Mir ist so seltsam zu Mute bei dieser Silberhochzeit. Etwas zum Mauerfall


Gefühle soll man ernst nehmen.
Deshalb hab ich mich gefragt, weshalb mir so seltsam zu Mute ist bei diesem Jubiläum? 25 Jahre Hochzeit zwischen Ost und West. 25 Jahre Fall der Mauer? Silberhochzeit.
Große Worte sind in der Welt.
Von „Revolution“ wird da geredet. Friedlich sei sie verlaufen.
Von „Freiheit“ wird auch geredet. „Widerstandkämpfer“ habe es gegeben
Mir ist das alles eine Nummer zu groß und mich beschleicht das Gefühl, dass etwas „nicht stimmt“.
Ich wusste lange nicht, wie ich es in Worte fassen könnte.
Bis da heute ein Text geflogen kam. Ein Redetext.
Gehalten von einem Südamerikaner.
Es hat da zum ersten Mal ein Treffen von sozialen Gruppen aus aller Welt gegeben im Vatikan.
Und dieser südamerikanische Papst fand die Worte, die eine Erklärung wurden, woher mein Unwohlsein kommt bei dieser Silberhochzeit, die in Deutschland gefeiert wird in diesen Tagen.
Denn da stimmt etwas ganz und gar nicht. Nicht nur im Staate Dänemark.
Und Papst Franziskus hat es in Worte gekleidet:
„Die Sozialen Bewegungen bringen zum Ausdruck, wie dringend unsere Demokratien verlebendigt werden müssen, weil sie oft von unzähligen Faktoren entführt werden. Für die Gesellschaft ist eine Zukunft nur vorstellbar, wenn die Mehrheit der Bevölkerung eine aktive bestimmende Rolle mit spielt. Eine solch aktive Rolle geht über die logischen Verfahren einer formalen Demokratie weit hinaus. Die Aussicht auf eine Welt mit dauerhaftem Frieden und Gerechtigkeit verlangt von uns, jeden paternalistischen Assistentialismus hinter uns zu lassen und neue Formen der Partizipation zu entwickeln, damit die sozialen Bewegungen aktiv mitwirken können. So könnte der moralische Energieschub, der aus der Eingliederung der Ausgeschlossenen in den Aufbau einer gemeinsamen Zukunft entsteht, zu Regierungsstrukturen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene animieren. Und das konstruktiv, ohne Groll, mit Liebe.“
Was ist geworden aus der Aktivität der Vielen, die 89 auf der Straße waren?
Ist sie erstickt im Konsum?
Geht es nur noch darum, wer das schönste Selfie schickt?
Geht es nur noch darum, möglichst selber gut über die Runden zu kommen?
Ist das das Erbe von 89?

Wir müssen wieder von vorne anfangen. Oder, genauer: dort weitermachen, wo wir 1989 aufgehört haben.
Was sind „Maßstäbe des Menschlichen“ in einer wahnsinnig gewordenen Welt, in der sich alles nur noch um Geld zu drehen scheint, um die Sicherung der eigenen Interessen, um Einflusssphären und Gewalt?
Wie kann eine Gesellschaft aussehen, in der es nicht nur um Gewinnmaximierung sondern um Gemeinschaft geht?

„Einige von euch haben gesagt: Dieses System ist nicht mehr zu ertragen. Wir müssen es ändern. Wir müssen die Würde des Menschen wieder ins Zentrum rücken und dann auf diesem Grund alternative gesellschaftliche Strukturen errichten, die wir brauchen. Das müssen wir mit Mut, aber auch mit Intelligenz betreiben. Hartnäckig, aber ohne Fanatismus. Leidenschaftlich, aber ohne Gewalt. Und gemeinsam, die Konflikte im Blick, ohne uns in ihnen zu verfangen, immer darauf bedacht, die Spannungen zu lösen, um eine höhere Stufe von Einheit, Frieden und Gerechtigkeit zu erreichen“.

Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung.
Das waren die Stichworte, die zur „Wende“ geführt haben.
Geblieben sind davon die Reisefreiheit (so man genug Geld hat), die Meinungsfreiheit (die schamlose Auswüchse entwickelt), die Wahlfreiheit (und die Wahlbeteiligung sinkt mit jeder Wahl).
Das ist zu wenig!
Wir wollten mehr.
Wir träumten von einer solidarischen Gesellschaft – aufgewacht sind wir im real existierenden Kapitalismus.
„Dieser Kapitalismus tötet“ – sagt Franziskus.
Eine im Konsum gefangene Gesellschaft kann Freiheit nicht feiern. Welche denn? Die, sofern man Geld hat, unbegrenzt zu konsumieren?
Nein, da stimmt etwas nicht mit dieser silbernen Hochzeit.

„Wir sprechen über Landbesitz, Arbeit und Dach über dem Kopf … wir sprechen über die Arbeit für Frieden und die Bewahrung der Natur … Aber warum schauen wir dann immer noch zu, wie menschenwürdige Arbeit beseitigt, so viele Familien aus ihren Häusern vertrieben, campesinos ihrer Länder beraubt, Kriege geführt werden und die Natur misshandelt wird? Weil man in diesem System den Menschen, die menschliche Person, aus der Mitte gerückt und sie durch etwas anderes ersetzt hat. Weil man dem Geld einen götzendienerischen Kult widmet. Weil man die Gleichgültigkeit globalisiert hat! Man hat die Gleichgültigkeit globalisiert nach dem Motto: Was geht mich das an, wie es anderen geht, wenn ich mich doch um mich selbst zu kümmern habe? Denn die Welt hat den Gott vergessen, der Vater ist. Sie ist wieder eine Waise geworden, weil sie Gott beiseite geschoben hat“.

Schaut man in die sozialen Netzwerke, kann man finden: die „Ironie“ ist beinahe zum Standard-Ausdrucksmittel geworden.
Auch nimmt Zynismus zu.
Besonders schlimm sind die „Euphemismen“ – Worte, die gut klingen sollen. Um etwas zu verbergen.

„Es ist schon komisch, wie Beschönigung und Bagatellisierung durch Euphemismen in der Welt der Ungerechtigkeit überhand nehmen. Man redet nicht in eindeutigen klaren Worten, sondern sucht nach beschönigenden Umschreibungen. Ein Mensch, ein abgesonderter Mensch, ein außen vor gehaltener Mensch, ein Mensch, der unter Elend und Hunger leidet, wird also als Mensch auf der Straße bezeichnet – eine elegante Lösung, nicht wahr? Sucht stets hinter jedem Euphemismus das Verbrechen, das sich dahinter verbirgt – im Einzelfall mag ich mich irren, aber im allgemeinen ist es so, dass hinter einem Euphemismus ein Verbrechen steckt“

„Bei diesem Treffen habt ihr auch über Frieden und Ökologie gesprochen. Das liegt in der Logik: Man kann kein Land besitzen, man kann kein Dach über dem Kopf haben, man kann keine Arbeit haben, wenn wir keinen Frieden haben und wenn wir den Planeten zerstören. Diese wichtigen Themen müssen die Völker und ihre Basisorganisationen dringlich diskutieren. Sie dürfen nicht allein von den politischen Führungskräften behandelt werden. Alle Völker der Erde, alle Männer und Frauen guten Willens, alle müssen wir zum Schutz dieser beiden kostbaren Gaben unsere Stimmen erheben, für Frieden und für die Natur, bzw. – wie Franz von Assisi sie nennt – für die Schwester Mutter Erde.

Kürzlich habe ich gesagt, und ich wiederhole das hier, wir stecken mitten im dritten Weltkrieg, allerdings in einem Krieg in Raten. Es gibt Wirtschaftssysteme, die um überleben zu können, Krieg führen müssen. Also produzieren und verkaufen sie Waffen. So werden die Bilanzen jener Wirtschaftssysteme saniert, die den Menschen zu Füßen des Götzen Geld opfern. Man denkt weder an die hungernden Kinder in den Flüchtlingslagern, noch an die Zwangsumsiedlungen, weder an die zerstörten Wohnungen, noch an die im Keim erstickten Menschenleben“.

Warum ist mir so seltsam zu Mute bei dieser Silberhochzeit?
Weil da etwas ganz gewaltig aus dem Lot geraten ist.
Deutschland ist stark geworden.
Aber ich wünsche mir kein Deutschland, dass wegen seiner Kraft nun auch noch militärisch eine „führende Rolle“ übernimmt.
Ich wünsche mir ein Deutschland, das anknüpft an das Erbe der Bürgerrechts- und Ökologiegruppen, die sich damals zunächst unter dem Dach einiger weniger Kirchen und Pfarrhäuser versammelten und sich die Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ an die Jacke nähten.

Wir stehen wieder ganz am Anfang. Lasst uns dort weitermachen, wo wir 1989 aufgehört haben.
Die Aufgabe ist zu groß, als dass wir sie allein den Parlamenten und Regierungen überlassen dürften.

(den kompletten Text der Rede von Franziskus vom Oktober 2014 findet man hier).

Pogrom


Da steht es.
Das Wort.
Pogrom.
Es kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“.
Beiläufig las ich es heute. Und wurde aufmerksam.
Was geschieht da im Winkel zwischen Tschechien und Sachsen? „Nur ein verstärkter Polizeieinsatz konnte Pogrome verhindern“ lese ich.
Eine Kleinstadt ist drauf und dran, andere Menschen umzubringen. Wenn die Polizei nicht da wäre.
Ein Pogrom droht.
Es ist eine Gegend in Tschechien, die man den „Schluckenauer Zipfel“ nennt. Der Landstrich reicht bis nach Sachsen.
Ragt also gewissermaßen nach Deutschland hinein.

Ich lese diesen Text auch in der Prager Zeitung. Immerhin.
Allerdings befassen sich die meisten Texte dieser Tage mit ganz anderen Themen. Ich lese „Rettungsschirm“, ich lese „Euro-Bond“, ich lese „Versagen der Politik“, ich lese „Steuerreform“ und „alle müssen mehr zahlen“. Es geht also vor allem ums Geld.
In Deutschland und seinen Gazetten.

Aber da steht mittendrin nun dieses Wort.

Pogrom.

Und lässt sich nicht mehr wegwischen.

An den Schwächsten entlädt sich wieder einmal der „Volkszorn“. Die Roma sind die größte Minderheit in Europa. Man schätzt sie auf etwa 10 Millionen, verstreut über etliche europäische Staaten. Sie leben mitten unter uns. Der Volksmund nennt sie „Zigeuner“. Was als Schimpfwort gemeint ist.

Dietrich Bonhoeffer hat mal den Satz gesagt: „Wer nicht für die Juden schreit, soll nicht Halleluja singen“.
Es war ein Appell an die Menschen in diesem Land, die sich „christlich“ nannten, endlich den Mund aufzutun für die, die keine Stimme haben.

Deshalb schreibe ich hier diesen kurzen Text.
Um an ein Wort zu erinnern, dessen grausamer Hall wieder zu hören ist.
Pogrom.
Mitten in Europa.
Im Grenzland zwischen Tschechien und Deutschland.
Man nennt die Gegend  „Schluckenauer Zipfel“……

ARTE ist es zu danken, dass mehr Informationen über dieses europäische Thema zusammengetragen wurden. Es handelt sich offenbar um ein Thema, das von Politikern eher in Hinterzimmern mit spitzen Fingern angefasst wird, denn mit wirklicher Politik.

Gelassenheit. Eine Erinnerung


Der Erfurter Meister Ekkehart (1260-1328) hat das Wort von der Gelassenheit geprägt und die deutsche Sprache um dieses schöne Wort bereichert.
Gemeint ist: Gegründet sein. Seinen Ort gefunden haben, ein-gelassen sein. Verbunden sein mit dem Grund, der alles trägt.
Gelassenheit ist eine rare Tugend in Zeiten wie unseren, die von täglich neuer Aufregung geprägt sind.

Meine Erinnerung geht an einen Ort, an dem Gelassenheit anschaulich geworden ist. Volkenroda bei Meiningen.
1131 wurde jener Ort von ein paar Männern gegründet, die ihrem Zeitgeist widersprochen und Mönche geworden waren – Zisterzienser.
Sie wollten nicht länger vom Ertrag des Zinses, von der Rendite des Geldes, sondern von ihrer Hände Arbeit leben.
Deshalb gründeten sie die Klöster ihrer Lebensgemeinschaft abseits von den aufstrebenden Städten, in denen die reichen Händler lebten; weit draußen auf dem Lande, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.
Jene Orte des Protestes gegen den Zeitgeist wurden jedoch über die Jahrhunderte Stätten der Kultur, der Gelassenheit, der Gesundheit.
Denn die Wurzeln, die sie tief in die Erde trieben und die Äste, die sie dem Himmel entgegenstreckten waren so kräftig und gesund, daß über die Jahrhunderte hinweg Menschen in ihnen Orientierung und Halt fanden.
Die Menschen kamen und suchten diese besonderen Orte auf. Denn es waren Kraft-Orte. Orte der Orientierung in orientierungsloser Zeit.
Orte der Verwurzelung in einer entwurzelten Gesellschaft.
Orte, an denen Gelassenheit erfahrbar wurde.

Thomas Müntzer hat 1525 mit seinen kriegerischen Bauern jenen alten Ort weitgehend zerstört.
Alle Versuche, den Ort wieder herzurichten, blieben erfolglos.
In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Ort praktisch nur noch eine vermüllte Ruine.

Heute jedoch, zwanzig Jahre später, lebt der Ort, der auf der EXPO 2000, der Weltausstellung, die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenkte.
Denn auf der EXPO wurde jener „Christus-Pavillon“ zum ersten mal gezeigt, der nun in Volkenroda neben der alten Kirche der Zisterzienser ein Zentrum der ganzen Anlage geworden ist.
Gelassenheit.
An diesem Ort kann man sie finden.
Der Ort selbst spricht mit seiner Geschichte das Wort aus.

1000jährige Eiche in Volkenroda/Thüringen

In Volkenroda fand ich heute am Morgen auch einen alten Baum.
Etwa 1000 Jahre alt ist er.
Auch er ein Zeichen von tief gegründeter Gelassenheit.

