social media und Weltkonferenzen. Etwas zur Orientierung im Medien-Dschungel


Havanna Februar 2015 Hafenstraße Malecon. Windstärke 3 an einem normalen TagDie wichtigste bevorstehende internationale Konferenz ist die Welt-Klima-Konferenz vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris.
In Vorbereitung dieser Welt-Tagung ist ein weltweiter Prozess im Gang, an dem sich nationale Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Verbände, Lobby-Gruppen der Wirtschaft und natürlich auch Massenmedien beteiligen.
In den USA findet beispielsweise gegenwärtig ein regelrechter Medien-Krieg um die Deutungshoheit des Wortes „Klimawandel“ (climate change) statt. Gruppen, die sich für De-Investitionen bei fossilen Energien einsetzen und für verstärkte Investitionen bei Erneuerbaren, stehen in scharfer Auseinandersetzung mit denjenigen, die alles beim Alten lassen und vor allem mit fossilen Energien Geld verdienen wollen. Da „climate change“ ein Wahlkampfthema bei den nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen sein wird, wird auch dieser Auseinandersetzung um die „öffentliche Meinung“ noch weiter an Schärfe zunehmen. Mittlerweile positionieren sich nicht nur Präsidenten und Präsidentschaftsbewerber, sondern auch der Vatikan (die Umwelt-Enzyklika wird Mitte Juni erwartet), sondern auch amtierende und frühere UN-Generalsekretäre. Frankreich hat einen besonderen Ehrgeiz, dass die Konferenz 2015 in Paris „ein Erfolg“ wird. Die Frage allerdings ist, ob es tatsächlich gelingt, ein Abkommen zu erzielen, dass auch die verbindlichen Instrumente zur Erreichung des 2-Grad-Ziels festschreibt. Gegenwärtig ist das mehr als fraglich.
Glücklicherweise ist man bei der Meinungsbildung nicht mehr allein auf die „alten“ Massenmedien wie Fernsehen, Rundfunk oder Zeitungen (print) angewiesen, sondern kann sich zusätzlich dazu mit Hilfe von social media informieren, sich beteiligen, oder sogar Einfluss nehmen. Plattformen wie facebook, twitter, instagram und andere gewinnen jeden Tag mehr an politischem Gewicht. Sie sind blitzschnell und erreichen, wenn sie gut organisiert sind, eine große Schlagkraft rund um den Globus.
Weltweite Kampagnen wie 350.org zeigen, dass solches Engagement Ergebnisse bringt: der größte staatliche Fonds in Norwegen hat letzte Woche entschieden, aus Kohle-Investmehts auszusteigen. (900 Milliarden) Ebenso AXA (divest von 500 Mio; invest von 1,5 Milliarden in Erneuerbare).
In Vorbereitung auf den Paris-Gipfel hat allein twitter einen „blogger-Treffpunkt“ mit mehr als 3.000 bloggern aus aller Welt (Stand 3.6.2015). Unter https://twitter.com/PlaceToBcop21 findet sich die Szene von Wissenschaftlern, Fachjournalisten, Lobbyisten und Kampagneros.
Diese Kommunikation ist möglicherweise entscheidend. Denn via social media kann sich vor allem die Zivilgesellschaft engagiert in die internationale Debatte einbringen.  Das Thema ist auch viel zu wichtig, als dass man es allein der Politik überlassen dürfte.
Die „alten“ Medien verlieren zunehmend an Einfluss bei der Meinungsbildung.
Denn man kann sich nun (das war früher durchaus anders!) via social media direkt an die UN, an den Generalsekretär, an die Organisationen der UN „andocken“, man kann direkt erfahren, was der Vatikan vorhat (was angesichts von über 2 Milliarden Christen weltweit nicht ganz nebensächlich ist); man kann direkt an der Quelle der Information erfahren, was Forschungsinstitute publizieren und man kann eben nun auch tagesaktuell erfahren, wie Teilnehmer der Konferenz den Debattenstand, die Konfliktpunkte, die Streitfragen kommunizieren.
Man ist nun nicht mehr angewiesen auf die Vermittlung durch Journalisten. Das ist neu und das ist wichtig.
Der hashtag machts möglich.
#Paris2015 oder #COP21 bei facebook oder twitter bringen den Überblick.
Lesen und kommentieren muss man allerdings immer noch selbst…..

social media als Chance zur Deeskalation


Ein Geschenk Russlands an die UNO: Schwerter zu Pflugscharen
Ein Geschenk Russlands an die UNO: Schwerter zu Pflugscharen

Feindbilder haben Konjunktur.
Wer die Debatte um die Ukraine, Russland und die Krim verfolgt, bemerkt es sofort.
Unsere Gesellschaften haben es wie einen Reflex erlernt: zeichnet sich eine scharfe Kontroverse ab, die aus verschiedenen Interessen resultiert, antworten die am Konflikt beteiligten Parteien mit Feindbildern, die nicht selten zur militärischen Eskalation führen.
Die Frage ist:
Wie lernt man Frieden?
Wie lernt man Deeskalation?
Es beginnt mit der persönlichen Begegnung und mit der Anerkenntnis, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf Leben hat.
Das ist eine wichtige Erfahrung aus der Zeit, in der die politischen Blöcke im geteilten Deutschland scheinbar unversöhnlich gegenüber standen.
Social media kann wie kaum ein anderes Instrument diese dringend notwendige persönliche Begegnung zwischen den „Fronten“ anbahnen und fördern.
Es ist schnell.
Es ist direkt.
Es ist öffentlich und kann viele Millionen Menschen erreichen.
Leider werden die neuen technologischen Möglichkeiten bislang überwiegend dafür verwendet, die jeweiligen Feindbilder zu pushen. Der „Krieg“ findet auch im Netz statt.
Man muss sich daran aber nicht beteiligen.
Was fehlt, sind Plattformen, Netzwerke, Gruppen, die den Dialog zwischen den Konfliktparteien, genauer: zwischen den Bevölkerungen befördern. Und zwar dergestalt, dass sich nicht Ministerpräsidenten, Generäle und diverse andere beteiligen, sondern Zivilisten. Schüler, Eltern, Lehrer, Pensionäre, Männer und Frauen.
Wenn sich die Zivilgesellschaften am Dialog beteiligen, in dem sie zueinander Kontakt aufnehmen, haben die „Falken“ weniger Chancen, ihre „entweder-oder“ Politiken umzusetzen.
Diese technischen Möglichkeiten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, sind neu.
Sie sind in Friedensprozessen noch wenig erprobt.
Aber sie liegen bereit.
Es liegt an den Nutzerinnen und Nutzern des Internets selbst, ob sie dieses Instrument einsetzen, um Feindbilder zu verstärken, oder ob sie es einsetzen, um Begegnung zwischen Menschen zu unterstützen.
Wenn die Zivilgesellschaften erkennen würden, was sie da für ein großartiges Instrument zur Verfügung haben, um Friedensprozesse, gegenseitige Verständigung und Kompromisse und Dialog zu unterstützen, könnte die internationale Friedensarbeit wesentliche neue Impulse bekommen.
Wir müssen angesichts der hochkomplexen Konflikte in der Einen Welt dazu lernen.
Wir müssen lernen, miteinander auszukommen.
Wechselseitige Feindbilder und in ihrer Folge nicht selten militärische Konflikte dienen diesem Ziel nicht.
Das Internet und insbesondere social media jedoch sind eine große Chance, Gewalt nicht eskalieren zu lassen, sondern zur Verständigung zwischen den Menschen zu kommen.
Es liegt auch an uns, ob Frieden wird.