Menschenwürdig sterben. Das Hospiz in Stendal/Altmark

Menschenwürdig sterben. Das Hospiz in Stendal/Altmark

Ulrich Paulsen hatte gerufen und alle waren sie gekommen.

Der Ministerpräsident, die Sozialministerin, der Landrat, der Oberbürgermeister, der MDR, die Zeitung, die Sparkasse, die Regionalbischöfin, der Superintendent und viele viele Stendaler. Oben in der Bergstraße, die zu Ost-Zeiten auch mal Wilhelm-Pieck-Straße hieß, an der Ecke zur Mannstraße steht nun der Neubau vom Hospiz Stendal.

Meine Frau und ich waren extra aus Berlin angereist, weil wir im Vorgängerhaus des schönen Neubaus unsere Kindheit bzw. Schulzeit verbracht haben. Stendal ist uns vertraut und uns hat natürlich interessiert, wie es nach dem Abriss des alten Gemeindehauses, in dem wir gelebt haben, weitergehen würde.

Nun wissen wir es, denn der Neubau für das Hospiz in Stendal wurde gestern, am 15.8.2024 offiziell eröffnet, MDR und Volksstimme werden sicher darüber berichten. Es ist schön geworden, es ist gut geworden und eines gefällt mir besonders: dieses Projekt wurde und wird von mehr als 120 Haupt- und vor allem Ehrenamtlichen in der ganzen Altmark getragen, deshalb zeigt das Titelfoto für diesen kleinen Beitrag auch einen Teil der Ehrenamtlichen, die sich sowohl mobil (also bei den kranken Menschen zu Hause) als auch stationär (also z.B. im Neubau in der Bergstraße in Stendal) in der gesamten Altmark um die sterbenskranken Menschen kümmern.

Viele Reden wurden gehalten, viel wurde geklatscht. Wir haben gesungen miteinander, Auszeichnungen wurden verliehen. All so etwas gehört zur Routine einer Bau-Eröffnung.

Wenn man jedoch den Applaus des Publikums einmal zum Maßstab für öffentliche Anerkennung nimmt, dann hatten die Ehrenamtlichen ganz klar den Hauptgewinn des gestrigen Tages.

Das Haus ist gut geworden. Für 10 Gäste ist sehr guter Platz. Die Zimmer sind hell und geräumig, die BetreuerInnen haben guten Raum für ihre Arbeit. Die größeren Gemeinschaftsräume sind durch verschiebbare Wände vielfach nutzbar. Ein sehr guter Ort. Und wenn die Außenanlagen im Herbst, wenn wieder gepflanzt werden kann, angelegt werden, dann wird die Sache „rund“. Hier kann man am Ende des Lebens wirklich „ankommen“. Hier kann man Heimat finden. Ein guter Ort, um in Würde den Lebensweg zu beenden. Hier ist man in wirklich guten Händen. Die MitarbeiterInnen sind bestens ausgebildet, sie werden ständig weitergebildet, hier arbeiten Profis, man merkt es sofort, wenn man mit ihnen spricht.

In nur anderthalb Jahren wurde der Neubau realisiert, die Baugeschichte ist auf der Homepage vom Hospiz Stendal erzählt. Ca. 5 Millionen Euro hat die Sache gekostet, etliches davon kam aus öffentlichen Geldern, aber auch sehr sehr viel aus Eigenmitteln der Diakonie und vor allem aus Spenden. Das Projekt ist fast ausfinanziert, es fehlen noch ca. 30.000 Euro, wie mir Pastor Ulrich Paulsen gestern anvertraute.

Deshalb schicke ich hier nochmals die Kontoverbindung, für alle die Menschen, die das Hospiz in Stendal unterstützen möchten:

Hospiz Stendal Kreditinstitut: Kreissparkasse Stendal
IBAN: DE96 8105 0555 3010 0231 02
BIC: NOLADE21SDL

Begegnungen. Ein Podcast aus Berlin. (2) Nana Dorn. Pastorin im „Ostsee-Viertel“ Berlins.

Begegnungen. Ein Podcast aus Berlin. (2) Nana Dorn. Pastorin im „Ostsee-Viertel“ Berlins.

Derzeit entsteht die größte evangelische Gesamtgemeinde Berlins im Norden der Metropole. Drei ehemals selbständige, große Gemeinden mitten in riesigen Neubaugebieten wollen ihre Zusammenarbeit weiter verstärken und ihre Sichtbarkeit im Kiez (hier leben mittlerweile etwa 120.000 Menschen) verbessern. Die Beschlüsse sind alle gefasst, noch im April wird das Projekt auch offiziell mit einem Feier-Tag aus der Taufe gehoben. Mich interessiert dieser Prozess, weshalb ich mit einzelnen Akteuren Interviews führe. Mit der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, Petra Wüst, hatte ich bereits gesprochen. Heute nun ein Gespräch mit Nana Dorn, seit 10 Jahren Pastorin in „Hohenschönhausen-Nord“, einem Stadtteil von Hohenschönhausen und damit Teil Lichtenbergs. Man nennt diesen Kiez auch das „Ostsee-Viertel“, weil es hier Straßen wie „Darßer Straße“, „Zingster Straße“, Ahrenshooper Straße“ und so weiter gibt.
Das etwa einstündige Gespräch habe ich aus praktischen Gründen dreigeteilt.
Im Teil 1 hören wir eher Biografisches von Nana Dorn, damit die Hörerinnen und Hörer ein Gefühl dafür bekommen, „mit wem wir es eigentlich zu tun haben.“ Wir sprechen auch über Heinrich Grüber, den Namenspatron des Zentrums.


Teil 2 macht das „Heinrich-Grüber-Zentrum“ am Berl 17 auch als Gebäude hörbar, das im Jahre 1983 erbaute und 1988 geweihte neue Gemeindezentrum, das in diesem Jahr 35-jähriges Jubiläum feiert. Die Geschichte des „Heinrich-Grüber-Zentrums“ ist auch deshalb interessant, weil sie von der Vergangenheit erzählt, als Berlin noch geteilt war. Wir erfahren Interessantes von der staatlichen „Kirchenpolitik“ der DDR – und von den Neuanfängen nach 1990, als der große Umzug begann. Ein Glasfenster spielt in diesem Teilbeitrag eine besondere Rolle, weshalb es auch gezeigt werden soll:


Teil 3 gibt uns einen guten Einblick in die sozialen Problemlagen im Kiez: eine große vietnamesische Community; soziale Probleme wie Armut, Alkohol, fehlende Angeboten für Jugendliche, Gewalt in Familien und erzählt davon, wie sich sowohl die Kirchgemeinde als auch die Diakonie mit ihrer Jugendarbeit dort einmischt und engagiert, wo die Probleme besonders drückend werden. Über das Sozial-Projekt „Leib und Seele“ werde ich noch extra einen Podcast anfertigen, auch über die offene Jugendarbeit im Projekt der Diakonie SPIK e.V., von deren Arbeit im Beitrag schon die Rede ist.

Nachtrag: wer sich etwas genauer mit Heinrich Grüber befassen möchte, dem sei zum Beginn seiner Studien dieser Dokumentarfilm empfohlen: