Vom Ende der DDR. Die Ökumenische Jugendversammlung vom 12. – 15. Mai 1988 in Gotha. (2). Das Umfeld im Jahre 1987

Vom Ende der DDR. Die Ökumenische Jugendversammlung vom 12. – 15. Mai 1988 in Gotha. (2). Das Umfeld im Jahre 1987

Als die großen Demonstrationen in Leipzig, Berlin und zahlreichen anderen Städten im Jahre 1988/89 begannen, war das Ende der DDR im Grunde besiegelt. Denn schon lange vorher hatten zahlreiche kirchliche Großveranstaltungen, Gruppeninitiativen, Papiere über all im Lande den Boden für die Veränderungen bereitet. Die Ökumenische Jugendversammlung im Mai 1988 in Gotha gehört ganz sicher mit in diese Reihe.
Wir hatten in Teil 1 gesehen, dass die Vorbereitungen für die Versammlung schon früh im Jahre 1987, also mehr als ein Jahr zuvor, begonnen hatten. Bis auf wenige hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter wurden die Vorbereitungen von vielen Ehrenamtlichen geleistet. Diese Ehrenamtlichen kannten sich zum großen Teil aus unterschiedlichen kirchlichen Zusammenhängen und Treffen. Der „Kirchentag von unten“ vom 24. – 28. Juni 1987 beispielsweise war Treffpunkt für die Gruppen der „Offenen Arbeit“ der evangelischen Jugendarbeit. Am 4. und 5. Juli 1987 fand in Erfurt eine „Werkstatt“ der Offenen Arbeit statt – wieder eine Gelegenheit, sich zu treffen, Informationen auszutauschen, sich zu verknüpfen.
Am 26. September 1987 fand in Weimar ein sogenanntes „Basisgruppentreffen“ statt, an dem viele Vertreterinnen der „Offenen Arbeit“ aus Berlin, Erfurt, Eisenach, Jena und anderen Orten angereist waren. Die jungen Leute trafen sich, berichteten von den neusten Entwicklungen in Berlin und anderen Städten; man hörte von Verhaftungen; man hörte von Problemen Jugendlicher mit dem Staat; man hörte davon, wie kirchliche Mitarbeiter sich verhielten – der enge persönliche Austausch war Kennzeichen dieser Treffen, denn die wenigsten verfügten über ein eigenes Telefon. Eine Kommunikation, wie sie heute normal ist (Handy, Laptop, mail, social media) war damals unvorstellbar. Man musste sich schon in den Zug setzen oder von jemandem im Auto mitgenommen werden zu so einem Treffen, damit man sich informieren und austauschen konnte. Die Bedingungen waren nicht einfach.
Wieder ein anderer Arbeitszusammenhang der evangelischen Jugendarbeit, in die ich direkt eingebunden war, war die „Beratung von Wehrpflichtigen„. Zwar gab es offiziell zum Dienst an der Waffe keine Alternative in der DDR. Aber man konnte den Dienst an der Waffe verweigern und sich als „Bausoldat“ mustern lassen – oder „total verweigern“. Letzteres war nicht selten mit massiven Repressalien verbunden, die in nicht wenigen Fällen bis zum Gefängnis und zum Ausreiseantrag führten. Die evangelische Jugendarbeit hatte beispielsweise in Jena einen „Arbeitskreis Wehrdienstfragen beim Stadtjugendpfarramt“ eingerichtet, der regelmäßig Vorbereitungs-Seminare anbot. Im Rollenspiel konnten sich die jungen Männer auf die Musterung vorbereiten und ihre Argumente schärfen, die sie brauchten, um die Musterung auch zu bestehen und „zu den Bausoldaten“ gemustert zu werden. Ehemalige Bausoldaten waren die ehrenamtlichen Leiter dieses Arbeitskreises. Stephan Schack und Andreas Kosmalla gehörten zu den besonders Aktiven in Jena, denen ich noch heute für ihr Engagement dankbar bin. Wir sind nach wie vor in Verbindung.
Alle diese Arbeitszusammenhänge der evangelischen Jugendarbeit standen unter Beschuss durch die Staatssicherheit. Besonders die „Offene Arbeit“ und die „Arbeit mit Wehrpflichtigen“ war der Obrigkeit ein Dorn im Auge. Ich finde deshalb in meiner Stasi-Akte zahlreiche Hinweise auf die Beobachtung gerade dieser Arbeitsfelder. Als wir Pastoren und Diakone uns vom 14. – 17. September 1987 zu einem Pastoralkolleg (Weiterbildung) zum Thema „Seelsorge an Wehrpflichtigen“ in Neudietendorf trafen, wurde das Programm von beflissenen Kollegen schon im Vorfeld an die Stasi gemeldet und unmittelbar hinterher von der Veranstaltung berichtet.

Auch die Vorbereitungen der Jugendversammlung in Gotha waren frühzeitig in Kreisen der Staatssicherheit bekannt. Der erste Beleg davon stammt bereits vom 8. Januar 1987 ! (Man erkennt am Datum: „erhalten Cramer am 8.1.87“, dass der Spitzel direkt von der Konferenz berichtet hat.)

„Runge“ berichtet an die Stasi den bis dahin bekannten Planungsstand:

„Die Firma“, wie wir die Staatssicherheit damals auch nannten, war also von Anfang an im Bilde und bekam nun fortlaufend Berichte über den Fortgang der Vorbereitungen. Wie wir mittlerweile wissen, hatte die Staatsicherheit ihre Leute sehr präzise „platziert“: der Jurist, bei dem alle komplizierten Fälle im Zusammenhang mit Wehrdienstfragen zusammenkamen, Wolfgang Schnur, war Stasi-Mann. Er war regelmäßiger Gast bei Tagungen der evangelischen Jugendarbeit und galt als vertrauenswürdiger „Mann der Kirche“ – bis seine andere Seite bekannt wurde. Es gab im Jenaer Konvent Kollegen, die direkt berichtet haben; es gab auch unter den Jugendlichen den einen oder anderen, den man erpresst hatte, für die „Firma“ zu berichten; es gab bis hinauf in die Kirchenleitung gut informierte Stasileute. In der Kirchenprovinz Sachsen besonders schwerwiegend der Präsident des Konsistoriums, Detlef Hammer.
Dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der evangelischen Jugendarbeit „unter Beobachtung“ standen, dass man unsere Post kontrollierte, das Telefon abhörte, unseren Besuch – insbesondere den aus den westdeutschen Partnergemeinden – überwachte; dass man in unseren Veranstaltungen saß und mitschrieb, – all das ahnten wir, manche wussten es auch, wir gingen jedenfalls davon aus. Wir wussten allerdings nicht, wer berichtete. All das kam erst nach dem Fall der Mauer ans Tageslicht, als die Akten zugänglich wurden.
Wir haben uns nicht beirren lassen. Dass Großveranstaltungen wie die Jugendversammlung in Gotha vom Mai 1988 dennoch so stattfinden konnten, wie sie dann stattfanden – obwohl Staatssicherheit und „Abteilung Inneres“ bei den Räten der Städte und der Bezirke von Anfang an bestens im Bilde waren und uns auch Schwierigkeiten machten – dass unsere Großveranstaltungen dennoch stattfinden konnten, das wundert mich heute immer noch. Und ich bin dankbar dafür.
Man hat sich später innerhalb der Landeskirchen mit der Problematik „Stasi in der Kirche“ auseinandergesetzt. Die Landeskirchen haben das auf verschiedene Weise getan und auch die Berichte über diese Arbeit fallen verschieden aus. Sie sollen an dieser Stelle auch nicht behandelt werden, das wäre ein großes eigenes Kapitel.

Wir werden in Teil 3 unserer Dokumentation zur Jugendversammlung in Gotha sehen, wie sehr sich die Dinge im Jahre 1988 verschärften, nachdem bei der jährlich stattfinden Demonstration zu Ehren von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Januar eines jeden Jahres in diesem besonderen Jahr Bürgerrechtler unter den Demonstranten auftauchten, die sogar noch selbst gemalte Transparente mitgebracht hatten: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg) stand auf einem dieser Plakate geschrieben. Mehr dazu und wie sich diese Demonstration und ihre Folgen auf die Jugendversammlung in Gotha auswirkte, in Teil 3.

Vom Ende der DDR. Die Ökumenische Jugendversammlung vom 12. – 15. Mai 1988 in Gotha (1)

Vom Ende der DDR. Die Ökumenische Jugendversammlung vom 12. – 15. Mai 1988 in Gotha (1)

So manch einer glaubt, das Ende der DDR sei mit den großen Demonstrationen des Jahres 1989 in Leipzig und Berlin gekommen. Die historische Wahrheit ist eine andere. Es gab eine „Bewegung hin“ zum Ende der DDR. Nicht ohne Einfluss darauf waren kirchliche Großveranstaltungen wie Kirchentage, Landesjugend-Sonntage, Werkstätten und ähnliche Formate.
Die „Jugendversammlung“ vom 12. – 15. Mai 1988 in Gotha gehört ganz sicher in die Reihe der Großveranstaltungen, die durch ihre Breitenwirkung ihren Beitrag zum Ende der DDR geleistet haben.
Im Folgenden sollen nun Dokumente über jene Versammlung zur Verfügung gestellt werden, allesamt aus meinem Privatarchiv. Die Idee ist, dass ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Projekt, die über eigene Erinnerungen und Dokumente verfügen, diese hier im blog anfügen und ergänzen können, damit allmählich ein ungefähres Gesamtbild entstehen kann. Ich beginne mit den eigenen Dokumenten.
Es handelt sich um drei Arten:
1. Protokolle der Vorbereitungstreffen zur Jugendversammlung (sowohl maschinenschriftlich als auch handschriftliche Notizen)
2. Dienstpost zwischen Landesjugendpfarrer Jürgen Friedrich (Eisenach) und den mit der Vorbereitung befassten Mitarbeitern
3. Material von der Versammlung selbst
4. Reaktionen. Vor allem die der Staatssicherheit. Die Reaktionen der Stasi auf die Jugendversammlung entnehme ich zu einem späteren Zeitpunkt meiner Stasiakte, die unter der Bezeichnung „OV Schwarz“ geführt wurde.

Wir beginnen die Dokumentation mit den Vorbereitungen zur Versammlung.
Der erste Brief von Landesjugendpastor Jürgen Friedrich an mich stammt vom 10. Februar 1987.

Die Vorbereitungen zur Jugendversammlung begannen mehr als ein Jahr vorher. Zunächst waren wir drei angesprochen: Pastor Diethard Kamm, Stadtjugendpfarrer Ariberth Rothe (Erfurt) und ich. Die Sache war kompliziert, weil Erfurt nicht zur Thüringischen Landeskirche gehörte, also „über Landesgrenzen hinweg“ kooperiert werden musste.
Die Arbeitsbedingungen waren schlecht: ich verfügte nicht mal über ein Telefon (was die Stasi zu verhindern wusste), weshalb wichtige Absprachen schriftlich per Brief erfolgen mussten, oder ich musste zu jemandem gehen, „der ein Telefon hatte“. In der Johannisstraße 14 in Jena, wo sich meine Dienstwohnung befand, konnte ich eine Etage tiefer zur Diakonie telefonieren gehen – dort allerdings hörte die Stasi mit, wie wir mittlerweile wissen.
Drucken konnte man nichts, denn dafür waren staatliche Druckgenehmigung erforderlich. Wir waren darauf angewiesen, entweder mit „Durchschlägen“ (Schreibmaschinenblätter mit unterlegtem Blaupapier) oder mit „Matrizen“ zu arbeiten, die aber maximal 50 Abzüge erlaubten. (woraus sich die sehr schlechte Qualität etlicher Dokumente erklärt). „Gute Matrizen“, Wachsmatrizen also, hatten wir nur, wenn uns ein edler Spender aus der Patengemeinde versorgt hatte, wir hüteten diese besonderen Matrizen sorgsam.
Im Grunde mussten alle Arbeitsmaterialien selbst hergestellt werden. Der Button zum Beispiel, der noch Ärger mit dem Staat brachte:


Das Thema der Jugendversammlung war: „Umkehr führt weiter“. Man warf uns später vor, dieser Finger auf dem Button zeige „in Richtung Westen. Das sei eine Aufforderung zum Verlassen der Republik“ und andere Seltsamkeiten. Christhard Wagner, der gleich ins Spiel kommt, weiß mehr darüber zu berichten.

Diethard Kamm (Creuzburg) sagte zu, im Team mitzuarbeiten und brachte gleich noch jemanden mit: den damaligen Kreisjugendpfarrer Christhard Wagner.

Wir haben uns schon bald getroffen. Meine handschriftlichen Notizen von jenem Treffen zeigen, wie sehr wir um jedes Detail ringen mussten. Wir standen vor einem leeren Blatt Papier, hatten einen Arbeitsauftrag, eine Großveranstaltung für Jugendliche zu entwerfen, die irgendwie in einem Zusammenhang mit dem geplanten Kirchentag stehen sollte. Alles Weitere war unklar. Schon der Titel der Veranstaltung musste erst entstehen, wie das Protokoll sehr schön zeigt. Wir einigten uns schließlich auf „Jugendversammlung“. Und, da wir befürchteten, es könne eine „Veranstaltung von oben“ (der kirchlichen Mitarbeiter also) werden – dann war der entscheidende Gedanke geboren: „Ein Delegiertenprinzip wäre gut“. In meiner handschriftlichen Notiz vom 23. 3. 1987 liest sich das so:

Dieses „Delegiertenprinzip“ war uns aus kirchlichen Zusammenhängen vertraut, waren doch unsere Synoden durch gewählte Synodale besetzt. Im Konflikt und in der Auseinandersetzung mit dem Staat jedoch hatte dieses „Delegiertenprinzip“, also die „Basisorientierung“ etwas überaus Verdächtiges, denn es führte dazu, dass die Jugendversammlung mit einer gewissen Legitimierung sprechen konnte. Man muss auch sehen, dass die kirchliche Jugendarbeit prinzipiell verdächtig war, denn nach Auffassung von Margot Honecker kam die Bildung und Bindung der Jugend ausschließlich dem Staate zu.
Nun musste ein Veranstaltungsort gefunden werden. Landesjugendpfarrer Jürgen Friedrich kümmerte sich darum und frage in Gotha an. Dort musste der Gemeindekirchenrat über die Sache befinden und entschied sich, „prinzipiell“ als Gastgeber zu fungieren.

Wir wussten also am 16. April 1987, etwa ein Jahr vor der Veranstaltung, für welche Räume wir planen konnten. Etwa zeitgleich kündigte Jürgen Friedrich „den staatlichen Stellen“ unser Vorhaben an, denn es war davon auszugehen, dass nun eine ganze Reihe von „Gesprächen“ zwischen Staat und Kirche stattfinden würden. Wir sind so offen wie möglich mit unseren Planungen dem Staat gegenüber umgegangen, denn wir wussten, dass wir bespitzelt wurden und wir hatten keine Geheimnisse.

Das Thema von Kirchentag und Jugendversammlung war ein Skandal in den Augen des Staates.
Denn unsere Planungen für die beiden Großveranstaltungen fanden in einem Umfeld statt, dass von zunehmender Kritik am Staat, „aufmüpfigen Ausreisewilligen“ und vor allem von den Veränderungen in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow geprägt war. Während Gorbatschow die Sowjetunion „ausfegte“ und für „Perestroika und Glastnost“ eintrat, hielt die DDR-Obrigkeit krampfhaft am Bestehenden fest und dachte nicht im Traum daran „umzukehren“.
Der Ruf zur „Umkehr“ ist nun aber ein uralter jüdisch-christlicher Ruf schon aus der Zeit der Propheten. Wir waren also in sehr sicherem Gelände, als wir dieses Motto für die Großveranstaltungen wählten.
Er führte allerdings im Kontext der „real existierenden DDR“ in den Jahren 1987/88 zu starken Konflikten. 1987 konnten wir noch nicht sehen, was im Januar 1988 geschehen würde: die Rosa-Luxemburg-Demonstration in Berlin nämlich, bei der etliche Oppositionelle verhaftet und später ausgewiesen wurden. Es flammten überall im Lande „Fürbittandachten für die zu Unrecht Inhaftierten“ auf, die sich rund um die Friedensgebete zahlreicher Kirchgemeinden bildeten, die schon seit langen Jahren und meist in sehr kleinem Kreis üblich waren. Plötzlich aber wuchsen diese „Friedensgebete“ auf immer größere Teilnehmerzahlen, der Konflikt zwischen Basisgruppen, Kirche und Staat eskalierte, verschärfte sich; die kirchlichen Räume wurden zu klein – die Menschen gingen auf die Straßen.
Das aber ist ein kleiner Vorgriff, der aus dem Rückblick auf jene Jahre erlaubt ist.
Wir schließen diesen ersten Beitrag Anfang des Jahres 1987. Eine kleine Vorbereitungsgruppe hatte sich gefunden (Aribert Rothe, Stadtjugendpfarrer Erfurt; Diethard Kamm, Jugendpfarrer Creuzburg; Christhard Wagner als Kreisjugendpfarrer; Ulrich Kasparick, Stadtjugendpfarramt Jena); wir hatten eine Idee, wie die Veranstaltung heißen könnte: „Jugendversammlung“ nämlich. Und wir wussten, wo die Sache stattfinden konnte.
Nun begann die Arbeit.

