Wenn euch jemand befiehlt „Helm auf!“ – nehmt den grünen.


Als mich Dr. Rupert Neudeck vor einigen Jahren fragte, ob ich für das Kuratorium der Grünhelme zu gewinnen sei, habe ich ihm sofort zugesagt.
Der Grund dafür war simpel:
Das Kuratorium ist überkonfessionell und überparteilich zusammengesetzt.
Und wir brauchen dringend Menschen, die Gräben zuschütten.
Menschen, die Gräben ausheben und vertiefen, gibt es schon genug.
Die Grünhelme folgen einer alten Idee von John F. Kennedy. Es geht darum, in Krisengebieten mit kleinen Aufbauteams, die möglichst überkonfessionell zusammengesetzt sind, konkrete gemeinsame Aufbauarbeit zu leisten: Schulen, Krankenhäuser, feste Böden für Zelte (wie gerade in Idomeni), Ausbildung von Handwerkern.

Wenn man in diesen Tagen die Nachrichten aufmerksam liest und sich auf die Seele fallen lässt, könnte man verzagen. Denn diejenigen, die von „Abgrenzung“ oder gar „Ausgrenzung“ reden, sind viel  zu laut.
Die Eine Welt braucht aber vor allem Zusammenarbeit, nicht Auseinandersetzung.
Und deshalb sind die Grünhelme nötiger denn je.
Ich habe eine sehr große Achtung vor den jungen Menschen, die als Tischler, Maurer, Elektriker und aus anderen Gewerken einfach „raus gehen“. Für drei Monate zunächst. Für ein Taschengeld und eine kleine Versicherung.
Das sind Menschen, die brauchen keine „Selfies“, weil sie für andere Menschen in Not konkret anpacken.
Das sind Menschen, die reden auch nicht lange, sondern packen an.
Einige von diesen besonderen jungen Menschen habe ich persönlich kennengelernt bei einem Workshop der Grünhelme in der Nähe von Bonn vor einigen Jahren. Und mir hat die unaufgeregte, konkrete und sachliche Art sehr gefallen, mit der diese jungen Leute da ihre Aufgabe wahrnehmen.
Freiwillige allesamt.
Da ist keiner, der ein „Amt“ will, keiner, der die Öffentlichkeit sucht.
Keiner, dem es um Selbstdarstellung ginge.
Bescheidene, engagierte, gut ausgebildete junge Leute, Handwerker zumeist, die ihre Gaben und Fähigkeiten für eine gemeinsame Sache zur Verfügung stellen, die Gräben zwischen Religionen und Konfessionen überwinden durch konkrete, gemeinsame Arbeit.
So kann Frieden wachsen.
Und diese jungen Leute geben mir Hoffnung.
Deshalb unterstütze ich die Grünhelme gern. Und ich wünsche mir, dass der Kreis der Unterstützerinnen und Unterstützer weiter wächst.
Man findet sie nicht nur über ihre Homepage, sondern natürlich auch auf facebook.
Und: Weitersagen hilft ihnen.

Alternativen zum Krieg (3) – Interview mit Dr. Rupert Neudeck


UK: Herr Dr. Neudeck, Sie kennen Afghanistan seit langen Jahren. Seit wann genau?

RN: Ich war 1986 das erste Mal in Afghanistan, damals notgedrungen von Peshawar und den tribal areas in Pakistan illegal in das Nachbarland hineingekommen. 1987 wurden wir auf dem Weg in die Provinz Wardak von der Roten Armee entdeckt und wir mussten Hals über Kopf in Richtung Pakistan Grenze fliegen, was uns geglückt ist. Seite dem Oktober 2001 bin ich von Tadschikistan in den Provinzen Talhar und Kunduz tätig gewesen, in einer Zeit, da der Wiederaufbau-Enthusiasmus der Afghanen jede Frage einer militärischen Begleitung ganz obsolet werden ließ.

