Ein Lob an die Ministerin. Die Debatte ist eröffnet


Dr. Barbara Hendricks hatte gestern (19.04.2017) via social media darauf hingewiesen, dass der Kampf um die Erreichung des sogenannten Zwei-Grad-Ziels im Klimaschutz sicherheitspolitisch (!) klüger sei als die Aufstockung des Militärbudgets auf 2% des BIP, wie es die NATO vor etlichen Jahren verabredet hatte.
Sie hat mit diesem Hinweis völlig Recht.
Denn, wie die Adelphi-Studie im Auftrag des Auswärtigen Amts nun aufzeigt, gibt es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und sich stark verändernden Sicherheitsstrukturen in der Welt: wenn Staaten instabiler werden, haben terroristische Gruppen bessere Möglichkeiten, zu agieren. Das Auswärtige Amt hatte schon 2006 in einer Studie den Zusammenhang von Sicherheit und Klimaschutz thematisiert.
Diese Auseinandersetzung um die Verwendung der knappen finanziellen Ressourcen zwischen Klimaschutz und Militärbudget muss geführt werden.
Es wird eine harte Auseinandersetzung werden. Aber diese Auseinandersetzung muss geführt werden, denn es geht um Zukunftsfähigkeit.
Sowohl die „Falken“ in den Kreisen der Rüstungsindustrie und in Militärkreisen als auch rechtspopulistische Klimawandel-Leugner sowie Vertreter einer alten Energie-Politik werden sich verbünden, um eine Verbindung der Themen Klimawandel und Sicherheit grundsätzlich zu leugnen und in Frage zu stellen. Das ist erwartbar und deshalb nicht sonderlich aufregend.
Die Frage ist allerdings: wer wird sich auf der anderen Seite dieses Verhandlungstisches niederlassen? Welche Allianzen sind da zu schmieden?

Auf dem Hintergrund dieser zu erwartenden heftigen argumentativen Konfrontation stellt sich mir eine einfache Frage:
Was machen die Grünen eigentlich so?

Das angesprochene Thema berührt ihre Kernthemen: Klimaschutz und Sicherheit.
Aber: man hört nichts. Reineweg nichts.
Man überlässt es der Bundesumweltministerin, dieses zentrale Thema zu platzieren. Das verstehe, wer will.
Mich geht das im Grunde nichts an, bin ich doch nicht verantwortlich für die Partei der Grünen. Aber: mich wundert das schon.
Man tanzt bislang im Bundestagswahljahr auf allerlei kleinen und diversen Sonderbühnen herum, die Umfragen sprechen eine deutliche Sprache, aber das eigentliche Kernthema, die Basis, das Fundament ökologischen Engagements: Klimaschutz und Sicherheit lässt man „links liegen“.
Die Grünen müssen das mit sich ausmachen.

Ich bin jedenfalls Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ausgesprochen dankbar, dass sie nun dieses zentrale Thema öffentlich angesprochen und damit die Debatte eröffnet hat.

Für Leute ab 50.


1000jährige Eiche in Volkenroda/Thüringen
1000jährige Eiche in Volkenroda/Thüringen

Ab ungefähr 50 Jahren kann man Enkel haben. Deshalb gibt es jetzt eine facebook-Gruppe, die solche Menschen sammelt.
Menschen, die sich für ihre Enkel engagieren wollen.
Mit ihrer Lebenserfahrung, mit ihrer Berufserfahrung, mit ihrem Humor, ihrem Witz, ihrem Wissen.
Mit ihrer Geduld, mit ihrer Zeit, mit ihren Möglichkeiten.

Man darf das wichtige Thema „Klimawandel“ nicht der Politik überlassen oder der „Wirtschaft“ oder den „Gewerkschaften“.
Da sind zu viele Einzelinteressen im Spiel.

Man braucht Gruppen, parteiübergreifend und generationenübergreifend.
Gruppen von Menschen, die sich für ihre Enkel engagieren wollen, weil sie verstanden haben, dass es beim riesigen Thema „Klimawandel“ auf jeden einzelnen Menschen ankommt.
Denn unsere Enkel – wahrscheinlich schon unsere Kinder – werden eine völlig veränderte Welt vorfinden, in der die Ressourcen extrem knapp und die daraus entstandenen Probleme extrem groß geworden sein werden.

Vieles von dieser Entwicklung können wir jetzt schon messen.
Den Anstieg des Meeresspiegels – er geht etwa dreimal so schnell, wie man noch in den neunziger Jahren annahm.
Das Wachsen der Wüsten.
Der Verknappung trinkbaren Wassers.
Die Zunahme regionaler Konflikte.
Immer mehr Flüchtlinge.

All diese Entwicklungen, die von weitsichtigen Forschern schon vor Jahrzehnten publiziert wurden, können wir jetzt bereits in ihren konkreten Auswirkungen sehen. Und wir wissen längst mehr, als wir tun.