Ich war an jenen Ort gekommen, weil mich jemand eingeladen hatte. Dr. Schoedl, den Leiter des europäischen Jugendbegegnungszentrums Volkenroda hatte ich bei einer Gesprächsrunde im Mitteldeutschen Rundfunk kennen gelernt. Wir sprachen damals über die Stille. Über unsere schnelle, laute und oftmals krankmachende Gesellschaft; wir dachten nach über die Not-Wendigkeit, in aller Hektik und Betriebsamkeit die Orientierung und vor allem, eine gute Verwurzelung zu behalten. Zuviele Entwurzelte leben in unserer Gesellschaft, die sich immer schneller nur noch um sich selber dreht.

Nun kamen da vier zusammen an jenem Ort in Thüringen: der Computerfachmann und Fotograf Markus Spingler, der mit wundervollen schwarz-weiß Fotografien und einfühlsamen Texten dem Thema „Stille“ nachspürt.
Der Saxophonist Rainer Schwander und der Gitarrist Bernhard von der Goltz, die beide seit über dreißig Jahren der Musik nachspüren, jener Brückenbauerin zwischen Himmel und Erde. Wer den Jan Garbarek einmal gehört hat, der hat eine Vorstellung, wie das Sopransaxophon von Rainer Schwander im abendlichen Pavillon in Volkenroda gestern geklungen hat.

Ich hatte ein paar Texte mitgebracht, die vom Hören sprechen, von der Not-Wendigkeit einer wirklichen Orientierung in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Einen Text hatte ich auch, der handelt von der Musik, vom „sound of silence“, den nicht nur Simon&Garfunkel kannten.
Und siehe da: es fügte sich ein wundervoller Abend in uraltem Gelände.
Männer, die sich nie vorher gesehen, geschweige denn, je etwas gemeinsam gemacht hatten, fügten ihre Arbeiten zu einem sehr schönen Ganzen zusammen: Bild, Wort, Musik.
Und: sie „verstanden“ sich.
Jeder in seiner Sprache, in der Sprache der Musik, des Bildes, des Wortes – und doch sprachen wir von gemeinsamer Erfahrung.

Spät noch am Abend standen wir draußen im Hof der alten Klosteranlage bei einem Gläschen Rotwein und spürten dem nach, was da gerade geschehen war:
eine Erfahrung von Gelassenheit.

Das wird bleiben: die Erinnerung
an  denkwürdigen Ort, der scheinbar hoffnungslos verlassen war – und doch neu aufgeblüht ist.
Die Erinnerung an den Baum – der so viel mehr gesehen hat als eine Menschengeneration sehen kann.
Die Erinnerung an die Klänge des Abends und die Bilder, die eine Brücke schaffen zwischen Himmel und Erde.

Ein guter Ort.
Uralt.
Gut verwurzelt.
Ein Ort der Gelassenheit.

Lieder, Lärm und Lustigkeit – Goebbels bei den Philharmonikern?


Ich schätze die Berliner Philharmoniker sehr. Sie gehören zu den weltbesten Orchestern. Deshalb bin ich regelmäßig bei ihnen zum Konzert.
Heute allerdings komme ich nachdenklich nach Hause. Heute gab es Richard Strauss. Den ganzen Abend. Das Orchester zeigte, was es musikalisch „drauf“ hat – und glänzte wie gewohnt.
Die Freude wurde allerdings getrübt.
Unter der Überschrift „Lieder, Lärm und Lustigkeit – Ein Strauss für alle Gelegenheiten“ konnte man im Programmheft, für das Susanne Stähr den Einführungstext geschrieben hat Seltsames lesen.
Ich zitiere:
„Gelegenheitswerke haben es nicht leicht, sich im aktiven Konzertrepertoire zu behaupten. Es haftet ihnen der Verdacht an, sie seien nicht für die Ewigkeit, sondern für einen bestimmten Moment entstanden: als tönender Geburtstagsgruß und Einweihungsfanfare, als Huldigungs- oder Dankadresse. Vor allem, wenn der Anlass, der bei der Geburt dieser Stücke Pate stand, im Nachherein einen gewissen Beigeschmack aufweist, wird die vorurteilsfreie Rezeption erschwert. So ist es Richard Strauss mit einigen Kompositionen ergangen, die er während der tausend braunen Jahre zwischen 1933 und 1945 geschaffen hat: Man denke nur an seine Olympische Hymne für die Berliner Spiele 1936 und an die Japanische Festmusik zum 2600-jährigen Bestehen des mit Nazi-Deutschland verbündeten japanischen Kaiserreichs. Auch die Festmusik der Stadt Wien muss in diesem Zusammenhang genannt werden. Baldur von Schirach, „Reichsjugendführer“ und seit 1941 Statthalter von Wien, hatte 1942 den Beethovenpreis der Stadt Wien neu ausgelobt und mit 10.000 Reichsmark dotiert – ein Propagandainstrument in schwerer Zeit, dem Ruhm der deutschen Kunst zugedacht. Als erster Preisträger wurde Richard Strauss ausersehen: Er nahm die Würdigung am 16. Dezember im Wiener Rathaus entgegen und revanchierte sich postwendend für die Ehre mit der Komposition der Festmusik für Blechbläser und Pauken, die er am 9. April 1943 zur Feier des fünften Jahrestags von „Großdeutschland“ mit dem Wiener Trompetenchor uraufführte, als Jubiläumsgabe zum Einmarsch der Nazis in Österreich. So weit die Fakten.
Dass Strauss mit diesem Werk ein politisches Bekenntnis verbunden hätte, wäre indes zu weit gegriffen. Viel eher dürften ihn die Besetzung und die Interpreten interessiert haben…..“

