Barth“. Er recherchierte im Stadtarchiv Barth, im Pfarramtsarchiv Prerow sowie im Bundesarchiv Berlin und sprach mit Nicola Nibisch, Leiterin des Borner Forst- und Jagdmuseums, mit dem Borner Ortschronisten Holger Becker und Pastor Witte in Prerow. Auch in seinem privaten Blog setzt er sich mit der NS-Vergangenheit auseinander und verweist darauf, dass es über die Zeit zwischen 1933 und 1945 auf dem Darß bereits brauchbare Quellen gebe. Deshalb sei es aus seiner Sicht unverständlich, weshalb die Kommunen auf Fischland, Darß und Zingst „die Jahre zwischen 1933 und 1945 in ihren öffentlichen Darstellungen faktisch verschweigen. Es wäre aus meiner Sicht sehr angemessen, an wichtigen Orten jener Jahre, zum Beispiel am ’Borner Hof’, Gedächtnis- und Informationstafeln anzubringen. Die Dokumentation des Geschehenen ist dafür umfänglich und ausreichend.“ Solche Tafeln könnte man mit QR-Codes versehen, sodass besonders historisch interessierte Besucher mit ihren mobilen Endgeräten hier zusätzliche Informationen abrufen können, so Kasparick.
Gemeinde ist sich ihrer Verantwortung bewusst
Borns Bürgermeister Gerd Scharmberg betont, dass sich die Kommune ihrer Verantwortung bewusst sei. Aus diesem Grunde wolle man die Geschichte der Oberförsterei Born in der NS-Zeit und den Einsatz von KZ-Häftlingen von einem ausgewiesenen Historiker aufarbeiten lassen. Auch das Wirken der damals handelnden Führungspersonen, dazu gehöre vor allem Franz Mueller-Darß, solle beleuchtet werden. Die Kosten werden auf 25 000 Euro veranschlagt. Eine entsprechende Beschlussvorlage liegt den Gemeindevertretern in ihrer Sitzung am kommenden Mittwoch vor. Die Notwendigkeit, einen fachlich versierten Historiker mit dieser Aufgabe zu betreuen, „steht in engem Zusammenhang mit der Schaffung einer musealen Einrichtung in der Gemeinde, die sich inhaltlich mit der Geschichte der Forst und der Jagd auf dem Darß befasst“, heißt es in der Begründung der Beschlussvorlage. Im Übrigen sei es nicht so, dass in Born die NS-Zeit erst jetzt ein Thema sei, so Scharmberg abschließend. Er verweist etwa auf den Ortschronisten Holger Becker. Dieser habe im Laufe vieler Jahre umfangreiches Material zusammengetragen über die Geschichte von Born, auch und nicht zuletzt über die Zeit zwischen 1933 und 1945.
(Quellenangabe: Dr. Edwin Sternkiker in Ostsee-Zeitung, Ribnitz-Damgarten vom 09.10.2020, Seite 12)

Meta Zils und der SS-Mann Mueller-Darss in Born a. Darß

Meta Zils und der SS-Mann Mueller-Darss in Born a. Darß

Mueller-Darss hat sich persönliche Häftlinge gehalten. Sie mussten bei ihm im Forsthaus arbeiten. Eine davon hieß Meta Zils. Es gibt ein Foto von Meta Zils. Und Akten in den Arolsen-Archives, aus denen hervorgeht, dass ihr geschiedener Mann Karl Zils sie nach dem Kriege gesucht hat:

Franz Wegener hat noch mehr über sie herausgefunden. In seinem Buch „Barth im Nationalsozialismus“ (Gladbeck 2016) ist zu lesen:

„Eine der ersten Insassen des KZ Ravensbrück war Meta Zils, eine Zeugin Jehovas mit der Häftlingsnummer 442. Meta stammte aus einem kleinen Dorf, gelegen vor dem (heute polnischen) Zanow. Metas Tochter Gerda berichtet über ihre Kindheit und das Schicksal ihrer Mutter:
„Als die Verfolgung begann, war meine Schwester sieben und ich acht Jahre alt. Es verging keine Woche ohne eine Hausdurchsuchung. Manchmal kam die Gestapo auch öfter. Mir ist nicht bekannt, dass bei meinen Eltern irgendwann Literatur der WT-Gesellschaft (Wachturm-Gesellschaft, der Verlag der Zeugen) gefunden wurde …. meinen Vater hatte die Gestapo … verhaftet. Das muss Ende 1936 gewesen sein … Vom Verhör in Zanow kehrte (meine Mutter) nicht wieder zurück … Der Zeitpunkt, als meine Mutter mit drei weiteren Glaubensschwestern … als Außenkommando nach Born/Darß, zum Brigadeführer der SS Franz Mueller (dem damaligen Darßer Forstmeister und Revierverwalter) abkommandiert wurden, ist mir nicht bekannt. Die vier Schwestern mussten in ihren Sträflingskleidern hauptsächlich Wald- und Feldarbeit verrichten, ohne Bewachung. Untergebracht waren die vier Zeugen Jehovas in der Waschküche auf dem Gelände des SS-Brigadeführers, in der auch die Kartoffeln für die Schweine gekocht wurden, von denen sich die Schwestern hauptsächlich ernährten, wenn nicht Reste von der Küche übriggeblieben waren. (Beiliegen zwei Fotos, eins das Gebäude mit Waschküche, das zweite, das Gebäude, das der SS-Brigadeführer Mueller bewohnte und als Gästehaus von Naziführern, wie z.B. Hermann Göring, diente.) Meine Schwester und mir, war es durch die Initiative eines im Nachbardorf Bliesenrathe (Bliesenrade, Wieck a.d. Darß) wohnenden mutigen Bewohners möglich, unsere Mutter zweimal heimlich bei Nacht zu besuchen. Kurz vor Kriegsende durften alle vier Frauen nach Hause gehen. Meine Mutter legte in ihrer Sträflingskleidung einen Fußmarsch von ca. 300 Kilometern zurück, bis sie meine Großeltern und uns Kinder in die Arme schließen konnte. Doch 1946 wurden wir aus der Heimat vertrieben. Unseren Vater konnten wir erst 1947 wieder finden. Obwohl er vier Jahre im KZ-Buchenwald war, hat er zum Schluss des Krieges noch in Hitlers Armee gedient und hat schwer krank den Krieg überlebt … Dass wir während der Haftzeit unserer Eltern nicht in ein Heim gekommen sind und bei unseren Großeltern bleiben konnten, haben wir sicher Jehova zu verdanken. Der Polizist, der meine Mutter zum Verhör abgeholt hatte, legte Fürsprache für uns ein.“ (a.a.O, S. 161-163).

