Vor #COP30. War irgendwas mit Klima?

Vor #COP30. War irgendwas mit Klima?

Wenn sich die Welt nun Anfang November in Brasilien zur Klimakonferenz trifft, wird mancher sich die Augen reiben: Klima? War da irgendwas? Gibts nicht Wichtigeres?

Nein, es gibt nichts Wichtigeres. Weshalb viele auch im privaten Kreis darüber sprechen und sich überlegen, wie sie sich persönlich verhalten können, um ihre privaten CO2-Emissionen zu reduzieren.

Aber: „Woher bekomme ich verlässliche Informationen?“ fragt man mich nicht selten. Nun, man bekommt sie von unseren großen in Deutschland beheimateten und international hoch geschätzten und anerkannten Forschungseinrichtungen, die sich mit den Ursachen des Klimawandels und mit den Folgen des Klimawandels beschäftigen. Allen voran PIK Potsdam.

Um sich einen schnellen und verlässlichen Überblick über den status quo kurz vor COP 30 zu verschaffen, seien nun drei Dokumente zitiert, die die wesentlichen Punkte gut zusammenfassen (link zum Dokument jeweils grün gekennzeichnet):

Eine gemeinsame Erklärung des Deutschen Gesellschaft für Meteorologie und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die auf das zunehmende Tempo der Klimaveränderungen hinweist und die Politik zu wirklich entschiedenem Handeln auffordert:
Das gemäßigte Klima der letzten 10 Jahrtausende hat die Voraussetzungen für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen geschaffen. Die gegenwärtige Generation junger Menschen muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie möglicherweise das Ende dieser gemäßigten Umweltbedingungen mit all ihren Konsequenzen erleben wird.
Zentrale Botschaft: Die 3-Grad-Grenze wird möglicherweise nicht erst zum Ende des Jahrhunderts, sondern bereits um 2050 überschritten.“

Zweitens der Bericht des PIK Potsdam über die Belastbarkeitsgrenzen der Welt.
Zentrale Botschaft: sieben von neun Belastungsgrenzen sind bereits überschritten.

Und drittens sei hier ein Text von Professor Dr. Stefan Rahmstorf eingefügt, der auf sehr anschauliche Weise darlegt, „was los ist“. Prof. Rahmstorf hat auf wenigen Seiten aufgeschrieben, was eigentlich „plus 3 Grad mehr“ bedeuten. Für mich der vielleicht wichtigste Satz gegen Ende des Aufsatzes: „Meine Kinder, die jetzt ihr Abitur ablegen, werden wahrscheinlich eine solche Welt erleben. Diese Welt ist völlig außerhalb aller bisherigen menschlichen Erfahrungen. Solange die Menschheit existiert, hat es solche Bedingungen nicht gegeben.“

Kindertransporte 1938/39 (7). The Goring Hotel.

Kindertransporte 1938/39 (7). The Goring Hotel.

Von Nick und Tim war im letzten Beitrag die Rede. Nun gehen wir ihrer Großmutter nach, „Steffie“, wie sie ihre Zeichnungen beim Berliner Ullstein-Verlag ab 1922 kennzeichnete. Steffie Nathan, verheiratete Schaefer, geschieden im April 1939, wenige Tage vor der Ausreise (22. Mai) ihrer Tochter Susanne mit einem Kindertransport von Berlin nach Ayr in Schottland. Steffie folgte der Tochter im Juli. Das war nur mit dem Visum für eine „Hausangestellte“ möglich. Britische Familien suchten solche Angestellten. Es war der einzige Weg, der Steffie noch blieb. Die Lage der Juden in Deutschland und Österreich war verzweifelt. Es war so gut wie unmöglich geworden, überhaupt ein Visum zu bekommen.

Sie, die als Einzelkind in einer sehr vermögenden Bankiersfamilie in Berlin aufgewachsen war; sie, die im renommierten Ullstein-Verlag, Europas größtem Verlagshaus in jenen Jahren, sogar Titelseiten von „UHU“ und von der führenden Illustrierten „Die Dame“ zeichnete – diese in vornehmen Zirkeln beheimatete Bohéme, die in Berliner Künstlerkreisen verkehrte und selbst ein Kindermädchen und eine Hausangestellte hatte – diese Frau musste nun als „House Wife“ nach London.

Sie hat an vielen verschiedenen Stellen Arbeit gesucht. Ihre Versuche, wieder als Grafikerin zu arbeiten, scheiterten. Die Einreisebestimmungen verboten es ihr, in „regulären Berufen“ zu arbeiten. England befürchtete, daß „die Einwanderer“ „uns Briten die Arbeitsplätze wegnehmen“, das war offiziell in jenen Jahren.

Ich bin ihren Orten in London nachgegangen.

Steffie hat zum Beispiel in „The Goring Hotel“ gearbeitet. „The Goring“ ist ein Fünf-Sterne-Hotel (wie das „Adlon“ in Berlin) und gehört zu den 5 besten Fünf-Sterne-Hotels weltweit, wie eine Tafel aus dem Jahr 2025 stolz verkündet:

Man kann dort heutzutage für 900 britische Pfund pro Nacht übernachten, wenn man will und kann. Meine Frau und ich haben uns das alte Familienhotel – gegründet 1910 von Herrn Goring Senior, der mit einem Kohlehandel in Dresden vermögend geworden war – von innen besehen und „eine Tasse Tee“ für 18 Pfund getrunken, das war uns die Sache wert. In einem Nebenflur kann man die Geschichte des Hauses nachlesen. Ich habe mich immer gefragt, wie Steffie eigentlich ins Goring kam: Nun, ihre Mutter Hedwig kommt aus Dresden und Mister Goring senior ebenfalls. Man kann kann davon ausgehen, daß sich die wohlhabende Kaufmanns-Familie Markiewicz und die wohlhabende Familie Goring kannten. Vielleicht hat Herr Goring ja zur Erweiterung seines Geschäfts sogar mal einen Kredit vom Kaufmann Markiewicz bekommen, wer weiß. Die Spur jedenfalls führt nach Dresden und es ist vorstellbar, daß Mutter Hedwig über ihre „alten Kontakte“ in Dresden nach Arbeitsmöglichkeiten für ihre Tochter in London geforscht hat.

Ich wollte „Witterung aufnehmen“, ich wollte mir vorstellen, wie es Steffie irgendwann zwischen 1939 und 1944 in „The Goring“ ergangen sein mag.

Kann ich mir Ullsteins Vorzeige-Grafikerin im Kreise der Angestellten des „Goring“ vorstellen? Alte Firmen-Aufnahmen, die im Foyer des Hotels ausgestellt sind, müssen helfen:

Wo ist Steffie? Vielleicht versteckt sie sich ja in der freundlichen Bedienung, die uns den Tee bringt und uns von dem langjährigen Kollegen erzählt, der die Geschichte der Firma Goring erforscht hat und dem die alten Firmen-Bilder im Foyer zu verdanken sind?

Es ist sehr angenehm im „Goring“. Man ist sehr freundlich, sehr dezent, man lärmt nicht. Die edlen Teppiche sorgen dafür, daß man im Hause „leise auftritt“.
Gegenüber, am offenen Kamin sitzt ein russischer Geschäftsmann in Jeans und Pullover mit seiner Sekretärin und verabredet die Termine des Tages. Dezente Musik, sehr freundliche Bedienung. Freundliche Ratschläge bei der Auswahl der feinsten britischen Tees. Jeder Gast ist hier willkommen.
Weshalb sind wir hinein gegangen in dieses sehr besondere Hotel?
Ich war innerlich auf der Suche nach Steffie. Hab versucht, mir vorzustellen, wie sie wohl hier gearbeitet haben mag? Als Bedienung der Gäste? Als Zimmermädchen? „Mrs. Schaefer, come here, please….“
Man muss bedenken, als Steffie gezwungen wurde auszuwandern, war sie 43 Jahre alt.
1939 kam sie, ab 1940 herrschte Bombenkrieg in London, die Deutschen fielen über England her. „The Blitz“ begegnet einem heute noch überall in der Stadt an zahlreichen Denkmalen. Die Zerstörungen in der Stadt waren horrend. Man kann nicht davon ausgehen, daß Steffies Heimweg von der Arbeit in ihre Bleibe einfach war. Das Gegenteil dürfte der Fall gewesen sein.
Wo war Steffie in jenen Jahren? Wie kann ich mir ihr Leben vorstellen? Was ich weiß: Sie musste zusehen, daß sie nicht verhungerte. Die Bezahlung in ihren Jobs war schlecht.

Wir wissen, daß sie in London Arzthelferin war, dass sie für eine Modefirma gearbeitet hat, dass sie in einer Bibliothek beschäftigt war – immer für knappes Geld. Und sie hat in „The Goring“ gearbeitet.
Ich kann mir nun sehr gut vorstellen, daß diese „Tochter aus gutem Hause“ all diese Lebensumstände als erniedrigend empfunden haben muss. Ein Brite würde vielleicht sagen: diese Umstände waren eine Beleidigung. Das aber durfte Steffie auf gar keinen Fall und niemals aussprechen. Sie hatte still zu sein. Sie hatte dankbar zu sein. Denn: immerhin war sie am Leben geblieben. Sie hatte den Mund zu halten darüber, wie es ihr im Inneren wirklich ging.
Kein Wunder, daß sie später Kettenraucherin war, an Depressionen litt und Medikamente brauchte.