Soweit das Zitat.
Der Text fährt dann fort mit der genaueren musikalischen Besprechung der Werke des Abends.
Nun hat Susanne Stähr einem Foto, das Richard Strauss mit Joseph Goebbels zeigt, immerhin eine Viertel Seite ihres sehr begrenzten Druckplatzes zur Verfügung gestellt, räumt dem Thema „Strauss und die Nazis“ also erhebliche Bedeutung ein.
Zunächst ist es gut, daß Susanne Stähr darauf hinweist, daß Richard Strauss und die Nazis ein durchaus enges Verhältnis hatten: er hat Preise von ihnen angenommen, sie haben seinen Erfolg für ihre Zwecke benutzt. Er hat sich mit Stücken für diese Preise bei ihnen bedankt, sie haben seine Stücke anlässlich von Jahrestagen für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Es ist ein schwieriges Kapitel, das Kapitel über „Nazis und die Künstler“. Denn es gab natürlich nicht nur Künstler, die mit den Nazis kollaborierten, sondern es gab auch Künstler, deren Werke man verbrannte, die ausgewiesen wurden, Publikationsverbot hatten und anderes mehr. Der blog hier ist nicht ausreichend, um das schwierige Verhältnis von Richard Strauss zu den Nazis hinreichend zu beleuchten, er genügt auch nicht, um das umfassendere Kapitel „Die Nazis und die Kunst“ darzustellen.
Aber auf den Abend in der Philharmonie will ich dennoch eingehen.
Denn, so ist zu fragen, wieso hat Susanne Stähr so formuliert, wie sie formuliert hat? War es Nachlässigkeit? Oder Absicht?
Sie schreibt: „Baldur von Schirach…..hatte 1942 den Beethovenpreis….neu ausgelobt….ein Propagandainstrument in schwerer Zeit, dem Ruhm der deutschen Kunst zugedacht.“
Sie schreibt das ohne Anführungszeichen. Was soll das heißen: „….in schwerer Zeit, dem Ruhm der deutschen Kunst zugedacht“? Teilt sie diese Auffassung der Nazis? Teilt sie sie nicht? Wenn nicht, weshalb dann keine Anführungszeichen, um ihren inneren Abstand zur Denkweise der Nazis deutlich zu machen?
Nachdem sie dargestellt hat, daß sich Strauss mit seiner „Festmusik“ für diesen Preis „postwendend bedankt“ hat, schreibt sie: „Dass Strauss mit diesem Werk ein politisches Bekenntnis verbunden hätte, wäre indes zu weit gegriffen.“
Das behauptet sie, ohne den Satz zu begründen.
Aber genau die Begründung wäre für das internationale Publikum des Abends durchaus interessant gewesen!
Wie kommt sie zu der Vermutung, es handele sich bei jenem Stück nicht um ein politisches Bekenntnis, wo er es doch, ihren eigenen Worten folgend, „postwendend“ als „Dank“ an die Nazis komponiert hat?
Die Sache spielt in den Jahren 1942 und 1943; die Kristallnacht war vorüber, der Krieg kam ins Stocken – allmählich dämmerte etlichen Deutschen, was es mit den Nazis denn wirklich auf sich hatte. Strauss komponierte für die Nazis weiter.
Kein „politisches Bekenntnis“? Mich würden die Gründe für diese Behauptung interessieren. Aber genau diese Gründe verschweigt Susanne Stähr.

Wir haben in der Pause mit anderen Konzertbesuchern darüber gesprochen. Auch sie waren schlicht empört.
Der Begleittext zum Konzert – extra geschrieben für dieses Programm – kommt dermaßen unkritisch und harmlos daher, daß einem die Haare zu Berge stehen. Statt den wenigen Platz zu nutzen, um ihre These wenigstens in Andeutungen zu begründen, druckt sie den Herrn Goebbels ab, wie er mit dem Richard Strauß verhandelt.
Was soll soetwas?

Das ganze steht unter der Überschrift: „Lieder, Lärm und Lustigkeit“ (linke Seite) – direkt gegenüber (rechte Seite) das große Goebbels-Bild.
Gibt es eigentlich eine Redaktion bei den Philharmonikern?
Ich muss sagen, ich bin ärgerlich über solche Nachlässigkeit!
Nun war der ganze Abend Richard Strauss gewidmet – auch das eine Ausnahme in den Konzerten, die sonst Werke verschiedener Künstler zur Aufführung bringen.
Wenn aber der ganze Abend nur einem Komponisten gewidmet ist – der wiederum ein, sagen wir es vorsichtig, „schwieriges Verhältnis“ zu den Nazis pflegte – dann muss man zu diesem Verhältnis eben mehr sagen, als das, was da zu lesen ist!

Ich habe mir für einen Moment vorgestellt, wie ein Besucher, sagen wir aus Polen oder Israel, dieses Programmheft in die Hand nimmt. Er schlägt es auf, sieht den Goebbels da hocken, wie er mit dem Strauss konferiert und findet die „Erklärung“ des Abends auf der gegenüberliegenden Seite: „Lieder, Lärm und Lustigkeit. Ein Strauss für alle Gelegenheiten.“

Ich finde, soetwas geht nicht, liebe Freunde von der Philharmonie!
Ich wünsche mir ein wenig mehr Sorgfalt!

Den Wortschatz heben – heute: „Gutmensch“


Das Wort fiel heute früh in meine Schale. Schnell verbarg es sich wieder im Fluss der Worte des Tages, nun, am Abend, zeigt es sich erneut.
Einen Moment will ich dem Wörtlein nach denken.
Wie man bei der Gesellschaft für deutsche Sprache lernen kann, ist es ein relativ neues Wort. Man gebraucht es etwa seit 1985.

Wie ich im Laufe des Tages bei facebook in einem Kommentar erfahren konnte, gelten „Gutmenschen“ heutzutage als „nervig“. Man meint, sie fühlten sich anderen „moralisch überlegen“, also als „etwas Besseres“. So jedenfalls der Kommentar.
Das Wort selbst spricht nicht davon.
Es qualifiziert den Menschen, von dem doch eigentlich – oder doch nicht? – anzunehmen ist, daß er gut sei, ausdrücklich mit dem Präfix „gut“.
Weshalb?
Weil sich Ende der achtziger Jahre – es war die Zeit der großen friedens- und umweltpolitischen Debatten nach dem NATO-Doppelbeschluss – ein Gefühl in der Bevölkerung breitmachte, es könnte angesichts von Hochrüstung und ökologischer Bedrohung zuviele „schlechte“ Menschen geben?

Interessanter weise unterscheidet die Sprache zwischen „gute Menschen“ und „Gutmensch“, obgleich das Wort am Beginn seiner Laufbahn doch eher diejenigen bezeichnen sollte, die neben aller Pragmatik und betriebswirtschaftlichem Wachstumsdenken noch andere Maßstäbe an unternehmerisches und politisches Handeln anzulegen einforderten.
Nicht selten waren es politisch sehr interessierte, gebildete und wache Menschen, die mit jenem Wörtlein bezeichnet werden sollten, also eigentlich „gute Menschen“.

Nun hat sich der Gebrauch des Wortes mittlerweile aber verändert. Es ist zum Schimpfwort geworden.
Das ist ein interessanter Vorgang.
Ich weiß aus meiner Zeit im Parlament, daß das Wort „Gutmensch“ gern von Menschen in den Mund genommen wird, die es ablehnen, politische und wirtschaftliche Entscheidungen nach ethischen Gesichtspunkten zu beurteilen. Sie halten solches Denken für „Gedöns“, für unnütz, wenn nicht gar, für schädlich, jedenfalls für unangemessen.
Menschen, die kritische Nachfragen nach den tatsächlichen Folgen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen nicht länger dulden wollen, die eine „Herumnörgelei“, wie sie es bezeichnen, „satt haben“, bezeichnen jene, die dennoch darauf bestehen, daß politisches und wirtschaftliches Handeln nach mehr Kriterien beurteilt werden muß als nach pragmatischen, gern als „Gutmenschen“.
Gemeint ist: „halt endlich deine Klappe, du nervst“.