27. Januar. Holocaust-Gedenktag und die russischen Kriegsgefangenen in Born a. Darß

27. Januar. Holocaust-Gedenktag und die russischen Kriegsgefangenen in Born a. Darß

104 russische Kriegsgefangene waren im „Borner Hof“ untergebracht. Mitten im Dorf Born auf dem Darß. Man hörte, wenn sie morgens in Holzpantinen zur Arbeit marschieren mussten, singend.
Jeder konnte sie sehen, sie zogen ja mitten durchs Dorf zur Meilerei der SS, die am Ortsrand aufgebaut war.
4 Todesopfer sind bezeugt, vermutlich waren es mehr.
Auf dem Friedhof in Born gibt es eine weit abgelegene Ecke, die von den Dorfbewohnern „das Russengrab“ genannt wird. Wer hier bestattet liegt, bleibt bislang Vermutung. Wahrscheinlich handelt es sich um erschossene Menschen, die aus dem KZ-Außenlager im „Borner Hof“ fliehen wollten.

Es gibt keine Gedenktafel für diese Menschen in Born.

Deshalb erinnere ich an sie. Nicht nur heute, am „Holocaust-Gedenktag“, sondern schon seit beinahe zwei Jahren. Ein Buch ist mittlerweile über das KZ-Außenlager „Borner Hof“ entstanden, eine facebook-Seite bringt die Recherche-Fortschritte.

Wir können die Menschen nicht wieder lebendig machen, aber wir können an sie erinnern. An Meta Zils beispielsweise, die Zeugin Jehovas, die mit drei anderen Zeuginnen beim SS-General Franz Mueller-Darss auf dem Hof schuften musste. Heute ist dort das „Forst- und Jagdmuseum „Ferdinand von Raesfeld„“ untergebracht. Auch dort kein Hinweis auf die „privaten Häftlinge“ des SS-Generals, der zum engsten Kreis von SS-Reichsführer Heinrich Himmler gehörte.

Wir können nicht wieder gut machen, was damals geschehen ist.
Aber wir können daran erinnern.
Damit sich so etwas niemals wiederholt.

Die Gemeinde Born hat im vergangenen Jahr beschlossen, die Geschichte des KZ-Außenlagers, zu dem auch das heutige „Forst- und Jagdmuseum“ gehörte, aufarbeiten zu lassen und hat dafür auch einen beträchtlichen Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Dass es dazu kam, hängt auch mit meinen Recherchen zusammen, wenn sie einen kleinen Anstoß gegeben haben, soll es mich freuen. Auch waren Beiträge von Dr. Sternkiker von der Ostsee-Zeitung dem Anliegen sehr dienlich, dafür sei ihm gedankt.
Es ist dringend wünschenswert, dass am Ende der Recherchen nicht nur eine Publikation erscheint, sondern dass auch durch kleine Gedenktafeln im Ort an die Häftlinge erinnert wird.

Erinnerung ist Arbeit. Erinnerung ist manchmal auch sehr unbequem und schmerzhaft, weil Fragen gestellt werden, die man nicht gern gehört hätte. Es ist aber not-wendig, dass diese unbequemen Fragen gestellt werden. Damit ausheilen kann, was gewesen ist.

Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Haben Sie ein Telefon? Gut, damit lässt sich arbeiten

Die Tagespolitik ist mit Corona beschäftigt. Ich bin in freiwilliger Quarantäne, habe also Gelegenheit mich um das große Thema Klimaschutz zu kümmern und zu überlegen, was ich beitragen kann, damit die zahlreichen Wahlen, die in diesem Jahr auf uns zukommen, Fortschritte im Klimaschutz bringen.
Klar ist: wir brauchen angesichts der Lage deutlich mehr Abgeordnete in den Parlamenten, die sich wirklich engagiert für Klimaschutz einsetzen. Denn die täglich veröffentlichten Messwerte und Befunde verheißen nichts Gutes. Solche Abgeordnete gibt es in allen Parteien, außer der AfD, denn die hat sich klar gegen Klimaschutz ausgesprochen.

Was also kann jetzt im Januar getan werden?
Man kann sich 1. zunächst einen Überblick verschaffen, zu welchem Bundestagswahlkreis mein Wohnort gehört. Dann kann man sich 2. – online natürlich – bei den jeweiligen Parteien erkundigen, wer inzwischen nominierter Wahlkreiskandidat (-in) ist und sich eine kleine private Liste mit den Telefonnummern, Mail Adressen etc. anlegen 3. Kontakt zu den KanditatInnen aufnehmen (per Telefon oder mail oder Post oder wie auch immer). 4. sind die Kandidaten zu befragen. Diese Fragen können sorgfältig, vielleicht sogar in einer kleinen privaten Wählerinitiative vorbereitet werden. Unser Netzwerk Fuer-unsere-Enkel.org hat sich bei allen zurückliegenden Wahlen auch als solche Wählerinitiative verstanden, die ihren Beitrag dazu geleistet hat, dass das Thema Klimaschutz immer weiter auf der Prioritätenliste nach oben gerückt ist. Da unser Netzwerk europäisch (vor allem Deutschland, Österreich, Schweiz) arbeitet, haben wir, je nach Wahltermin, verschiedene Schwerpunktzeiten. Diesmal nun ist vor allem Wahlzeit in Deutschland, die Termine sind bekannt.

Die „neuen Medien“ geben uns bei der Vorbereitung der Wahlen gute neue Möglichkeiten an die Hand. Vorstellbar sind zum Beispiel online-Kandidaten-Befragungen durch eine private Wählerinitiative, die man anschließend in den jeweiligen Netzwerken verbreiten und so für mehr Klarheit sorgen kann. Oft wird ja geklagt, man kenne die Kandidaten gar nicht – dem kann man ja abhelfen. Die Bundestagswahl ist im September. Wir haben also genügend Zeit, uns vorzubereiten.

Eins noch: die mittlerweile (seit 2017) https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bundestagswahl-senioren-erstmals-groesste-waehlergruppe.7fa8b7a7-d281-490c-82f2-d53ca5415c87.html wichtigste Wählergruppe ist die der Gruppe der ab 55-Jährigen. Sie ist wahlentscheidend.
Wenn diese Gruppe für ihre Kinder und Enkel wählt und diejenigen unterstützt, die sich wirklich glaubwürdig für engagierten Klimaschutz einsetzen – dann ist die Wahl gelaufen.

Es ist an der Zeit, dass die Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel entscheiden.

Weshalb bloggen? Ein Beitrag zur #blogparade unter #liveloveblog


start:talking fragt, ob blogs ein „vergangenes Format“ seien. Ich kann das nicht bestätigen. Gerade für meine historischen Arbeiten könnte ich ohne längere Texte, Fotobeiträge, Sound-Dateien etc. gar nicht angemessen kommunizieren.

Jüngstes Beispiel sind meine Bemühungen, in Born a. Darss eine Gedenktafel am „Borner Hof“ anbringen zu lassen, die daran erinnern soll, dass der „Borner Hof“ zeitweilig ein KZ-Außenlager von #Ravensbrück und #Neuengamme war. Die blog-Beiträge haben zu dieser Diskussion erheblich beigetragen, wie ich aus der Region erfahren konnte. Sie wurden gelesen, sie wurden ausgedruckt, sie wurden diskutiert. Das Thema „kam an“ an der Region – auch durch die Interviews, die hier im blog zum Thema kommuniziert worden sind. Die Kategorie „Darss 1933 – 1945“ fasst die Beiträge sehr gut zusammen, ermöglicht Leserinnen und Lesern, die sich eingehender z.B. mit Regionalgeschichte beschäftigen wollen, die Lektüre der Rechercheergebnisse im Zusammenhang.

All das wäre so allein mit facebook, twitter & co. nicht auf diese Weise darstellbar, weshalb aus meiner Sicht ein eigenes blog als Instrument unverzichtbar ist.

Für mich kommt ein Weiteres hinzu: in einer Welt, die in immer kürzeren „Botschaften“ immer schneller kommuniziert geht Wesentliches verloren. Wesentliches wird erst sichtbar, wenn differenziert argumentiert werden kann. Das aber ist in einem wenige Zeichen enthaltenden tweet nicht möglich. Blogs sind, wenn sie sorgfältig betreut und erarbeitet werden, ein wichtiges „Gegengewicht“ gegen eine oberflächliche Kommunikation, die oft rationaler Argumentation gar nicht mehr zugänglich ist, sondern nur noch in möglicher „Zustimmung“ oder „Ablehnung“ besteht. Eine Kommunikation aber, auf die ich nur noch mit „Zustimmung“ oder „Ablehnung“ reagieren kann, ist keine dem Menschen angemessene Kommunikation mehr.

Deshalb blogge ich weiter. Einmal, um die dringend notwendige Aufarbeitung der NS-Geschichte vor Ort weiter zu unterstützen und zum anderen, um meinen Beitrag für eine differenzierte Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart zu leisten.

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

Mein Wunsch zur Bundestagswahl am 26. September 2021: eine wirklich breite Divest-Kampagne

„Wir müssen aufhören, in die Zerstörung des Klimas zu investieren“ forderte der UN-Generalsekretär Antonio Guterres wiederholt und völlig zu Recht. Es grenze an „Wahnsinn“, angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Zerstörung des bislang weitgehend stabilen Klimas immer noch Milliarden von Dollars oder Euros in die weitere Zerstörung zu investieren.
Wo das geschieht?
In Subventionen beispielsweise. Nach wie vor geben die Regierungen dieser Welt in nicht geringem Umfang Subventionen für Kohle, Öl und Gas. Das Bundesumweltamt hat diese Subventionen allein für Deutschland für das Jahr 2012 auf 57 Milliarden Euro beziffert.
Auch sind die Pensions-Anlagen des Bundes und der Länder nach wie vor in fossile Energien investiert. Etwa 13,2 Milliarden Euro sind in Fossil-Aktien an der Börse investiert, wie der SPIEGEL im September 2020 notierte.

Solange wir nicht alle Konten, Investitionspläne und Rücklagenfonds daraufhin überprüft haben, ob sie in fossile Energien investieren – solange kann unsere Klimapolitik nicht glaubwürdig sein.
Wir können noch so viel in Solarenergie und Elektromobilität etc. investieren – wenn wir gleichzeitig in die Zerstörung des Klimas investiert bleiben, dann ist uns schlicht nicht mehr zu helfen. Mit solcher ausgesprochenen Unvernunft muss nun endlich Schluss sein.

Überall auf der Welt sind Initiativen dabei, ihre Universitäten, Kirchgemeinden, Unternehmen, ihre Rücklagen und Depots auf solche klimaschädlichen Investitionen hin zu überprüfen und zu de-investieren. Diese weltweite Bewegung wächst, aber sie wächst viel zu langsam. Es gibt längst keine Notwendigkeit mehr, Geld in fossile Energien zu investieren, wenn man Geld verdienen will. Ganz im Gegenteil, solche Investitionen sind in zunehmendem Maße stranded investments, rausgeworfenes Geld.
Man kann gutes Geld sehr wohl auch mit Erneuerbaren Energien verdienen – dieser Markt wächst weltweit sehr stark und es gibt zahlreiche großartige Anlagemöglichkeiten.

Im kommenden September wird nun wieder ein Deutscher Bundestag gewählt und dieser Bundestag wird entscheidend sein.
Denn innerhalb der dann beginnenden Legislatur muss es gelingen, einen unumkehrbaren Pfad zur zwingend notwendigen NULL-Emission im Jahre 2030 zu erreichen. Davon jedoch ist Deutschland meilenweit entfernt.
Ich wünsche mir daher, dass wir im kommenden Jahr alle gemeinsam in dieser Beziehung wirklich etwas „auf die Beine stellen können“: FridaysForFuture ebenso wie die Divest-Initiativen überall im Lande, lokale „Wahlprüfsteine“ ebenso, wie öffentliche Aufrufe von Kirchen, Gewerkschaften und gesellschaftlichen Bündnissen.

Die Welt ist „spät dran“ mit ihren Maßnahmen zum Schutz des Klimas, nicht wenige Klimaforscher sagen mittlerweile, dass wir bereits „zu spät dran“ sind, weil wichtige Kipp-Punkte im Klimasystem bereits überschritten wurden: das Abschmelzen der Arktis beispielsweise gilt mittlerweile als unumkehrbar.
Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat nicht ohne Grund im Dezember diesen Jahres vor der UN eine Brandrede gehalten und die Staats- und Regierungschefs dringend aufgefordert, endlich konkrete Pläne vorzulegen, die das in Paris vereinbarte Ziel auch tatsächlich erreichen – davon ist die Welt bislang allerdings sehr weit entfernt. Die Entwicklung geht gegenwärtig eher auf plus 3 Grad, denn auf 1,5 Grad zu, wie Anfang Dezember 2020 von der UN wiederholt zu hören war.

Wenn das gelänge, dass wir Wählerinnen und Wähler in Deutschland zur Bundestagswahl 2021 ein klare Fokussierung auf das Thema „divest“ hinbekämen, dann wäre das ein sehr wichtiger Beitrag zu glaubwürdigem Klimaschutz. Diese Bundestagswahl muss eine „Klimawahl“ werden – die uns vorliegenden Daten sind dermaßen alarmierend, dass die Weltgemeinschaft und jeder einzelne Nationalstaat dringend zum Handeln gezwungen ist. Und die Konzentration darauf, die vielen Milliarden, die nach wie vor in die Zerstörung des Klimas investiert sind, dort abzuziehen und in Erneuerbare und in aktiven Klimaschutz zu investieren, eine solche Konzentration wäre überaus wichtig und hilfreich, damit wir wirklich einen Schritt voran kommen. Vielleicht gelingt es ja. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten.

Die Rede des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 2. 12. 2020 in New York „Zur Lage des Planeten“

Die Rede des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres am 2. 12. 2020 in New York „Zur Lage des Planeten“

Es gibt Texte, die sollen weite Verbreitung finden. Deshalb stelle ich heute die wichtige Rede des UN-Generalsekretärs auch in meinen blog ein. Das Dokument kam heute aus New York via UN-Office in Umlauf:

New York 02. Dezember 2020

Ansprache des Generalsekretärs an der Columbia University: „Der Zustand des Planeten“

[Sehen Sie sich das Video auf webtv.un.org an ]

Präsident Bollinger,
liebe Freunde,

Ich danke der Columbia University für die Ausrichtung dieses Treffens – und ich begrüße diejenigen, die sich weltweit online anmelden.

Wir treffen uns auf diese ungewöhnliche Weise, wenn wir in den letzten Monat dieses ungewöhnlichsten Jahres eintreten.

Wir stehen vor einer verheerenden Pandemie, neuen Höhen der globalen Erwärmung, neuen Tiefs der ökologischen Verschlechterung und neuen Rückschlägen bei unserer Arbeit an globalen Zielen für eine gerechtere, integrativere und nachhaltigere Entwicklung.

Einfach ausgedrückt ist der Zustand des Planeten gebrochen.

Liebe Freunde,

Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur.

Das ist Selbstmord.

Die Natur schlägt immer zurück – und das bereits mit wachsender Kraft und Wut.

Die Artenvielfalt bricht zusammen. Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht.

Ökosysteme verschwinden vor unseren Augen.

Wüsten breiten sich aus.

Feuchtgebiete gehen verloren.

Jedes Jahr verlieren wir 10 Millionen Hektar Wald.

Ozeane sind überfischt – und ersticken mit Plastikmüll. Das Kohlendioxid, das sie absorbieren, säuert die Meere an.

Korallenriffe sind gebleicht und sterben ab.

Die Luft- und Wasserverschmutzung tötet jährlich 9 Millionen Menschen – mehr als das Sechsfache der aktuellen Zahl der Pandemien.

Und da Menschen und Nutztiere weiter in tierische Lebensräume eindringen und wilde Räume zerstören, konnten wir sehen, dass mehr Viren und andere Krankheitserreger von Tieren zu Menschen sprangen.

Vergessen wir nicht, dass 75 Prozent der neuen und neu auftretenden Infektionskrankheiten beim Menschen zoonotisch sind.

Heute zeigen zwei neue maßgebliche Berichte der Weltorganisation für Meteorologie und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, wie nahe wir der Klimakatastrophe sind.

2020 ist auf dem besten Weg, eines der drei wärmsten Jahre weltweit zu werden – auch mit dem Kühleffekt der diesjährigen La Nina.

Das letzte Jahrzehnt war das heißeste in der Geschichte der Menschheit.

Die Meereswärme ist auf Rekordniveau. 

In diesem Jahr erlebten mehr als 80 Prozent der Weltmeere Hitzewellen im Meer.

In der Arktis herrschte 2020 außergewöhnliche Wärme mit Temperaturen von mehr als 3 Grad Celsius über dem Durchschnitt – und mehr als 5 Grad in Nordsibirien.

Das arktische Meereis war im Oktober das niedrigste seit Bestehen – und jetzt war das Wiedergefrieren das langsamste seit Bestehen.

Das grönländische Eis hat seinen langfristigen Rückgang fortgesetzt und durchschnittlich 278 Gigatonnen pro Jahr verloren.

Permafrost schmilzt und setzt so Methan frei, ein starkes Treibhausgas.

Apokalyptische Brände und Überschwemmungen, Wirbelstürme und Hurrikane sind zunehmend die neue Normalität.

In der Hurrikansaison im Nordatlantik gab es 30 Stürme, mehr als das Doppelte des langjährigen Durchschnitts und der Rekord für eine ganze Saison.

Mittelamerika schwankt immer noch von zwei aufeinanderfolgenden Hurrikanen, die Teil der intensivsten Zeit für solche Stürme in den letzten Jahren sind.

Letztes Jahr haben solche Katastrophen die Welt 150 Milliarden Dollar gekostet.

COVID-19-Sperren haben Emissionen und Umweltverschmutzung vorübergehend reduziert.

Aber die Kohlendioxidwerte sind immer noch auf Rekordhöhen – und steigen.

Im Jahr 2019 erreichte der Kohlendioxidgehalt 148 Prozent des vorindustriellen Niveaus.

