Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Die Tagespolitik ist mit Corona beschäftigt. Ich bin in freiwilliger Quarantäne, habe also Gelegenheit mich um das große Thema Klimaschutz zu kümmern und zu überlegen, was ich beitragen kann, damit die zahlreichen Wahlen, die in diesem Jahr auf uns zukommen, Fortschritte im Klimaschutz bringen.
Klar ist: wir brauchen angesichts der Lage deutlich mehr Abgeordnete in den Parlamenten, die sich wirklich engagiert für Klimaschutz einsetzen. Denn die täglich veröffentlichten Messwerte und Befunde verheißen nichts Gutes. Solche Abgeordnete gibt es in allen Parteien, außer der AfD, denn die hat sich klar gegen Klimaschutz ausgesprochen.

Was also kann jetzt im Januar getan werden?
Man kann sich 1. zunächst einen Überblick verschaffen, zu welchem Bundestagswahlkreis mein Wohnort gehört. Dann kann man sich 2. – online natürlich – bei den jeweiligen Parteien erkundigen, wer inzwischen nominierter Wahlkreiskandidat (-in) ist und sich eine kleine private Liste mit den Telefonnummern, Mail Adressen etc. anlegen 3. Kontakt zu den KanditatInnen aufnehmen (per Telefon oder mail oder Post oder wie auch immer). 4. sind die Kandidaten zu befragen. Diese Fragen können sorgfältig, vielleicht sogar in einer kleinen privaten Wählerinitiative vorbereitet werden. Unser Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org hat sich bei allen zurückliegenden Wahlen auch als solche Wählerinitiative verstanden, die ihren Beitrag dazu geleistet hat, dass das Thema Klimaschutz immer weiter auf der Prioritätenliste nach oben gerückt ist. Da unser Netzwerk europäisch (vor allem Deutschland, Österreich, Schweiz) arbeitet, haben wir, je nach Wahltermin, verschiedene Schwerpunktzeiten. Diesmal nun ist vor allem Wahlzeit in Deutschland, die Termine sind bekannt.

Die „neuen Medien“ geben uns bei der Vorbereitung der Wahlen gute neue Möglichkeiten an die Hand. Vorstellbar sind zum Beispiel online-Kandidaten-Befragungen durch eine private Wählerinitiative, die man anschließend in den jeweiligen Netzwerken verbreiten und so für mehr Klarheit sorgen kann. Oft wird ja geklagt, man kenne die Kandidaten gar nicht – dem kann man ja abhelfen. Die Bundestagswahl ist im September. Wir haben also genügend Zeit, uns vorzubereiten.

Eins noch: die mittlerweile (seit 2017) https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundestagswahl-senioren-erstmals-groesste-waehlergruppe.7fa8b7a7-d281-490c-82f2-d53ca5415c87.html wichtigste Wählergruppe ist die der Gruppe der ab 55-Jährigen. Sie ist wahlentscheidend.
Wenn diese Gruppe für ihre Kinder und Enkel wählt und diejenigen unterstützt, die sich wirklich glaubwürdig für engagierten Klimaschutz einsetzen – dann ist die Wahl gelaufen.

Es ist an der Zeit, dass die Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel entscheiden.

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

„Wir müssen aufhören, in die Zerstörung des Klimas zu investieren“ forderte der UN-Generalsekretär Antonio Guterres wiederholt und völlig zu Recht. Es grenze an „Wahnsinn“, angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Zerstörung des bislang weitgehend stabilen Klimas immer noch Milliarden von Dollars oder Euros in die weitere Zerstörung zu investieren.
Wo das geschieht?
In Subventionen beispielsweise. Nach wie vor geben die Regierungen dieser Welt in nicht geringem Umfang Subventionen für Kohle, Öl und Gas. Das Bundesumweltamt hat diese Subventionen allein für Deutschland für das Jahr 2012 auf 57 Milliarden Euro beziffert.
Auch sind die Pensions-Anlagen des Bundes und der Länder nach wie vor in fossile Energien investiert. Etwa 13,2 Milliarden Euro sind in Fossil-Aktien an der Börse investiert, wie der SPIEGEL im September 2020 notierte.