Nun also ist zu beobachten, daß sich offenbar solches Denken durchgesetzt hat: das Wort ist ein abwertendes Schimpfwort geworden.
Dies bedeutet ja wohl, daß sich jene als deutungsmächtig durchgesetzt zu haben scheinen, die der schlichten Pragmatik das Wort reden.
Es geht nicht an, daß „ständig“ mahnend an die Folgen kurzfristigen politischen Handelns erinnert wird.
Ökologen, Pazifisten, Menschen in Dritte-Welt-Gruppen – all diese werden gern von den Vertretern von Gewinn und Profit und kurzfristigem „Erfolg“ als „Gutmenschen“ bezeichnet.
Damit ist man fertig mit ihnen.
Man klebt ihnen jenes Etikett an die Stirn, brandmarkt sie damit – ähnlich dem Vieh, dem der Züchter sein Brandeisen ins Fell drückt – und versucht, sie auf diese Weise für „etwas spinnert“ zu erklären.
„Gutmenschen“ sind eben keine Realisten.
Solche „Träumer“ kann man nicht gebrauchen. Politik und Wirtschaft sind ein hartes Geschäft, nicht wahr, da geht es nach Mehrheiten und nicht darum, ob man „Recht“ hat.
Am Ende zählt „was unter dem Strich“ herauskommt; am Ende „zählen nur harte Zahlen“, nicht wahr.
Da kann man solche „Gutmenschen“ nicht gebrauchen.

Nun weiß die Psychologie, daß die Abwehr ein Anzeichen für ein eigenes Defizit ist.
Wenn also das Wort „Gutmensch“ in eher abwehrender, abwertender Bedeutung verwendet wird, deutet das darauf hin, daß derjenige, der es in diesem Sinne benutzt, sehr wohl wahrnimmt, daß sein eigenes Handeln möglicherweise nicht ausreichend begründbar ist und genauerem Nachfragen nicht standhalten würde.
Wer den anderen abwertet, tut es deshalb, weil er sich selbst damit aufwerten möchte, weil er ahnt, daß da etwas faul sein könnte bei ihm selbst.
Das Vor-Urteil funktioniert eben nach diesem Mechanismus. Im etikettierten anderen wehre ich den Anteil in mir ab, den ich selbst nicht sehen will.
Wohl, weil ich es nicht aushalten würde.

Wenn nun aber eine ganze Gesellschaft ein Wort in jenem abwertenden Sinne verwendet – wir sahen es eingangs -, dann sagt es eben etwas über diese Gesellschaft.
Wenn „Gutmensch“ im allgemeinen Sprachgebrauch zum Schimpfwort geworden ist, dann bedeutet dies, daß eine ganze Gesellschaft nicht zu sehen bereit ist, wozu ihr Verhalten führt, wenn sie sich wirklich kritisch selbst befragen würde.
Deshalb ist es leichter auszuhalten, diejenigen, die nicht selten mit klaren Worten und wachem Verstand auf die Folgen unseres Wirtschaftens und unserer an kurzfristigen Zielen orientierten, nicht selten nur noch mit „Schadensbegrenzung“ befassten Politik hinweisen, als „Gutmenschen“ zu diskreditieren.

Es ist ein wichtiges Wort.
Denn es weist auf einen Schatten hin.
Es mahnt.
Es ist unbequem.
Denn offensichtlich hat eine Gesellschaft, die das Wort vom „Gutmenschen“ in abwertender Intention verwendet, ein sicheres Gefühl dafür, daß am eigenen Handeln „etwas nicht stimmen“ könnte…..

Alte Texte


Ich lebe in Worten. Worte sind Heimat und Fremde seit Jugendtagen. Worte bergen und zerstören. Worte halten und lassen.
In diesen Tagen, in denen die Erde wankt, lese ich alte Worte. Denn die Worte meiner Zeit erweisen ihr Unvermögen.
Seit Jahrtausenden wurden diese alten Worte weitergegeben von Generation zu Generation, von Vater zu Sohn, von Mutter zu Tochter.
Es sind hebräische Worte.
Der große „Steller der Schrift“ Martin Buber hat sie verdeutscht, hat ihre Sperrigkeit und Vorzüglichkeit  in Worte unserer Sprache umgegossen, ihre Form und Gestalt, ihr Inneres bewahrend, damit sie auch bei uns und in unserer Sprache funkeln wie Edelsteine.
Ich lese sie am Morgen nachdem man gestern den Tod gefunden hatte. Man fand ihn in Pfützen. Man fand ihn im Rauch. Man fand ihn in der Erde. Man fand ihn im Meer.
Gestern erfuhr die Welt, dass im fernen Japan, das uns doch so nah ist, der Tod gefunden wurde in Fukushima. 10.000fach seien die Grenzwerte überschritten in jenen Pfützen von Kühlwasser, die man in Kellerräumen fand unter den Reaktoren. Unsere Vorstellungskraft wird gesprengt. Da liegt ein Material in den Kellern, daß noch nach 340.000 Jahren den Tod bringt. Nun tritt es an den Tag.
Behälter bersten und geben den Tod frei.
Er kommt still.
Man findet ihn in Pfützen, man findet ihm im Rauch, man findet ihn im Meer.
Nur der Ticker des Zählers zeigt ihn an.
Unsere Kraft, sich vorzustellen, was das bedeutet für die vielen Millionen Menschen, die in der Umgebung leben, reicht nicht aus.
Dafür haben wir keine Bilder, keine Sprache. Dunkle Ahnungen vielleicht. Annäherungen an das Unvorstellbare. Mehr nicht. 1 Kilogramm dieses Materials genüge, so sagen es Physiker, die Menschheit zu zerstören. Man weiß aber, daß in jenen feuchten Kellern mehrere Kraftwerksladungen lagern….

Die Erde bebte. Und das Meer erhob sich.
Nur eine Welle kam.
Gemessen an der Größe des Ozeans eine winzige. Gemessen an der Größe unserer Zivilisation eine gewaltige.
Sie spülte einfach hinweg, was wir „Zivilisation“ nennen. Ganze Orte. Ganze Häuser. Viele zehntausend Menschen mitsamt ihren Autos und Fernsehern, Kühlschränken und Computern.
Die Zerbrechlichkeit unserer „stolzen Zivilisation“ stand uns plötzlich vor Augen.
Das Menetekel an der Wand. Die Schrift, die der König nicht zu lesen verstand.
In diesen Stunden, in denen das Unvorstellbare Realität wird Stunde um Stunde, Tag um Tag, lese ich alte Worte.
Man hat sie weitergegeben von Generation zu Generation, von Jahrtausend zu Jahrtausend.

Das Menschlein, wie des Grases sind seine Tage,
wie die Blume des Feldes, so blühts:
wenn der Wind drüber fährt, ist sie weg,
und ihr Ort kennt sie nicht mehr.
Aber SEINE Huld,
von Weltzeit her und für Weltzeit
ist über den ihn Fürchtenden sie,
seine Bewährung für Kinder der Kinder
denen, die seinen Bund hüten,
denen, die seiner Verordnungen gedenken,
sie auszuwirken.
ER hat seinen Stuhl im Himmel errichtet,
und sein Königtum waltet des Alls.
Segnet IHN, ihr seine Boten
-starke Helden, Werker seiner Rede-,
im Horchen auf den Schall seiner Rede!
Segnet IHN, ihr all seine Scharen,
die ihm amten, Werker seines Gefallens!
Segnet IHN, ihr all seine Werke
an allen Orten seines Waltens!
Segne, meine Seele, IHN!

(aus Psalm 8, verdeutscht von Martin Buber und Franz Rosenzweig. Stuttgart 1976).