Im Jahr 2020 hat sich der Aufwärtstrend trotz der Pandemie fortgesetzt.

Methan stieg sogar noch höher – auf 260 Prozent.

Lachgas, ein starkes Treibhausgas, aber auch ein Gas, das die Ozonschicht schädigt, ist um 123 Prozent gestiegen.

In der Zwischenzeit muss sich die Klimapolitik der Herausforderung noch stellen.

Die Emissionen sind jetzt um 62 Prozent höher als zu Beginn der internationalen Klimaverhandlungen im Jahr 1990.

Jeder zehnte Grad an Erwärmung ist wichtig.

Heute sind wir bei 1,2 Grad Erwärmung und erleben bereits beispiellose Klimaextreme und Volatilität in jeder Region und auf jedem Kontinent. 

Wir stehen vor einem donnernden Temperaturanstieg von 3 bis 5 Grad Celsius in diesem Jahrhundert.

Die Wissenschaft ist glasklar: Um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, muss die Welt die Produktion fossiler Brennstoffe bis 2030 jedes Jahr um etwa 6 Prozent senken.

Stattdessen geht die Welt in die entgegengesetzte Richtung – sie plant eine jährliche Steigerung von 2 Prozent. 

Die Folgen des Angriffs auf unseren Planeten behindern unsere Bemühungen, die Armut zu beseitigen und die Ernährungssicherheit zu gefährden.

Und es macht unsere Arbeit für den Frieden noch schwieriger, da die Störungen zu Instabilität, Vertreibung und Konflikten führen.

Es ist kein Zufall, dass siebzig Prozent der klimaschädlichsten Länder auch zu den politisch und wirtschaftlich fragilsten gehören. 

Es ist kein Zufall, dass von den 15 Ländern, die am anfälligsten für Klimarisiken sind, acht eine Friedenssicherung der Vereinten Nationen oder eine besondere politische Mission veranstalten.

Wie immer sind die Auswirkungen auf die am stärksten gefährdeten Menschen der Welt am stärksten.

Diejenigen, die am wenigsten getan haben, um das Problem zu verursachen, leiden am meisten.

Selbst in den Industrieländern sind die Ausgegrenzten die ersten Opfer von Katastrophen und die letzten, die sich erholen.

Liebe Freunde,

Lassen Sie uns klar sein: Menschliche Aktivitäten sind die Wurzel unseres Abstiegs in Richtung Chaos.

Aber das bedeutet, dass menschliches Handeln helfen kann, es zu lösen.

Frieden mit der Natur zu schließen, ist die bestimmende Aufgabe des 21. Jahrhunderts. Es muss die oberste Priorität für alle sein, überall.

In diesem Zusammenhang ist die Erholung von der Pandemie eine Chance.

Wir können Hoffnungsschimmer in Form eines Impfstoffs sehen.

Aber es gibt keinen Impfstoff für den Planeten.

Die Natur braucht eine Rettungsaktion.

Durch die Überwindung der Pandemie können wir auch Klimakatastrophen abwenden und unseren Planeten wiederherstellen.

Dies ist ein epischer Richtlinientest. Aber letztendlich ist dies eine moralische Prüfung.

Die Billionen Dollar, die für die Wiederherstellung von COVID benötigt werden, sind Geld, das wir von zukünftigen Generationen leihen. Jeder letzte Cent.

Wir können diese Ressourcen nicht nutzen, um Richtlinien festzulegen, die sie mit einem Schuldenberg auf einem zerbrochenen Planeten belasten.

Es ist Zeit, den „grünen Schalter“ zu betätigen. Wir haben die Chance, die Weltwirtschaft nicht einfach zurückzusetzen, sondern zu verändern.

Eine nachhaltige Wirtschaft, die von erneuerbaren Energien angetrieben wird, wird neue Arbeitsplätze, eine sauberere Infrastruktur und eine belastbare Zukunft schaffen.

Eine integrative Welt wird dazu beitragen, dass die Menschen eine bessere Gesundheit und die uneingeschränkte Achtung ihrer Menschenrechte genießen und mit Würde auf einem gesunden Planeten leben können.

Die Wiederherstellung von COVID und die Reparatur unseres Planeten müssen die beiden Seiten derselben Medaille sein. 

Liebe Freunde,

Lassen Sie mich mit dem Klimanotfall beginnen. Wir sehen uns drei Notwendigkeiten bei der Bewältigung der Klimakrise gegenüber:

Erstens müssen wir innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte eine globale Kohlenstoffneutralität erreichen.

Zweitens müssen wir die globalen Finanzen hinter dem Pariser Abkommen ausrichten, dem weltweiten Entwurf für Klimaschutzmaßnahmen.

Drittens müssen wir einen Durchbruch bei der Anpassung erzielen, um die Welt – und insbesondere die am stärksten gefährdeten Menschen und Länder – vor Klimafolgen zu schützen.

Lassen Sie mich diese der Reihe nach nehmen.

Erstens Kohlenstoffneutralität – Netto-Nullemissionen von Treibhausgasen.

In den letzten Wochen haben wir wichtige positive Entwicklungen gesehen.

Die Europäische Union hat sich verpflichtet, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden – und ich gehe davon aus, dass sie beschließen wird, ihre Emissionen bis 2030 auf mindestens 55 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Das Vereinigte Königreich, Japan, die Republik Korea und mehr als 110 Länder haben sich bis 2050 zur CO2-Neutralität verpflichtet.

Die neue Regierung der Vereinigten Staaten hat genau das gleiche Ziel angekündigt.

China hat sich verpflichtet, vor 2060 dorthin zu gelangen.

Dies bedeutet, dass bis Anfang nächsten Jahres Länder, die mehr als 65 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen und mehr als 70 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen, ehrgeizige Verpflichtungen zur CO2-Neutralität eingegangen sind.

Wir müssen diesen Schwung in eine Bewegung verwandeln.

Das zentrale Ziel der Vereinten Nationen für 2021 ist der Aufbau einer wirklich globalen Koalition für CO2-Neutralität. 

Ich bin fest davon überzeugt, dass 2021 eine neue Art von Schaltjahr sein kann – das Jahr eines Quantensprungs in Richtung CO2-Neutralität.

Jedes Land, jede Stadt, jedes Finanzinstitut und jedes Unternehmen sollte Pläne für den Übergang zu Null-Emissionen bis 2050 verabschieden – und ich ermutige die Hauptemittenten, jetzt entscheidende Schritte zu unternehmen, um den richtigen Weg zu finden und diese Vision zu verwirklichen bedeutet, die globalen Emissionen bis 2030 gegenüber 2010 um 45 Prozent zu senken. Und dies muss in den national festgelegten Beiträgen klar sein.

Jeder Einzelne muss auch seinen Beitrag leisten – als Verbraucher, als Produzenten, als Investoren.

Technologie ist auf unserer Seite. 

Eine solide wirtschaftliche Analyse ist unser Verbündeter. 

Mehr als die Hälfte der heute betriebenen Kohlekraftwerke kostet mehr als der Bau neuer erneuerbarer Energien von Grund auf.

Das Kohlegeschäft steigt in Rauch auf.

Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass die Umstellung auf saubere Energie trotz unvermeidlicher Arbeitsplatzverluste bis 2030 zur Schaffung von 18 Millionen Arbeitsplätzen führen wird. 

Ein gerechter Übergang ist jedoch absolut kritisch.

Wir müssen die menschlichen Kosten der Energiewende erkennen.

Sozialschutz, vorübergehendes Grundeinkommen, Um- und Weiterbildung können die Arbeitnehmer unterstützen und die durch die Dekarbonisierung verursachten Veränderungen erleichtern.

Liebe Freunde,

Erneuerbare Energien sind heute nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft die erste Wahl. 

Aber es gibt besorgniserregende Anzeichen.

Einige Länder haben die Krise genutzt, um den Umweltschutz zurückzudrängen.

Andere erweitern die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und ziehen sich aus dem Klimaschutz zurück.

Die G20-Mitglieder geben in ihren Rettungspaketen jetzt 50 Prozent mehr für Sektoren aus, die mit der Produktion und dem Verbrauch fossiler Brennstoffe verbunden sind, als für kohlenstoffarme Energie.

Und über Ankündigungen hinaus müssen alle einen Glaubwürdigkeitstest bestehen.

Lassen Sie mich ein Beispiel nehmen, das Beispiel des Versands.

Wenn die Schifffahrt ein Land wäre, wäre sie der sechstgrößte Treibhausgasemittent der Welt. 

Auf dem letztjährigen Klimaschutzgipfel haben wir die Koalition Getting to Zero Shipping ins Leben gerufen, um bis 2030 auf emissionsfreie Tiefseeschiffe zu drängen.

Die derzeitige Politik entspricht jedoch nicht diesen Zusagen.

Wir brauchen durchsetzbare regulatorische und steuerliche Schritte, damit die Schifffahrtsbranche ihre Verpflichtungen erfüllen kann.

Andernfalls ist das Netto-Nullschiff gesegelt.

Genau das Gleiche gilt für die Luftfahrt.

Liebe Freunde,

Die Pariser Unterzeichner sind verpflichtet, ihre überarbeiteten und verbesserten national festgelegten Beiträge mit ihren Emissionssenkungszielen für 2030 einzureichen.

In zehn Tagen berufe ich zusammen mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich anlässlich des fünften Jahrestages des Pariser Abkommens einen Klimagipfel ein.

In weniger als einem Jahr werden wir uns in Glasgow zur COP26 treffen.

Diese Momente sind Gelegenheiten, die wir den Nationen nicht entgehen lassen dürfen, um detailliert darzulegen, wie sie vorankommen und besser aufbauen werden. Dabei werden die gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortlichkeiten angesichts der nationalen Umstände – wie im Pariser Abkommen erwähnt – anerkannt, jedoch mit dem gemeinsamen Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 .

Zweitens möchte ich mich nun der zentralen Finanzfrage zuwenden.

Die Zusagen zur Netto-Null-Emission senden ein klares Signal an Investoren, Märkte und Finanzminister.

Aber wir müssen noch weiter gehen.

Wir brauchen alle Regierungen, um diese Zusagen in Richtlinien, Pläne und Ziele mit bestimmten Fristen umzusetzen. Dies gibt Unternehmen und dem Finanzsektor Sicherheit und Vertrauen, in Netto-Null zu investieren.

Es ist Zeit:

Einen Preis für Kohlenstoff setzen. 

Auslaufen der Finanzierung fossiler Brennstoffe und Beendigung der Subventionen für fossile Brennstoffe.

Den Bau neuer Kohlekraftwerke einstellen – und die Finanzierung der Kohlekraft im In- und Ausland einstellen.

Verlagerung der Steuerbelastung vom Einkommen zum Kohlenstoff und vom Steuerzahler zum Umweltverschmutzer. 

Integration des Ziels der CO2-Neutralität in alle wirtschafts- und fiskalpolitischen Maßnahmen und Entscheidungen.

Und um klimabezogene Angaben zu finanziellen Risiken verbindlich zu machen.

Die Mittel sollten in die Programme für grüne Wirtschaft, Widerstandsfähigkeit, Anpassung und gerechte Übergänge fließen. 

Wir müssen alle öffentlichen und privaten Finanzströme hinter dem Pariser Abkommen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung aufeinander abstimmen.

Multilaterale, regionale und nationale Entwicklungsinstitutionen sowie Privatbanken müssen sich alle verpflichten, ihre Kreditvergabe an das globale Netto-Null-Ziel anzupassen.

Ich fordere alle Eigentümer und Manager von Vermögenswerten auf, ihre Portfolios zu dekarbonisieren und sich wichtigen Initiativen und Partnerschaften anzuschließen, die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurden, einschließlich der Global Investors for Sustainable Development Alliance und der Net-Zero Asset Owners Alliance, die heute ein Vermögen von 5,1 Billionen US-Dollar haben.

Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen – und Investoren müssen von Unternehmen Informationen über die Widerstandsfähigkeit dieser Modelle verlangen.

Die weltweiten Pensionsfonds verwalten Vermögenswerte in Höhe von 32 Billionen US-Dollar. Wenn sie in eine einzigartige Position gebracht werden, um die Nadel zu bewegen, müssen sie die Nadel bewegen und den Weg weisen.

Ich appelliere an die Industrieländer, ihr langjähriges Versprechen zu erfüllen, jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, um die Entwicklungsländer bei der Erreichung unserer gemeinsamen Klimaziele zu unterstützen.

Wir sind noch nicht da.

Dies ist eine Frage der Gerechtigkeit, Fairness, Solidarität und des aufgeklärten Eigeninteresses.

Und ich fordere alle Länder auf, bei der Vorbereitung der COP26 einen Kompromiss zu Artikel 6 des Pariser Abkommens zu erzielen, um uns die klaren, fairen und umweltverträglichen Regeln zu liefern, die die Kohlenstoffmärkte benötigen, um voll funktionsfähig zu sein.

Ich begrüße die Arbeit der im September eingeleiteten Task Force mit Mitgliedern aus 20 Sektoren und 6 Kontinenten, um einen Entwurf für große private Märkte für CO2-Ausgleich zu entwickeln.

Drittens brauchen wir einen Durchbruch in Bezug auf Anpassung und Belastbarkeit.

Wir sind in einem Wettlauf gegen die Zeit, um uns an ein sich schnell änderndes Klima anzupassen. 

Anpassung darf nicht der vergessene Bestandteil des Klimaschutzes sein. 

Bisher macht die Anpassung nur 20 Prozent der Klimafinanzierung aus und erreichte in den Jahren 2017 und 2018 durchschnittlich 30 Milliarden US-Dollar.

Dies behindert unsere wesentliche Arbeit zur Reduzierung des Katastrophenrisikos.

Es ist auch nicht klug.

Die Globale Anpassungskommission stellte fest, dass jeder in Anpassung investierte US-Dollar fast 4 US-Dollar an Vorteilen bringen könnte.

Wir haben sowohl einen moralischen Imperativ als auch ein klares wirtschaftliches Argument für die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Anpassung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit an aktuelle und zukünftige Klimafolgen.

Vor der COP 26 sollten sich alle Geber sowie die multilateralen und nationalen Entwicklungsbanken verpflichten, den Anteil der Anpassungs- und Resilienzfinanzierung auf mindestens 50 Prozent ihrer Klimafinanzierungsunterstützung zu erhöhen.

Frühwarnsysteme, klimaresistente Infrastruktur, verbesserte Trockenlandwirtschaft, Mangrovenschutz und andere Maßnahmen können der Welt eine doppelte Dividende bringen: Vermeidung künftiger Verluste und Erzielung wirtschaftlicher Gewinne und anderer Vorteile.

Wir müssen zu einer umfassenden, präventiven und systematischen Anpassungsunterstützung übergehen.

Dies ist besonders dringend für kleine Inselentwicklungsstaaten, die einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sind. 

Der Wettlauf um Resilienz ist ebenso wichtig wie der Wettlauf um Netto-Null.

Liebe Freunde,

Aber wir müssen uns daran erinnern: Es kann keine Trennung der Klimaschutzmaßnahmen vom größeren Planetenbild geben. Alles ist miteinander verbunden – das globale Gemeinwesen und das globale Wohlbefinden.

Das heißt, wir müssen an vielen Fronten breiter und ganzheitlicher handeln, um die Gesundheit unseres Planeten zu sichern, von dem alles Leben abhängt.

Die Natur nährt uns, kleidet uns, stillt unseren Durst, erzeugt unseren Sauerstoff, prägt unsere Kultur und unseren Glauben und schmiedet unsere Identität.

2020 sollte ein „Superjahr“ für die Natur sein, aber die Pandemie hatte andere Pläne für uns.

Jetzt müssen wir 2021 nutzen, um unseren planetarischen Notfall anzugehen.

Nächstes Jahr werden sich die Länder in Kunming treffen, um einen Rahmen für die biologische Vielfalt nach 2020 zu schaffen, um die Aussterbungskrise zu stoppen und die Welt auf einen Weg zu bringen, im Einklang mit der Natur zu leben.

Die Welt hat keines der für 2020 festgelegten globalen Ziele für die biologische Vielfalt erreicht. Deshalb brauchen wir viel mehr Ehrgeiz und mehr Engagement, um messbare Ziele und Mittel zur Umsetzung, insbesondere Finanz- und Überwachungsmechanismen, zu erreichen.

Das heisst:

– Immer mehr effektiv bewirtschaftete Schutzgebiete, damit unser Angriff auf Arten und Ökosysteme gestoppt werden kann;

– Biodiversitätspositive Landwirtschaft und Fischerei, Verringerung unserer Übernutzung und Zerstörung der natürlichen Welt,

– Auslaufen negativer Subventionen – Subventionen, die gesunde Böden zerstören, unsere Wasserstraßen verschmutzen und dazu führen, dass wir unsere Ozeane leer fischen.

– Übergang vom nicht nachhaltigen und naturnegativen Rohstoffabbau zu umfassenderen nachhaltigen Konsummustern.

Biodiversität ist nicht nur eine süße und charismatische Tierwelt. es ist das lebendige, atmende Netz des Lebens. 

Ebenfalls im Jahr 2021 werden die Länder die Ozeankonferenz abhalten, um die Gesundheit der Meeresumwelt der Welt zu schützen und zu fördern.

Überfischung muss aufhören; Die Verschmutzung durch chemische und feste Abfälle – insbesondere Kunststoffe – muss drastisch reduziert werden. Die Meeresreserven müssen erheblich zunehmen. und Küstengebiete brauchen mehr Schutz.

Die blaue Wirtschaft bietet ein bemerkenswertes Potenzial. Bereits jetzt generieren Waren und Dienstleistungen aus dem Meer jedes Jahr 2,5 Billionen US-Dollar und tragen über 31 Millionen direkte Vollzeitstellen bei – zumindest bis zur Pandemie.

Wir brauchen dringend globale Maßnahmen, um diese Vorteile zu nutzen, aber die Meere und Ozeane der Welt vor den vielen Belastungen zu schützen, denen sie ausgesetzt sind.

Die globale Konferenz zum nachhaltigen Verkehr in Peking im nächsten Jahr muss auch diesen wichtigen Sektor stärken und gleichzeitig seinen negativen ökologischen Fußabdruck berücksichtigen.

Der Food Systems Summit muss darauf abzielen, die weltweite Produktion und den weltweiten Verbrauch von Lebensmitteln zu verändern. Nahrungsmittelsysteme sind einer der Hauptgründe, warum wir nicht innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten bleiben.

Anfang 2021 werden wir die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen starten, die darauf abzielt, die Verschlechterung von Wäldern, Land und anderen Ökosystemen weltweit zu verhindern, zu stoppen und umzukehren. Die Dekade ist ein Sammelruf für alle, die die Doppelkrisen des Verlusts der biologischen Vielfalt und des Klimawandels mit praktischen und praktischen Maßnahmen bewältigen wollen.

Die Internationale Konferenz für Chemikalienmanagement wird einen Rahmen für Chemikalien und Abfälle nach 2020 schaffen. Laut der Weltgesundheitsorganisation könnte ein solides Chemikalienmanagement mindestens 1,6 Millionen Todesfälle pro Jahr verhindern.

2021 wird auch für die Weiterentwicklung der New Urban Agenda von entscheidender Bedeutung sein. Die Städte der Welt sind grundlegende Fronten für eine nachhaltige Entwicklung – anfällig für Katastrophen, aber Vektoren für Innovation und Dynamik. Vergessen wir nicht, dass bereits mehr als 50 Prozent der Menschheit in Städten leben – und diese Zahl wird 2050 fast 70 Prozent erreichen.

Kurz gesagt, das nächste Jahr bietet uns eine Fülle von Möglichkeiten, die Plünderung zu stoppen und mit der Heilung zu beginnen.

Einer unserer besten Verbündeten ist die Natur.

Die drastische Reduzierung der Entwaldung und die systematische Wiederherstellung von Wäldern und anderen Ökosystemen ist die größte naturbasierte Möglichkeit zur Klimaschutzminderung.  

In der Tat könnten naturbasierte Lösungen ein Drittel der Nettoeinsparungen bei den Treibhausgasemissionen bewirken, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens erforderlich sind.

Das Weltwirtschaftsforum hat geschätzt, dass Geschäftsmöglichkeiten in der Natur bis 2030 191 Millionen Arbeitsplätze schaffen könnten.

Allein die Große Grüne Mauer Afrikas hat 335.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Indigenes Wissen, das über Jahrtausende in engem und direktem Kontakt mit der Natur destilliert wurde, kann dabei helfen, den Weg zu weisen.

Indigene Völker machen weniger als 6 Prozent der Weltbevölkerung aus, sind jedoch Verwalter von 80 Prozent der weltweiten Artenvielfalt an Land.

Wir wissen bereits, dass die von indigenen Völkern bewirtschaftete Natur weniger schnell abnimmt als anderswo.

Da indigene Völker an Land leben, das am anfälligsten für Klimawandel und Umweltzerstörung ist, ist es an der Zeit, ihre Stimmen zu beachten, ihr Wissen zu belohnen und ihre Rechte zu respektieren.

Lassen Sie uns auch die zentrale Rolle der Frau erkennen.

Die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung fallen am stärksten auf Frauen. Sie sind 80 Prozent der vom Klimawandel Vertriebenen. 

Frauen sind aber auch das Rückgrat der Landwirtschaft und wichtige Verwalter der natürlichen Ressourcen. Sie gehören zu den weltweit führenden Umweltverteidigern. 

Die Vertretung von Frauen in nationalen Parlamenten wurde direkt mit der Unterzeichnung von Klimaschutzabkommen in Verbindung gebracht. 

Da die Menschheit Strategien für die Steuerung natürlicher Ressourcen, den Umweltschutz und den Aufbau einer grünen Wirtschaft entwickelt, brauchen wir mehr weibliche Entscheidungsträger am Tisch.

Liebe Freunde,

Ich habe einen Notfall detailliert beschrieben, sehe aber auch Hoffnung.

Ich sehe eine Geschichte von Fortschritten, die zeigen, was getan werden kann – von der Rettung der Ozonschicht über die Reduzierung der Extinktionsraten bis hin zur Erweiterung von Schutzgebieten.

Viele Städte werden grüner.

Die Kreislaufwirtschaft reduziert den Abfall.

Umweltgesetze haben eine wachsende Reichweite.

Mindestens 155 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen erkennen jetzt rechtlich an, dass eine gesunde Umwelt ein grundlegendes Menschenrecht ist. 

Und die Wissensbasis ist größer als je zuvor. 

Ich habe mich sehr gefreut, von Präsident Bollinger erfahren zu haben, dass die Columbia University eine Climate School ins Leben gerufen hat, die erste neue Schule hier seit einem Vierteljahrhundert – herzlichen Glückwunsch. Dies ist eine wunderbare Demonstration von Wissenschaft und Führung. 

Ich freue mich zu wissen, dass heute so viele Mitglieder des Sustainable Development Solutions Network als besondere Gäste bei uns sind – Universitätspräsidenten, Kanzler, Dekane, Fakultäten und andere Wissenschaftler.

Die Initiative Academic Impact der Vereinten Nationen arbeitet mit Hochschulen auf der ganzen Welt zusammen. Die Beiträge der Universitäten sind entscheidend für unseren Erfolg. 

Liebe Freunde,

Eine neue Welt nimmt Gestalt an.

Immer mehr Menschen erkennen die Grenzen herkömmlicher Maßstäbe wie des Bruttoinlandsprodukts, bei denen umweltschädliche Aktivitäten als wirtschaftliche Vorteile gelten. 

Denkweisen verändern sich.

Immer mehr Menschen verstehen die Notwendigkeit ihrer eigenen täglichen Entscheidungen, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern und die Grenzen der Planeten zu respektieren.

Und wir sehen inspirierende Wellen sozialer Mobilisierung durch junge Menschen.

Von Protesten auf der Straße bis zur Online-Anwaltschaft…

Von der Unterrichtsausbildung bis zum Engagement in der Gemeinschaft…

Von Wahlkabinen zu Arbeitsplätzen…

Junge Leute drängen ihre Ältesten, das Richtige zu tun. Und wir sind in einer Universität.

Dies ist ein Moment der Wahrheit für Menschen und Planeten gleichermaßen.

COVID und Klima haben uns an eine Schwelle gebracht. 

Wir können nicht zur alten Normalität von Ungleichheit, Ungerechtigkeit und achtloser Herrschaft über die Erde zurückkehren.

Stattdessen müssen wir einen sichereren, nachhaltigeren und gerechteren Weg einschlagen.

Wir haben eine Blaupause: die Agenda 2030, die Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Übereinkommen über den Klimawandel.

Die Tür ist offen; Die Lösungen sind da.

Jetzt ist die Zeit gekommen, die Beziehung der Menschheit zur natürlichen Welt – und untereinander – zu verändern.

Und das müssen wir gemeinsam tun. 

Solidarität ist Menschlichkeit. Solidarität ist Überleben.

Das ist die Lehre von 2020.

Wenn die Welt in Uneinigkeit und Unordnung ist und versucht, die Pandemie einzudämmen, lernen wir die Lektion und ändern den Kurs für die entscheidende Zeit.

Danke.
(Quelle: https://www.un.org/sg/en/content/sg/statement/2020-12-02/secretary-generals-address-columbia-university-the-state-of-the-planet-scroll-down-for-language-versions

Übersetzung aus dem Englischen: UN).

Bleiben Sie mal realistisch!

Bleiben Sie mal realistisch!

Man solle „realistisch bleiben“, sagt die Frau Bundeskanzlerin in Richtung Europäisches Parlament in Bezug auf dessen Vorschlag, mehr für den Klimaschutz zu tun.
Was sie vermutlich meint: „ich habe keine Lust, mich noch mehr zu engagieren“; sie meint vielleicht auch: „wir sollten erst mal das Ziel erreichen, auf das wir uns nach langen Mühen verständigt haben, bevor wir neue Reduktionsziele beschließen“; vielleicht meint sie ja auch: „mehr als das Beschlossene ist angesichts der Kräfteverhältnisse in der EU nicht zu erreichen“.

Ich höre vor allem eine müde Kanzlerin.
Ihre Regierungszeit geht nun zu Ende. Das Jahr 2021 wird voraussichtlich das letzte ihrer langen Kanzlerschaft sein, eine Fortsetzung hat sie mehrfach öffentlich ausgeschlossen.

Gerade jetzt aber kommt es darauf an, dass die Staaten der Erde, dass die politischen Gemeinschaften dieser Erde, also auch die Europäische Union, deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um den sich beschleunigenden Klimawandel wenigstens etwas zu verlangsamen. Das wäre schon viel. Gerade jetzt befinden wir uns im entscheidenden Jahrzehnt, die kommende Legislaturperiode wird die vielleicht wichtigste in der Geschichte der Europäischen Union sein – wenn die Staatengemeinschaft jetzt nicht „die Kurve kriegt“, dann ist es zu spät, denn die Naturkreisläufe reagieren äußerst träge. Was wir jetzt sehen, sind die Auswirkungen der Emissionen der Neunziger Jahre, alle späteren Emissionen werden ihre Wirkung erst noch entfalten!

„Bleiben Sie realistisch!“ sagt die Kanzlerin Richtung Europäisches Parlament und ich will ihr sagen:
Wenn wir wirklich realistisch blieben, uns also von dem, was wir wissen, leiten ließen, dann müssten wir sagen: im Moment deutet alles darauf hin, dass die von der Menschheit beschlossenen und eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um das 1,5-Grad-Ziel des Paris-Vertrages zu erreichen.
Wenn wir wirklich realistisch blieben, dann hätten wir momentan keinerlei begründeten Hinweis auf eine wirkliche Wende bei den CO2-Emissionen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nimmt weiter zu – trotz Corona.
Wenn wir realistisch blieben, müssten wir angesichts der vorliegenden Zahlen feststellen: wir werden es nicht schaffen, bis 2050 die Emissionen auf NULL zu bringen. Aber genau das wäre notwendig, wie die internationale Klimawissenschaft seit langen Jahren nachweist.

Wir kommen folglich nicht weiter, wenn wir „realistisch bleiben“.
Was notwendig wäre, wäre eine mutige und entschlossene Klimaschutzpolitik, die wirklich alles versucht, um die Emissionen dramatisch zu senken. Auf diesem Wege wären selbst die vom EU-Parlament beschlossenen minus 60% nur ein kleiner Schritt.

Das, was auf einen Blick plausibel erscheint – Realismus – erweist sich bei genauerer Betrachtung als gewaltiger Hemmschuh und bremst diejenigen, die engagierten Klimaschutz vorantreiben wollen, nicht zuletzt das Europäische Parlament.

Wer, wie die Kanzlerin, angesichts der Lage fordert, man solle auf strengere Ziele verzichten und stattdessen „realistisch bleiben“, der dient nicht dem Klimaschutz, der steht ihm im Weg.

Wahlvorbereitung 2021: Listen anlegen

Wahlvorbereitung 2021: Listen anlegen

Im nächsten Jahr finden in Deutschland zahlreiche Wahlen statt. Es ist sinnvoll, diese Wahlen zu Klima-Wahlen zu machen, so, wie es bei vergangenen Wahlen schon gelungen ist, denn die Weltgemeinschaft hat nicht mehr viel Zeit, die wirklich entscheidenden Schritte zu gehen. KandidatInnen werben um Stimmen der Wählerinnen und Wähler. Die wiederum können (und sollten) denjenigen ihre Stimme geben, die wirklich glaubwürdig, engagiert und überzeugend für einen engagierten Klimaschutz fechten. Wir haben nämlich nicht mehr viel Zeit.
Die kommende Legislaturperiode des Deutschen Bundestages wird maßgeblich sein. Entweder gelingt es, das Ruder der immer noch steigenden CO2-Werte herumzureißen und die Emissionen wirklich drastisch zu reduzieren – oder die letzte politische Chance dafür ist auch vertan. Spätestens seit dem Klima-Gipfel in Paris (2015) ist klar, dass die Weltgemeinschaft höchstens noch 10 – 15 Jahre Zeit hat, um einen unumkehrbaren Pfad zu NULL-CO2-Emissionen um die Jahrhundertmitte einzuschlagen – also in schon 30 Jahren!
Wählerinnen und Wähler können sich auf ein solches Wahljahr ganz in Ruhe vorbereiten. Zum Beispiel dadurch, dass sie mit Hilfe der sozialen Medien die maßgeblichen Informationen zum Thema Klimaschutz zusammenfassen. Plattformen wie Twitter und facebook geben dazu ein gut geeignetes Werkzeug an die Hand: Listen. Man richtet sozusagen einen „Filter“ ein, der den „Nachrichtenstrom“ auf die Informationen durchfiltert, die wirklich für das Thema wichtig sind. Auf diese Weise vernetzt man sich mit Redaktionen, mit Forschungseinrichtungen, mit einzelnen Forschern; aber auch mit politischen Gremien, mit Parteien etc.
Ich habe mir nun für die kommenden Monate bei Twitter eine Liste der maßgeblichen accounts zum Thema Klimaschutz angelegt, die ich hier gerne zur Verfügung stelle und die ich ständig überprüfe, aktualisiere, schärfe. Sie enthält vor allem die accounts von Forschungseinrichtungen, aber auch von Initiativen, Verbänden, Parteien; von Forschungs- und Politikzusammenschlüssen (beispielsweise das Council der Länder, die Anrainer im „Hohen Norden“ sind).
Solche Listen haben den Charme, dass man mit schnellem, kurzem Blick erfährt, was beispielsweise im Hohen Norden diskutiert wird; was maßgebliche Forschungsinstitute sagen; wie sich Parteien „positionieren“.
Man kann mit Hilfe solcher Listen erstklassige Informationen zusammentragen, um sich selbst ein gut begründetes Urteil darüber zu bilden, wie überzeugend die politischen Angebote sind, die uns dann im kommenden Jahr präsentiert werden.
Solche Listen geben ebenfalls eine gute Möglichkeit, verlässliche Informationen im deutschsprachigen Raum weiter zu geben, die nicht in anderen tagesaktuellen Medien vorkommen.
„Teile und herrsche“ – ein alter Satz, der in Zeiten von social Meedia neue Bedeutung gewinnt.
Wahlen können nur dann zu überzeugenden Ergebnissen führen, wenn die Wählerinnen und Wähler bestens und umfassend informiert sind und sich ein gut begründetes Urteil bilden können.
Dafür ist jetzt Zeit.

Worauf es jetzt ankommt

Worauf es jetzt ankommt

Es gibt diese schönen Bilder, die Hoffnung machen. Das Foto vom ehemaligen amerikanischen Außenminister John Kerry und seiner Enkeltochter Isabelle vom April 2016 ist so ein Foto. Man sieht die beiden in dem Moment, in dem Kerry den Internationalen Klima-Vertrag von Paris für die Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet.
Kerry wird nun in der Biden-Administration für die Klimaschutzpolitik der Vereinigten Staaten zuständig sein.
Das Bild zeigt, worauf es ankommt: es kommt auf die Solidarität zwischen den Generationen an.
Es ist der Job der Älteren, nicht der Jüngsten. Auch das zeigt dieses Foto.

Mir scheint das erwähnenswert. Denn nicht wenige der Älteren lehnen sich etwas zurück, beklatschen jüngere engagierte Menschen wie Greta Thunberg oder die jungen Leute von FridaysForFuture – aber sie selbst bewegen sich wenig oder kaum oder gar nicht. Es bleibt beim Applaus.

So aber kann es nicht gelingen. Die jetzt kommenden vier Jahre sind entscheidend, denn das CO2-Budget, das uns nur noch zur Verfügung steht, wird von Tag zu Tag rasend schnell geringer. Die jüngeren Menschen werden es nicht schaffen, das Ruder herumzureißen. Wie wir gerade erfahren haben, ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre trotz Corona und Einbruch der Weltwirtschaft weiter gestiegen! Der Grund ist simpel: CO2 reichert sich in der Atmosphäre an und verbleibt dort mehrere Jahrhunderte – wenn es nicht wieder herausgefiltert wird. Wenn aber inzwischen die Ozeane und Wälder an der Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit angekommen sind (und die Wälder zusätzlich in enormem Ausmaß verbrennen), dann ist klar, dass die CO2-Konzentration immer weiter steigt, solange wir CO2 emittieren.

Wir müssen bis spätestens 2050 (das ist schon in dreißig Jahren! Dreißig Jahre sind die Distanz vom Fall der Mauer bis heute) mit den Emissionen auf NULL sein, sonst ist eine Begrenzung des Temperaturanstieges im Mittel auf 1,5 Grad nicht mehr zu erreichen. Die Folgen würden katastrophal sein. Die Aufgabe, dieses Ziel zu erreichen, ist gewaltig.

Die Älteren sind jetzt gefordert.
Das zeigt dieses schöne Foto, das der erfahrene John Kerry ja nicht ohne Grund so hat aufnehmen lassen. Er weiß sich in einer Reihe mit dem UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der zum Thema gesagt hat: „Dieser Kampf um engagierten Klimaschutz wird der härteste Kampf meines politischen Lebens sein.“
Die Älteren sind gefordert, sich wirklich einzusetzen für die Zukunft der Jüngsten.
Darauf kommt es jetzt an.

Deshalb gibt es Für-unsere-Enkel.org.