Solange wir nicht alle Konten, Investitionspläne und Rücklagenfonds daraufhin überprüft haben, ob sie in fossile Energien investieren – solange kann unsere Klimapolitik nicht glaubwürdig sein.
Wir können noch so viel in Solarenergie und Elektromobilität etc. investieren – wenn wir gleichzeitig in die Zerstörung des Klimas investiert bleiben, dann ist uns schlicht nicht mehr zu helfen. Mit solcher ausgesprochenen Unvernunft muss nun endlich Schluss sein.

Überall auf der Welt sind Initiativen dabei, ihre Universitäten, Kirchgemeinden, Unternehmen, ihre Rücklagen und Depots auf solche klimaschädlichen Investitionen hin zu überprüfen und zu de-investieren. Diese weltweite Bewegung wächst, aber sie wächst viel zu langsam. Es gibt längst keine Notwendigkeit mehr, Geld in fossile Energien zu investieren, wenn man Geld verdienen will. Ganz im Gegenteil, solche Investitionen sind in zunehmendem Maße stranded investments, rausgeworfenes Geld.
Man kann gutes Geld sehr wohl auch mit Erneuerbaren Energien verdienen – dieser Markt wächst weltweit sehr stark und es gibt zahlreiche großartige Anlagemöglichkeiten.

Im kommenden September wird nun wieder ein Deutscher Bundestag gewählt und dieser Bundestag wird entscheidend sein.
Denn innerhalb der dann beginnenden Legislatur muss es gelingen, einen unumkehrbaren Pfad zur zwingend notwendigen NULL-Emission im Jahre 2030 zu erreichen. Davon jedoch ist Deutschland meilenweit entfernt.
Ich wünsche mir daher, dass wir im kommenden Jahr alle gemeinsam in dieser Beziehung wirklich etwas „auf die Beine stellen können“: FridaysForFuture ebenso wie die Divest-Initiativen überall im Lande, lokale „Wahlprüfsteine“ ebenso, wie öffentliche Aufrufe von Kirchen, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Bündnissen.

Die Welt ist „spät dran“ mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Klimas, nicht wenige Klimaforscher sagen mittlerweile, dass wir bereits „zu spät dran“ sind, weil wichtige Kipp-Punkte im Klimasystem bereits überschritten wurden: das Abschmelzen der Arktis beispielsweise gilt mittlerweile als unumkehrbar.
Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat nicht ohne Grund im Dezember diesen Jahres vor der UN eine Brandrede gehalten und die Staats- und Regierungschefs dringend aufgefordert, endlich konkrete Pläne vorzulegen, die das in Paris vereinbarte Ziel auch tatsächlich erreichen – davon ist die Welt bislang allerdings sehr weit entfernt. Die Entwicklung geht gegenwärtig eher auf plus 3 Grad, denn auf 1,5 Grad zu, wie Anfang Dezember 2020 von der UN wiederholt zu hören war.

Wenn das gelänge, dass wir Wählerinnen und Wähler in Deutschland zur Bundestagswahl 2021 ein klare Fokussierung auf das Thema „divest“ hinbekämen, dann wäre das ein sehr wichtiger Beitrag zu glaubwürdigem Klimaschutz. Diese Bundestagswahl muss eine „Klimawahl“ werden – die uns vorliegenden Daten sind dermaßen alarmierend, dass die Weltgemeinschaft und jeder einzelne Nationalstaat dringend zum Handeln gezwungen ist. Und die Konzentration darauf, die vielen Milliarden, die nach wie vor in die Zerstörung des Klimas investiert sind, dort abzuziehen und in Erneuerbare und in aktiven Klimaschutz zu investieren, eine solche Konzentration wäre überaus wichtig und hilfreich, damit wir wirklich einen Schritt voran kommen. Vielleicht gelingt es ja. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten.