Das Manuskript stammt vom jüdischen Autor Salamon Dembitzer.
Dr. Robert Kreibich hat es bei Recherchen über jüdische Spuren zwischen Bansin und Swinemünde eher als „Beifang“, wie er sagt, im Archiv vom Leo-Baeck-Institut gefunden.

Da sich bislang kein Nachfahre fand, der Rechte an dem Buch geltend machen konnte, hat die Evangelische Kirchgemeinde in Gestalt ihres Pastors Dr. Christian Pieritz und mit freundlicher Unterstützung vom Menzel-Verlag Kühlungsborn 90 Jahre nach dem Entstehen des Manuskripts die Initiative ergriffen und das Buch herausgebracht.
Es ist in mehrfacher Hinsicht empfehlenswert: zunächst literarisch. Dembitzer versteht es, seine Zeitgenossen vom Strand in Bansin im Jahre 1932 präzise zu zeichnen. Es ist eine durchaus vergnügliche Lektüre über das Badeleben in Bansin und Heringsdorf Anfang der Dreißiger Jahre.
Dembitzer hat ein ungewöhnliches Leben gelebt, über das im Anhang des Buches Auskunft gegeben wird:
„Salomon Dembitzer, der 1964 in Lugano/Schweiz starb, war …. ein eigenwilliger, kompromissloser Individualist, weitgehend Autodidakt, ein scharfsinniger Psychologe und ein immer mitleidender Mensch. Bereits mit 16 Jahren begann er seine literarische Laufbahn in Kassel. … Seine Gedichte hatten großen Erfolg, sie erschienen vor und nach dem Ersten Weltkrieg in vielen jüdischen und deutschen Zeitungen und der spätere deutsche Reichskanzler Philipp Scheidemann, der zu dieser Zeit Chefredakteur des „Kasseler Volksblatt“ war, nahm sich des jungen Dichters an, der auch den „Dichterpreis der Stadt Kassel“ erhielt. Dembitzer konnte noch rechtzeitig vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen. Er ging zuerst nach Holland, dann nach Belgien, dann nach Portugal, nach New York (Anfang 1941). In den fünfziger Jahren erschienen zwei Romane in Australien, einer davon „Die Flucht der Juden aus Europa“ (Arbeitstitel) dürfte eines der allerersten Werke über dieses Thema sein. Dr. Herbert V. Evatt, ehemaliger australischer Außenminister und Vorsitzender der ersten Generalversammlung der UNO (1947) schrieb das Vorwort. Dembitzer starb 1964 in der Schweiz.

Wir sehen: es lohnt sich, sich mit Dembitzer zu beschäftigen, denn sein Leben zeigt die Folgen der Wirrnisse des Zwanzigsten Jahrhunderts wie in einem Brennglas.

Das Buch, um das es hier geht, „Sommergäste in Heringsdorf 1932“ ist noch in anderer Hinsicht interessant. Der Heringsdorfer Ortschronist Heinrich Karstaedt-Drews hat interessantes fotografisches Material zu jener Zeit in Heringsdorf beigesteuert. Wer also auch fotografisch dokumentiert sehen will, wie es zuging in Heringsdorf ein Jahr vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wird im Büchlein ebenfalls fündig.

Man bekommt das Buch von Salamon Dembitzer „Sommergäste in Heringsdorf 1932“ unter der ISBN 978-3-946694-07-3 im Buchhandel oder bei der Evangelischen Kirchgemeinde Heringsdorf/Bansin.

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