Die dumme Rede vom „Retten der Welt“


„Na, warst Du wieder die Welt retten?“ fragen manche Eltern ihre Kinder, wenn die grad von #FridaysForFuture kommen. Beispielsweise.
Andere sagen von sich: „So, jetzt war ich den ganzen Tag die Welt retten, jetzt ist Feierabend“.
Diejenigen, die sich für mehr als sich selber engagieren, werden nicht selten von denen verächtlich gemacht, die gern bequem auf dem Sofa sitzen und die Weltlage lediglich kommentieren. Davon gibt es reichlich.
Es ist in ihren Augen verächtlich, verachtenswert, wenn andere sich engagieren und „die Welt retten“, während sie selber in ihrer Tatenlosigkeit eingemauert zu Hause sitzen. Man schimpft deshalb auch gern über diese „Gutmenschen“. Sie halten einem selber, der man so gern bequem auf dem Sessel sitzen bleibt, nämlich einen ziemlich unbequemen Spiegel vor Augen: „Schau genau hin. Der da sitzt und nur meckert – das bist du!“

Aber auch Engagierte nutzen die Redewendung vom „Retten der Welt“.
Und auch sie nutzen sie zu Unrecht.
Denn die Redewendung enthält die Behauptung, Menschen könnten „die Welt retten“. Das können sie nicht.
Die Rede von „die Welt retten“ ist also in jeder Hinsicht ein unpassende Rede.
Niemand kann „die Welt retten“. Auch alle gemeinsam können das nicht.

Man kann allerdings seine konkrete eigene Verantwortung wahrnehmen. Das allerdings.
Das ist allerdings sehr viel mühsamer. Denn dazu muss man ja erstmal herausfinden, was genau man selber denn überhaupt am Zustand der Welt ändern kann.
Kann ich einen Preis für Flugbenzin festlegen? Nein. Ich kann ihn fordern, mehr aber auch nicht.
Kann ich verhindern, dass Unkrautvernichtungsmittel auf Äckern ausgebracht wird? Eher selten. Es sei denn, der Acker gehört mir oder es ist kommunaler Acker und ich sitze im Gemeinderat oder es ist kirchlicher Acker und ich sitze im Gemeindekirchenrat. Dann kann ich dort einen Antrag stellen, dass „unser“ Acker künftig nicht mehr mit Unkrautvernichtungsmittel besprüht werden darf. Ob ich davon eine Mehrheit bekomme, hängt von Verschiedenem ab.

Kann ich verhindern, dass in Indien Kohlekraftwerke gebaut werden? Wohl eher nicht. Es sei denn, ich bin indischer Ministerpräsident.

Kann ich verhindern, dass immer mehr Autos in unseren Städten fahren?
Nein. Aber ich kann mein eigenes Auto abschaffen. Das schon. Das ist allerdings ein wenig unbequem.

Kann ich verhindern, daß RWE „Tatsachen schafft“ und weiter rodet, obwohl der Kohle-Ausstieg beschlossen ist? Ich kann es gemeinsam mit anderen versuchen. Der Ausgang der Sache ist ungewiss. Die Chancen stehen allerdings nicht mehr ganz so schlecht wie noch vor ein paar Wochen.

Wenn ich zu einer Demonstration für einen schnelleren Kohle-Ausstieg gehe, rette ich „die Welt“ in keiner Weise. Ich mache bestenfalls gemeinsam mit anderen öffentlich deutlich, welcher Ansicht ich bin. Und appelliere an andere, etwas zu tun. Deshalb ist die Rede, die Schülerinnen und Schüler, die wöchentlich bei #FridaysForFuture demonstrieren, wollten „die Welt retten“ eine despektierliche Rede, die die jungen Leute lediglich lächerlich machen soll. Die jungen Leute retten „die Welt“ ganz gewiss nicht, aber sie machen endlich deutlich, was ihre Interessen sind: nämlich eine lebenswerte und  einigermaßen intakte Umwelt zu „erben“. Und je mehr dieses Interesse äußern, um so klarer wird ihre Botschaft an diejenigen, die in Staat und Verwaltung die Macht innehaben.

Man kann auf die Rede vom „Retten der Welt“ (oder auch vom „Retten des Klimas“) getrost verzichten.
Sehr viel gescheiter und anregender ist die Rede von der konkreten eigenen persönlichen Verantwortung. Die kann damit beginnen, dass ich meinen eigenen Lebensstil überdenke und gegebenenfalls weiter ändere und zum Beispiel das Auto abschaffe, weniger fliege, die Ernährung umstelle usw.
Und sie kann darin weiter gehen, dass ich mich in eine Gruppe einbringe – eine kommunale vor Ort, eine übergreifende, vielleicht gar in eine internationale, in ein Netzwerk.
Je konkreter, je besser ist es.

Im internationalen Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org geht es deshalb sehr konkret zu. Wir stärken diejenigen jungen Leute, die für eine lebenswerte, intakte Umwelt demonstrieren, in dem wir mit Hilfe unserer Smartphones, Laptops, Pcs etc. nach und nach eine Gegenöffentlichkeit zu denjenigen aufbauen, die den dringend notwendigen engagierten Klimaschutz verhindern wollen. Die sind momentan noch sehr zahlreich. Wir arbeiten gemeinsam mit vielen tausenden junger Leute daran, dass sich das rasch ändert.

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