Zwei Tage im September


kleine Kaffee-Pause am Vorbereitungstag
kleine Kaffee-Pause am Vorbereitungstag

Zwei mal im Jahr nehmen wir mit unserem Internet-Garten teil am „Tag des offenen Gartens“, an dem etwa 30 Gärten in der Uckermark beteiligt sind. Im Juni zur Hauptblüte und im September, wenn einige der Rosen ein zweites Mal blühen. Diese Tage lassen das Netzwerk von Menschen, die den Garten kennen und unterstützen jedes Mal ein Stück weiter wachsen.nach getaner Arbeit erholt sich der "Rosengarten-Club" bei einer Tasse Kaffee

Schon zur Vorbereitung des Gartens sind Helfer gekommen. 10 Leute am Vormittag, nochmals sechs Helfer am Nachmittag.
Nicht nur Rasenflächen sind zu mähen, im Garten selbst wird in den Beeten Unkraut beseitigt, Bänke werden gestellt, Stühle sind zu tragen.
Kleine Zeltdächer werden aufgestellt, damit die Gäste, falls es mal einen Regenschauer geben sollte, etwas Schutz finden.
Im Haus selbst wird eine „Schlechtwettervariante“ vorbereitet. Man kann ja nie wissen, ob das Wetter hält. Schließlich ist schon September.

junge Musiker vom Konservatorium für Türkische Musik Berlin am Rosengarten
junge Musiker vom Konservatorium für Türkische Musik Berlin am Rosengarten

In diesem Herbst gibt es eine weitere Neuerung: die Besucher können nicht nur den Garten besuchen, etwas über seine Entstehungsgeschichte hören, sondern wir haben einen „Türkischen Abend am Rosengarten“ geplant, der in Zusammenarbeit mit dem Türkisch-deutschen Club in Potsdam (Vorsitzender: Hikmet Güvenc) vorbereitet wird. Herr Hasan Kaygusuz von der Firma Ka-Energy Solulutions (www.ka-energy.com) war so freundlich und hat einen Kontakt zu drei jungen Musikern vom Konservatorium für Türkische Musik hergestellt, die uns klassische Musik aus ihrem Heimatland vortragen.

Einer von ihnen macht grade sein Abitur, einer wird Geschichts-Lehrer und einer studiert Wirtschaftswissenschaften.
Und alle drei begeistern sich für klassische Musik.

 

 

 

IMG_2499_1Dem Publikum gefällt es.
Das Wetter hat gehalten. Wir können unter freiem Himmel draußen sein und genießen in wunderbarer Atmosphäre die Musik, haben Gelegenheit zum Gespräch und zum Kennenlernen.
Direkte Begegnung fördert die Verständigung der Kulturen am besten.
Und Musik hilft dabei allemal.
Corinna Woldegk, die ein wunderbares orientalisches Buffet zubereitet hat, bekommt Lob aus berufenem Munde: „Bei diesem Essen und dieser Musik habe ich mich wie zu Hause gefühlt“ sagt Hikmet Güvenc.
Prima. So soll es sein. Die Menschen sollen sich bei uns „wie zu Hause“ fühlen.

Bis in den späten Abend sitzen wir beieinander, erzählen, hören zu, genießen den milden Abend. Sogar der Vollmond kommt gezogen. Ein wunderbarer Abend, der viele neue Kontakte ermöglicht, der den Kreis der Freunde und Förderer des Rosengartens weiter wachsen lässt.
Der Sonntag bringt einen neuen Impuls.
Carmen Winter, die ich bislang nur von facebook kannte, ist gekommen, um zu lesen.
Die Brandenburgerin, die in Frankfurt/Oder lebt und schreibt, liest aus ihrem Buch „Der König und die Gärtnerin“. Wunderbar präzise gearbeitete Literatur über ein ungleiches Paar.

Der zweite Tag endet mit einer kleinen Orgelmusik in der alten Hetzdorfer Dorfkirche.
Wir haben unserem Schirmherrn, Herrn Stefan Zierke, MdB, Frau stv. Landrätin Carina Dörk und dem langjährigen Vorsitzenden des Vorstands der Kreissparkasse Uckermark, Herrn Uwe Schmidt für alle Unterstützung zu danken.
Zu danken ist den vielen Helferinnen und Helfern, die den Garten vorbereitet haben und betreuen und – nicht zuletzt – den vielen Besucherinnen und Besuchern, die sich auf den Weg gemacht haben, um mal mit eigenen Augen zu besehen, was es mit diesem seltsamen Gärtchen, das vor zwei Jahren im Internet entstand und nun so wunderbar blüht und gedeiht, in Wirklichkeit auf sich hat.