UK: Sie haben sowohl mit der CAP ANAMUR als auch mit den GRÜNHELMEN im Lande geholfen. Was waren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
RN: Wir haben als Cap Anamur schon im Juni 2002 eine erste Klinik in der Provinz Takhar aufgebaut und etliche Schulen. Auch in der Provinz Kunduz waren wir tätig. Im Herbst 2003 haben die Grünhelme in der westafghanischen Provinz Herat Schulen in dem Distrikt Golram und in dem Distrikt Karoq aufgebaut, alle in den Dörfern, keine Schule in der Hauptstadt Herat. In den beiden Distrikten haben wir 30 Schulen aufgebaut und eine Entbindungsklinik und planen jetzt die 31. und 32. Schule.

UK: Die GRÜNHELME sind als „zivile Antwort auf den 11. September“ gegründet worden.
Bei den GRÜNHELMEN arbeiten Muslime und Christen gemeinsam „mit Menschen guten Willens“, um in konkreten Projekten der
Wiederaufbauarbeit einen Beitrag zum Frieden im Lande zu leisten.
Welche Erfahrungen haben sie im Lande gemacht?
Wie ist die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung?

RN: Das ist die wichtigste Frage, und unsere westlichen Länder haben noch lange nicht verstanden, dass dieses das wichtige Fundament der Zusammenarbeit ist:
Der Respekt und die Anerkennung einer anderen Lebenskultur. Wir meinen wie in kolonialen Zeiten tiefinnerlich noch diese Stämme und Völker leiten und bestimmen und dafür sorgen zu können, dass sie in unsere Richtung marschieren.
Die Arbeit in Afghanistan setzt aber voraus, dass nicht wir die wichtigen Partner sind, sondern die, die bisher ohne den großen westlichen Wohlstand auskommen mussten.
Wir haben immer Kontakt zu den Dorfbevölkerungen.
Wir beginnen mit den Dorfältesten beim Tee die Bedingungen für eine Schule zu besprechen. So habe ich mit unserem Cheftechniker Thomas Just das in der letzten Januar Woche in dem ort Tschischme Noghre und in dem Ort Sagheriha gemacht. Wir brauchen die Gewissheit, dass in dem Ort genügend Lehrer sind, dass die Schule und die Lehrer vom Staat nach Fertigstellung bezahlt werden. Und wir brauchen für unsere zwei Bauarbeiter-Grünhelme eine Unterkunft, kostenlos in dem Dorf in einem Lehmhaus.
Gläubig zu sein, das heißt ein Christ, Protestant oder Katholik zu sein ist für die Muslime in den Ortschaften meistens ein Vorteil. Denn sie verstehen immer: wir glauben an den einen Gott.

UK: Wenn Sie sich das veröffentliche Bild über Afghanistan in deutschen Medien anschauen: was fehlt?

RN: Es fehlt, man kann darüber lachen: Afghanistan und die Afghanen.
Unser Bild von Afghanistan beschränkt sich auf Hochsicherheitstrakte in dem Afghanistan, das wir ‚unseres’ nennen.
Nach Herat darf z.B. kein Funktionsträger des Bundestages und schon gar nicht ein Staatsminister, denn Deutsche dürfen sich und sollen sich nur in dem Afghanistan aufhalten, das das Mandatsgebiet der Bundeswehr ist. Dorthin fliegen mit der Bundeswehr-Airlines auch 98 Prozent aller deutschen Journalisten, die für den Flug und das Programm, das ihnen von der Bundeswehr gemacht wird, nicht zahlen müssen.
Ich fürchte, die Mitbürger in Deutschland sind grässlich fehlinformiert über dieses wunderbare und stolze Land.

UK: Der Deutsche Bundestag hat am 28. Januar 2011 das ISAF-Mandat erneut um ein Jahr verlängert.
Wäre eine Mandatierung zugunsten eines zivilen Aufbaus hilfreich gewesen?

RN: Es ist jetzt nach so vielen Jahren teuerstem Militär-Aufbau nur für unsere Soldaten (ein Afghane hat in einer deutschen Kaserne nichts zu suchen) sehr viel schwerer geworden, das militärische Glacis abzubauen. Aber es wird nur so gehen. Die Unsicherheiten sind gewachsen, es gibt ganze Distrikte auch in der Provinz Herat, in denen kriminelle Banden, Opiumbanden herrschen, oder auch Taliban oder Leute der alten Hezbi Islami.
Sie werden aber nicht bekämpft von den Soldaten der ISAF.
Das zivile Wiederaufbau-Mandat müsste damit beginnen, dass wieder deutsche Konsulate außerhalb der Militärbereiche der Bundeswehr aufgebaut würden.
Dazu müsste die Wirtschaft mit den Afghanen wieder gestärkt werden, denn schon heute befinden sich 2 Mio junger Afghanen wegen der Arbeit wieder illegal im Iran.

UK: Was ist aus Ihrer Sicht in Afghanistan im Moment besonders dringlich?

RN: Alle Maßnahmen, in denen die Wirtschaft gestärkt wird, wären sehr dringlich. In dem Distrikt Karoq haben die Taliban nichts zu suchen, die Dörfer haben alle etwas nach dem Taliban Sturz bekommen, Mobiltelefone, eine große Tarmac-Strasse, Schulen, eine Klinik.
Das bringt mehr zum Aufbau des Landes als alle teuren ISAF Einheiten, die von Europa aus aus der Luft versorgt werden.

UK: Wie können die Grünhelme konkret unterstützt werden?

RN: Eine Schule in Afghanistan kostet uns Grünhelme 40.000 Euro.
Eine Klinik 48.000 Euro.
Wir haben sieben Schulen aufgebaut, die von Schulen hier in Deutschland finanziert wurden: Buchen/Odenwald, Troisdorf 21 Schulen, Kassel Waldorf-Schule, Alfeld Gymnasium, Edith Stein Gymnasium Erfurt, Voerde KAB,  Thomas D (Phantastische Vier), Gemeinde Bad Vilbel.
Wir brauchend das Geld auf das Konto:

Konto Nr. 1070000 bei der
GLS eG  BLZ 430 609 67

Nachtrag: Dr. Rupert Neudeck kam grad wieder aus Afghanistan zurück. Die Schulen Nr. 31 und 32 sind in Vorbereitung….

Alternativen zum Krieg (4) – Interview mit Malte Fähnders


Die GRÜNHELME wurden „als zivile Antwort auf den 11. September“ von Dr. Rupert Neudeck gegründet.
Dr. Neudeck kannte Afghanistan schon von seiner Zeit mit der CAP ANAMUR, deshalb waren die GRÜNHELME von Anfang an in Afghanistan engagiert.
Die GRÜNHELME wollen in konkreten Projekten der Wiederaufbauarbeit Christen und Muslime, Juden, Buddhisten und „Menschen guten Willens“ in gemeinsamen Arbeitsteams zusammenführen, damit man gemeinsam „den Frieden bauen“ kann.
Es gibt ein paar „Regeln“ bei den GRÜNHELMEN. Zu den wichtigsten gehört: die GRÜNHELME wohnen nicht in einem Hotel, sondern bei den Menschen.

Malte Fähnders war 2004 und 2005 für die Grünhelme in Afghanistan.


Am 28. Januar 2011 hat der Deutsche Bundestag das ISAF-Mandat für die
Bundeswehr verlängert.
Ich sprach deshalb mit jemandem, der das Land aus eigener ziviler Aufbauarbeit kennt, über seine Einschätzung der Situation in Afghanistan.

UK: Malte Fähnders, Sie waren 2004 und 2005 für die Grünhelme in Afghanistan, um zivile Aufbauhilfe zu leisten.
Die Grünhelme sind gegründet worden „als zivile Antwort auf den 11. September“.
Was haben Sie in Afghanistan genau getan?