Redefreiheit – oder: etwas über die Worte


Dürfen Menschen in öffentlichen Ämtern alles sagen, was sie wollen? Die Frage scheint belanglos. Sie tun es ohnehin. Dennoch: Worte haben eine große Kraft. Sie enthalten die Tat. Das ist ein alt bekannter Zusammenhang.
Es gibt ein Sprichwort, das sinngemäß etwa lautet: „achte auf deine Gedanken, denn aus den Gedanken folgen die Worte. Achte auf deine Worte, denn aus den Worten folgen die Taten. Achte auf deine Taten, denn aus ihnen wird dein Schicksal.“
Deshalb ist es nicht egal, welche Worte „benutzt“ werden, zumal in öffentlicher Rede.
Man hat mir seit gestern in hunderten von mails vorgeworfen, ich wolle durch meine Anzeige gegen Herrn Seehofer die „Redefreiheit“ einschränken. Nein. Darum geht es mir nicht.
Ich trete sehr für die Redefreiheit ein. Sie ist ein sehr wichtiges Grundrecht, vielleicht sogar eines unserer wichtigsten. Ich gehöre zu denen, die sagen: „Ich teile Deine Meinung nicht, aber ich will dafür eintreten, daß du sie sagen kannst.“
Dennoch muss ein Weiteres bedacht werden. Denn es gibt eine Grenze.
Das Strafrecht hat diese Grenze gezogen. Es gibt Worte und Reden, die sind strafbewehrt. Zum Beispiel im §130 StBG sind einige davon ausgeführt.
Im Einzelfall zu beurteilen, ob durch eine Rede die Grenze zwischen Redefreiheit und Strafbarkeit überschritten worden ist, ist Sache der Justiz. Dafür ist sie da.
Ich kann nur etwas über die „Kraft der Worte“ beitragen, denn davon verstehe ich ein wenig.
Wenn ich mir verschiedene öffentliche und nichtöffentliche Diskurse daraufhin anschaue, was da eigentlich für eine Sprache benutzt wird, welche Worte man wählt – und wie die Reaktionen darauf sind, dann habe ich den Eindruck, daß in unserer Gesellschaft der Beliebigkeit Tor und Tür geöffnet ist. Zumal Journalisten und Politikern scheint man alles zuzutrauen und man scheint auch bereit, alles zu tolerieren.
Das geht nach dem Motto: „es ist ja ohnehin egal, was die reden“. Zu einem solch vernichtenden Urteil über „die Politik“ und „die Medien“ tragen natürlich öffentliche Reden von Politikern und veröffentliche Texte von Journalisten etliches bei. Weshalb ich für verantwortungsvolles Reden und Schreiben plädiere.
Im eher privaten Bereich beobachte ich Ähnliches: die vielen mails, die mich nun erreichen und die manchmal offen aggressiv und ausländerfeindlich sind, zeigen es: in der Anonymität der e-mail traut sich ein Absender zu sagen, was da in ihm ist. Da wird sehr viel Ungutes sichtbar. Hass, Verachtung, Niedertracht, Häme, Neid, Hohn, Fremdenfeindlichkeit, Verachtung anderer Kulturen und Religionen. Die Kommentare zum blog von gestern zeigen eine kleine Auswahl davon. Die weitgehend anonyme Kommunikation im Internet macht diese in der Bevölkerung offenbar vorhandenen Einstellungen in ungewohnter Brutalität sichtbar.
Denn, wer nicht mal unter seinem Klarnamen schreibt, kann sich noch leichter „verstecken“ und endlich mal ganz offen aussprechen, was so in ihm steckt. Es wird wichtig sein, für das Reden und Schreibem im Internet Regeln zu finden. Denn: was im öffentlich geäußerten Wort gilt, müsste, so denke ich, eigentlich auch im halböffentlichen Raum des Internets gelten: Hass, Fremdenfeindlichkeit, Verachtung anderer Kulturen und Religionen dürften nicht zugelassen sein. Ich weiß, daß das eine sehr komplexe und schwierige Frage ist. Ich will nur auf ein Problem aufmerksam machen.
Nun mag es in Zeiten einer von Bildern und Videos geprägten, stark vom Auge vermittelten Massenkommunikation wie der Streit Don Quichottes gegen Windmühlenflügel anmuten, wenn ich etwas über die Worte und ihre Kraft sage.  Es scheint mir dennoch not-wendig. Denn außer der Körper-Sprache, die sich in Gesten, Mimik und Motorik äußert, haben wir nur die Worte, um uns mitzuteilen. Wenn es nun darum geht, das Miteinander der Menschen, ihre verschiedenen Ansichten, Interessen, Meinungen, Verhaltensweisen zu ordnen und möglichst friedlich zu halten – und das ist vornehme Aufgabe von Politik – haben die Worte eine um so größere Bedeutung.
Vielleicht trägt der Vorgang um die Passauer Rede eines Ministerpräsidenten und die sich nun daran anschließende Debatte ein wenig dazu bei, daß wir sorgsamer mit den Worten umgehen. Das wäre sehr sehr viel, ich weiß das. Ob bei dieser Rede die Grenze zwischen Redefreiheit und Strafrecht verletzt worden ist, habe ich nicht zu klären. Mir liegt aber daran, daß das geklärt wird.
Und mir liegt daran, daß wir aufmerksam bleiben gegenüber dem gesprochenen und geschriebenen Wort.
Denn: aus den Gedanken folgen die Worte, aus den Worten die Taten, aus den Taten wird unser Schicksal.

Ich habe nur die Worte – etwas über das bloggen


Politik sei die „Einmischung in die eigenen Angelegenheiten“ hat mein Freund Jürgen Fuchs immer gern zitiert. Solche Einmischung ist notwendig und keine Frage des Alters. Auch zeitweilige Pensionäre wie ich können sich daran beteiligen.
Ich habe kein Amt, ich habe kein Mandat – aber ich habe die Worte. Und das ist viel.
Denn jetzt – in meiner Sabbath-Zeit – habe ich ausführlich Muße zum Lesen, zum recherchieren, zum Verdichten der Argumente. Sehr viel mehr Ruhe und Zeit als ich es je im Berufsleben hatte. Ich genieße das sehr. Und mische mich ein. In die „eigenen Angelegenheiten“.
Zum Beispiel in den Streit um den Bundesverteidigungsminister. Ich mische mich ein in den Streit um die Werte Europas. Ich mische mich ein, wenn es darum geht, endlich gehbare Wege zu einer Weltinnenpolitik zu finden, die den armen Ländern dieser Welt etwas mehr Gerechtigkeit angedeihen lässt.
Ich habe nur die Worte. Aber das ist sehr viel.

Seit über einem Jahr befasse ich mich nun mit den Chancen und Möglichkeiten, aber auch mit den Gefahren des Internets und der sozialen Netzwerke. Ich lerne täglich dazu.
Wenn ich morgens an den Rechner gehe, beginnt der Unterricht. Es ist ein learning by doing, ein sehr praxisorientierter Unterricht.

Mittlerweile kann ich ein wenig auf diesem neuen Instrument spielen, so, wie ich in den Pausen auf meinem Flügel spiele, der nebenan im Wohnzimmer steht. Mir steht mittlerweile eine gewisse Fingerfertigkeit zur Verfügung. Das kommt vom Training….

