Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

„Wir müssen aufhören, in die Zerstörung des Klimas zu investieren“ forderte der UN-Generalsekretär Antonio Guterres wiederholt und völlig zu Recht. Es grenze an „Wahnsinn“, angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Zerstörung des bislang weitgehend stabilen Klimas immer noch Milliarden von Dollars oder Euros in die weitere Zerstörung zu investieren.
Wo das geschieht?
In Subventionen beispielsweise. Nach wie vor geben die Regierungen dieser Welt in nicht geringem Umfang Subventionen für Kohle, Öl und Gas. Das Bundesumweltamt hat diese Subventionen allein für Deutschland für das Jahr 2012 auf 57 Milliarden Euro beziffert.
Auch sind die Pensions-Anlagen des Bundes und der Länder nach wie vor in fossile Energien investiert. Etwa 13,2 Milliarden Euro sind in Fossil-Aktien an der Börse investiert, wie der SPIEGEL im September 2020 notierte.

Solange wir nicht alle Konten, Investitionspläne und Rücklagenfonds daraufhin überprüft haben, ob sie in fossile Energien investieren – solange kann unsere Klimapolitik nicht glaubwürdig sein.
Wir können noch so viel in Solarenergie und Elektromobilität etc. investieren – wenn wir gleichzeitig in die Zerstörung des Klimas investiert bleiben, dann ist uns schlicht nicht mehr zu helfen. Mit solcher ausgesprochenen Unvernunft muss nun endlich Schluss sein.

Überall auf der Welt sind Initiativen dabei, ihre Universitäten, Kirchgemeinden, Unternehmen, ihre Rücklagen und Depots auf solche klimaschädlichen Investitionen hin zu überprüfen und zu de-investieren. Diese weltweite Bewegung wächst, aber sie wächst viel zu langsam. Es gibt längst keine Notwendigkeit mehr, Geld in fossile Energien zu investieren, wenn man Geld verdienen will. Ganz im Gegenteil, solche Investitionen sind in zunehmendem Maße stranded investments, rausgeworfenes Geld.
Man kann gutes Geld sehr wohl auch mit Erneuerbaren Energien verdienen – dieser Markt wächst weltweit sehr stark und es gibt zahlreiche großartige Anlagemöglichkeiten.

Im kommenden September wird nun wieder ein Deutscher Bundestag gewählt und dieser Bundestag wird entscheidend sein.
Denn innerhalb der dann beginnenden Legislatur muss es gelingen, einen unumkehrbaren Pfad zur zwingend notwendigen NULL-Emission im Jahre 2030 zu erreichen. Davon jedoch ist Deutschland meilenweit entfernt.
Ich wünsche mir daher, dass wir im kommenden Jahr alle gemeinsam in dieser Beziehung wirklich etwas „auf die Beine stellen können“: FridaysForFuture ebenso wie die Divest-Initiativen überall im Lande, lokale „Wahlprüfsteine“ ebenso, wie öffentliche Aufrufe von Kirchen, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Bündnissen.

Die Welt ist „spät dran“ mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Klimas, nicht wenige Klimaforscher sagen mittlerweile, dass wir bereits „zu spät dran“ sind, weil wichtige Kipp-Punkte im Klimasystem bereits überschritten wurden: das Abschmelzen der Arktis beispielsweise gilt mittlerweile als unumkehrbar.
Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat nicht ohne Grund im Dezember diesen Jahres vor der UN eine Brandrede gehalten und die Staats- und Regierungschefs dringend aufgefordert, endlich konkrete Pläne vorzulegen, die das in Paris vereinbarte Ziel auch tatsächlich erreichen – davon ist die Welt bislang allerdings sehr weit entfernt. Die Entwicklung geht gegenwärtig eher auf plus 3 Grad, denn auf 1,5 Grad zu, wie Anfang Dezember 2020 von der UN wiederholt zu hören war.

Wenn das gelänge, dass wir Wählerinnen und Wähler in Deutschland zur Bundestagswahl 2021 ein klare Fokussierung auf das Thema „divest“ hinbekämen, dann wäre das ein sehr wichtiger Beitrag zu glaubwürdigem Klimaschutz. Diese Bundestagswahl muss eine „Klimawahl“ werden – die uns vorliegenden Daten sind dermaßen alarmierend, dass die Weltgemeinschaft und jeder einzelne Nationalstaat dringend zum Handeln gezwungen ist. Und die Konzentration darauf, die vielen Milliarden, die nach wie vor in die Zerstörung des Klimas investiert sind, dort abzuziehen und in Erneuerbare und in aktiven Klimaschutz zu investieren, eine solche Konzentration wäre überaus wichtig und hilfreich, damit wir wirklich einen Schritt voran kommen. Vielleicht gelingt es ja. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten.

Für unsere Enkel. Ein Aufruf an die „jungen Alten“.