1944 hat Steffie in 31 Dorset Square gewohnt. Ganz hoch oben „in einem erbärmlichen Zimmer einer heruntergekommenen Pension hoch oben unter dem Dach“, wie Susannes Ehemann in den Siebziger Jahren aufgeschrieben hat. Nick und Tim sind mit ihrer Großmutter mal da gewesen, da hat Steffie den Enkeln diese Bleibe gezeigt. Die Jungs sind nun auch schon über 60. Sie haben keine weiteren Erinnerungen an diesen Besuch, nur, daß das Klo eine halbe Treppe tiefer war. „Es muss sehr primitiv gewesen sein“, sagt Nick.

Wir sind auch zu dieser Adresse gegangen, denn ich wollte mir vorstellen, wie Steffie – vielleicht nach der Arbeit in „The Goring“, das gar nicht sehr weit und nur ein paar Busstationen von Dorset Square entfernt ist – am Feierabend „nach Hause kam“ und völlig erschöpft die fünf Etagen zu ihrem Zimmer hochstieg – die Tochter ohne Nachricht in Schottland ….

Ganz oben unter dem Dach in 31 Dorset Square musste sie wohnen, die Toilette eine Etage tiefer im Flur, wir mir Nick bei unserem Gespräch im St. James Park erzählt hatte.
1944 übrigens, der Krieg war noch nicht zu Ende, kam Steffies Mutter Hedwig aus dem Exil in Shanghai nach London, um nun auch bei ihrer Tochter zu wohnen. Und Tochter Susanne musste aus Schottland fort, denn die Einreisebestimmungen für die Kindertransport-Kinder besagten, dass sie nur bis zum vollenden 17. Lebensjahr versorgt sein würden. Am 18. Januar aber war Susanne 17 geworden. Sie kam im Februar zu ihrer Mutter nach London. Da „wohnten“ sie nun, die drei Frauen. Es war eine elende Zeit, aber, Hedwig, Steffie und Susanne waren immerhin „noch am Leben“.
In jenem Februar 1944 begannen die amerikanische Air Force (USAAF) und die Royal Air Force (RAF) mit ihren schweren Luftangriffen auf die Rüstungsindustrie-Zentren in Mitteldeutschland. Der Krieg war für Deutschland längst verloren, aber die Deutschen glaubten noch an ihre „Wunderwaffe“, Deutsche glauben ohnehin gern an Waffen – deshalb dauerte der verlorene Krieg noch länger als ein Jahr.

Kindertransporte 1939 (3). Der Bericht von Jakob J. Petuchowski über den Transport vom 21. Mai

Kindertransporte 1939 (3). Der Bericht von Jakob J. Petuchowski über den Transport vom 21. Mai

Susanne Schaefer kam mit dem Kindertransport vom 21. Mai/22. Mai 1939 von Berlin nach London. Sie war 12 Jahre alt. Sie hatte ein Buch dabei: Fridolins Wanderzirkus. Gezeichnet von ihrem Vater Albert Schaefer-Ast. Das Buch findet sich nun im London-Museum, ich habe es für diesen Beitrag als Titelbild verwendet. Mit ihr im Zug saß ein 2 Jahre älterer Junge, Jakob J. Petuchowski. Ich habe seinen Namen auf der Transportliste gefunden, die Amy Williams im Dezember 2024 in Yad Vashem in Jerusalem entdeckt hatte. Sie hatte mir die Liste freundlicherweise für meine Recherchen geschickt. Susanne reiste zusammen mit Jakob am nächsten Tag weiter nach Schottland.

Jakob hat sich an die Reise vom 21. Mai 1938 von Berlin über Hoek van Holland und Harwich nach London erinnert. Sein Bericht ist im Buch „Ich kam allein“, herausgegeben von Rebekka Göpfert1, abgedruckt. Im Folgenden soll er hier wiedergegeben werden, weil wir ihn als „Illustration“ des Transportes benötigen, der Susanne von Berlin nach London und weiter nach Schottland gebracht hat:

„Jakob J. Petuchowski (Cincinatti, USA). Aus Berlin

Was haben das Britische Museum, Bloom’s Kosher Restaurant und Charlie Chaplin gemeinsam? Nur das: daß sie alle dicht gedrängt im Zeitraum von nur ein paar Stunden während jener zwei Tage auftauchten, die mein Leben veränderten – und retteten.
In meinem Besitz befindet sich ein Dokument mit dem Titel „Aliens Order 1920“, ausgestellt am 30. Juli 1941 – an meinem sechzehnten Geburtstag – in East Lothian, in Schottland. Es bestätigt die Tatsache, daß ich am 22. Mai 1939 in Großbritannien eingereist bin, und bemerkt unter „Beruf oder ausgeübte Tätigkeit“: „Landwirtschaftshelfer in Ausbildung“. Ein Foto, das dem Dokument beiliegt, zeigt mich in der Arbeitskleidung eines Landwirtschaftsgehilfen. Mein Gesicht drückt alles andere als Freude aus. Vielleicht bin ich einfach nicht der geborene Landwirtschaftshelfer. Aber als ich am Ende die Landwirtschaftsschule in Schottland verließ, um meine rabbinischen Studien fortzuführen, bemerkte jemand: „Die Bauern werden immer sagen, daß du ein guter Rabbiner bist, und die Rabbiner werden sagen, du bist ein guter Bauer.“ Vielleicht hatte dieser Jemand recht. Jedenfalls trug mein Status als „Landwirtschaftshelfer in Ausbildung“ dazu bei, daß mir an meinem sechzehnten Geburtstag die Internierung erspart blieb.

Aber jetzt von vorn. Wir haben den 22. Mai 1939, den Tag meiner Ankunft in England, und nun kommen das Britische Museum, Bloom’s und Charlie Chaplin ins Spiel. Dieser Tag war auch der Geburtstag meiner lieben Mutter, ihr erster Geburtstag seit meiner Geburt, den ich nicht mit ihr zusammen verbrachte. Noch sollte ich jemals wieder einen ihrer Geburtstage mit ihr zusammen verbringen. Am Tag zuvor, am 21. Mai 1939, hatten wir uns tieftraurig voneinander verabschiedet – auf einem Bahnsteig in Berlin. Dort sah ich sie zum letztenmal. Sie ist ein Teil der „sechs Millionen“ geworden. Zu jener Zeit konnte das natürlich niemand voraussehen, obwohl seit 1933 schon so vieles geschehen war. Es gab die Hoffnung, daß wir uns in England wiedersahen – bald. Für ein Muttersöhnchen wie mich war es schlimm genug, aus seiner vertrauten Umgebung und den liebenden, verwöhnenden Armen der Mutter gerissen zu werden.

Die Eisenbahnfahrt nach Holland verlief ohne Zwischenfälle. Wir bestiegen die Fähre nach Harwich. Nachts überquerten wir den Ärmelkanal, und am nächsten Morgen trank ich an Deck meinen ersten Becher Tee mit Milch. Es schmeckte gar nicht schlecht. Aber aus irgendeinem geheimnisvollen Grund kann ich bis auf den heutigen Tag nur in England Tee mit Milch trinken. Überall sonst auf der Welt will mir dieses absonderliche Gebräu einfach nicht die Kehle hinunter.

Nach der Ankunft in Harwich wurde die gesamte Kinderhorde in einen Zug getrieben, der uns nach London brachte. Dort erwarteten uns Mitglieder des Flüchtlingskomitees und Betreuer, die uns an unsere nächsten Zielorte bringen sollten.

Was soll man in der Hauptstadt des britischen Empire schon anfangen mit Dutzenden von müden, ungewaschenen, hungrigen deutsch-jüdischen Flüchtlingskindern, die über vierundzwanzig Stunden unterwegs gewesen waren? Unser freundliches Empfangskomitee war um eine Antwort auf dieses Problem nicht verlegen: Mit Bussen wurden wir zum Britischen Museum gefahren, wo wir auf einer Führung all seine Schätze bestaunen durften. Allerdings weiß ich, ehrlich gesagt, nicht mehr, was wir sahen. Ich bin nicht einmal sicher, ob es mir gelang, während der ganzen Zeit die Augen offen zu halten. Jedenfalls wurde ich an jenem Tag, dem 22. Mai 1939, erstmals mit den kulturellen Reichtümern Großbritanniens bekannt gemacht. Im nachhinein erscheint es mir durchaus sinnvoll, daß man die Kultur damals vor das Essen an die erste Stelle setzte – obwohl wir Kinder gänzlich anders darüber gedacht haben dürften.

Schließlich durften wir die Busse wieder besteigen, und man brachte uns zu Bloom’s Kosher Restaurant, wo wir unsere erste richtige Mahlzeit nach dem Verlassen Deutschlands einnahmen. Ich erinnere mich nicht mehr, was es gab. Das wichtigste war, daß ich meinen Hunger stillen konnte; dafür waren auch alle anderen dankbar.

Ich erfuhr, daß ich nicht in London bleiben sollte. Mein Bestimmungsort war die Whittingehame Farm School in Schottland. Aber es war noch eine lange Zeit zu überbrücken, bis wir den Nachtzug nach Edinburgh besteigen konnten. Wir gingen also ins Kino und sahen Charlie Chaplin im „Großen Diktator“. Ein Jahr Englischunterricht an einer Berliner Jüdischen Schule reichte gewiß nicht aus, um den Dialog mit all seinen Raffinessen zu verstehen, aber Chaplins Schauspielkunst entschädigte mich vollauf für alles, was ich sprachlich nicht mitbekam. Und was es allein schon bedeutete, daß wir dreißig Stunden nach unserer glücklichen Flucht aus Nazi-Deutschland sehen konnten, wie man sich über den Führer lustig machte! Und daß wir ungestraft lachen konnten über das, was hinter uns lag! Jetzt hatten wir endgültig die Gewißheit, daß wir in einem freien Land angekommen waren, und wir atmeten auf.