MF: Im Juli 2004 bin ich gemeinsam mit drei anderen Grünhelmen zu einem dreimonatigen ehrenamtlichen Einsatz nach Qarabagh in der Provinz Herat gereist. Unser Plan war, den Bau einer Kinderklinik und einer Schule zu organisieren. Die Grünhelme hatten in der Provinz bereits eine Schule und eine Tischlerei fertig gestellt, zwei weitere Schulen und eine weitere Tischlerei befanden sich im Bau. Ich habe in den drei Monaten am Bau der Klinik und der Tischlerei in Qarabagh mitgewirkt, habe Maschinen für die Tischler-Werkstatt besorgt und den ersten holzhandwerklichen Workshop in Qarabagh begonnen.
Als ich im Oktober 2004 aufbrach, versprach ich meinen afghanischen Freunden, vier Monate später wieder zu kommen.
Tatsächlich brach ich im Februar 2005 wieder nach Afghanistan auf und startete den zweiten Workshop in der „Najari Maktab“, der Tischler-Schule.
Zu der Zeit war ich der einzige Deutsche in Qarabagh. Ich traf fast alle meine männlichen Kumpels wieder, mit Frauen hatte ich bis dato keinen Kontakt.
Einzig als ich mit den sieben Lehrlingen zu Anfang Schneidebretter gebaut hatte, brachten sie mir von ihren Müttern ein paar gezuckerte Brote mit. Es gab also durchaus gegenseitige Sympathien, auch ohne persönlichen Kontakt.
Da die Ibn-Sina-Klinik, benannt nach einem Mediziner des 11. Jahrhunderts, inzwischen fertig gebaut worden war, bauten wir Mobiliar und Einrichtungen für die Büros und Untersuchungsräume. Unsere Wickelkommode mit vereinfachter orientalischer Ornamentik möchte ich hier gerne  hervorheben.
Die gefiel auch dem ersten Mediziner-Team der Grünhelme, welche ich die letzten zwei Wochen meines zweiten Einsatzes noch unterstützen konnte. Wie sich herausstellte, taugte ich jedoch wenig als hinterm Vorhang kauernder Dolmetscher während einer Geburt, verwechselte die Vokabeln für „pressen“ mit „Knopf drücken“ und verwirrte damit wohl eher als zu unterstützen.
„Ein Grünhelm ist 24 Stunden am Tag im Dienst“, hatte uns Christel Neudeck während des Vorstellungstreffens am 1. Mai 2004 ans Herz gelegt.
Das bedeutete für uns, die Zeit vor Ort wirklich zu nutzen.
Mindestens ebenso wichtig wie die baulichen und handwerklichen Tätigkeiten waren schließlich auch die privaten Kontakte zu den Afghanen.
Jede Unterhaltung zählte, jede Geste und Mimik war wichtig. Und tatsächlich war das Dasein sehr intensiv.

Im September 2005 reiste ich mit meiner Frau mein bisher letztes Mal nach Afghanistan.
Die „nur“ sechs Monate Einsatz in Afghanistan hatten mich so bewegt, dass meine Frau das Gleiche erleben sollte und wollte.
Bevor wir uns zu einer längeren Tätigkeit in Klinik und Werkstatt entschließen würden, sollte sie einen ersten Eindruck bekommen.
Jedoch war die Sicherheitslage schon schlechter geworden. Unter den mir gewohnten Bedingungen hätten wir zu der Zeit nicht mehr in dem Dorf leben können. Es fiel uns schwer, den Plan fallen zu lassen.

UK:   Arbeiten die Grünhelme im Projekt mit Militärs zusammen? Wie sind Ihre Erfahrungen?