Aus den in den Arolsen-Archives aufbewahrten Such-Akten geht hervor, dass Meta Zils, geborene Krüger, am 11.8.1906 in Wandhagen, Kreis Schlawe in Pommern geboren wurde. Ihr Mann sucht sie im Jahre 1946 von Neviges (NRW) aus.

Wenn der SS-Mann Mueller-Darss mal wieder Staatsbesuch zur Jagd zu Gast hatte, wird er die Häftlingsfrau Meta Zils gar nicht wahrgenommen haben. Vielleicht hat er ihr gar untersagt, während des Besuchs der hohen Gäste im Forsthaus Born die Kartoffelküche zu verlassen. Meta Zils gehört zu den Born-Häftlingen, deren Namen wir mittlerweile wissen, deshalb soll sie hier in der Dokumentation ihren Platz finden.

Neue Dokumente habe ich gefunden: in der „Entnazifizierungsakte“ Mueller-Darss, die ich im Staatsarchiv in Hamburg gefunden habe, ist ein „Zeugnis“ für Mueller-Darss enthalten, das es in sich hat. Der ehemalige Generalmajor der Waffen-SS hatte es tatsächlich fertig gebracht, sich ausgerechnet an die vier Zeuginnen Jehovas zu wenden, die bei ihm im Forsthaus Born schuften mussten. Mit Datum des Jahres 1947 können wir nun mit erstaunten Augen lesen, was zur Entlastung von Mueller-Darss vorgetragen wurde. Wir erfahren, wer die vier Frauen waren: Frieda Kudell aus Freiberg; Meta Zils aus Neviges (Rheinland), Frau Lange und Frau Sukov.

aus der Entnazifizierungsakte Mueller-Darss; Staatsarchiv Hamburg

Wir haben nun belegt, daß Mueller-Darss sich persönliche Häftlinge gehalten hat. Wir sehen allerdings auch, daß Mueller-Darss die vier Frauen „richtig eingeschätzt“ hatte: sie würden ihm ein eher positives Zeugnis ausstellen, denn Zeuginnen Jehovas akzeptieren ihr Schicksal als von Gott gegeben. Weshalb man sie auch nicht extra bewachen musste. Viele SS-Obere hatten sich deswegen gerade Zeuginnen Jehovas als Sklavinnen „gehalten“: sie mussten die Häuser säubern, die Wäsche waschen, den Haushalt führen, mussten kochen und sich um alles kümmern, was dem „Herrn“ vonnöten war. Sie taten das schicksalsergeben und ohne Bewachung, denn nach ihrem Verständnis lag ihr Leben „in Gottes Hand“. Die vier Frauen werden froh gewesen sein, überhaupt am Leben geblieben zu sein. Und sie werden sich gefürchtet haben, von ihrem ehemaligen Generalmajor der Waffen-SS, dem sie zu dienen hatten, erneut „in Schwierigkeiten gebracht“ zu werden. Deshalb ist der vielleicht wichtigste Satz dieses Zeugnisses zugunsten von Mueller-Darss: „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken.“

Am 7. Oktober 2021 erhielt ich aus dem Archiv des ehemaligen KZ Ravensbrück weitere Dokumente, in denen auch neue Fotos von Meta Zils aus den Fünfziger und Sechziger Jahren enthalten sind:

Quelle: Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück
Quelle: Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück

Meta Zils starb 1981 an Krebs. Ihre Tochter Gerda Liebert, geb. Zils hat später einen „Lebensbericht“ ihrer Mutter verfasst, aus dem auch die Frömmigkeit im Hause Zils erkennbar wird:

Quelle: Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück, Akte Außenlager Born.

SS-General Mueller-Darss und der Bundesnachrichtendienst


Man kannte ihn. „Sind Sie bei Ihren Recherchen zur frühen Geschichte des Bundesnachrichtendienstes auf Franz Mueller-Darss, den „Hundemüller“ gestoßen?“ hatte ich vor einiger Zeit Dr. Gerhard Sälter gefragt, der in der Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des BND maßgeblich mitarbeitet.

„Ja, wir kennen ihn. Es gibt mehrere Akten über ihn beim BND, darunter 2 Personalakten. Ich kann Ihnen sagen: Mueller-Darss war von 1948 zunächst im Dienste der Organisation Gehlen, dann bis 1966 im Dienste des BND“, so schrieb mir Dr. Sälter im September 2020.


Mueller-Darss gehörte zur Riege derjenigen, von denen im hier eingefügten Film von ARTE (2018) die Rede ist: https://www.youtube.com/watch?v=bjI5t2hKGD4&feature=share&fbclid=IwAR0JOPR9SNBQ3FBCMZhmPGsVNJ7hqgKHYXmfWlo9R-ZKFP8vLbBX7ZnX5fk

Generalmajor der Waffen SS. Franz Mueller-Darss. Lebenslauf anhand von Dokumenten

Generalmajor der Waffen SS.               Franz Mueller-Darss. Lebenslauf anhand von Dokumenten