Deshalb braucht man ein neues Bündnis zwischen den Generationen.
Aktive, erfahrene, engagierte Menschen ab 50, die vielleicht schon eigene Enkel haben.
Die man nicht erst lange überzeugen muss, sondern die zum Handeln bereit sind.
Jeder mit seinen Möglichkeiten.
Der eine ist Dichter – also wird er Texte beisteuern.
Der andere ist Musiker – also wird er vielleicht ein Lied beisteuern.
Wieder einer ist Journalist – der kann helfen, das Projekt voran zu bringen.
Ein vierter ist vielleicht erfahren im Umgang mit Videos – auch er oder sie kann einen Beitrag leisten.
Maler können malen; Zeichner können zeichnen; Karikaturisten können Karikaturen liefern.
Es gibt beinahe unendliche viele Möglichkeiten des persönlichen Engagements.

Damit das Thema „Klimawandel“ in den Köpfen der Menschen ankommt.
Damit wir die zu sehenden Zusammenhänge auch verstehen.
Damit wir konkret etwas für unsere Enkel tun.

Wer daran mitarbeiten möchte ist eingeladen.
Für Menschen ab ungefähr 50 Jahren, die nicht nur labern, sondern sich verbindlich und engagiert beteiligen wollen.
Kurz: für Menschen, die noch nicht fertig sind mit ihrem Leben.

Und hier geht’s zur Gruppe:

Ok. Reden wir vom Geld


5021 Milliarden € hatten die Deutschen im Jahr 2013 auf ihren Sparkonten. Das ist etwa das Zwanzigfache (!) des Jahres 1970.
Schellnhuber Das ist ne Menge. Eine große Menge. Etwa so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung der Europäischen Union!
Die Frage ist, was die Banken, denen wir unser Geld anvertrauen, die also das Giro- und vielleicht auch ein kleines Sparkonto betreuen, damit machen.
Ich will gar nicht wissen, bei welcher Bank Sie Ihr Konto haben, aber vielleicht wollen Sie ja wissen, was Ihre Bank mit Ihrem Geld so macht? Haben Sie Ihre Bank schon mal danach gefragt? Online-Auskünfte sind ja meist dürftig. Von Ausnahmen einmal abgesehen.
Also: Erster Schritt: ich frage meine Bank, was sie mit meinem Geld eigentlich so tut. In welche Fonds oder Aktien oder Branchen sie investiert. Es mag sein, dass der Kollege am Bankschalter ein wenig irritiert ist über diese Frage, aber das macht ja nichts.

Und dann kann ich mich entscheiden, ob ich das „so lassen“, oder ob ich „das ändern“ will.
Es gibt eine weltweite Kampagne von überwiegend jungen Leuten, die den Hebel für verantwortliches Investment genau an dieser Stelle ansetzt. Unter dem Titel „De-invest“ fordert sie dazu auf, das eigene Geld aus solchen Branchen abzuziehen, die klimaschädliche Investitionen tätigen.

5021 Milliarden € privates Geldvermögen. Nur in Deutschland. Immobilien und anderes sind da noch nicht mitgerechnet.
Darum geht es.

Das Spendenaufkommen in Deutschland betrug im Jahr 2014 knapp 5 Milliarden €, also nur ein Bruchteil der Summe, über die eigentlich zu sprechen wäre.
Es ist erfreulich, dass die Deutschen so viel spenden. Gewiss.
Aber der Hebel, den sie eigentlich in ihren Händen halten, ist größer. Etwa tausendfach größer: 5021 Milliarden.

Schritt 2 ist also: ich kann mir überlegen, ob ich die Bank wechsle und mein Geld einer solchen Bank anvertraue, die nicht an klimaschädlichen Investitionen beteiligt ist. Ich kann entscheiden, ob ich mein Geld aus klimaschädlichen Investitionen abziehe, so, wie es die Kampagne „Deinvest“ tut.
Zu Recht werden in diversen Kampagnen und Zeitungsartikeln, Fernseh- und Radiosendungen klimaschädliche Investitionen kritisiert. Das ist auch einfach. Man muss ja dabei selber nichts tun.
Die Frage allerdings, was ich mit meinen Spargroschen anfange, die muss ich schon selber beantworten. Da wird die Sache konkret.
5021 Milliarden €. Darum geht es.

Egal, wie Sie sich entscheiden. Sie treffen in jedem Fall eine Entscheidung.
Entweder Sie investieren Ihr Geld in die Zerstörung des Planeten, oder in seine Erhaltung.
Sie haben die Wahl.

Angemerkt sei:
natürlich hat auch jede Kirchgemeinde, jede Kommune, jeder Landkreis, jede Universität, jedes Unternehmen, jeder Verein und jede Stiftung die Wahl, wo die Spargroschen anlegt werden. Und wenn die Abgeordneten oder anderen Aufsichtsgremien in einem Kommunalparlament oder in einem Kreistag oder anderswo entscheiden, wie es angelegt werden soll, dann übernehmen auch sie damit Verantwortung.