MF:  Die Grünhelme sind ja eher dort, wo sonst keine Organisation hinkommt , geschweige denn Militär.
Die einzigen Berührungspunkte mit Soldaten hatte ich, wenn ich mal in der Provinz-Hauptstadt Herat war. Es kamen aber nie Gespräche zustande.
Die italienischen Soldaten ignorierten mich auf gleiche Weise wie die anderen Passanten.
Wir Grünhelme lebten ja alle in den Dörfern, in denen wir unsere Projekte organisierten.
Deshalb waren wir Gäste dort und standen unter einem besonderen Schutz.
Hinzu kam, dass die Leute mehrfach Vorteile von den Projekten hatten: die Männer hatten Arbeit, für die die Grünhelme sie bezahlten – so ehrenamtlich wie wir Grünhelme konnten die Einheimischen aus Gründen des puren Überlebens leider nicht mitmachen – , außerdem lernten die Mitarbeiter neue Techniken und schließlich und endlich bekam das Dorf eine neue Schule, Klinik oder Tischlerei.
Ein ganz besonderer Umstand war die Ehrenamtlichkeit der Grünhelme.
Die afghanischen Mitarbeiter war sehr überrascht, wenn ich ihnen erklärte, dass sie mehr verdienten als ich.
Einige meinten, dann müsse ich doch Moslem sein, wenn ich für sie diesen Aufwand betreibe und mich den Gefahren ausliefere.
Nach diesen Aussagen fühlte ich mich sehr willkommen und auch sicher.

UK:     Wie hat sich nach Ihrer Einschätzung die Situation im Lande  verändert?

MF:   Nachdem die Taliban vertrieben worden waren, hat es eine Ruhephase gegeben.
Ich habe vielen Afghanen angemerkt, dass sie eine friedliche und harmonische Gesellschaft herbei sehnten. Aber nach derart vielen Jahren Bürgerkrieg sind viele Menschen roh geblieben. Konflikte werden mit Hilfe von Gewalt gelöst, besonders unter den unterschiedlichen Ethnien. Dass es auch anders funktioniert, habe ich in dem Dorf Totechi erfahren. Dort leben Tadschiken, Paschtunen und Turkmenen friedlich in einem Dorf zusammen. Die Taliban hatten es nie geschafft, Totechi für sich einzunehmen. Selbstverständlich gab es aber auch dort manchmal Unstimmigkeiten zwischen Tadschiken und Paschtunen, an deren Ende eigenartigerweise ein tadschikischer Mullah häufig verprügelt wurde.
Ich habe immer noch Kontakt zu Afghanen in Herat.
Sie schreiben mir, dass ich nach wie vor nicht so in Qarabagh leben könnte, wie ich es getan habe, allein in einem Haus, mich auf den Straßen und außerhalb des Dorfes frei und friedlich bewegend.

UK:   Was wäre aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

MF:  In Qarabagh fehlt eine ganz wichtige Grundlage: Wasser. Es gibt einfach zu wenig Wasser.
Bis zu 15 Meter tiefe Brunnen mussten wir bohren, damit wir die Klinik-Baustelle mit Wasser versorgen konnten. Außerhalb von Qarabagh sieht es größtenteils noch viel schlimmer aus. Wer in dieser Gegend die Wasserversorgung regelt, hat viel Macht.

UK:   Wie beurteilen Sie die Verlängerung des ISAF-Mandats durch den  Deutschen Bundestag?