DatumVorgangDokument
29. April 1890 * in Lindau, Landkreis Nordheim (Untereichsfeld) als Sohn eines Forstmeisters geboren BArchR1501/127660
1901 Eintritt in das Kadettenkorps in Ploonhandschriftlicher Lebenslauf von 1936 im Zusammenhang mit der Aufnahme in die SS, BArch R 1501
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/152024429531929
1905 Versetzung an die Kadettenanstalt Berlin-LichterfeldeHandschriftlicher Lebenslauf von 1936, BA R 1501
1910 AbiturAbiturhandschriftlicher und maschinenschriftlicher Lebenslauf
1932„Zur Partei gemeldet“. maschinenschriftlicher Lebenslauf in der SS-Personalakte, BArch.
1.5.1933Mitglied der NSDAP, Mitgliedsnummer 2.225.286auf allen Personalbögen in der SS-Personalakte vermerkt
1933Mitglied der SA; Führer der SA-Reiterstaffel in Born a. Darssmaschinenschriftlicher Lebenslauf in der SS-Personalakte
13. 5.
1934
Geburt des Sohnes Hubertus MuellerSchulbuch Born, in dem auch die Einschulung am 28.3.1940
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/155080292559676
Der Name Hubertus Mueller-Darss wird später im Jahre 1992 in einem Dokument der ILO (Organisation der UNO) über Internationale Forstwirtschaft wieder auftauchen und einer Beerdigungsanzeige aus dem Jahre 2007, in der er unterzeichnet hat.
4.4. 1936Antrag auf Aufnahme in die SShttps://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.1095163
13782741/151530252914680 ; BArch.
27.10.1936Mueller will offensichtlich beschleunigt in die SS aufgenommen werden. der vom 27.10.1936 an ihn adressierte Brief bittet ihn, Ariernachweis und andere Unterlagen so schnell wie möglich beizubringen, damit er wie gewünscht, zum November (übliches Eintrittsdatum) aufgenommen werden könne. vgl. https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/152012989533073
9.11. 1936Aufnahme in die SS. Gleichzeitige erste Beförderung zum Untersturmführer. Mitgliedsnummer: 277.284sowohl NSDAP als auch SS-Mitgliedsnummern sind faktisch auf beinahe allen Schriftstücken der SS-Personalakte vermerkt und kehren ständig wieder.
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399295754804794
28.10. 1937Mueller will offensichtlich zum Sicherheitsdienst (SD) der SS wechselnvgl. Anfrage, ob gegen eine Versetzung zum SD Bedenken bestehen in der SS-Personalakte Mueller-Darss; nach 1945 wird Mueller bei der Organisation Gehlen und dann beim Bundesnachrichtendienst anheuern (von 1948 – 1966); die Spur zum „Sicherheitsdienst“ beginnt im Jahre 1937.
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399315804802789
9.10. 1937Mueller wird vor allem „im SD“ verwandtPersonalakte Mueller-Darss im Bundesarchiv. Interessant: das Dokument ist von „Prützmann“ unterzeichnet. Nach dem Krieg wird Prützmann Selbstmord begehen und Mueller-Darss wird Prützmanns Frau Christa heiraten. Offensichtlich bestanden enge Beziehungen zwischen Mueller-Darss und Familie Prützmann. vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Adolf_Pr%C3%BCtzmann
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399354511465585/
1. 5. 1941Mueller wird in den Persönlichen Stab des Reichsführers SS, Himmler, übernommenSS-Personalakte, Bundesarchiv
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399345294799840/
15.5.1942Mueller ist „Im Persönlichen Stab des RFSS Beauftragter für das Diensthundewesen“ und damit für alle Militär-, Polizei- und KZ-Hunde, inklusive Ausbildung der Hundeführer verantwortlichSS-Personalakte; Bundesarchiv, https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399424804791889/
19.10. 1943Mueller versucht zu verhindern, dass er zur Wehrmacht eingezogen wirdhttps://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/399374851463551/
21.12.1944die letzte Beförderung zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS SS-Personalakte Mueller-Darss; Bundesarchiv
https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/a.109516313782741/151891216211917
1948 – 1960Mueller-Darss lebt in Hamburgim September 1949 gibt er in Hamburg „eine Erklärung“ ab in einem Verfahren, bei dem es um Umsiedlungspläne der Nazis ging. Dieses Dokument ist überprüft worden. Nach Auskunft des Einwohnermeldeamtes lebte ein Franz Müller-Darss von 1948 bis 1960 in Hamburg. Als Beruf habe er „Forstmeister in Ruhe“ angegeben. Offensichtlich fälscht er mittlerweile auch seine eigene Unterschrift, um Spuren zu verwischen. Der Beleg ist hier festgehalten: https://www.facebook.com/DarssGeschichte/photos/pcb.400004454733924/400002491400787/
18.6.1976Tod in Lenggries/Bad Tölz Bayern

Ausgewertet und überprüft wurde vor allem die SS-Personalakte Franz Mueller-Darss, die im Bundesarchiv eingesehen wurde. (BArch R 1501/127660). Einsicht und Auswertung weiterer Unterlagen für die Jahre nach 1945 beim BND (u.a. 2 Bände Personalakten) und beim BStU stehen noch aus. (Stand 4.10.2020, wird fortlaufend bearbeitet und aktualisiert)

Schatten im Schilf

Schatten im Schilf

Nebel im Schilf. Ich sehe Schatten gehen. Der Mond schmutziggelb im Dunst.
Die Tochter von Meta Zils kommt gegangen von Bliesenrade. Nachts geht sie durchs Schilf, duckt sich, versteckt sich, man hat ihr einen Pfad gewiesen hinüber zum Forsthaus. Dort schuftet ihre Mutter für den Forstmeister. Der ist bei der SS seit 1936. Und die Meta, die ist aus Ravensbrück.
Ich sehe Schatten gehen. Vergangenes. Siehst du, da gehen sie.
Da, am Kleinen Stern, da sehe ich die Kinder spielen im Schrott, den die SS hinterlassen hat. Görings „Leibstandarte“, wie man behauptet, dabei war es nur ein Wachbataillon. Man hat die Autos gesprengt mitten im Wald als der Krieg verloren war und von der zurückgebliebenen Munition hat noch ein Kind ein Auge verloren, als es damit spielte. Der Alte hat es mir erzählt.
Den seh ich als Jungen durchs Dorf gehen, hinüber in die „Grüne Hufe“, da hat man gewohnt in jenen Tagen.
Die Häftlinge aus dem „Borner Hof“ sind da an einem Haus zugange und mauern und werkeln, wie du sehen kannst. Die SS gleich daneben mit ihren scharfen Hunden, die überall im Dorf zu sehen und zu hören sind.
„Der war so scharf, der hat meiner Mutter die frische Wäsche zerrissen, wenn ein kleiner Wind wehte im Hof. Dem konnten wir das Fressen nur mit einer Stange zuschieben. Mein Vater hat ihn töten müssen, es ging nicht mit dem.“

Schatten im Schilf. Schatten im Wald.
Da kommen sie geritten.
Der Forstmeister Mueller und der Förster Mehl und der Beilhardt und der Kruse. Stecken die Köpfe zusammen und haben was zu reden.

Schatten im Wald.
Bunker im Wald.
Da haben sich Männer versteckt, die sind aus Peenemünde gekommen und von der Sundischen Wiese. Haben sich mit dem Forstmeister verabredet und wollen fliehen, als die Russen schon in Barth standen.
Der Fischer Becker wird ihnen ein Boot geben in der nebligen Nacht. Er hat ja seine Fischerei gleich unten am Forsthaus.

Nebel auf dem Bodden. Der Mond schwindsüchtig und schmutzig.
Die Männer rudern nachts.
Sie hatten sich versteckt im Wald. Zwei ihrer Bunker hat man gefunden später. Als die Jungs aus dem Dorf zusammen mit den „Kosaken“ auf dem Panjewagen ins Holz gefahren waren. Der eine davon hat noch Ärger gekriegt zu Hause, weil der Hirsch, den die Russen geschossen hatten, mit auf dem Wagen lag, gleich neben dem Jungen. Und der hatte nun die Haare voll von den Hirschläusen. Er hat mirs selbst erzählt.
Bei Ahrenshoop hat man später ein gestrandetes Landungsboot gefunden. Sie haben versucht, sich über die See abzusetzen Richtung Westen. Nur weg von den Russen.
Später findet man ihn wieder, den Forstmeister, den General der Waffen SS. Man findet ihn in Bayern. Aber da arbeitet er schon für den Bundesnachrichtendienst.

Schatten im Dorf.
„Die Tochter lebt ja noch“ höre ich vom Alten. „Von dem SS-Mann leben ja noch Enkel im Dorf“ sagt er auch noch. „Die reden da nicht so gerne drüber“ sagt er. „Wer dabei war, weiß es, redet aber nicht.“
Daher kommen die Schatten im Dorf.
Gespenster gehen durch die Gärten.
Nachts, wenn der schmutzige Mond übers Schilf gezogen kommt.
Weil nicht geredet wird. Dabei haben die Häftlinge mitten im Dorf gehaust. Der „Borner Hof“ war vergittert und eingezäunt, Hunde davor, Wachmannschaften in der oberen Etage. „Ich höre sie ja noch, wie sie morgens mit ihren Holzpantinen losgezogen sind und ihr Lied singen mussten“ sagt der Alte.
Russische Kriegsgefangene. Mussten Stubben sprengen im Wald. Das nach der Holzernte übrig gebliebene massive Wurzelwerk auf der Lichtung war so leicht nicht zu roden, man musste sprengen. „Manchmal haben sie schon gezündet, da war der Russe noch gar nicht weg vom Stubben. Da hat es Verletzte gegeben. Tote auch. Man hat sie beerdigt da in der Ecke auf dem Friedhof.
Vom SS-Mann Hans Kruse wird erzählt, er soll noch ins Grab gepinkelt haben bei der Beerdigung.“ Sagt der Alte.

Da schreit der Kranich im Schilf.
Das Schilf hat nichts vergessen, es hat diese Geschichten tief im Wurzelwerk eingeschlossen, wenn der Wind durchs Schilf gezogen kommt, hört man diese alten Geschichten.
Die Leute wollen nicht erinnert werden. Dass das alles mitten im Dorf passiert ist, das wollen sie nicht hören.
Sie wollen nicht erinnert werden, dass sie ihre Vorteile hatten vom SS-Mann im Forsthaus. Der hat ihnen Jagdrechte gewährt und andere Privilegien. Man hat ja auch profitiert von dem.
Aber das soll jetzt keiner wissen.
Das stört die Urlauber. Und vor allem die, die immer noch am Schilf wohnen.

Inzwischen sind vierzig Jahre Sozialismus im Dorf gewesen und dreißig Jahre Kapitalismus auch, die Leute reden vom Geld, fast nur noch vom Geld, die Häuser sind was wert heutzutage – aber über die alten Zeiten will man immer noch nicht reden. Siebzig, achtzig Jahre ist das nun alles her – aber geredet wird immer noch nicht. Deswegen gehen die Schatten durchs Dorf.

„Naja, die Männer waren weg, es gab viele junge Frauen im Dorf und die jungen SS-Männer am „Borner Hof“ waren schick in ihren schwarzen Uniformen, da hat sich so einiges getan. Nicht für immer, aber einige sind ja doch geblieben“ sagt der Alte. „Enkel von dem sind ja heute noch im Dorf“.
Da gehen die Schatten.

Es ist Winter geworden. Neue Häftlinge sind gekommen. In Wieck haben sie Schilf geschnitten, bis an die Knie im eisigen Wasser, in die Schuhe hatte man ihnen extra Löcher hineingeschnitten, damit auch ja das Eiswasser hineinlief.
In Zingst auch. Von Neuengamme sind sie gekommen. Die Frauen beim Forstmeister sind aus Ravensbrück. Sie müssen bei den Tieren schlafen.
Meta Zils hat das überlebt. Ihre Tochter hat sie besuchen können, nachts ist sie durchs Schilf gekommen von Bliesenrade, weil ihr einer den Weg gezeigt hat. Auch das hats gegeben.

Hedwig, das Findelkind.
Man hat sie in einem Fischerkahn gefunden. Ihre Eltern und Großeltern wurden in Ostpreußen erschossen. Das Kind blieb übrig. Die Eltern des Alten haben sie aufgenommen.
Hedwig hat sich die Pulsadern aufgeschnitten, da war sie achtzehn. Der Doktor war grad noch rechtzeitig da. Sie konnte seit jenen Tagen nicht ohne Zittern neben einem Russen sein. Heinz Michaelis hat sie geheiratet. Sie haben später an der Nordsee gewohnt.
Das Schilf bringt mir diese Geschichte herüber, der Alte hat sie mir erzählt.
Der Mond zieht schmutzig gelb hinter Regenwolken bei solchen Geschichten.
Und die Frau Kasten hat der Maria, so hieß die junge Häftlingsfrau wohl, die Frau Kasten hat der Maria, die da mit nackten Füßen in den Holzpantinen im kalten Oktober auf dem Feld Kartoffeln roden musste, was Warmes zu essen zugesteckt. Dafür hat man sie angezeigt im Dorf. So waren die Zeiten.