Während der Eisenbahnfahrt nach Edinburgh in dieser Nacht fanden viele von uns Kindern keinen Schlaf. Die vielen neuen Eindrücke der letzten Stunden, ganz zu schweigen von den köstlichen koscheren Würsten bei Bloom’s – all das mußte schließlich verdaut werden; und die Zukunft war ungewiß. Am 23. Mai 1939 kamen wir pünktlich in Edinburgh an. Das Datum war in diesem Jahr der Vorabend des Wochenfestes, Schawout2. An der Whittingehame Farm School blieben jene, die es wollten, traditionsgemäß die ganze Nacht wach, um miteinander Abschnitte aus der Thora und andere Bibelschriften und rabbinische Texte zu lesen. Das Jahr, in dem ich Bar Mizwa hatte, war noch nicht vollendet, und ich war naturgemäß begierig darauf, als ein erwachsener Jude an diesem nächtlichen Gemeinschaftsstudium teilzunehmen. Wir hatten kaum das zweite der fünf Bücher Mosis beendet, – da überwältigte mich schließlich der Schlaf.

Seither bin ich oft im Britischen Museum gewesen; 1978 saß ich in der berühmten Bibliothek, um zu forschen. Ich habe viele köstliche Mahlzeiten bei Bloom’s verzehrt, und auch den „Großen Diktator“ habe ich später wiedergesehen. Aber die Wiederholungen reichen nicht an das heran, was alle drei Elrebnisse zusammen an jenem 22. Mai 1939 für mich bedeuteten. Damals standen sie für die Freiheit. Wenn ich heute daran zurückdenke, empfinde ich tiefe Dankbarkeit für jene, die mein Leben retteten.“

Soweit seine Erinnerung. Als wir am 30. April 2025 von Harwich kommend, auf den Spuren der Flüchtlingskinder in London ankamen, hatten wir ein etwas anderes Programm als die Kinder damals. Davon mehr im nächsten Beitrag.

  1. dtv Frankfurt 1994, Seite 66-69 ↩︎
  2. die mittlere von drei großen Ernte- und Wallfahrtsfeiern des Jahres, die zur Erinnerung an die Offenbarung am Berg Sinai im Mai oder im Juni stattfindet. ↩︎

1939 – 2025. Auf den Spuren jüdischer Flüchtlingskinder von Deutschland nach England

1939 – 2025. Auf den Spuren jüdischer Flüchtlingskinder von Deutschland nach England

Es ist ein besonderes Jahr, dieses 2025.
80 Jahre Kriegsende. Amerikaner, Briten, Franzosen, Rote Armee hatten dafür gesorgt, dass die Hitlerei endlich ein Ende nahm. Die Deutschen waren dazu selbst nicht in der Lage. Dieses Unvermögen bleibt wohl ewige Schande. In diesem besonderen Jubiläumsjahr sorgt das deutsche Auswärtige Amt dafür, dass Vertreter Russlands nicht zum Gedenken des Kriegsendes eingeladen werden. Grund sei die Sorge des Amtes, russische Vertreter könnten das Gedenken „instrumentalisieren“. Es ist eine sehr verquere Debatte. Denn nun geschieht exakt das: eine Instrumentalisierung des Gedenkens unter Verbiegung historischer Fakten.
Die Enkel der Täter wollen doch tatsächlich den Enkeln der Opfer eine Teilnahme am Gedenken an die Opfer des Krieges untersagen. Glücklicherweise gelingt das nicht, wie man gerade in Seelow beim Gedenken an diese Schlacht und bei zahlreichen weiteren Veranstaltungen in Berlin und anderen Orten sehen kann.
Das alles findet statt auf dem Hintergrund einer bereits beschlossenen massiven Aufrüstung Europas, insbesondere Deutschlands, bei der vorgesehen ist, knapp 1 Billion Euro in Aufrüstung zu investieren. Es handelt sich um die massivste deutsche Aufrüstung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Was für ein Gedenkjahr!

Wie kann man in diesem verwirrten, von Interessen geleiteten Gedenkjahr angemessen den Ereignissen nach-denken, die da vor 80 Jahren stattgefunden haben?

Wir, meine Frau und ich, haben uns entschieden, in diesem besonderen Jahr auf den Spuren jüdischer Flüchtlingskinder von Berlin nach London zu reisen. Am 21. Mai 1939, kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen und dann auf die Sowjetunion, fuhr ein „Kindertransport“ von Berlin über Hoek van Holland und Harwich zunächst nach London, später weiter nach Ayr in Schottland. Diesem Transport werden wir folgen.

Bald schon, am 29. April 2025, also beinahe auf den Tag genau 86 Jahre später, machen wir uns exakt auf der Route auf den Weg, den die Kinder damals genommen haben. Der Zug wird uns von Berlin nach Amsterdam, von dort nach Hoek van Holland bringen. Dort besteigen wir die Nachtfähre, die geplant 22 Uhr ablegen und am nächsten Tag früh morgens im englischen Harwich ankommen soll, so, wie es auch die Flüchtlingskinder erlebt haben. In Harwich steht heutzutage ein Pendant zum Kindertransport-Denkmal, das man vor dem heutigen Bahnhof Berlin-Friedrichstraße findet. Ein weiteres werden wir in London in der Liverpool-Street-Station finden, jenem Bahnhof, an dem die meisten der Transportzüge ankamen.
Der oben abgebildete Ausschnitt aus dem Berliner Denkmal zeigt ein Mädchen, das zu einem vielleicht zwei Jahre älteren Jungen aufblickt. Exakt dies kann sich im Zug vom 21. Mai 1939 zugetragen haben, denn nicht nur die 12-jährige Susanne Schaefer war im Zug, auf deren Spuren wir reisen, sondern auch der 14-jährige Jakob J. Petuchowski (geb. 30.7.1925), der später die Fahrt exakt dieses Zuges vom 21. Mai 1939 im Buch „Ich kam allein. Die Rettung von zehntausend jüdischen Kindern“, herausgegeben von Rebekka Göpfert (dtv. 1994) ausführlich beschrieben hat. Ich habe seinen Namen auf der Transport-Liste vom 21. 5. 39 gefunden, die Dr. Williams im Dezember 2024 in Yad Vashem sehr überraschend entdeckt hat, denn diese Listen galten bislang unter Historikern als verschollen. Ich hatte ein paar Beiträge weiter vorn davon geschrieben.

Wir begeben uns auf Spurensuche in diesem besonderen Jahr des Gedenkens.
Geplant ist unter anderem ein Treffen mit dem ältesten Sohn eines der Flüchtlingskinder, die damals in jenem Zug vom 21. Mai 1939 gesessen haben, Susanne Schaefer, Tochter der Zeichnerin Steffie Schaefer-Ast, geborene Nathan, die während der Weimarer Republik bekannte und anerkannte Zeichnerin unter anderem für „Die Dame“, den „Uhu“ und den „Querschnitt“ war, die vom größten Verlagshaus Europas, dem Ullstein-Verlag herausgegeben wurden.
Susannes Sohn und ich sind ein und derselbe Geburtsjahrgang. Eine britisch-deutsche Begegnung
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges steht uns bevor. Eine Begegnung der Enkel-Generationen. Die Generation unserer Großeltern hat erbitterten Krieg gegeneinander geführt, gegen die jüdische Bevölkerung war es gar ein Vernichtungskrieg, der im industriellen Maßstab geführt wurde; die Deutschen waren diejenigen, die die anderen überfallen hatten, der deutsche Luftkrieg auf London war verheerend.
Auf der anderen Seite des Tisches wird der Sohn eines Flüchtlingskindes sitzen, das damals – gleichsam im letzten noch möglichen Moment – Deutschland verlassen konnte und in Schottland Hilfe und Unterkunft fand.
Werden wir im Gespräch zueinander finden?
Es ist eine offene Frage kurz vor Beginn der Reise.

Wir werden von unseren Eindrücken hier im blog berichten.

Der Kindertransport vom 21./22. Mai 1939 von Berlin nach London. Die Helfer (6)

Der Kindertransport vom 21./22. Mai 1939 von Berlin nach London. Die Helfer (6)

Über Norbert Wollheim hatten wir gerade in Teil 5 gesprochen. Nun noch ein paar Worte über die in der Transportliste erwähnten „übrigen Begleiter“.

Dr. Erna Davidsohn. Von ihr wissen wir Folgendes:
„Dr. Sophie Erna Davidsohn wurde am 5. März 1897 in Berlin geboren. Sie war eine Kinderärztin und lebte mit ihren Eltern und ihrer Schwerster Ilse in der zweiten Etage der Crellestraße 1 (früher Bahnstraße 1–2). Dort hatte ihr Vater Dr. Heinrich Davidsohn eine Kinderarztpraxis.
Erna ging auf die erste höhere Töchterschule, die Chamisso-Schule nahe dem Barbarossaplatz, und machte 1918 ihr Abitur an der Königlichen Augusta Schule, der Vorgängerin der heutigen Sophie-Scholl-Schule. Sie studierte Medizin in Freiburg und Berlin, schloss im Jahr 1924 ihre Doktorarbeit erfolgreich ab. Sie arbeitete dann zunächst in der Praxis ihres Vaters und eröffnete dann eine eigene Praxis in der Tempelhofer Manteuffelstraße 21. Lange konnte sie diese Praxis aber nicht halten, da sie und ihr Vater wie viele andere jüdische Berliner_innen 1938 durch die Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt wurden. Die Familie Davidsohn wurde 1939 gezwungen, ihre Wohnung in der Crellestraße zu verlassen und zog zwangsweise in beengte Verhätnisse in die Marburger Straße 5.
Dr. Erna Davidsohn engagierte sich in der Jüdischen Gemeinde und begleitete mehrere Kindertransporte nach England und Schweden.
Auch Erna Davidsohn und ihre Schwester Ilse wollten auswandern, doch ihre Anträge wurden abgelehnt. Drei Versuche, eine Aufenthaltsgenehmigung für Schweden zu erwirken, um dort auf die Erlaubnis zur Weiterreise in die USA zu warten, scheiterten, trotz der Unterstützung schwedischer Ärzte, die sich für Erna Davidsohn verbürgten.
Erna Davidsohn und ihre Schwester mussten inzwischen Zwangsarbeit leisten, Erna in der Schneiderei der Firma Michalski in der Großen Frankfurter Straße.
Im September 1940 starb der Vater Heinrich Davidsohn im Alter von 75 Jahren. 1942 wurde die 77-jährige Mutter Martha Charlotte Davidsohn, geb. Jacoby, in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
Am 9. Mai 1943 mussten Erna und Ilse Davidsohn die Vermögenserklärung ausfüllen, am 17. Mai 1943 wurden beide mit dem „38. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Ilse Davidsohn wurde dort vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet. Erna Davidsohn wurde als Ärztin mit zwei Kolleginnen im Lagerlazarett des sogenannten Zigeunerlagers eingesetzt und musste unter widrigsten Bedingungen die Inhaftierten versorgen. Die beiden Kolleginnen waren Dr. Paula Heymann und Dr. Lucie Aldelsberger, nur letztere überlebte und beschreibt in ihrer Veröffentlichung „Auschwitz ein Tatsachenbericht“ die Jahre in Ausschwitz. Sie nannte keine ihrer Kolleginnen namentlich, aber beschrieb deren Erkrankungen und qualvollen Tod.“ (Quelle: Stolpersteine-Berlin).

2. Edith Bähler und 3. Kurt Schaefer.
Die Recherche ergab bislang (8.4.2025) keine Ergebnisse.

4. Heinz Cohn. Heinz Albert Cohn wurde am 3. Oktober 1903 in der Großbeerenstraße 25 in Berlin-Kreuzberg geboren. Sein Vater, der Kaufmann Moritz Cohn, war bei seiner Geburt 46 Jahre alt und seine Mutter Lucia Cohn geborene Francken 33 Jahre. Heinz hatte zwei ältere Brüder, den 7-jährigen Alfred und den 4-jährigen Julius. Als Heinz 8 Jahre alt war, starb sein Vater Moritz Cohn am 25. Mai 1912 mit 55 Jahren. Seine Mutter wurde mit 42 Jahren Witwe. 
Sein ältester Bruder Alfred nahm mit 18 Jahren am Ersten Weltkrieg teil. Mit dem Verwundetenabzeichen und dem Eisernen Kreuz II. Klasse kehrte er 1918 aus dem Krieg zurück. Alfred studierte Medizin und wurde Arzt. Es ist anzunehmen, dass auch Heinz eine höhere Bildung genoss, leider konnte hierzu nichts recherchiert werden.

Als sein ältester Bruder im Dezember 1931 heiratete, wohnte Heinz zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder Julius in der Mainzer Straße 16 in Berlin-Wilmersdorf. 1936 zogen die drei in die Landhausstraße 36 in eine 3-Zimmer-Parterrewohnung im Gartenhaus rechts. Hier waren sie auch bei der Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1939 gemeldet. 

In der bei seiner Deportation angelegten Vermögensakte fand sich ein Schreiben des Finanzamtes Wilmersdorf-Süd an den Oberfinanzpräsidenten, in dem mitgeteilt wurde, dass „Heinz Israel Cohn, Autovermietung“ für 1943 noch Vermögenssteuer in Höhe von 40 RM zu entrichten habe. „Nach dem Stande vom 1. Januar 1940 besaß der Steuerpflichtige ein Vermögen von 8.486 RM.“ Demnach verdiente Heinz seinen Unterhalt mit Autovermietung. Da ab dem 3. Dezember 1938 Juden das Führen und Halten von PKWs mit sofortiger Wirkung verboten war, konnte er diese Tätigkeit danach nicht mehr ausüben. Führerscheine und Kfz-Papiere mussten bis spätestens 31. Dezember 1938 zurückgegeben werden. Wann und wo Heinz Cohn seine spätere Ehefrau Flora kennenlernte, ist nicht bekannt. 
Die am 15. November 1907 geborene Flora Ball, Tochter des aus Galizien stammenden Eiergroßhändlers Abraham Ball und seiner Gattin Berta Erika Ball geborene Alexandrowitz, hatte zum ersten Mal mit 22 Jahren am 29. April 1930 den 23-jährigen Österreicher Karl Opat geheiratet. Schon drei Monate später kam ihr Sohn Victor Alexander zur Welt. 
1935 wurde auf der Heiratsurkunde mit einem Stempel vermerkt, dass die Ehe zwischen Karl Opat und Flora Opat durch das am 28. Juni 1935 rechtskräftig gewordene Urteil für aufgelöst erklärt wurde, wobei das auf dem Stempel vorgegebene Wort „geschieden“ durchgestrichen wurde. Es ist anzunehmen, dass Karl Opat sich als Opfer einer arglistigen Täuschung sah und deshalb den Antrag auf Aufhebung der Ehe stellte. Er selber gab später in Wien an, dass er nicht geschieden, sondern ledig sei.
In der von Flora bei der Deportation ausgefüllten Vermögenserklärung schrieb sie mehrmals, dass ihr mittlerweile 12-jähriger Sohn Victor „Geltungsjude“ sei. Karl Opat war Jude, deshalb kann davon ausgegangen werden, dass Victors leiblicher Vater nicht Karl Opat war. 
Nach Auflösung der Ehe zog Flora zu ihrer Mutter, die seit 1932 verwitwet war. Bei der Minderheiten-Volkszählung 1939 waren Flora, Victor und ihre Mutter Berta in der Madaistraße1 in Horst-Wessel-Stadt (heute Berlin-Friedrichshain) in der Nähe des Ostbahnhofs gemeldet. Von dieser Adresse wurde ihre Mutter am 8. September 1942 nach Riga deportiert.
Heinz und Flora heirateten am 18. Dezember 1941. Heinz wurde mit der Heirat Stiefvater von Victor. Erst nach der Deportation von Floras Mutter zog die kleine Familie im Oktober 1942 zu Heinz Mutter in 1 ½ Zimmer ihrer Wohnung in der Landhausstraße 36.
Heinz und Flora hatten seit 1941 Zwangsarbeit zu leisten. Heinz arbeitete wie sein älterer Bruder Julius als Maschinenarbeiter bei der Firma Heinrich Klüssendorf im Zitadellenweg 20 in Berlin-Spandau. Die Firma Klüssendorf war auch als Rüstungsbetrieb tätig und lieferte Teile für die Herstellung automatischer Waffen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden zudem die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke beliefert. Flora arbeitete als Stanzerin in der Firma Max Scheele in der Blücherstraße 37 in Berlin-Kreuzberg. Da die jüdischen Schulen 1941 schon geschlossen waren, wird Victor sich in der Wohnung bei Heinz‘ Mutter aufgehalten haben.
Als ersten der Familie Cohn deportierte die Gestapo Julius zusammen mit seiner Ehefrau Judith am 26. Februar 1943 aus der Martin-Luther-Straße 87 nach Auschwitz. Kurze Zeit später erhielten Heinz, Flora und Viktor den Deportationsbefehl. Im Sammellager in der Großen Hamburger Str. 21 mussten sie am 12. März 1943 die Vermögenserklärungen ausfüllen und danach auf ihre Deportation warten.
Heinz‘ Mutter Lucia hatte ihre Vermögenserklärung schon am 6. März 1943 ausgefüllt. Auf die Frage, welche Familienangehörigen schon ausgewandert seien, gab sie ihre beiden Söhne, Julius und Heinz mit der Bemerkung „abgewandert“ an. Mit dem 4. Großen Alterstransport wurde sie am 17. März 1943 mit 1.199 anderen vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Theresienstadt deportiert. 
Heinz, Flora und Victor blieben noch über einen Monat im Sammellager. Da Heinz ältester Bruder Alfred für die Reichsvereinigung der Juden arbeitete, wird er alles versucht haben, die Deportation seines jüngsten Bruders hinauszuzögern, allerdings ohne Erfolg. Am 19. April 1943 deportierte die Gestapo Heinz, Flora und Victor zusammen mit weiteren 685 Personen mit dem 37. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie sie ermordeten. Heinz Cohn starb mit 39 Jahren, Flora Cohn mit 35 Jahren und Victor Opat mit 12 Jahren. (Quelle: Stolpersteine Berlin).