MF:  Es fällt mir nicht leicht, das ISAF-Mandat zu beurteilen. Eigentlich weiß ich zu wenig über die Erfolge der Bundeswehr in Afghanistan. Liegt es daran, dass es zu wenig Erfolge gibt? Keine Ahnung.
Ich habe nur Vorstellungen, wie eine große Gruppe von Leuten mit mächtigem Aufwand das große Regelwerk der Bundesrepublik nach Afghanistan transportiert.
Dort wird dann versucht, das, was nicht passt, passend zu machen.
Doch das Überleben der Familie diktiert in Afghanistan die Regeln, allein deshalb ist die Gesellschaft dort so unglaublich strukturiert.
Dort wo die Bundeswehr stationiert ist, sorgen afghanische Bürgermilizen für Sicherheit. Inzwischen werden diese von den Amerikanern unterstützt.
Ich hoffe, dass die Bundeswehr wenigstens zum Teil an der Sicherung der Gegend beteiligt ist. Ist es anders, macht der Einsatz wenig Sinn.
Die militärische Logik erwartet wohl eine „robustere“ Auslegung des Mandats, damit der Einsatz Sinn macht.
Höchstwahrscheinlich sind viele Einsätze von Soldaten der Bundeswehr bereits wesentlich kriegerischer als wir hier ahnen, weil die Situation vor Ort sie dazu zwingt.
Die politische Aufklärung der Öffentlichkeit in Deutschland hinkt der Situation in Afghanistan sicherlich weit hinterher.
Eine der Folgen ist, dass sich die heimkehrenden Soldaten in Deutschland nicht ausreichend gewürdigt fühlen.
Dabei bin ich mir sicher, dass in der Bevölkerung viele mit ihnen mitfühlen, obwohl sie den Sinn des Einsatzes anzweifeln.
Das ist auch unbedingt notwendig, schließlich überlassen Bundestag und Bundeswehr die Wiedereingliederung der Soldaten in die Gesellschaft größtenteils ihrem privaten sozialen Umfeld.
Ich würde mich gerne mal mit Soldaten der Bundeswehr über die unterschiedlichen Erfahrungen in Afghanistan unterhalten.

Ich denke, dass die finanziellen Mittel viel sinnvoller eingesetzt werden könnten.
Mehr Geld für die Wasserversorgung und weniger für Panzerhaubitzen, wäre zum Beispiel ein Vorschlag.
Mehr Hilfe zur Selbsthilfe. Bessere Ausbildungschancen für in Deutschland „geduldete“ Afghanen.
Es gibt vieles, was den Prozess in Afghanistan besser unterstützt als die Bundeswehr.

Malte Fähnders ist auch bei facebook zu erreichen.
Wer von seinen Erfahrungen und Kontakten profitieren möchte: er ist unter facebook.com/marto.flanders erreichbar.

Birthday im Netz – die Sache mit dem birthday click


Bei Charity:water bin ich drauf gekommen.
Diese vorzügliche Kampagne zur Versorgung vieler Zehntausender Menschen mit frischen Wasser (über ein Drittel der Menschheit hat keinen Zugang zu sauberem Wasser) fing so an: mit einer Geburtstagsmail. Der Gründer bat seine Freunde anlässlich seines Geburtstages (ich glaub, es war der 30.) um 30 Dollar Spende für den Zweck. Später folgten 31, 32 etc. pp. das ist alles auf der Homepage von charity:water schön nachzulesen.

Bei mir sind’s heute 53 Jahre geworden, ein Alter, in dem man zu Mozarts Zeiten schon zu den Uralten gehört hätte….Und: um 53 Euro für die drei von mir unterstützten Organisationen, mit denen ich seit Jahren verbunden bin, wollte ich auch nicht bitten, denn das ist ne Menge Geld.

Aber: um einen Click kann ich bitten.
Also gibt’s heute „Die Sache mit dem birthday-click“.

Ich bin sehr dankbar, daß sich Freunde im Internet daran beteiligen.
Eine kleine Notiz war schnell geschrieben mit den links zu

http://oid.org

http://www.andheri.de

http://www.gruenhelme.de

Diese drei liegen mir am Herzen. Ich kenne Dr. Rupert Neudeck seit langen Jahren. Wir waren in Afghanistan zusammen und in Tadshikistan, in Nordkorea und anderen Orten. Berühmt geworden durch seine Arbeit mit der „Cap Anamur“ jenem legendär gewordenen gemieteten Frachter, mit dem der damals junge Journalist des Deutschlandfunk mit bloßen Händen Boat-People – Flüchtlinge also, aus dem Meer gezogen hat. Viele Tausend Menschenleben hat er so gerettet. Nach dem 11. September haben wir die „Grünhelme“ gegründet als „zivile Antwort“, als Versuch, in praktischer gemeinsamer Arbeit zur Versöhnung zwischen den Religionen beizutragen.
Über dreißig Schulen haben die Grünhelme mittlerweile in Afghanistan gebaut, wir sind im Kongo, waren die ersten im Irak. Haben die erste Solaranlage nach Afghanistan gebracht, um ein Krankenhaus mit Strom zu versorgen. Die Berliner Firma SOLON hat geholfen.
Diese jungen Menschen, die für die Grünhelme mal für drei Monate ins Projekt gehen, haben mich ungemein beeindruckt. Für ein Taschengeld, eine kleine Versicherug und die Reisekosten gehen sie los. Hoch engagiert, hoch motiviert. Einfach wunderbare Menschen. Nun wollen wir nach der grossen Flut ein Projekt in Pakistan beginnen. Die Menschen brauchen wieder ein Dach über dem Kopf.