Täglich staune ich über die Kraft des Internets und der sozialen Netzwerke. Ich beobachte in diesen Tagen, wie sich nun allmählich etwas sehr Besonderes ereignet: der Widerstand der Akademikerschaft gegen einen Lügner im Amt des Bundesverteidigungsministers.
Da gibt es das Wechselspiel zwischen klassischen Medien (Rundfunk, Fernsehen, print) und den sozialen Netzwerken. Sie befruchten sich gegenseitig, korrigieren sich, kommentieren sich, nehmen Anteil und Einfluß aneinander und aufeinander. Und beeinflussen damit natürlich auch das Geschehen in Parlament und Regierung.

Blogger haben eine große Kraft und großen Einfluss, denn sie können sich gegenseitig in Sekundenschnelle unterstützen. Blitzschnell wird aus einem einzelnen posting eine ganze Welle im Netz.
Wenn sie authentisch sind. Denn die Währung des Internets ist Authentizität.

In diesen Tagen, in denen die NATO über eine Invasion in Nordafrika nachdenkt; in diesen Tagen, in denen die deutsche Wissenschaft ihren guten Ruf zu verteidigen hat gegenüber einem Hochstapler und Verführer im Amt eines Bundesministers; in diesen Tagen hat das bloggen und posten eine besondere Aufgabe: es kann dazu dienen, dem mainstream entgegenzuwirken.
Die community wendet sich gegen die von der BILD behauptete Meinungsführerschaft. Und sie hilft, die Ehre der deutschen Wissenschaft zu verteidigen.
Ein offener Brief junger Promovenden an die Kanzlerin findet innerhalb weniger Tage viele Zehntausend Unterzeichner und verleiht dem Anliegen dadurch große Resonanz.
Eine Stellungnahme von über tausend Professoren findet innerhalb kürzester Zeit europaweite Verbreitung.

Ich habe nur die Worte.
Und einen Computer.
Und ein wenig politische Erfahrung.

Das Internet ist ein wunderbare Möglichkeit der politischen Teilhabe. Ich arbeite gern mit den neuen Medien. Ich lerne tägliche neue, interessante Menschen auf diesem Wege kennen, kann mich mit ihnen austauschen, argumentieren, zuhören. Es ist eine sehr große Bereicherung in meinem Leben.

Blogger sind keine „jungen Spinner“, wie es mancher in der Politik gern hätte.
Blogger sind Staatsbürger ohne Uniform. Aber mit Computer.

Unsere Demokratie kann dieses wunderbare Instrument der Teilhabe wirklich sehr gebrauchen gegenüber denen, die glauben, sich die Republik einfach kaufen zu können.
Wir werden ihnen unseren Widerstand entgegensetzen.
Diese Republik ist nicht käuflich!

Essen – fressen – messen. Etwas zur Grünen Woche


Impuls 1: Ich les ja gern im „KLUGE“. Denn das „Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache“ (24. Auflage!)  fördert oft etwas zu Tage, das in den Worten steckt. Verborgen meist. Und doch wirksam.
Weshalb ich heute beim Wörtchen „essen“ nachschaue, das usprünglich „beißen“ meinte. Da es verwandt ist mit dem Wörtchen „fressen“, lese ich dort und finde, daß dieses Wort „aufessen, verzehren“ meint und lerne weiterhin, daß die Unterscheidung zwischen „essen“ beim Menschen und „fressen“ beim Tier erst in mittelhochdeutscher Zeit beginnt. (Kluge, S. 316). Also erst um 1050-1350. Also aus der Zeit der Staufer stammt.

Impuls 2: Die Grüne Woche ist die weltgrößte Ernährungsgütermesse. Der Besucher kann sehen und essen, was es so zu essen gibt. Bei uns.
Manche Berliner nennen sie die „Fressmesse“.
Was etwas über das Tier sagt. Das da wohl im Menschen steckt.
Denn „fressen“, so lernten wir eben, sagt man etwa seit 800 Jahren – vom Tier.

Impuls 3: nun hatten wir gestern bei facebook ein interessantes Gespräch über den Zusammenhang unserer Ess- und Konsumgewohnheiten und dem Hunger in der Welt. Auslöser war mein Satz: „So ein Stand der Welthungerhilfe wäre doch auch irgendwie passend auf der Grünen Woche….“. An diesem Satz „entzündete“ sich das Gespräch.
Über das „aufessen“ oder „fressen“ oder „beißen“ – um wieder beim KLUGE vorbeizuschauen.

Impuls 4: Das Wort „Messe“ findet sich in zweierlei Bedeutung: einmal als „Gottesdienst, kirchliches Fest, Jahrmarkt, Großausstellung“.  Abgeleitet aus „Ite missa est“ („Gehet, es ist entlassen“), mit denen ursprünglich die zum Abendmahl nicht Berechtigten bei Beginn der Abendmahlsfeier entlassen wurden.
Und es findet sich als „Messe“ der Offiziere an Bord eines Schiffes (aus französisch mess); üblich seit dem 19. Jahrhundert, und bezeichnet den gemeinsamen Speiseraum der Seeoffiziere,  in dem man verzehrt, was „aus der Küche geschickt“ wurde.

Dies alles steckt also in den Worten, die wir benutzen.
Folgt man Jean Ziegler, dem langjährigen Sonderberichterstatter der UN für Welternährung in seiner Argumentation, die insbesondere europäische Agrarsubventionen, multinationale Lebensmittelkonzerne, fehlende Kontrolle und zaghafte Parlamente kritisiert; verbunden mit dem Hinweis, die Erde hätte durchaus genug Ressourcen, um alle Menschen zu ernähren,  – kann man eine enge Verwandtschaft zum volkstümlichen Denken erkennen, das im Wort von der „Fressmesse“ sichtbar wird.
Da sitzen offenbar „Tiere“ zusammen (fressen wird seit 800 Jahren dem Tier zugeordnet), die „beißen“ und „sich einverleiben“ was „aus der Küche geschickt“ wurde. Wobei mit „Küche“ wohl jene Länder zu verstehen sind, „die zubereiten müssen, was wir verzehren“. Entwicklungsländer an erster Stelle.

Der Film „we feed the world“ (Wir essen die Welt) macht es deutlich.
Was also findet da in diesem „Gottesdienst“, in diesem „Jahrmarkt“, in dieser „Großausstellung“, die man die „Grüne Woche“ nennt, statt?
Was wird da gefeiert und ausgestellt?

Da feiert sich die reiche Welt. Offensichtlich.
Da feiern die „Beißer“, was ihnen „aus der Küche geschickt wird“ und lassen die Korken knallen.

Es hat für mich etwas vom „Tanz ums goldene Kalb“ um jenes uralte Bild zu zitieren, das uns überliefert wurde, um den „Abfall“ vom eigentlich gelingenden Leben zu illustrieren.
Daß das „ite missa est“ (ihr seid entlassen) auf eine Aus-schließlichkeit hinweist, sei nur am Rande vermerkt.
Da werden offensichtlich Menschen „vom Tisch entlassen“. Oder anders: „nicht zugelassen“.