„Es ist nicht so, dass man die Familie Albitzius enteignet hat, wie immer behauptet wird. Den „Borner Hof“ werden sie so an die SS gegeben haben, waren ja selber in der NSDAP. Die Frau Kasten haben sie angezeigt, weil sie der Marie was Warmes zugesteckt hat. So war das“ sagt der Alte.
Und kaum hat er die Geschichte erzählt, versteckt die sich schon wieder im Schilf.
Sowas will keiner hören im Dorf.

Wenn ich heute durchs Dorf gehe, schreit mich dieses Schweigen an.
Hinter all den aufgedonnerten Häuserfassaden mit ihren Touristen-Türchen dröhnt das Schweigen. Ich laufe wie in dicker Milch, neblig, schwer voran zu kommen. Zähe, träge Geschichten drängen aus den Häusern, wenn man mal hinter die Fassaden schaut.
Die Menschen schweigen so dröhnend, sie sind regelrecht gelähmt davon, sie haben es nach 70 Jahren ja nicht mal geschafft, eine kleine Gedenktafel an den „Borner Hof“ anzuschrauben, dass hier KZ-Häftlinge gehaust haben. Nicht mal so ein Schildchen haben sie angeschraubt.
Sie wollen nicht erinnert werden und sie wollen nicht erinnern. Nein, sie wollen davon nichts hören.
Deshalb gehen nachts die Schatten.

„Der Polizist aus Wieck hat den wohl erschossen, wird erzählt“ sagt der Alte. Die Rede ist von einem der Häftlinge, die fliehen wollten. In einem Heuschober auf der Wiese hat man ihn gefunden. Irgendeiner der Hunde wird ihn wohl erschnüffelt haben. Dann haben sie ihn einfach abgeknallt und verscharrt. Von mehreren Fluchtversuchen ist die Rede im Dorf. Einen hat man sogar in Stralsund aufgegriffen, da war der Lagerleiter Wilhelm Plöger persönlich an der Verhaftung beteiligt. Über eine Woche war der Flüchtling unterwegs. Dann hat man ihn abgeknallt.
Wilhelm Plöger, der Lagerleiter von der SS. Der war ja auch liiert im Dorf. Die Tante vom Alten hat mit ihm gelebt.
Und seine Kumpels von der SS und von der NSDAP. Der Ernst Koppelmann und der Friedrich Wendland. Ein paar von denen sind in der Russenzeit nach Fünfeichen gekommen. Range, der Schwager von Koppelmann, hat das nicht überlebt – erzählt der Alte.
Den ersten Kommandanten hat er ja noch gekannt. Peter hieß der. Konnte deutsch. Kommandant Peter ging im Haus des Vaters ein und aus, denn der Vater war ja für die Verpflegung im Dorf zuständig geworden. Es gibt sogar ein Foto von diesem Peter aus Russland.

Wenn ich heute durchs Dorf gehe, höre ich noch immer die Hunde bellen.
Am Forsthaus waren die Zwinger, an der „Alten Bäckerei“, wie man heute sagt, ebenfalls. Mitten im Dorf waren die Käfige. Die SS hat diese Hunde trainiert, sie sollten Häftlinge töten lernen. Die Hundetrainer von der SS haben sich Häftlingslumpen angezogen, damit die Hunde lernten, wen sie zerreißen sollten. Der SS Mann im Forsthaus hat die ausgebildet, da war er schon im Persönlichen Stab vom Reichsführer SS, Heinrich Himmler. KZ-Wachhunde.

Schatten gehen durchs Schilf. Da steht das Haus im Moor. Häftlinge haben es gebaut. „Da wohnte einer in Zivil“, sagt der Alte. „Wenn der in die Stube kam, da standen die Leute schon stramm, da hatte der den Hut noch nicht mal abgesetzt. Irgendein hohes Tier von der Gestapo muss das gewesen sein.“
Das Haus im Moor steht heute noch.
Schatten im Schilf. Der Mond hängt schief und gelb und schmutzig über dem Bodden.
„Und bei Familie Tarn hat einer gewohnt, zu dem sagten sie nur „der Major“. Was der eigentlich gemacht hat, wusste auch keiner.“

Im Mai war der Krieg zu Ende. Einige wollten das im Juni immer noch nicht glauben. Nach dem Krieg verkrochen sich die Menschen in ihre Häuser. Ihre Geschichten haben sie im Schilf vergraben und im Moor versenkt. Aber das Schilf hat sie aufgehoben.

„Eine Entnazifizierung hats hier eigentlich nicht gegeben“ sagt der Alte. „Die SS war ja abgehauen, nur ein paar wenige waren noch da. Zwei, drei Leute kamen nach Fünfeichen, sind aber zurückgekommen. Der Lehrer Paul Treu hatte es schwer, denn der war ja der Chef der Schule hier und der war ja oft mit der SA-Uniform in die Schule gekommen. Nach dem Krieg war der ganz schön gekniffen“ sagt der Alte.
Übrigens, die Sache mit Peterssons Hof sei ja auch etwas anders gewesen, als man heute so hört. Nach Petersson habe der Hof nämlich einer Familie Willschky gehört. „Dieser Willschky war auch bei der SS“ sagt der Alte und es rauscht im Schilf.

Heinrich, der Landarzt.
„Der hatte anfangs, als die Russen kamen, ein bisschen Schwierigkeiten gehabt. Er war ja der Leibarzt vom Mueller-Darss.“ Aber auf den Heinrich lässt der Alte nichts kommen. „Der Heinrich, das war unser Lebensretter und unser Doktor“ sagt er. Man war angewiesen auf den Heinrich, wenn sich einer die Pulsadern aufgeschnitten hatte wie die Hedwig; oder wenn sich ein Kind das Auge rausgeschossen hatte beim Spielen mit Munition; oder wenn einer unter dem Baumstamm lag, weil der Stamm falsch gefallen war beim Fällen im Forst. Auf den Heinrich lassen sie nichts kommen. Man kann das verstehen. Er war ihr Lebensretter.

Man möchte gar nicht wissen, wie viele Revolver, Gewehre, Helme, Munition und anderes Gerät in den Bodden geworfen wurden in jenen Tagen, als die Russen kamen. Fotos wurden verbrannt, Uniformen auch, Fahnen sowieso.
Etliches hat man vergraben und vor allem hat man geschwiegen. Keiner wusste irgendwas.
Wenn einer was sagte, dann nur, wenn er ausdrücklich gefragt wurde. Und selbst dann sagte er nur, was man ohnehin schon wusste.