 

Eine unscheinbare Schönheit mit viel Erfahrung: die rosa gallica officinalis


rosa gallica officinalis im Internet-Rosengarten in Hetzdorf (Uckermark)
rosa gallica officinalis im Internet-Rosengarten in Hetzdorf (Uckermark)

Seit etwa 1310 wird sie in Europa kultiviert. Nicht im „Schaugarten“, sondern in der „medizinischen Abteilung“ des Klostergartens.
Genau das fasziniert mich.
Und ich fange an, mehr über diese unscheinbare Schönheit zu recherchieren.
Denn der Internet-Rosengarten in Hetzdorf (Uckermark) ist in der zweiten Phase seiner Entwicklung: Angelegt wurde der Garten vor zweieinhalb Jahren. Über 2.000 Menschen haben ihn schon besucht. Die Resonanz in Fernsehen, Rundfunk und print war die erste große Überraschung, die der Garten bereit hielt.
Etwa 32.000 Menschen in 23 Ländern kennen unser Projekt mittlerweile. Das Internet machts möglich.
Nun ist die Phase 1, der Aufbau des Gartens, abgeschlossen.
Die Phase 2 beginnt:
Wir denken über Vermehrung unserer Pflanzen nach und über Produktentwicklung.
Die Frage ist: was wussten die Altvorderen von dieser Pflanze? Welche Produkte sind aus dieser „Apotheke des Mittelalters“ gewinnbar? Mit was für einer Technologie haben die Alten gearbeitet? Verbergen sich gar dringend benötigte Arbeitsplätze in dieser scheinbar unscheinbaren Pflanze?
Es ist damit zu rechnen, dass die Recherche Interessantes zu Tage fördert, denn diese „Mutter der einheimischen Rosen“ wurde über viele Jahrhunderte genutzt. Menschen haben sich seit langer Zeit mit dieser besonderen Rose beschäftigt. Zahlreich sind die „Produkte“, die man aus ihr gewonnen hat. Da sind Schätze zu heben.
Angefangen vom „Rosenessig“, über das „Rosenwasser“ bis hin zum „Rosenöl“ – letzteres ist jedoch in der Herstellung überaus aufwändig.
Man nutzte die Blätter der Blüte ihrer zusammenziehenden (adstringierenden) Wirkung wegen gegen allerlei Krankheiten. Dazu wurden Tees bereitet, man stellte Salben her, verwendete sie für Kompressen.
Aber man nutzte sie auch zur Herstellung von edlen Speisen, veredelte den Wein damit, würzte warme und kalte Speisen, bereitete Marmeladen und Konfitüren, stellte Liköre her – das Rosenwasser machte es möglich.
Bei der Recherche stoße ich auf Landschaften im Orient,  in denen Dörfer liegen, die alle von der Rose leben – Arbeitsplätze also enthält die Rose auch. Manuelle Arbeit. Handarbeit. Dringend benötigte Arbeit in Zeiten von Automatisierung und Massenfertigung.
Die Kunst der Nutzung dieser alten Pflanze besteht in der Veredelung. Der Duft allein ist schön. Aber regelrecht spannend wird es, wenn man sich fragt, was sie noch an altem Wissen in sich trägt.

Einfache Herstellung von Hydrolat: Rosenwasser aus handgepflückten Blüten der rosa gallica officinalis
Einfache Herstellung von Hydrolat: Rosenwasser aus handgepflückten Blüten der rosa gallica officinalis

Wir beginnen mit einer einfachen Herstellung eines Hydrolats: Rosenwasser.
Im Internet bin ich fündig geworden und habe diese einfache Herstellungsweise aus Bulgarien gefunden. Je einfacher, je besser.
Dieses hier gezeigte unscheinbare Gefäß ist der Beginn von mehr. Denn mit Rosenwasser lassen sich zahlreiche weitere Produkte herstellen: Essenzen, Seifen, Gebäck, Parfüms.
Wir sammeln gerade alte Rezepte, für die man Rosenwasser benötigt. Ein altes Rezept aus der Klosterküche von 1720 zur Herstellung von Gebäck klingt interessant. Wir werden es ausprobieren.
Eine Grundregel wird unsere Arbeit leiten: wir verwenden keine Chemie und wir probieren alles selber aus. Nur, was von uns selbst geprüft und für brauchbar befunden wurde, geben wir weiter.
Es ist eine überaus spannende Phase, in die unser Garten-Projekt nun eintritt. Wir gehen diesen Weg als Lernende, die bereit sind, sich um altes Wissen zu bemühen, offen für Überraschungen.
Der Garten hatte schon so viele Überraschungen für uns bereit. Wir sind gespannt, wohin er uns noch führen wird.