Was zu kritisieren ist.
Denn: es gibt nur die Eine Welt.
Und niemand gibt uns das Recht, den Menschen neben uns den Tisch zu verweigern.
Noch dazu, wenn sie ihn uns gedeckt haben…

Deshalb wäre es ja vielleicht doch eine gute Idee, die „Grüne Woche“ mit ihren vielen Tausend Besuchern, die sich die Gaumen verwöhnen und die Bäuche stopfen lassen, die sich „einverleiben“, was ihnen andre „aus der Küche geschickt“ haben, zu verbinden mit dem Thema „Gerechtigkeit“.
Warum sollte eine „Grüne Woche“ nicht ein Begleitprogramm entwickeln, in dem man in Tagungen, Konferenzen, Seminaren, Diskussionen, Filmvorführungen, Interviews etc. pp. auf die vielfachen und äußerst verzwickten Zusammenhänge zwischen unserem europäischen Wohlstand und dem Hunger in der Welt hinweist und mehrheitsfähige Alternativen entwickelt, die schließlich politikwirksam werden könnten?

Es ist eine Überlegung wert.
Wünsche guten Appetit.

Etwas über Schlagworte


Sie sind, was sie sagen: Schläger.
Schlagworte schlagen oder erschlagen gar. Meist die Wahrheit.
Sie sind beliebt und vielfach im Gebrauch.
Je kürzer der Text wird, je enger der Raum zwischen den Worten im Kampf um das knappe Gut Aufmerksamkeit, je beliebter werden sie.
Komplizierteste Sachverhalte werden in der Hitze des Meinungsstreits im Kampf um Aufmerksamkeit eingeschmolzen zum Schlag-Wort.
Nach-Denken ermöglichen sie nicht mehr. Denn meist geht die Be-Sinnung verloren.
Es geht den Schlag-Worten und ihren Nutzern nur noch darum, Wirkung zu erzielen.
Wie in einem Box-Kampf.
Das Argument des andern soll möglichst schnell erschlagen werden.
Manche reihen sich gar zur Schlag-Zeile. Zeitungen leben davon.
Je „treffender“ eine Schlag-Zeile, umso größer die Chance, daß das Blatt gekauft wird. Am Kiosk. Und anderswo.

Politiker und Bosse, auch Schauspieler oder Sportler können gar „Schlag-Zeilen machen“. Ist zu lesen.
Wobei dies nur einen Teil der Wahrheit beschreibt, denn Schlag-Zeilen entstehen in Redaktionen oder privaten Computern. Zuvor jedoch in den Hirnen derer, die sie dann auf-schreiben.
Die Nutzung von Schlag-Worten sagt also etwas über den Nutzer. Und sein Denken.
Menschen regen sich gern über solche Schlag-Zeilen auf, die Politiker oder Wirtschaftsbosse oder andere Obrigkeiten betreffen.
Dann kaufen sie das Blatt.
Oder teilen es in einem Netzwerk.
Je größer die Aufregung, je besser der Umsatz.
Das ist beabsichtigt.

Es geht also ums Geld.
Ah ja.

Schlagworte eignen sich besonders für Titel-Seiten.
Titel-Seiten sind soetwas Ähnliches wie Titel-Kämpfe. Beim Boxkampf. Oder Ähnlichem.

Titel-Seiten entscheiden mit ihren Schlag-Worten, aufgereiht in Schlag-Zeilen, über den Verkaufs-Erfolg einer Zeitungsausgabe.
Es geht also erneut um Geld.
Was wir schon ahnten.

Die Bereitschaft zum differenzierten, genauen Argument nimmt mit der Häufigkeit der Nutzung von Schlagworten ab.
Das Denken wird ein-fach. Manchmal gar ein-fältig.
Man sieht es an den Kommentaren.

Schlag-Worte sind Zeichen einer immer mehr verarmenden Alltagssprache.
Sie sind Menetekel, An-Zeichen eines immer mehr verarmenden Denkens.
Sie sind die „Schrift an der Wand“, die das Un-Heil ankündigt. Vom König wird erzählt, er konnte diese Schrift nicht lesen, die da als Menetekel an der Wand stand.
Weshalb er nach einem Deuter rufen lies….

Hilfreiche Worte jedoch sind assoziativ, erzählen Geschichten, laden ein. Zunächst zum Zu-Hören, später zum Teilen der Gedanken, zum Dia-log.
Doch, solche hilfreichen Worte werden knapp in Zeiten, die von Schlag-Zeilen und Schlag-Worten bestimmt werden.

Dass Schlag-Worte die Gewalt unseres Alltags zur Sprache bringen, ist bekannt.
Sie zeigen uns die Gewalt in unserem Alltag. In Politik, Gesellschaft, Meinungsstreit.
So gesehen, halten sie uns einen Spiegel vor.
Nicht nur den gedruckten.
Die häufige Nutzung von Schlag-Worten in unserer Alltagssprache sagt uns etwas.
Über uns.
Und die Art, wie wir leben und miteinander umgehen.

Es ist also zu bedenken: Schlag-Worte haben eine Wirkung. Nicht nur beim „Gegner“, sondern auch beim „Schläger“:
Sie machen unser Leben gewalttätiger.
Denn Worte haben immer eine Wirkung auch auf den Sprechenden. Meist eine unbemerkte.
So, wie der geführte Schlag immer auch auf den Boxer zurückwirkt – er lernt im Training, jene Kraft abzufedern, die da vom Schlag auf ihn selbst zurückkommt – so wirkt das benutzte Wort auf den Nutzer zurück.
Es ist wichtig, dies wahrzunehmen.

Nun lässt sich zeigen, daß sich eine immer komplexer und komplizierter werdende Welt immer unzureichender in Schlag-Worten abbilden lässt.
Am Wort „Klima-Wandel“ lässt sich das studieren.
Spricht man es aus, spaltet man. In Menschen, die „an den Klimawandel glauben“ und jene, die dies nicht tun.
Das Schlag-Wort ist zum Spalt-Wort geworden.
Wenn es zutrifft, daß Wahrheit sinfonisch ist, also aus dem Zusammenklang von Teilwahrheiten besteht, dann kann man sehen, daß sich „die Wahrheit“ in Schlag-Worten nicht gut genug transportieren lässt.
Es gibt im ZEN den klugen Satz:
„Es gibt Deine Wahrheit. Und meine Wahrheit. Und DIE Wahrheit.“
Sinfonisch also.
Dazu sind Schlag-Worte jedoch nicht geeignet.
Bestenfalls zu einem Pauken-Schlag.
Diese Worte transportieren zu wenig Inhalt. Sie klingen nicht. Sie schlagen nur.
Damit die Kassen klingeln.
Es gibt mittlerweile Maschinen, die Texte nach Schlag-Worten durchsuchen.
Wenn man Texte schreibt, kann man sie gar „verschlagworten“, damit jene Maschinen den Text schneller finden.

Schlagworte enthalten vor allem eins: Wertung.
Sie tragen kein Argument, sondern eine Meinung.

Ein wirkliches Gespräch ist bei Be-nutzung von Schlag-Worten nicht möglich.
Schlagworte gehören zum Streit, nicht zum Gespräch.

Ich hab mir daher angewöhnt, mit einer Zeitung ein kranke Fliegen zu erschlagen.
Um sie zu erlösen.
Aber nur ausnahmsweise.

Mit Büchern geht das schlechter als mit Zeitungen.
Wieder was gelernt….