Das Schweigen dröhnt im Dorf. Jetzt wollen sie für sage und schreibe 25.000 Euro einen Historiker damit beauftragen, das alles aufzuschreiben, dabei haben schon die wichtigsten Historiker aufgeschrieben, was über das KZ-Außenlager in Born zu sagen ist. Da gibt’s nichts Neues aufzuschreiben. Man will nur Zeit gewinnen. Man will jetzt nicht eine Gedenktafel an den „Borner Hof“ schrauben, das sei alles „übereilt“ und „viel zu schnell“ und all das. Ein Historiker soll also aufschreiben, was längst bekannt ist.
Und die eigentlichen Geschichten, die Geschichten aus dem Schilf, die weiß man selber, man muss nur die Alten endlich fragen.
Und die müssen endlich den Mund aufmachen. Viel Zeit haben sie nicht mehr.

Solange sie nicht reden, hängt der Mond schief und schmutzig über dem Bodden und der Wind rauscht durchs Schilf.
Und die Schatten gehen durch das Dorf. Nachts.

Die Zwangsarbeiterinnen in Born


Am 7. September 2020 hatte ich Gelegenheit, ausführlich mit dem mittlerweile 84-jährigen Hafenmeister von Born, Werner Witt zu sprechen. Werner Witt ist ein „Kriegskind“. Er erinnert sich noch daran, wie er als Junge gemeinsam mit anderen mit den gesprengten Fahrzeugen der SS im Darßer Wald gespielt hat und wie dabei einem seiner Spielkameraden ein Splitter ins Auge geflogen ist.
Werner Witt hat im Hause seiner Eltern viel mitbekommen, sein Vater war unmittelbar nach dem Krieg von „den Russen“ damit beauftragt worden, für die Verpflegung der Bevölkerung zu sorgen, später dann war sein Vater lange Zeit Bürgermeister in Born.
Im Gespräch mit ihm erfahre ich, dass es in Born nicht nur die Häftlinge im „Borner Hof“ gab, überwiegend russische Kriegsgefangene und die vier Zeuginnen Jehovas, die in der Forstmeisterei arbeiten mussten, es gab darüber hinaus im Ort selbst Zwangsarbeiterinnen. Von denen erzählt Werner Witt zum Beispiel, dass „Maria“ in einem kalten Oktober barfuß in Holzpantinen Kartoffeln roden musste. Eine Nachbarin, Frau Kasten, hatte der Marie „was Warmes zugesteckt“, woraufhin sie angezeigt wurde.

Nach dem Krieg wurden Bauern, die Zwangsarbeiter beschäftigt hatten, zur Verantwortung gezogen. Einige von ihnen waren in „Fünfeichen“, einem Sonderlager des NKWD.

Unterschiede beim Umgang mit der NS-Zeit

Unterschiede beim Umgang mit der NS-Zeit

Es gibt Unterschiede beim öffentlichen Umgang mit der NS-Zeit. Manche Städte und Dörfer kümmern sich aktiv darum, historische Erkenntnis vor Ort so umzusetzen und öffentlich zu machen, dass sich auch Ortsfremde schnell in die Geschichte des Ortes einfinden und erfahren können, was im Ort vor sich gegangen ist. Prora ist so ein Ort.
Ribnitz-Damgarten ist ein eben solcher Ort. Auch hier kümmert man sich aktiv um die Erforschung der Ortsgeschichte und lässt auch keine Epoche aus, wie in anderen Orten.
Heute hatte ich Gelegenheit, mit dem stellvertretenden Leiter der Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten der Ostsee-Zeitung zu sprechen. Und ich fand einen promovierten Historiker vor mir, der sich kontinuierlich und sorgfältig um Recherche und Aufarbeitung der Ortsgeschichte kümmert. Gemeinsam mit anderen tut er das. Da geht es um die frühe Vergangenheit von Ribnitz und Damgarten ebenso, wie um die Zeit zwischen 1933 und 45; die Zeit unmittelbar nach dem Krieg, geprägt von Flüchtlingen und Besatzungszeit ebenso, wie die Zeit der frühen DDR. Die DDR-Zeit ebenso wie die nun mittlerweile schon wieder 30 Jahre gesamtdeutscher Entwicklung. Die Redaktion hält bei all diesen Themen einen sehr engen Kontakt zur Bevölkerung, nimmt Anregungen auf, folgt verschütteten Spuren. Es ist eine gute Gemeinsamkeit geworden zwischen Arbeit in der Redaktion und Leserschaft.
Dr. Edwin Sternkiker zeigte sich als bestens informierter, gründlich arbeitender Journalist, der sich einer sorgfältigen Geschichtsschreibung verpflichtet weiß. Diese Begegnung war für mich wie eine erfrischende Wohltat. Es ist nicht selbstverständlich, dass Zeitungen auf diese Art ihre Verantwortung wahrnehmen, aber es ist erwähnenswert.

Erinnerungskultur auf dem Darss – ohne NS-Zeit?

Erinnerungskultur auf dem Darss – ohne NS-Zeit?

Viele Gespräche liegen hinter mir. Mit vielen Menschen in den Orten des Darss habe ich inzwischen gesprochen und ihre Informationen dokumentiert.
Mich interessiert, was gewesen ist zwischen 1933 und 1945 in Prerow, Zingst, Barth, Bodstedt, Ribnitz, Ahrenshoop, Wustrow, Born, Wieck. Man erfährt nämlich so schrecklich wenig.
Ich hatte deshalb im vorigen Jahr damit begonnen, Informationen zusammenzutragen und hatte als einen ersten Beitrag das Büchlein über den Darss zwischen 1933 und 45 als „regionalgeschichtliche Studie“ veröffentlicht. Das Buch wird gelesen, wird weitergereicht und führt zu weiteren Gesprächen, das freut mich. Man hat mir auch versichert, man wolle nun „einen Historiker beauftragen, die Geschichte des „Borner Hofs“ und des Forsthauses gründlich aufzuarbeiten“, was ja so wirklich nötig nicht ist, weil die Dokumente ja vorliegen, und außerdem kann das dauern.
Wirklich vorangekommen sind wir also noch nicht. Nach wie vor zeigen die Homepages der Kommunen keinen Hinweis auf diese Zeit (Ausnahme: Wieck d. Darss und Barth). Es gibt also Widerstände.

