„Was ist eigentlich bei Kriegsende aus den über hundert russischen Kriegsgefangenen geworden, die im „Borner Hof“ untergebracht waren?“ Oft habe ich diese Frage gestellt bei meinen Interviews in Born a. Darß. Niemand konnte es mir beantworten. Man weiß zwar, wann „die Russen“ im April 1945 auf dem Darß ankamen – damit ist die Rote Armee gemeint. Aber man weiß nicht, was aus den „Russen im Borner Hof“ geworden ist. „Die waren dann nicht mehr da“ heißt es lapidar.

Es gibt eine letzte Spur: jene Liste von 35 sowjetischen Kriegsgefangenen, die noch im April 1945 von Born nach Barth ins KZ-Außenlager „überstellt“ wurden. (Quelle: Arolsen Archives).

Man weiß auch, dass es einen Todesmarsch gegeben hat vom KZ Barth ausgehend, der bis etwa Ribnitz-Damgarten geführt hat, da werden einige der Borner Häftlinge, die man nach Barth überstellt hatte, dabei gewesen sein.

Was aber aus den etwa 70 in Born verbliebenen Häftlingen geworden ist – die Spuren verlieren sich bislang im Nebel der vergangenen Jahrzehnte.

Wir wissen mittlerweile allerdings, dass beinahe alle sowjetischen Kriegsgefangenen von der sowjetischen Militäradministration in sogenannten „Prüf- und Filtrationslagern“ interniert und überprüft wurden. Zuständig war der NKWD, der sowjetische Geheimdienst. Der zentrale Vorwurf an die in Deutschland internierten Kriegsgefangenen lautete: „Ihr seid in Wahrheit Kollaborateure, denn ihr habt für die Deutschen gearbeitet.“ Stalin hatte in einem seiner berüchtigten Befehle angeordnet: „Es gibt keine russischen Gefangenen“. Jeder Soldat habe „bis zum letzten Blutstropfen“ zu kämpfen, und solle sich mit der letzten Patrone lieber selbst das Leben nehmen, als in deutsche Kriegsgefangenschaft zu gehen.

Deshalb wurden die Rückkehrer strengstens kontrolliert, ausgefragt und – in vielen tausenden Fällen – erneut verurteilt.

Ich habe heute in Moskau beim Deutschen Historischen Institut bei Dr. Stratievski angefragt, wie man eventuell herausfinden könnte, in welchem dieser Lager die Häftlinge aus Born überprüft worden sein könnten. Vielleicht kennt er eine Spur, ich bin auf seine Antwort gespannt.

Dr. Stratievski kommt im hier eingefügten Dokumentationsfilm von arte zu Wort, in dem es um die sowjetischen Kriegsgefangenen geht, die keineswegs am Ende des Krieges als „Befreite“ nach Hause gehen konnten:

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