
1890 in Barmen geboren. 1951 in Weimar gestorben. Ab 1938 in Prerow ansässig. Zweimal verheiratet. Die zweite Frau und die Tochter in England. Nach dem Krieg Professor an der neu gegründeten Hochschule für Baukunst. Hermann Henselmann hatte ihn nach Weimar geholt, der Bauspezi von Walter Ulbricht, dem wir den Berliner Fernsehturm, die ehemalige Stalin-Allee und den Strausberger Platz in Berlin verdanken.
In Prerow gibt es nun eine Initiative, Albert Schaefer-Ast in seinem ehemaligen Häuschen ein kleines Museum einzurichten. Das ist eine löbliche Idee, von der Prerow gut profitieren kann. Denn die Biografie und der Lebenslauf von Schaefer-Ast, der während der Weimarer Republik für die großen und weitverbreiteten Zeitschriften des Berliner Ullstein-Verlages (zum Beispiel für „Die Dame„) gezeichnet hat, ist interessant, reicht er doch von der Kaiserzeit über den Ersten Weltkrieg (Schaefer war Kriegsfreiwilliger wie so viele junge Männer und kam ohne rechtes Auge aus dem Krieg zurück), die Weimarer Republik, die NS-Zeit, den Zweiten Weltkrieg, die deutsche Kapitulation, die Besatzungszeit bis hin zum Kalten Krieg und der Gründung zweier deutschen Staaten. Ein „deutsches Leben“ sozusagen, mit all seinen Brüchen und Widersprüchlichkeiten.
Derzeit bin ich noch bei der Recherche; sowohl in England (Imperial War Museum) als auch in Deutschland (Bundesarchiv, Bauhaus-Archiv, Landesarchiv Berlin etc.) finden sich Hinweise, die gesammelt, sorgfältig überprüft und ausgewertet sein wollen.
Nach dem Krieg wurde von Schaefer-Ast gesagt, er habe während der NS-Zeit zu den verfemten Künstlern gehört, seine Kunst sei als „entartet“ eingestuft worden. Ich habe das an der Freien Universität in Berlin überprüft, dort sitzen die Spezialisten zur Frage der „Entarteten Kunst“ während der NS-Zeit. Es finden sich derzeit keine Belege für die Behauptung, Schaefer-Ast sei von den Nazis als „entartet“ eingestuft worden. Offensichtlich handelt es sich – wie bei vielen anderen – um eine nach dem Kriege aufgekommene Behauptung von Verwandten. Im Falle Schaefer-Ast von seinem Schwiegersohn John Buck.
Dennoch ist das Leben von Schaefer-Ast spannend. Er war beispielsweise- wie genau, prüfe ich derzeit im Bundesarchiv – in ein Verfahren am Volksgerichtshof gegen die Grafiker Erich Knauf und Erich Ohser (wegen Wehrkraftzersetzung) „verwickelt“, ist aber „irgendwie“ heil davon gekommen, während Knauf durch das Fallbeil hingerichtet wurde und Ohser sich – einen Tag vor der Eröffnung seines Prozesses am Volksgerichtshof – das Leben genommen hatte. Ohser war noch im Sommer 1943, kurz vor seinem Tod, in Prerow und hat seinen Freund Schaefer-Ast gezeichnet. Dieses Bild habe ich in Plauen im Museum für Erich Ohser auftreiben können.

Schaefer-Asts Tochter Susanne kam mit einem Kindertransport nach England. Auch das eine hochspannende Angelegenheit, auf die ich im Buch ausführlich eingehen will. Seine zweite Frau, die Jüdin Stefanie, geborene Nathan (ihr Vater war in Berlin angesehener Banker), folgte der Tochter noch im Juli 1939, zwei Monate vor dem deutschen Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, obwohl eine „Ausreise“ damals schon mit gewaltigen finanziellen Verlusten und einer ganzen Reihe von zusätzlichen Schikanen verbunden war. Nach dem Krieg (ab 1946) kamen die drei wieder in schriftlichen Kontakt, es gab ein Treffen in Berlin, aber die Familie kam „nicht wieder zusammen“. Die genauen Umstände, weshalb Steffi nach England ging, Schaefer-Ast aber nicht, müssen untersucht werden – denn es gab in jenen Jahren auch andere Beispiele, da gingen die Familien gemeinsam ins Ausland.
Ich habe vor, eine etwas umfänglichere Studie zum Leben von Albert Schaefer-Ast als Buch zu machen. Es soll diejenigen unterstützen, die in Prerow ein kleines Museum für ihn einrichten wollen. Ein solches Museum ist eine gute Gelegenheit, sich sowohl mit Fragen der Kunst als auch mit deutscher Geschichte am Beispiel eines Künstler-Lebens zu beschäftigen.