Auf einen dieser „Widerstände“ will ich hier im Beitrag eingehen: man kann auf dem Darss den Einwand hören, die aktive Erinnerung an die NS-Zeit „störe den Tourismus“, die Urlauber wollten „in Ruhe gelassen werden“. So jedenfalls lautet die unbelegte Behauptung. Man befürchtet gar zum „Sammelbecken für Neonazis“ zu werden, wenn man sich den Jahren zwischen 1933 und 1945 auch öffentlich stellt und dokumentiert, was gewesen ist. Die Erfahrung der zahlreichen Gedenkstätten in Deutschland sagt allerdings etwas anderes.

Ich halte solche Einwände auch für vorgeschobene Argumente.
Denn es gibt zahlreiche Beispiele, in denen Städte die aktive Erinnerungsarbeit an die NS-Zeit sehr gut mit ihren Tourismuskonzepten verbinden. Weimar und Buchenwald sind so ein Beispiel.

Aber eben auch Prora auf Rügen.
Das dortige Dokumentationszentrum macht eine hervorragende Arbeit und, wie ich heute gefunden habe, wirbt sogar ein großer Tourismus-Anbieter auf der Insel Rügen dafür, das Dokumentationszentrum unbedingt aufzusuchen und sich mit der NS-Geschichte der NS-Urlauber-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) zu befassen, die ja auch auf dem Darss millionenfach Urlauber an die Ostseeküste befördert hat. Man hat verstanden, dass aktive Erinnerungsarbeit sogar eine Chance für den Tourismus bedeuten kann, denn Urlauber haben Zeit, sich einmal gründlicher auch mit historischen Zusammenhängen zu befassen. Und genau das tun sie: sie besuchen Museen, Kirchen, Gedenkstätten. Kulturtourismus ist ein großes Segment. Verbunden mit Bildungsarbeit kann so ein Tourismus einen wichtigen Beitrag zu einer guten Erinnerungskultur leisten. So sieht man es in Prora auf Rügen.

Das ist wirklich bemerkenswert, denn es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Darss. Man kann sozusagen „hinüberschauen“ zur Insel Rügen. Und dort in Prora kann man sehen, wie gelingende Erinnerungskultur und Tourismus Hand in Hand gehen. Ich empfehle den Kommunalpolitikerinnen und -politikern auf dem Darss sehr, sich das Dokumentationszentrum in Prora anzuschauen, man kann dort sehen, wie es gelingen kann. Erinnerungskultur und Tourismus schließen sich nicht aus, wie behauptet wird; das Gegenteil trifft zu: sie unterstützen sich wechselseitig. Wenn man es richtig macht wie in Prora.

Berlin-Hohenschönhausen 1933-1945

Berlin-Hohenschönhausen 1933-1945

Da ist nun ein neues Projekt entstanden: die Geschichte des Berliner Ortsteils Hohenschönhausen, seit 1920 zu Groß-Berlin gehörend, in der Zeit zwischen 1933 und 1945. Zur Projekt-Seite geht es hier entlang. 
Schon erste Rechercheergebnisse zeigen: Hohenschönhausen war bis 1933 überwiegend „links“ bestimmt: klare Mehrheiten für Sozialdemokraten und Kommunisten und ab 1933 klare Mehrheiten für die NSDAP. Die Kirchgemeinde ist „zu 100% mit Deutschen Christen“ besetzt, auch der seit 1910 amtierende Pastor, Orient- und Japan-Spezialist Dr. Julius Kurth gehört den „Deutschen Christen“ an.

Die Bevölkerungszahl in Hohenschönhausen wächst ab Mitte der Zwanziger Jahre schnell, nachdem das Land des ehemaligen Rittergutes parzelliert und als Siedlungsland verkauft worden ist. Deshalb sucht die Kirchgemeinde schon seit Ende der Zwanziger Jahre Hilfspastoren, um Pastor Kurth zu entlasten. Ab 1934 scheint die deutsch-christliche Kirchengemeinde zum Disziplinierungsort für „missliebige“ Pastoren, die der „Bekennenden Kirche“ angehörten, vorgesehen gewesen zu sein, wie der Vorgang um den in Elberfeld arbeitenden Lic. Wilhelm Niesel zeigt, dessen „Fall“ hier kurz referiert werden soll.
Niesel war Dozent am Predigerseminar in Elberfeld. Und er gehörte dem gerade frisch gegründeten „Pfarrernotbund“ (später „Bekennende Kirche“) um Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer an. Das gefiel nicht allen, wie die hier folgenden Dokumente aus dem Kirchlichen Zentralarchiv Berlin (Akte ELAB 14/15222) zeigen, auf die ich bei meiner Recherche zur Kirchgemeinde Hohenschönhausen zwischen 1933 und 45 eher zufällig gestoßen bin:

1934 4. Juni Konsistorium Rheinland an Kons Berlin wg. Niesel 1

1934 4. Juni Konsistorium Rheinland an Kons Berlin wg. Niesel 2

1934 4. Juni Konsistorium Rheinland an Kons Berlin wg. Niesel 3

1934 14. Juli Elberfeld an Konsistorium gegen Niesel S. 1

1934 14. Juli Elberfeld an Konsistorium gegen Niesel S. 2

Mitte 1935 jedenfalls beschwert sich der Hohenschönhausener Pastor Kurth beim Konsistorium, dass „der Lic. Niesel sich hier noch nicht hat blicken lassen“. Wilhelm Niesel dachte nicht mal im Traum daran, der Versetzung nach Hohenschönhausen zuzustimmen. Er wird vielmehr, statt in die Verbannung nach Hohenschönhausen zu gehen, leitender theologischer Berater bei der „Bekennenden Kirche“.
Diese Dokumente sind in vielerlei Hinsicht interessant. Sie zeigen unter anderem: auch in Kreisen der Kirche gab es Denunziation, Anbiederei an den NS-Staat und andere Unzulänglichkeiten.

 

Wenn Recherchen zur NS-Zeit unbequem sind. Etwas aus #Born auf dem Darß.

Wenn Recherchen zur NS-Zeit unbequem sind. Etwas aus #Born auf dem Darß.

Mitarbeiter vom Bundesarchiv haben mir heute eine Mail geschickt, ich habe da ja noch unabgeschlossene Recherchen zu Franz Mueller-Darß in Arbeit, die sich insbesondere auf die Zeit nach 1945 beziehen (seine SS-Personalakte habe ich ja bereits gründlich ausgewertet und auch dokumentiert) weshalb ich annahm, die Mail bezöge sich auf diese Arbeiten, aber nein, es ging um etwas anderes, nämlich um Folgendes: da hat jemand im Bundesarchiv angerufen.
„Ein in Born a. d. Darß lebender Herr rief an, um mitzuteilen, dass er
Ihre Forschungsfortschritte über Ihren Blog „Ich werfe Kieselsteine in
den Strom“ verfolgt. Diesem Blog entnahm er, dass Sie im Bundesarchiv
Berlin und Bayreuth forschen und außerdem für die Anbringung einer
Gedenktafel am Forstmuseum plädieren, die die NS-Vergangenheit des
Müller-Darß näher beleuchtet.
Der Anrufer befürchtet, dass Sie wegen dieser Idee Repressalien aus
der rechtsgerichteten Kreisen der Bevölkerung auf dem Darß ausgesetzt
sein könnten und außerdem mit Widerstand aus den Reihen der
Ortspolitik und des Tourismusverbandes zu rechnen hätten. Man fürchte,
dass aus dem Jagdhaus eine Art Neonazi-Pilgerstätte werden könnte und
außerdem dieser dunkle Teil der Ortsgeschichte das touristische Idyll 
des Seebades stören könnte. Der Anrufer fand, wir sollten Sie
diesbezüglich warnen. Wie er selbst zu der Angelegenheit steht, blieb
unklar, er wirkte neutral“.

In meiner Antwortmail heißt es:

„….herzlichen Dank für Ihre Mail mit dem Hinweis auf den Anruf aus Born a. Darß, der Sie kürzlich erreichte. Die Regionalforscherin Helga Radau, die über das KZ-Außenlager in Barth recherchiert und publiziert hat, hatte mich schon darauf aufmerksam gemacht, dass es vor Ort in Born vor allem von Seiten des Tourismus die Position zu hören gäbe, man solle nicht in der Vergangenheit „herumwühlen“, das würde nur „den Tourismus stören“. Der Herr, der Sie angerufen hat, hat sich bei mir bislang noch nicht gemeldet. Mein Büchlein mit den ersten dokumentierten Forschungsergebnissen zum „Borner Hof“ und zum dort untergebrachten KZ-Außenlager von Ravensbrück und von Neuengamme jedenfalls stößt vor Ort auf reges Interesse. Die Leiterin des Darss-Museums, die ich am Wochenende anlässlich eines runden Geburtstages traf, hat mir mitgeteilt, sie verfüge über einen Fundus von ca. 50.000 Fotos aus der Zeit von 1910 bis 1972, die vom Ortsfotografen Wiese angefertigt worden seien und dessen fotografischen Nachlass sie nun im Museum in Prerow nach und nach erschließe. Die Fotos seien bereits gescannt und würden nun „verstichwortet“, jedenfalls habe sie bei der Lektüre meines Büchleins bereits etliche Notizen machen können, um ihre eigenen Fotos als Ergänzung zur Verfügung stellen zu können. Sowohl der Bürgermeister in Prerow, als auch die Museumsleiterin in Prerow als auch die Kirchgemeinde in Prerow haben großes Interesse, dass die Forschungen weitergehen. In Born selbst liegen vorzügliche Dokumente, die aber dort leider nicht publiziert werden, ich hoffe, dass ich da nach und nach weiter voran komme.
Ihnen jedenfalls zunächst nochmals Dank für Ihren Hinweis und Dank auch für die gute fachliche Zusammenarbeit in der Sache selbst. Ich bin gespannt, ob wir noch Dokumente über Mueller-Darss nach 1945 finden können, Wikipedia behauptet ja, er habe Anfang der fünfziger Jahres beim damals entstehenden BND angeheuert, wie so viele andere SS-Leute ja auch.
Beste Grüße aus Berlin! Ulrich Kasparick
Soweit die Faktenlage zu meinen aktuellen Recherchen.
Zur Sache selbst will ich anmerken:
die Städte und Gemeinden in Deutschland gehen sehr verschieden mit den Jahren zwischen 1933 und 1945 um.
Es gibt Städte und Gemeinden, die zusammen mit ihren Museen und Heimatforschern, zusammen mit den Historischen Fakultäten der Universitäten und lokalen Geschichtsvereinen eine hervorragende Dokumentations- und Aufklärungsarbeit geleistet haben und leisten.Und dann gibt es Städte und Gemeinden, die haben Angst.
Die versuchen, obwohl die Zeit zwischen 1933 und 1945 durch zahlreiche Forschungen bestens dokumentiert und erschlossen ist, jene Zeit in ihrem konkreten Ort zu verschweigen.  Das funktioniert aber nicht, wie man auch in zahlreichen Städten und Gemeinden studieren kann. Es funktioniert deshalb nicht, weil man Geschehenes nicht ungeschehen machen kann.
Gedenkstättenarbeit kann sogar Bestandteil eines lokalen Tourismuskonzeptes werden, wenn man die Sache richtig anpackt, auch dafür gibt es mittlerweile in Deutschland sehr gute Beispiele.

Ich weiß, daß auch in Born die Stimmen zur Frage, wie man mit der Vergangenheit umgehen sollte, verschieden sind. Und ich bin überzeugt davon, dass sich die Stimmen derjenigen durchsetzen werden, die sagen: die Dokumente liegen ja vor, es gibt keinen Grund, sie zu verschweigen. Erinnerungsarbeit hat in Deutschland mittlerweile selber über 60 Jahre Erfahrungen sammeln können. Die Museen, Geschichtsvereine, Universitäten und Historiker, die über jene Zeit gearbeitet haben und arbeiten, verfügen über sehr große Erfahrung, wie man angemessen jene Jahre dokumentiert und wie man angemessen mit den Dokumenten umgeht. Das, was in dieser Hinsicht in anderen Orten Deutschlands inzwischen bestens gelungen ist, gelingt ganz bestimmt auch im schönen Dörfchen Born auf dem Darß.