Schifferkirche Ahrenshoop – Die Orgeltage. Mit einer musikalischen Rarität.

Schifferkirche Ahrenshoop – Die Orgeltage. Mit einer musikalischen Rarität.

Anne-Dore Baumgarten, emeritierte Kirchenmusikdirektorin aus Wittenberg, seit langen Jahren heimisch auf dem Fischland in Wustrow, hat sie erfunden: die Ahrenshooper Orgeltage. Diese Orgeltage wurden möglich, als der Ahrenshooper Orgelbauer Kristian Wegscheider die neue Orgel für die Schifferkirche fertiggestellt hatte. Eingeweiht wurde sie im Januar 2013. Es gab damals sogar eine Festschrift aus Anlaß der Weihe der Wegscheider-Orgel, die ich gestern in den Unterlagen fand, die mir dankenswerter Weise Herr Dr. Ing. Bernd Reimers zur Verfügung gestellt hatte. Dr. Reimers kennt die kleine Kirche wie kaum ein anderer, er war gemeinsam mit Prof. Hämer wesentlich für ihre Restaurierung und Erweiterung verantwortlich. Wer das Titelbild dieses Beitrages genau anschaut, das ich hier noch mal komplett in den Beitrage einfüge, findet auf der linken Seite der Festschrift einen kleinen QR-Code.

Die Festschrift von der Orgelweihe ist aber schon 13 Jahre alt – ob der QR-Code wohl noch funktioniert? Ich habe es ausprobiert und fand eine Rarität: das einzige Tondokument von der Einweihung der Orgel. Im Januar 2013 war das, man sieht im Video links noch den Weihnachtsbaum stehen. Da war jemand so freundlich und hat einfach, mitten aus dem Publikum – vermutlich, ohne lange zu fragen, mit seinem Smartphone 6 Minuten Orgelmusik eingefangen. Das ist keine Studio-Aufnahme, ganz gewiss nicht. Aber es ist ein schönes Zeit-Dokument. Zu hören sind Musikstücke, die die einzelnen Register der Orgel vorstellen und die Klangfülle des Instrumentes zumindest vorstellbar machen, es lohnt, die 6 Minuten ganz anzuhören. Freunde der Orgelmusik werden heraushören können, welche Register da gerade gezogen wurden. Die Festschrift anlässlich der Orgelweihe hat die eingebauten Register der Orgel fein notiert:

Wer sein Handy gerade nicht zur Hand hat, um den QR-Code zu scannen, dem sei das Tondokument hier zur Verfügung gestellt:

Anne-Dore Baumgarten ist es mit den Orgeltagen immer wieder gelungen, sehr namhafte Organisten nach Ahrenshoop zu bekommen. Das ist auch in diesem Jahr wieder der Fall. Für die Organisten ist es eine schöne Herausforderung, Stücke, die für große Orgeln geschrieben wurden, auf dem pfiffig gebauten Wegscheider-Instrument zu interpretieren.
Hingehen lohnt sich. Die diesjährigen Orgeltage 2026, die nun schon zum 13. mal stattfinden, beginnen am Donnerstag, 30. April um 12 Uhr mit einer Orgelandacht, in der KMD Anne-Dore Baumgarten selbst spielen wird. Am Freitag, 1. Mai gibt es um 20 Uhr ein Orgelkonzert plus Alt-Solostimme. Es musizieren Martin Rost (Stralsund) und Britta Schwarz (Dresden). Der Samstag, 2. Mai bringt ein Konzert mit David Schirmer (Berlin). Täglich gibt es Orgelandachten um 12 Uhr. Es besteht also auch in diesem Jahr 2026 reichlich Gelegenheit, das schöne Instrument zu erleben.

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Schifferkirche Ahrenshoop – Der Eingang

Schifferkirche Ahrenshoop – Der Eingang

Wenn man die Kirche betreten will, muss man durch die kleine verglaste Eingangstür. Viele Menschen öffnen diese Tür einfach wie man eben eine Tür öffnet und betreten den Kirchenraum, wie man halt einen Raum betritt. Nicht wenige Menschen haben aber gerade etwas übersehen: Über der Tür nämlich sind 3 Zeichen angebracht. Ein „A“ vielleicht? In der Mitte ein durchkreuztes „P“ vielleicht und rechts vielleicht ein „O“? Für nicht wenige Menschen sind diese Zeichen völlig rätselhaft. „Irgendwas mit Kirche“ denkt man sich vielleicht flüchtig. Wollen wir uns also diesen rätselhaften Zeichen nähern:

Wenn ich im Herbst eines Jahres als Kurpastor auch in Ahrenshoop bin, setze ich mich hin und wieder einfach in die kleine Kirche und nehme wahr, was da um mich herum passiert. Ich nehme Menschen wahr, die still in der Bank sitzen, schauen, ruhig sind, Pause machen. Vielleicht sprechen sie ein Gebet, vielleicht denken sie an ihre Familie oder an Freunde oder daran, daß sie nun, am Ende ihres Urlaubs, wieder auf die Reise müssen. Vielleicht denken sie an den Unfall zurück, der sie in die nahe gelegene Reha-Klinik geführt hat. Vielleicht denken sie voller Sorge an eine unangenehme Behandlung, die ihnen noch bevorsteht. All das weiß ich nicht. Ich sehe nur Menschen, die still in der Kirchenbank sitzen.