Rosi Gollmann von der Andheri-Hilfe in Bonn lernte ich 1999 kennen. Ich las von ihr im Internet, bat um einen Termin und hab sie besucht.
Als ich jene Figur an der Wand in ihrem Haus sah, die schon so viele beeindruckt hat, war ich sofort dabei: da hängt ein Corpus, eine Christus-Darstellung also. Aber: sie hat keine Hände. „Ich habe keine Hände außer Euren“ steht darunter.
Die Andheri-Hilfe hat als kleine private Initiative der Religionslehrerin Rosi Gollmann angefangen. Blindenhilfe in Bangladesh.
Mittlerweile ist die Andheri-Hilfe zu einer international hochgeachteten NGO geworden, die ländliche Entwicklung ebenso wie Frauenförderung unterstützt.
Über 1 Millionen Menschen können wieder sehen, weil die Andheri-Hilfe mit den eye-camps in Bangladesh einfache Operationen am Star ermöglicht hat. Altbundespräsident von Weizsäcker hat über diese Arbeit gemeint: „ich kenne keine effektivere Art der Entwicklungshilfe“, denn für umgerechnet etwa 30 Euro kann einem Menschen das Augenlicht zurückgegeben werden: er kann lernen, kann selbständig für sich sorgen.
Franz Alt hat die Arbeit in mehreren Filmen gut dokumentiert.

Die beiden Grandes der deutschen Entwicklungshilfe wurden ergänzt durch einen Vertreter der nächsten Generation: Stefan Knüppel

Ich lernte den CEO von opportunitiy International, Stefan Knüppel, auch übers Internet kennen. Eine Ticker-Meldung im Ministerium teilte mit, daß dieser Mann ein sehr gutes Job-Angebot in der Wirtschaft ausgeschlagen habe und stattdessen – als gelernter Banker – seine Kenntnisse der Mikrokreditarbeit zur Verfügung stellen werde. das hat mich interessiert, ich habe Kontakt zu ihm aufgenommen, wurde Schirmherr und unterstütze diese unglaublich wichtige Arbeit nun auch schon seit etlichen Jahren.
Die Mikrokreditarbeit ist 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Mit Stefan Knüppel war ich in Mosambique, um mir die Arbeit vor Ort anzuschauen. Es ist eine gute Arbeit. Menschen nicht ein Almosen zu geben, sondern einen winzigen Kredit von ein paar Dollar, damit sie durch eine kleine Investition sich und ihre Familien selbst ernähren können. Das weltweite Netz von Opportunity international betreut mittlerweile weit über 1 Million Klienten.
Nun haben wir etwas Neues vor: 100 neue trust-banks wollen wir gründen. 100 neue Kreditnehmer-Gruppen. 100 neue „Banken des Vertrauens“, oder „Banken mit Herz“, wie wir sie nennen.

Diese Drei also hab ich heute früh gepostet an meine Internet-Freunde.
Ähnlich, wie es bei charity-Water angefangen hat. Anlässlich eines Geburtstages.

Ich freue mich sehr über die Resonanz.
Die Freunde posten die Notiz weiter, helfen, daß „Die Drei“ bekannter werden.
Und tun mit wenig Aufwand etwas sehr Schönes ann diesem Tag.

Ich danke Euch allen herzlich für diese Unterstützung!
Das ist ein guter Geburtstag!