5. Frau Irma Zancker. Frau Zancker ist bei den Hamburger Stolpersteinen dokumentiert. Dort heißt es kurz: Irma Zancker (geborene David) * 1901 Sierichstraße 46 (Hamburg-Nord, Winterhude) Irma Zancker, geb. David, geb. 25.6.1901 in Altona, deportiert am 23.6.1943 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 28.10.1944 nach Auschwitz, dort ermordet.
In einer auf der Seite der Stolpersteine Hamburg eingefügten Tondatei (Nr. 7 im hier eingefügten link) erfährt man noch etwas mehr über ihr Leben.

Irma Zancker war schon Begleitperson beim ersten Kinder-Transport am 29. November 1938, wie dieses Dokument belegt:

6. Schwester Thekla Picard. Wir wissen bislang nicht viel von ihr. Sie wird bei den Hamburger „Stolpersteinen“ als Fürsorgerin in der Jüdischen Gemeinde erwähnt. Diese Fürsorgestellen waren wichtig bei der Auswahl der Kinder, denn die Kinder mussten vorher einem Gesundheits- und Sozial-Check unterzogen worden sein. Die Fürsorgestellen hatten von jedem „Transport-Kind“ eine eigene Akte mit den notwendigen Papieren angelegt. (Quelle: Stolpersteine Hamburg).

Der Kindertransport vom 21./22. Mai 1939 von Berlin nach London. Die Helfer (5)

Der Kindertransport vom 21./22. Mai 1939 von Berlin nach London. Die Helfer (5)

Die 2024 in Yad Vashem gefundene Transport-Liste, die ich im März 2025 aus Großbritannien von Dr. Amy Williams erhielt, enthält auch die Namen und Anschriften der Helfer des Transports, in dem Susanne Schaefer nach England entkommen konnte. Die niederländischen Grenzbehörden registrierten als „Hoffdleider“ (Hauptleiter) des Transports Norbert Wollheim. Ihm sei dieser blogbeitrag gewidmet. Zu den anderen Helfern komme ich im nächsten Beitrag.

In Berlin war Norbert Wollheim Zeuge des Pogroms vom 9./10. November 1938 geworden und unterstützte in den folgenden Wochen jüdische Männer, die an diesen Tagen von der Gestapo ins KZ Sachsenhausen verschleppt worden waren. Sie wurden nun wieder entlassen, waren jedoch häufig verletzt, misshandelt und krank, und versuchten, zu ihren Familien zurückzukehren. „Damals begriff ich, dass Rabbiner Leo Baeck, der mein Lehrer und geistiger Mentor war, Recht hatte, als er sagte, dass die historische Stunde des deutschen Judentums zu einem Ende gekommen sei.“[1]

In seinen Vorbereitungen zur eigenen Auswanderung wurde Norbert Wollheim von Otto Hirsch von der Reichsvereinigung der deutschen Juden unterbrochen, der ihn bat, die Organisation der Auswanderung tausender Kinder[2] zu übernehmen, deren Aufnahme Großbritannien in Folge des Pogroms angeboten hatte.  a  Wollheim ließ sich überzeugen, diese Arbeit im Geiste der Jüdischen Jugendbewegung, in der er aufgewachsen war, zu übernehmen: „In der Jugendbewegung hatten wir gelernt zu helfen, wo es nur möglich war. Dies war unser Credo. Das, was man für sich selbst tut, ist nicht genug. Man muss versuchen, sich auch um Leute zu kümmern, die weniger Glück haben als man selbst, und Hilfe und Unterstützung brauchen. Also begann ich mit der Arbeit.”[3]

Nachdem eine hochrangige Delegation britischer Juden, unter ihnen Viscount Samuel, Lord Bearsted, der Oberrabbiner J. H. Hertz und Chaim Weizmann, vom britischen Premierminister Neville Chamberlain die Zusage für die Aufnahme der Kinder erhalten hatten, standen sowohl in England als auch in Deutschland die involvierten Wohltätigkeitsorganisationen und Helfer/innen vor zahlreichen organisatorischen Problemen. In England sammelte das Refugee Children’s Movement Spenden zur Finanzierung des ganzen Unternehmens und machte sich auf die Suche nach Pflegefamilien, seien sie jüdisch oder christlich. Gerade Pflegefamilien zu finden, erwies sich als schwierig, so dass viele Kinder nach ihrer Ankunft in England erst einige Zeit in dem für sie geschaffenen Auffanglager in Dovercourt untergebracht werden mussten.

In Deutschland war die Aufgabe zunächst, in ganz Deutschland jüdische Kinder zu finden, die die Kriterien erfüllten – unter 17 Jahre, gesund, mit Einverständnis der Eltern, da diese ja nicht mitgehen durften –, für sie die Ausreiseformalitäten zu regeln und festzulegen, wann sie von Berlin nach England reisen sollten. Während Wohltätigkeitsorganisationen in den jüdischen Gemeinden vor Ort die Kinder aussuchten und ihre Unterlagen nach Berlin schickten, war es Norbert Wollheims Aufgabe, die Listen der einzelnen Transporte zusammenzustellen und sie mit den Organisationen in England abzustimmen, was häufig nächtlicher Telefongespräche bedurfte, auf die er manchmal mehrere Stunden warten musste wegen der schlechten Verbindungen.

Die Kinder mussten sich einem Gesundheitscheck unterziehen und wurden daraufhin in den örtlichen jüdischen Gemeinden für einen der Kindertransporte ausgewählt oder abgelehnt. Es wurde auf diese Weise auch versucht, Jungen außer Landes zu bringen, die am 9./10. November von der Gestapo verhaftet worden waren und nur mit der Auflage wieder entlassen worden waren, das Deutsche Reich bald zu verlassen. Die Eltern brachten ihre Kinder aus ganz Deutschland nach Berlin,[4] von wo sie in besonderen Waggons abfuhren. Norbert Wollheim hatte mit Kindern und Eltern erst in Berlin bei der Verabschiedung am Bahnhof direkt zu tun. Hierfür mietete er im Schlesischen Bahnhof1 einen separaten Saal an, da die Gestapo den Eltern verboten hatte, ihre Kinder auf den Bahnsteig zu begleiten, um öffentlich sichtbare Abschiedsszenen zu vermeiden. In diesem Saal war es seine Aufgabe, mit einer kurzen Ansprache den endgültigen Abschied zwischen Eltern und Kindern einzuleiten.  b 

Weitere Helfer/innen wurden rekrutiert, um die Kinder zu begleiten, zunächst nur bis zur holländischen Grenze, aber bald gelang es, die deutschen Behörden davon zu überzeugen, dass es im Interesse aller sei, die Kinder bis nach London zu begleiten. Dies gestattete die Gestapo nur unter der Bedingung, dass alle Begleiter/innen sofort aus England nach Deutschland zurückkehren mussten; hätte eine/r die Reise nach England zur Flucht aus dem Deutschen Reich genutzt, wären die Kindertransporte von der deutschen Seite abgebrochen worden. Es lag also bei der Auswahl der Begleiter/innen eine große Verantwortung auf Norbert Wollheim. Er begleitete selbst vier oder fünf der etwa 20 Kindertransporte von Berlin nach England, auch einige nach Schweden, denn auch Schweden entschloss sich, jüdische Kinder aus Deutschland aufzunehmen. Die Reisen nach England nutzte Wollheim zudem für organisatorische Absprachen mit den Mitarbeiter/innen des Refugee Children’s Movement dort.

Die Züge fuhren von Berlin zur holländischen Grenze, wo sie noch einmal den Schikanen der SS ausgesetzt waren, die häufig alles Gepäck der Kinder durchwühlten und diese terrorisierten.  c  In Holland wurden die Kinder von dortigen Hilfsorganisationen versorgt und fuhren dann weiter mit einer Fähre nach Harwich in England, wo der erste Kindertransport am 2. Dezember 1938 eintraf. Nach Einwanderungs- und Zollkontrolle  d  kamen die Kinder von dort entweder ins Auffanglager in Dovercourt oder fuhren weiter zur Liverpool Street Station, wo ihre Pflegeeltern sie erwarteten. Für viele Kinder war dieser Bruch in ihrem Leben eine traumatische Erfahrung, oft hatten sie Schwierigkeiten, sich an ihre neuen Familien in England zu gewöhnen, die oft ganz anders waren als ihre Herkunftsfamilien. In vielen Fällen waren die Aufnahmefamilien nicht jüdisch, oder, waren sie jüdisch, so lebten sie die religiösen Traditionen doch oft in einem anderen Grad, als es manche der Kinder gewöhnt waren. Es gab Kinder, die viele Anstrengungen unternahmen, ihre Eltern und auch Geschwister nach England nachzuholen, ihnen dort Jobs zu besorgen, die eine Einreise ermöglichten; einigen gelang dies auch. Die Eltern der meisten durch die Kindertransporte in Sicherheit gebrachten Kinder wurden jedoch in den NS-Vernichtungslagern ermordet; nur wenige hatten das Glück, ihre Eltern Jahre später, nach dem Krieg, wiederzutreffen.