Andere Menschen nehme ich wahr, die kommen mit schon gezückten Fotoapparaten in die Kirche gestürmt. Sie öffnen laut die Tür, sprechen, wenn sie den Raum betreten, sie nehmen auch nicht die Kopfbedeckung ab, all das ist ihnen nicht vertraut, sie wollen nur „ein schnelles Foto“ machen, gehen auch gleich bis ganz nach vorn durch, würden am liebsten auch den kleinen Altarraum erstürmen. Sie sind sehr unruhig, wollen schnell das ihrer Meinung nach Wichtigste „mitnehmen“, sind keine fünf Minuten in der Kirche – und schon sind sie wieder draußen auf ihrem weiteren Weg. Und haben das vielleicht Wichtigste dieses Raumes gar nicht bemerkt.

Ich sitze während des Überfalls in der Kirchenbank und denke daran, daß all diese Menschen gerade unter diesen drei Zeichen da über der Eingangstür hindurchgegangen sind. Manche haben die Zeichen bemerkt, andere haben sie übersehen. Egal, ob man die Zeichen bemerkt hat oder nicht – sie gelten. Sie sind aus Stahl gefertigt. Stehen fest und klar oben über der Eingangstür.

Diese drei Zeichen wurden mit großem Bedacht ausgewählt und genau dort angebracht, wo man sie jetzt findet: über dem Eingang. Sie tragen eine Botschaft. Sie gelten für alle Menschen, die die Schifferkirche betreten, sie sind wie ein stiller unaufdringlicher Segensspruch, der für alle gilt, die diesen schönen Ort aufsuchen, deswegen stehen sie über dem Eingang.

„Komm herein und setze Dich, Du bist hier willkommen. Auch für Dich und Dein Leben gilt: „Christus ist das Alpha und das Omega. Er ist der Anfang von allem und das Ende von allem. Er ist alles in allem. Hier ist alles, was Du in Deinem tiefsten Innern suchst.“
Dabei stehen „Alpha“ und „Omega“ für den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, für „Anfang“ und „Ende“ also. Und in der Mitte? Da sehen wir ein griechisches „chi“ für unser „ch“ und ein griechisches „ro“ für unser „r“ – der Beginn des griechischen Wortes „christós“, das wir als „Christus“ kennen und oft mit einem Eigennamen verwechseln, obgleich es sich um einen Titel handelt. In den zwei Buchstaben „chi“ und „ro“ ist ein Glaubensbekenntnis versteckt: ausgeschrieben heißt dieses Bekenntnis: „Ich glaube, dass der Zimmermannssohn Jesus von Nazareth, von dem im Neuen Testament die Rede ist, der erwartete Heiland der Welt ist – der „Christós“. Das „Chi-Ro“, das Christusmonogramm, ist neben Kreuz und Fisch das am häufigste Symbol für Jesus Christus seit der Antike. Wenn der Architekt also das Christusmonogramm über den Eingang der jüngsten der drei Kirchen der Kirchgemeinde Prerow anbringt, wenn er seiner modernen Architektur dieses antike Symbol anfügt und sogar prominent ganz vorn, gleich über dem Eingang anbringt, dann stellt er den gesamten Bau in eine über tausendjährige Tradition. Diese moderne Kirche „knüpft an“ an die uralte Geschichte der Christenheit und wiederholt eines der ältesten Zeichen der Christenheit – das Christusmonogramm „Chi-Ro“.

Wir haben also „Alpha“ – „Chi-Ro“ – und „Omega“.
Die drei Zeichen über Tür bedeuten nun, insgesamt gelesen:
„Der Erlöser der Welt, der Heiland, der „christós“, dem dieses Haus geweiht ist, und der „in der Mitte“ angebracht ist, der ist der Anfang und das Ende von allem, was ist.“
Er steht also auch über Deinem Leben, so, wie diese drei Buchstaben über der Tür stehen, durch die Du gerade gegangen bist. Manchmal bemerkst Du es, oft bemerkst Du es gar nicht.

Wenn Du also das nächste Mal die schöne kleine Schifferkirche in Ahrenshoop betrittst, achte einmal auf diese drei Zeichen gleich über der Eingangstür. Du Mensch, der Du als Besucher, als Urlauber, als flüchtiger Gast, als Kranker vielleicht, als Suchender vielleicht, als Dankbarer vielleicht dieses Haus Gottes betrittst – auch für Dich gilt, was da oben über der Tür geschrieben steht: Gott ist der Anfang und auch die Erfüllung Deines Lebens. Er steht über Deinem Leben und hält Dich, ob Du es bemerkst oder nicht. Du kannst ihm vertrauen und Deinen Weg weitergehen als gesegneter Mensch.

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