Klimawandel und Klimaschutz sind keine Themen der Jugend allein. Denn die Entscheidungen fallen jetzt. Aber die Kinder und Enkel müssen die Folgen tragen. Wenn wir jetzt nicht schnell aus Kohle, Öl und Gas aussteigen – dann werden die Kinder, die in diesem Jahr geboren werden, eine Welt vorfinden, die man niemandem wünschen kann. Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”. https://www.facebook.com/groups/156…
Jüngere Ruheständler, Pensionäre, ehemalige Beamte, ehemalige Berufssoldaten und Polizisten, die Lehrer im Ruhestand, die Ingenieure, Künstler, die ihre aktive berufliche Zeit hinter sich haben – sie sind gemeint und angesprochen.
Menschen zwischen 60 und 75 Jahren.
Menschen mit Lebenserfahrung.
Menschen mit Kontakten.
Menschen mit materiellen Ressourcen.
Menschen mit Zeit.
Menschen, die nichts mehr “riskieren”, wenn sie den Mund aufmachen.
Die Jüngeren brauchen uns.
Sie brauchen unsere Unterstützung.
Deshalb gibt es nun die Gruppe “Für unsere Enkel – Klimaschutz geht alle an”.
Wir arbeiten in dieser Gruppe mittlerweile mit sieben Administratoren in drei Ländern, Schwerpunkt ist Deutschland.
Unser Ziel ist es, ein Netzwerk von aktiven Senioren-Gruppen aufzubauen, die bereit sind, ihre Verantwortung zu tragen.
Auch in den USA (The Elders Climate Action https://www.facebook.com/eldersclimateaction/) und in anderen Ländern beginnen die “jungen Alten” sich zu organisieren.
Sie gründen Gruppen, nutzen ihre Clubs und ihre Treffen, nutzen ihre Netzwerke. Und sie mischen sich ein.
Sie stehen national und international über social media mit anderen Menschen in Verbindung, die genau so denken und handeln.
Für einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern.
Für Divest – also den Abzug von Geldern, die z.B. in Pensionsfonds der Kommunen liegen und bislang in “schmutzige Energie” investiert wurde.
Fühlen Sie sich eingeladen.

#Divest. Oder: ein Kapitel über intelligente Politik.


Die weltweite #Divest-Bewegung ist eine der intelligentesten Kampagnen, die ich kenne. Deshalb beteilige ich mich gern.
Die Bewegung ist an Universitäten entstanden und wird breiter und breiter. Diese Bewegung wächst schnell, weil sie konkrete, erreichbare Ziele hat und weil sie Fortschritte macht.  Überall auf der Welt haben sich zumeist kleine Gruppen zusammen gefunden, die ganz konkret in ihrer Kommune, an ihrer Universität, in ihrer Kirchengemeinde, in ihrem Betrieb dafür streiten, dass ihre Kommune, ihre Universität, ihre Kirchengemeinde, ihr Betrieb zum Beispiel die Pensionsrückstellungen, die bei der jeweiligen Hausbank angelegt worden sind, aus fossilen Energiequellen abziehen. Wer den hashtag #divest zum Beispiel bei facebook aufruft, sieht die Fülle an Gruppen, die da mittlerweile entstanden sind und konkret arbeiten.
Überall auf der Welt zieht man nun Geld aus Investments in fossile Energien ab. In Deutschland sind es ganze Landeskirchen (die in Berlin-Brandenburg zum Beispiel), es sind konkrete Kommunen (die Hauptstadt Berlin zum Beispiel), es sind Versicherungskonzerne (Axa zum Beispiel) und viele andere.
Mehr als 5 Billionen Dollar sind bereits abgezogen und zum Beispiel in Erneuerbare Energien investiert worden.
Die Divest-Bewegung ist ein wunderbares Beispiel für das, was Mahatma Gandhi dereinst über sein Engagement gesagt hat:
„Erst belächeln sie dich, dann beschimpfen sie dich, dann bekämpfen sie dich – und am Ende gewinnst du.“
Die Konkretheit im Ziel – das ist die große Stärke der weltweiten Divest-Bewegung.
Es ist die konkrete Stadt, die konkrete Kirchengemeinde, die konkrete Universität, die aufgefordert wird, ihre Rücklagen in Erneuerbare Energien zu investieren, statt in fossile Energieträger.
Damit setzt die Divest-Bewegung den Hebel genau an dem Punkt an, an dem eine kapitalistische Wirtschaftsordnung besonders sensibel reagiert: beim Geld.
Es sind übrigens nicht nur junge Leute, nicht nur Studenten und Schüler, die von der Kampagne überzeugt sind. Es sind internationale Netzwerke wie The Elders zum Beispiel, in dem ehemals führende und nach wie vor einflussreiche Politikerinnen und Politiker weiter Einfluss nehmen. Erfahrene Menschen wie Kofi Annan zum Beispiel. Wenn man sich an der Kampagne beteiligt, ist man in guter Gesellschaft.
Diese intelligente weltweite Kampagne wird einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass die katastrophalen Folgen, die ein ungebremster Klimawandel haben würde, wenigstens etwas gemildert werden.
Wir wissen, dass die in der Folge des Paris-Abkommens nun gerade in Bonn verabschiedeten Reduktionsziele und konkreten Reduktionsvorhaben nicht ausreichen werden, das Ziel von Paris (nicht mehr als 2 Grad Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts) zu erreichen.
Gegenwärtig steht der Kurs auf 2,6 – 3,7 Grad. Das jedoch wäre katastrophal.
Deshalb ist es so wichtig, dass den fossilen Energieträgern das Geld entzogen wird.
Step by step. Schritt für Schritt. Universität für Universität, Stadt für Stadt, Kirchgemeinde für Kirchgemeinde, Betrieb für Betrieb.

Es ist mir ein großes Vergnügen, dass ich mich dank Internet an dieser weltweiten Bewegung beteiligen kann. Und jeder, der einen PC, einen Laptop oder ein Smartphone benutzt, kann sich auch daran beteiligen.
Was für eine große Chance!