Im Sommer 1939 hatte das Refugee Children’s Movement zunehmend Schwierigkeiten mit der Finanzierung der Transporte, im August ging das Geld ganz aus. Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen endete im September 1939 jede Möglichkeit, weitere Kinder außer Landes zu bringen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es nach Norbert Wollheims Aussage gelungen, etwa 6–7.000 Kinder aus Deutschland nach England und Schweden zu bringen.  e 

Ein letzter Kindertransport, der eigentlich für Anfang September vorgesehen war, hatte noch in den letzten Augusttagen nach England fahren können; bei diesem Transport war Norbert Wollheim schon nicht mehr als Begleiter dabei, da er fürchtete, evtl. nicht mehr zu seiner schwangeren Frau, Rosa Wollheim (geb. Mandelbrod), nach Berlin zurückkehren zu können. Ihm und seiner Familie gelang die Auswanderung nicht mehr, sie wurden im März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo Rosa und ihr Sohn Uriel sofort nach der Ankunft ermordet wurden. Norbert Wollheim kam ins KZ Buna/Monowitz.

(MN)

Diesen Text habe ich der Seite Norbert-Wollheim-Memorial entnommen. Wollheim überlebte die Zeit im KZ, war später Zeuge im Auschwitz-Prozess, klagte gegen die IG-Farben und blieb ein Leben lang für Menschen engagiert, die Unterstützung benötigten.

  1. hier hat sich im zitierten Originaltext ein Fehler eingeschlichen. Die Kindertransporte starteten nicht am Schlesischen, sondern am Anhalter Bahnhof. ↩︎

Der Kindertransport 21/22. Mai 1939 Berlin – London. Die Liste. Woher die anderen Kinder kamen (4)

Der Kindertransport 21/22. Mai 1939 Berlin – London. Die Liste. Woher die anderen Kinder kamen (4)

Die Kinder kamen nicht nur aus Berlin. Wir sehen an der Liste, die mir die britische Historikerin Dr. Amy Williams im März 2025 dankenswerterweise in Kopie zur Verfügung gestellt hat – sie kamen auch aus Beuthen (heute Polen):

Sie kamen aus Hamburg:

und sie kamen aus einer ganzen Reihe anderer Städte in Deutschland: aus Breslau, Königsberg, Magdeburg, Chemnitz, Hamm, Gelsenkirchen, Würzburg, Bamberg und Stuttgart.

Diese im Dezember 2024 in Yad Vashem/Jerusalem entdeckten Transportlisten der Kindertransporte werden nun auch in zahlreichen Städten die Forschungen zur Herkunft jüdischer Familien und ihrer Nachfahren ergänzen und erweitern können. Ein wertvoller Fund.

Wer sich mit dem Thema „Kindertransporte“ etwas eingehender befassen will, dem sei folgende Literatur empfohlen:

  1. Wolfgang Benz (Hg). Die Kindertransporte 1938/39. Fischer-Taschenbuch 2024, 2. Auflage
  2. Rebekka Göpfert (Hg). Ich kam allein. Die Rettung von zehntausend jüdischen Kindern. dtv 1994
  3. Rebekka Göpfert. Der jüdische Kindertransport von Deutschland nach England 1938/39. Campus-Verlag Frankfurt/New York 1997
  4. Dorit B. Whiteman. Die Entwurzelten. Jüdische Lebensgeschichten nach der Flucht 1933 bis heute. Böhlau Verlag Wien.Köln.Weimar 1995
  5. Mike Levy: Get the Childen out! Sonderausgabe zum 85. Jahrestag der Transporte.
  6. Das neue Buch von Dr. Amy Williams zu ihrem Fund der Transport-Listen im Dezember vorigen Jahres in Yad Vashem wird im Sommer 2025 erscheinen.

Mike Levy hat sein Buch auch „Die unbesungenen Helden des Kindertransports“ genannt. Von denen wird im nächsten blog-Beitrag die Rede sein, denn die Liste vom 21./22. Mai 1939 nennt auch ihre Namen.

Kindertransport 1939 Berlin – London. Die Mädchen aus Berlin (3)

Kindertransport 1939 Berlin – London. Die Mädchen aus Berlin (3)

Die Liste mit den Namen und Anschriften der Berliner Kinder, die am 21./22. Mai 1939 von Berlin über Hoek van Holland – Harwich nach London fliehen konnten, enthält 45 Namen Berliner Mädchen. Schaut man sich diese Liste genau an, fällt die größte Altersgruppe der 14-16jährigen Mädchen sofort auf.
Auch finden sich Geschwisterpaare. Die drei jüngsten Mädchen dieses Transportes sind 6, die beiden ältesten sind gerade noch 17 Jahre. Die Altersgrenze für die Transporte lag bei 17 Jahren … Man ahnt die Panik der Eltern, ihr Kinder „gerade noch“ auf den Transport bekommen zu haben.
Die jüdischen Hilfsorganisationen in Deutschland, bei denen die „Anwärter-Kinder“ angemeldet waren, mussten auswählen. Erschütternd ist heute, 95 Jahre nach jenen Ereignissen wahrzunehmen, nach welchen Kriterien die Kinder ausgesucht wurden: sie mussten gesund sein, blonde, 12jährige Mädchen waren bevorzugt in England, Jungen hatten es sehr viel schwerer. Behinderte Kinder hatten keine Chance. Zur Tragik der Kindertransporte gehört, dass die meisten Kinder eben nicht gerettet werden konnten. Aber, immerhin 10.000 konnten den Nazis nach England entkommen.

Die Kinder wurden auf englischer Seite entweder von „Pateneltern“ am Bahnhof abgeholt – oder sie kamen gleich in der Nähe von Harwich in ein eigentlich für Sommeraktivitäten gebautes Camp, das aber in den Wintermonaten ab Dezember 1938 nun als Kinder-Flüchtlings-Lager dienen musste. Die Verhältnisse waren entsprechend schlecht. Am Beginn der Transporte waren die Patenschafts-Fragen noch nicht verlässlich geklärt, weshalb es bei der Ankunft zu Szenen „wie auf einem Viehmarkt“ kam, wie ehemalige „Kinder“ in ihren Lebenserinnerungen geschrieben haben. Die Kinder waren aufgestellt und die Gasteltern konnten sich „ein ihnen passendes Kind aussuchen“. Natürlich blieben bei einem solchen Verfahren Kinder „übrig“ – um die sich dann die Hilfsorganisationen selbst kümmern mussten.
Schon bald allerdings waren die Transporte zunehmend professionalisiert. Auch hörten die dramatischen Szenen auf den Berliner Bahnsteigen auf, wenn sich die Eltern von ihren Kindern direkt am Zug verabschiedeten. Norbert Wollheim, von dem noch die Rede sein wird, sorgte dafür, dass sich die Eltern von ihren Kindern in einem eigenen großen Raum verabschieden konnten, bevor die Kinder den Zug bestiegen. Auch hatten die Nazis gefordert, dass diese „Verabschiedungsszenen auf dem Bahnsteig“ aufzuhören hätten, die Berliner Bevölkerung sollte nicht mitbekommen, was da vor sich ging.

Im Zug wurden die Kinder von Erwachsenen begleitet, die aber, so war die Bedingung der Nationalsozialisten, nach dem Transport von England nach Deutschland zurückkehren mussten. Falls jemand die Gelegenheit zur Flucht nutzen sollte, würde man die Transporte sofort einstellen.

Wir sehen hier an den Blättern zwei und drei (Blatt 3 enthält Susanne Schaefer, um die es bei der Recherche eigentlich geht) der Transportliste, dass die Kinder dieses Transportes nicht nur aus Berlin kamen.
Im nächsten Beitrag gehe ich näher darauf ein.

Peter Schaefer. Ein kurzes Leben in Briefen. „Nun bin ich schon seit 5 Tagen Soldat“

Über Steffies Stiefsohn Peter Schaefer habe ich nicht sehr viel herausfinden können. Er wurde am 12. Mai 1924 in Berlin geboren, ging dort zur Schule. Ich habe ihn eigentlich erst aus seinen Briefen an seine Mutter Oda etwas näher kennengelernt. Diese Briefe habe ich vor Kurzem in einem Münchner Archiv entdeckt. Peter kannte seinen Vater Albert Schaefer in sehr früher Kindheit gar nicht, denn Oda zog mit dem Kind nach der Trennung von Schaefer-Ast zu ihrem Bruder. Peter kam erst im Alter von 10 Jahren zu seinem Vater und seiner zweiten Frau Steffie und der Halbschwester Susanne nach Berlin. Peter war als Junge in Prerow, auch in Begleitung seiner Mutter Oda; Steffie und Susanne waren nie dort. Über eine Ausbildung nach der Schule ist mir nichts bekannt. Es sieht in den Briefen so aus, als sei Peter gleich nach dem Abitur erst zum „Reichsarbeitsdienst“ und dann zur Wehrmacht gekommen.

Im Sommer 1940, Peter ist 16 Jahre alt, verbringt er die Ferien in Prerow. „Pappi“, also Albert Schaefer, „hat 6 Gänse gekauft“, schreibt er an seine Mutter Oda, die inzwischen mit ihrem zweiten Mann zusammen lebt und für eine 2 in der Schule hat er von „Pappi“ „eine Mark“ bekommen, so kann man es im Brief lesen.

Am 9.6.1941 (mit 17) schreibt er, er hätte „eine 5 in Mathe“ bekommen und das kurz vor der „Versetzung“. Allerdings habe er „in Latein eine 3“ geschrieben. Im Sport sei er ganz gut und wolle nun „in Prerow Langestreckenlaufen üben“. Die Zigaretten im Paket der Mutter habe er „ein bißchen parfümiert“. Der Abiturient raucht offenbar und bekommt von seiner Mutter Pakete, was darauf hindeutet, daß er nicht in Berlin zum Gymnasium geht. Am 15.9.1942 schreibt Peter einen Brief an seine Mutter, auf den sie später „Reichsarbeitsdienst“ notiert hat. Die Dienstzeit beim R.A.D. betrug in der Regel ein halbes Jahr.  Die Briefe aus Calau muten allerdings schon an, als sei er beim Militär. In dem Brief schreibt er, er habe für seine Mutter Zuckerstücken gesammelt und seine Mutter bräuchte nun „keine Angst mehr um den Weihnachtskuchen“ zu haben. Er berichtet von einem „Selbstverstümmler“, den man schon in eine Einrichtung in Daldorf (Wittenau) eingeliefert habe. Offenbar war da ein junger Mann, der alles versuchte, um nicht zum Militär und nicht an die Front zu kommen. Man sprach damals auch in solchen Fällen vom „Heimatschuß“. Peter will, wenn es mit dem Weihnachtsurlaub klappt, mit „Horschtel“, gemeint ist Odas zweiter Ehemann Horst Lange, „in civil“ sich betrinken gehen. Und dann will er gründlich ausschlafen. Er beschwert sich bei seiner Mutter über seine Freundin „Chenny“, die ihm „seit 5 Monaten nicht geschrieben“ habe. Seine Mutter solle der Chenny mal „den Kopf waschen“.

Im März 1943 schreibt er davon, wie schwer ihm die Trennung von „Chenny“ fällt, die er wohl an Weihnachten vollzogen hat, jedenfalls klingt der Brief so, und er berichtet, er werde gegen Ende des Monats März aus dem Reichsarbeitsdienst entlassen, allerdings wisse er nicht, wann er zum Militär eingezogen würde, das wüssten nur „die Götter“.

Am 24. 5. 1943 schreibt er: „Nun bin ich schon seit 5 Tagen Soldat und habe davon noch nicht viel gemerkt. Wir machen jeden Tag Revierreinigen und spielen Karten.“ Der junge Soldat, der grade der Schulbank entronnen ist, langweilt sich „im Kriege“. Offenbar hat er sich doch nicht wirklich von „Chenny“ getrennt, denn er hofft im Brief darauf, daß sie beim Besuch der Mutter in der Kaserne „hoffentlich mitkommt“. Er trägt jetzt „Wickelgamaschen und Breeches“ und sähe aus „wie ein britischer Offizier, wenn er sich die Mütze aufsetzet“. In Berlin gibt es bereits Tagalarm. Britische und amerikanische Bomber kommen nun auch am Tage. Peter weiß davon. Seine Mutter hat es ihm geschrieben.

Am 9. Februar 1944 schreibt Peter einen längeren Brief, meistens hat er nur kurze „Feldpostkarten“ geschrieben. Er erzählt in diesem längeren Brief vom „Bunker“, in dem er bei „Hindenburglichtern“ sitzt, eine Art Teelichter, die man zur Beleuchtung des Bunkers verwendete. Auch zeichnet er den Bunker, offenbar hat er sich das Zeichnen vom Vater angenommen.

Peter bedauert „nicht wirklich“, „daß wir nun alles verloren haben, bloß daß Pap seine ganzen Zeichnungen verloren hat, das ist unendlich traurig“.
Im November 1943 war Schaefers Wohnung bei einem gewaltigen Fliegerangriff zerstört worden. Schaefer galt nun als „ausgebombt“ und musste ins kleine Häuschen nach Prerow ausweichen. Peter hatte an der Front durch Briefe seiner Mutter davon erfahren.

Indirekt verrät er seiner Mutter, wo er steckt: er habe 2x „aus Bunzlau“ an seine Freundin Chenny geschrieben, aber die habe sich wieder nicht gemeldet. „Denk Dir, ich war in Liegnitz“ schreibt er und erinnert seine Mutter an die gemeinsame sehr frühe Zeit, als er als Säugling von Berlin mit der Mutter nach der Trennung von Schaefer-Ast zu ihrem Bruder nach Liegnitz gekommen war. Liegnitz liegt in Schlesien. Und nach Russland ist es nicht mehr weit. Im Brief zeichnet er einen Unfall, den er gehabt hatte, als die Soldaten das „Haus eines Russen“ durchsuchten.

Auch fügt er dem Brief eine Zeichnung vom Bunker bei, damit seine Mutter eine Vorstellung hat, wie er seinen Tag zubringt.

Er berichtet seiner Mutter vom „Bettenbau“, von ersten Erfahrungen mit einer russischen Sauna und davon, daß er sich mühsam mit der Hand genähte „Bunkerschuhe baut“. „Ich muß immer warten, bis die Daumen verheilt sind, dann kann ich wieder weiternähen. Ja, Ziegenfell ist zähe!“, schreibt er und erwähnt, das Ziegenfell habe er auch bei einer „Hausdurchsuchung“ in einem „Russenhaus“ gefunden. Der Bunker sei am morgen nämlich ein „Eiskeller“, da müsse man vorsorgen. Das Moos zwischen den Ritzen der Bunkerbalken sei „halt nicht dicht genug“.

Er teilt seiner Mutter die neue Feldpostnummer mit und bittet sie, diese Nummer auch der Freundin „Chenny“ mitzuteilen. Er verrät etwas sehr Intimes an seine Mutter: er schreibe eine „Novelle von Chenny und mir“ mit dem Titel „Kismet“.
Da ist er, der Künstler-Sohn, der Kunstpostkarten sammelt und an einer Novelle arbeitet.

Am 10.4.1944 schreibt er eine Feldpostkarte an seine Mutter in Berlin:

„Meine liebe Mutsche!

Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief. Nun wird ja auch die andere Post nicht auf sich warten lassen. Die hübschen „Blumen“, die im Brief liegen, fand ich in einem Russenhaus. Es waren wieder reiche Bauern, ich fand auch Schulbücher mit Schulheften, wo alles drin war, was wir auch gehabt haben Wurzel und logarithmische Rechnungen usw. Ja, das Wollgras muß es hier viel geben weil alles Sumpf ist, hier in der Umgebung. So langsam taut es jetzt, es gibt schon große Stellen, wo der Schnee ganz weg ist. Die Vögel zwitschern den ganzen Tag. In dem Haus fand ich auch ein Barometer, das wird jetzt andauernd kritisch betrachtet. Die Kameraden sind nicht ganz überzeugt davon! Sonst geht’s mir gut! Denke an das Briefpapier! Sonst schreibe ich nicht mehr!

Viele herzliche Grüße von deinem Peter“

Am 6.5.1944 klingt es im Brief so:  „Besonders gut haben wir es hier nicht getroffen. Aber wir haben wenigstens ein Dach überm Kopf und nicht wie die armen Infanteristen, die in Erdlöchern hausen.“

26. Mai 1944: „ich habe einen furchtbaren Schreck bekommen, ich dachte schon, sie holen mich als Offz. Bewerber, sie hatten hier schon sone Prüfung gemacht. Aber es wird G.s.d[1]. nichts draus!“
Peter erzählt, dass er eine alte Katze mit ein paar jungen Kätzchen gefunden hätte. Er hat sie in diesem Brief gezeichnet. Und er erzählt, daß diese Kätzchen im Haus verbrannt seien, als „die Landser“ das ganze Haus in Brand gesetzt hätten.

Am 7. Juni 1944 schreibt Peter Schaefer folgende Zeilen an seine Mutter:

„Meine arme Mutscheline!

Hast Du so einen bösen Sohn? Nein! Ich hatte wirklich wenig Zeit, mir ging es in letzter Zeit auch dreckig. Hurra, dein Paket ist angekommen! Ich danke dir mit einem Träne in der Knopfloch! Pardon! Umgekehrt! Ich hab mich wahnsinnig über alles gefreut, bloß ich habe schon eine Bibliothek zusammen, von der ich mich bald nach Prerow erleichtern werde. Apropos Prerow, ich komme höchstwahrscheinlich Anfang bis Ende Oktober auf Urlaub. Na, nu geht’s um die Wurst! Wir verfolgen gespannt die Ereignisse im Westen. Hier ist Stellungskrieg in höchster Potenz, d.h. der „Heilige Barrasius“ d.i. der „Barras“ oder Kommis, ist in höchsteigener Person dabei, den Landsern die letzte Lust zu vertreiben, indem an ruhigen Tagen allerlei „dienstlicher Unfug“ getrieben wird.

Ihr habt in „Groß Kaputt[2]“ nun wohl schlimme Tage, ihr armen Hascherln? Na, vielleicht geht’s bald zu Ende!

Wir haben hier schöne Tage und mitunter, wenn wir zur „Tarnung“, das ganz groß geschrieben wird, Bäume schlagen, dann werfe ich mich ins hohe Gras und atme tief den betäubend schönen Geruch ein, drehe mich rum und starre in die Wipfel und daran vorbei in den blauen Himmel mit den weißen Wölkchen. Entschuldige, Mutsche, ich kann nicht mehr weiterschreiben, ich erzähl es dir mal später, warum.

Seid herzlich gegrüßt, ich denke immer an Euch Euer Peter.“

Die letzte erhaltene Nachricht von Peter Schaefer stammt vom 14. Juni 1944. Eine Feldpostkarte mit einer neuen Feldpostnummer, abgestempelt im „Bezirk Breslau“. Sie lautet:

Feldpostkarte von Peter (27906) an Oda in Zehlendorf  (abgestempelt 20.6.44 in Brieg, BZ Breslau 1)

„Liebe Mutsche!

