Das KZ-Außenlager in Born auf dem Darss

Das KZ-Außenlager in Born auf dem Darss

Es war ein Außenlager der KZs in Ravensbrück und Neuengamme und war im „Borner Hof“, ehemals „Witts Hotel“ untergebracht, mir liegen sogar Namenslisten der Wachmannschaft vor. In verschiedenen „Schüben“, jeweils gruppenweise, waren Häftlinge aus Ravensbrück und Neuengamme auf dem Darss eingesetzt, um zum Beispiel im tiefsten Winter und im eiskalten Wasser stehend Schilf zu schneiden (für die Rohrmattenflechterei in Ravensbrück) oder um die Ernte einzubringen. Zuletzt waren gar über 100 russische Kriegsgefangene in der SS-Meilerei in Born eingesetzt. Sie mussten im Forst für die Forstverwaltung und SS-Generalmajor Franz Mueller-Darss schuften. Es sind Namenslisten erhalten geblieben von einem der letzten „Rück-Transporte“ dieser Gefangenen, die wie „wankende Tote“ nach Ravensbrück zurückkehrten und dort umgebracht wurden oder aus Schwäche starben. Selbst „erfahrene Häftlinge“ hatten solche Gestalten noch nie gesehen, wie Zeitzeugenberichte überliefern. Ich habe diese Sachverhalte in zwei Büchern aufgearbeitet, die nach wie vor Interesse finden, was mich sehr freut.

Im Zuge meiner Recherchen, die hier auch im blog in Teilen nachzulesen sind, stieß ich auch auf Gruppen von Sinti und Roma, die auf dem Darss, von Born kommend und unter Aufsicht der dortigen Forstverwaltung, die Ernte einzubringen hatten. Die Wagen mit den Häftlingsfrauen waren offen, jedermann konnte sie sehen, wie Zeitzeugen überliefert haben. Als ich diese Hinweise fand, habe ich in einem Brief den Präsidenten des Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, Herrn Romani Rose über meine Recherchen informiert, wofür er sich schriftlich herzlich bedankt hat. Gestern (10.9.24) nun fand ich, daß die Informationen in der zentralen Datenbank, die der Zentralrat der Sinti und Roma eingerichtet hat, ihren Platz gefunden haben. „Wir danken Ulrich Kasparick für den ausschlaggebenden Hinweis auf den Zwangsarbeitseinsatz der Sinti- und Roma-Frauen im Außenlager Born und die zur Verfügung gestellten Informationen. Der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (Monika Schnell) sowie dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Ursula Schwarz) danken wir für die freundliche Überlassung von Dokumentenmaterial“ steht dort zu lesen. Mich freut, wenn meine Arbeiten einen kleinen Beitrag dazu leisten können, daß der Opfer der NS-Zeit angemessen gedacht werden kann. Über die Geschichte des Lagers in Born – mit besonderem Bezug zum Einsatz von Sinti und Roma – kann man hier weiterlesen.

Ich bin in diesen Herbsttagen wieder auf dem Darss und werde bei Gelegenheit schauen, ob sich inzwischen auch die Kommune #Born – ihrem eigenen Gemeinderatsbeschluss entsprechend – dazu aufraffen konnte, eine kleine Gedenktafel für die Häftlinge vom Darss einzurichten, die u.a. im „Borner Hof“ untergebracht waren.

Erinnerungskultur auf dem Darss – ohne NS-Zeit?

Erinnerungskultur auf dem Darss – ohne NS-Zeit?

Viele Gespräche liegen hinter mir. Mit vielen Menschen in den Orten des Darss habe ich inzwischen gesprochen und ihre Informationen dokumentiert.
Mich interessiert, was gewesen ist zwischen 1933 und 1945 in Prerow, Zingst, Barth, Bodstedt, Ribnitz, Ahrenshoop, Wustrow, Born, Wieck. Man erfährt nämlich so schrecklich wenig.
Ich hatte deshalb im vorigen Jahr damit begonnen, Informationen zusammenzutragen und hatte als einen ersten Beitrag das Büchlein über den Darss zwischen 1933 und 45 als „regionalgeschichtliche Studie“ veröffentlicht. Das Buch wird gelesen, wird weitergereicht und führt zu weiteren Gesprächen, das freut mich. Man hat mir auch versichert, man wolle nun „einen Historiker beauftragen, die Geschichte des „Borner Hofs“ und des Forsthauses gründlich aufzuarbeiten“, was ja so wirklich nötig nicht ist, weil die Dokumente ja vorliegen, und außerdem kann das dauern.
Wirklich vorangekommen sind wir also noch nicht. Nach wie vor zeigen die Homepages der Kommunen keinen Hinweis auf diese Zeit (Ausnahme: Wieck d. Darss und Barth). Es gibt also Widerstände.

Auf einen dieser „Widerstände“ will ich hier im Beitrag eingehen: man kann auf dem Darss den Einwand hören, die aktive Erinnerung an die NS-Zeit „störe den Tourismus“, die Urlauber wollten „in Ruhe gelassen werden“. So jedenfalls lautet die unbelegte Behauptung. Man befürchtet gar zum „Sammelbecken für Neonazis“ zu werden, wenn man sich den Jahren zwischen 1933 und 1945 auch öffentlich stellt und dokumentiert, was gewesen ist. Die Erfahrung der zahlreichen Gedenkstätten in Deutschland sagt allerdings etwas anderes.

Ich halte solche Einwände auch für vorgeschobene Argumente.
Denn es gibt zahlreiche Beispiele, in denen Städte die aktive Erinnerungsarbeit an die NS-Zeit sehr gut mit ihren Tourismuskonzepten verbinden. Weimar und Buchenwald sind so ein Beispiel.

Aber eben auch Prora auf Rügen.
Das dortige Dokumentationszentrum macht eine hervorragende Arbeit und, wie ich heute gefunden habe, wirbt sogar ein großer Tourismus-Anbieter auf der Insel Rügen dafür, das Dokumentationszentrum unbedingt aufzusuchen und sich mit der NS-Geschichte der NS-Urlauber-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) zu befassen, die ja auch auf dem Darss millionenfach Urlauber an die Ostseeküste befördert hat. Man hat verstanden, dass aktive Erinnerungsarbeit sogar eine Chance für den Tourismus bedeuten kann, denn Urlauber haben Zeit, sich einmal gründlicher auch mit historischen Zusammenhängen zu befassen. Und genau das tun sie: sie besuchen Museen, Kirchen, Gedenkstätten. Kulturtourismus ist ein großes Segment. Verbunden mit Bildungsarbeit kann so ein Tourismus einen wichtigen Beitrag zu einer guten Erinnerungskultur leisten. So sieht man es in Prora auf Rügen.

Das ist wirklich bemerkenswert, denn es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Darss. Man kann sozusagen „hinüberschauen“ zur Insel Rügen. Und dort in Prora kann man sehen, wie gelingende Erinnerungskultur und Tourismus Hand in Hand gehen. Ich empfehle den Kommunalpolitikerinnen und -politikern auf dem Darss sehr, sich das Dokumentationszentrum in Prora anzuschauen, man kann dort sehen, wie es gelingen kann. Erinnerungskultur und Tourismus schließen sich nicht aus, wie behauptet wird; das Gegenteil trifft zu: sie unterstützen sich wechselseitig. Wenn man es richtig macht wie in Prora.