Neue F.P.Nr. steht hinten. Hier ist auch alles in Blüte, da hier viel Sumpf ist, blüht das Wollgras, ich schick dir mal welches. Es sieht sehr hübsch aus in den hellgrünen Binsen mit dem Hahnenfuß zusammen. Sonst geht’s mir danke, was ich auch von Euch hoffe!

Viele herzliche Grüße Dein Peter“

Schaefer-Ast und seine erste Frau Oda schreiben sich noch lange und in den Briefen wird immer wieder deutlich, daß sich insbesondere Oda fragt, wo ihr Sohn sein könnte, sie will nicht glauben, daß er ums Leben gekommen ist. Schaefer versucht sie zu trösten und meint, Peter hätte sich bestimmt mit „einigen Kameraden“ über Persien „oder sonstwie“ abzusetzen versucht, um sich nach Deutschland „durchzuschlagen“. Aber die Hoffnungen bleiben vergebens. Peter kehrt nicht zurück.

Erst im Jahre 1967 taucht er wieder auf. Und zwar auf jener Zeichnung, die Steffie von ihm gezeichnet hatte, da war er etwa 10 Jahre alt. Steffie, nun schon im Alter von 72 Jahren, schickt diese Zeichnung an seine Mutter Oda nach München und schreibt dies:

Man kann ahnen, was in Oda vorgegangen sein mag, als sie diesen Brief öffnete.


[1] Gott sei dank

[2] Von Berlin war nach den fürchterlichen Luftangriffen bei Tag und Nacht nicht mehr viel übrig in jenen Tagen.

Die Kindertransporte 1938/39. Das Trauma der Kinder

Die Kindertransporte 1938/39. Das Trauma der Kinder

Nun haben wir Kontakt in England. Mein Recherche-Partner Peter in London hat tatsächlich den ältesten Sohn von Susanne Buck, geb. Schaefer „ausgegraben“ und wir haben Mailkontakt miteinander. Wunderbar. Wir haben ihn gefragt, was seine Großmutter (Steffie Schaefer, geb. Nathan) bzw. seine Mutter Susanne Buck (geb. Schaefer, 1927-2002) über die Flucht aus Deutschland 1939 und die erste Zeit in England erzählt hätten.

Wir lesen: „My grandmother died when I was 15 (1972) and I have no recollection of her talking about fleeing Germany. My mother, similarly, didn’t speak of it. I think the shock and trauma of it was something she wanted to put behind her.“

Wir wissen inzwischen Genaueres: am 20. Mai 1939 ging ein Zug von Berlin Friedrichstraße an die holländische Küste und von dort fuhren die Kinder mit der Fährer weiter nach London. Dort kamen sie am 22. Mai 1939 an.
Wir wissen weiterhin, daß Susanne (sie war damals 12) mit 180 anderen Kindern von London aus am Folgetag nach Schottland gebracht wurden. In Ayr kam sie bei wohlhabenden Menschen unter und wurde gut aufgenommen und gefördert, wir haben inzwischen sogar Fotos von Susanne in Schuluniform etwa aus dem Jahre 1942.
Schließlich wissen wir, daß es im Juli 1951 zu einer Wiederbegegnung der drei Menschen in Berlin kam: Vater Albert Schaefer-Ast kam aus Weimar; Mutter Steffi und Tochter Susanne (sie war inzwischen 24 Jahre alt) kamen aus London, Vater Albert hatte die Flugtickets bezahlt. Berlin war geteilt und lag in Trümmern, es war nicht einfach, zwischen den „West-Zonen“ und der „Ost-Zone“ zu pendeln. Schaefer-Ast war beim Treffen schwerst krank, er konnte kaum laufen, hatte Hungerödeme, kam mit der Hitze in der Stadt nicht zurecht und ist vorzeitig Richtung Prerow abgereist.

Susannes ältester Sohn nun ist von Peter in London und von mir gefragt worden, was Susanne von der Flucht und vom Treffen mit ihrem Vater (der zwei Monate nach dem Treffen starb) erzählt hätte: „she didn’t speak of it.“ Sie sprach nicht darüber. „Schock“ und „Trauma“ seien wohl die Gründe dafür.

Diese Flüchtlingskinder mussten eine mehrfache Traumatisierung erleiden, Ute Benz ist in ihrem Aufsatz „Traumatisierung durch Trennung. Familien- und Heimatverlust als kindliche Katastrophen“, der im Buch „Die Kindertransporte 1938/39“, hrsg. von Wolfgang Benz, S.Fischer 2024, erschienen ist, ausführlich darauf eingegangen. Daraus seien nun ein paar zentrale Gedanken zitiert, damit verständlich wird, weshalb Susanne „nicht darüber gesprochen“ hat.

Für Kinder sind Trennungen Katastrophen. Aber Kinder erleben und verarbeiten Trennungstraumata verschieden, je nach den Bedingungen, die sie vorfinden. „Sie betreffen erstens das Alter, in dem die Trennung von der geliebten Person erlebt wurde; zweitens die Art der Trennung, ob vorbereitet oder plötzlich; drittens die Frage, ob das Pflegemilieu günstig und verständnisvoll war; viertens betreffen sie die Dauer der Trennung und fünftens, ob die Trennung endgültig war, weil die Eltern im Holocaust ermordet wurden oder aber, ob sechstens die Kinder veränderte, traumatisierte Eltern wiederfanden und ob sie siebentens durch Familienzusammenführungen neue Trennungen aus den nun gegebenen sozialen Beziehungen, die sie in der Zwischenzeit geknüpft hatten, erfuhren.“ (a.a.O., S. 138).

Bei Susanne kam alles zusammen, bis auf die eher günstigen Bedingungen in der Aufnahmefamilie in Ayr/Schottland. Als sie, inzwischen 24-jährig, nach 6 Trennungsjahren, von denen sie anfangs annehmen musste, die würden endgültig sein, ihren schwerstkranken Vater in Berlin wiedertraf – dürfte sie ihn fast nicht erkannt haben, denn sie war 12, als sie fliehen musste.

Diese Kinder der Kindertransporte – interessanter Weise nennt man sich bei den Ehemaligentreffen immer noch „Kinder“ – haben sehr schwere seelische Verletzungen davongetragen – obwohl sie doch eigentlich „gerettet“ wurden. Sie haben sich deshalb lange nicht getraut, davon zu sprechen, weil sie dachten, hinter die „eigentlichen Opfer der Shoah“ zurücktreten zu müssen, denn schließlich seien sie ja nicht ermordet, sondern gerettet worden. Das aber hat ihr seelisches Leid nur verlängert und an den Folgen haben noch die Kinder der Kindertransportkinder zu tragen.

Ute Benz schreibt: „Von besonderem Interesse ist neben der Trennungsproblematik auch die der Wiederbegegnung, auf die Eltern oft nicht vorbereitet sind, wenn sie ihr Kind nach einer Trennung wieder in die Arme schließen möchten in der Erwartung, nun sei wieder alles gut. Das Kind stürzt sich eben nicht, wie man erwarten könnte, glücklich wieder in die Arme der Mutter. Es ist offensichtlich, dass es sich beim Wiedersehen nicht mehr spontan zu freuen und von seiner Mutter trösten zu lassen vermag. Beim Anblick der qualvoll vermissten Mutter (resp. des Vaters) wendet das Kind sich seinerseits zunächst einmal ab. Die Schmerzen der Trennung, die Verzweiflung des Kindes stehen für geraume Zeit unüberbrückbar zwischen dem Kind und der Mutter.“ (a.a.O. S. 140) Man kann nun in etwa ein Gefühl dafür bekommen, wie kompliziert die Wiederbegegnung der von Albert geschiedenen Jüdin Steffi, ihrer inzwischen 24-jährigen Tochter Susanne und dem emotional ganz sicher überforderten Albert Schaefer-Ast in der zerstörten Stadt Berlin stattgefunden hat.
Wir wissen, dass Steffi bei dem Treffen wohl unmissverständlich mitgeteilt hat, dass sie nicht wieder nach Deutschland zurückkehren würde. Susanne kam im September wieder. Da wurde ihr Vater in Weimar beerdigt. …

Übrigens hat Anna Freud, die Tochter von Sigmund Freud, der ja aus Wien auch nach London emigriert war, im Oktober 1940, zunächst mit privaten Spenden, in London ein Heim für Kleinkinder eingerichtet, das sie nach psychoanalytischen Gesichtspunkten leitete, anders, als es damals „üblich“ war. Aufnahme fanden Kinder, die nach den deutschen Bombenangriffen auf London aus den Familien herausgenommen werden mussten, weil ihre Eltern nicht mehr für sie sorgen konnten. Es ist spannend zu lesen, was Anna Freud über diese Kinder herausfand und wie sie ihnen zu helfen versuchte in einer Zeit, als die allermeisten Helferinnen und Helfer schon damit überfordert waren, für die Kinder in Not wenigstens „ein Dach über dem Kopf“ und „eine warme Mahlzeit am Tag“ zu organisieren, weshalb ich das weiter oben zitierte Buch nochmals empfehlen möchte.

Schließlich sei daran erinnert, dass in der Gegenwart solche traumatisierten Kinder, die plötzlich ihre Eltern oder einen Elternteil verlassen mussten, die über Nacht auf die Flucht mussten und nun in völlig fremder Umgebung irgendwie klar kommen müssen – zu Tausenden in unserem Land leben, weil in ihrer Heimat der Krieg herrscht.

Wir sollten einen Blick für diese Kinder haben.