Beide waren bekannte Grafiker. Davon soll nun die Rede sein. Sie hatten sich spätestens 1926 bei Ullstein kennengelernt, Steffie zeichnete schon seit 1923 für „Die Dame“, jene berühmte und Europas Modewelt prägende maßgebliche Zeitschrift aus dem Hause Ullstein. Beide zeichneten auch für den „Uhu“ – auch aus dem Hause Ullstein. Ullstein galt später für Joseph Goebbels und Hitler selbst als „Tempel der Judenpresse“ und war ihr Hauptfeind im Pressewesen, weshalb das Haus Ullstein schon 1934 „arisiert“ wurde. Im Jahre 1929 gab es in der Zeitschrift „Gebrauchsgrafik“ einen bemerkenswerten Text über gleich mehrere Seiten, in denen die unterschiedlichen Arbeiten von Albert und von Steffie besprochen wurden. Beide traten nun als Grafiker-Paar in die Öffentlichkeit und waren so nicht nur in der „Kunst-Szene“ Berlins als Paar bekannt, sondern darüber hinaus. Steffis Arbeiten wurden sogar mehrfach auf den Titelseiten der „Dame“ gedruckt. Man sprach von den „famosen Titelseiten“, die sie gezeichnet hatte. Das Juliheft 1927 hat sie auch gezeichnet, es war das Jahr, in dem Töchterchen Susanne auf die Berliner Welt kam:

Beide konnten Illustration, Buchumschlag, Cover, Plakat, Einladungsentwürfe, Modezeichnung und Pressezeichnung. Gebrauchsgrafiker eben.
Albert Schaefer machte beispielsweise Werbung für den „Heiteren Fridolin“ (Ullstein):

Und Steffi zeichnete zum Beispiel Cigaretten-Werbung

Beide dürften gut verdient haben. Denn Ullsteins Auflagen waren dermaßen hoch, dass es „nicht darauf ankam, ob der Verleger für einen Beitrag 1000 oder 2000 Mark zahlte“, wie Hermann Ullstein, der jüngste der Brüder, in seinem Buch „Das Haus Ullstein“ nach dem Kriege schrieb.
Ich notiere diesen Abschnitt im Leben von Schaefer-Ast und seiner Frau Steffi, weil daran deutlich wird, aus welcher gesellschaftlichen „Höhe“ beide durch die Scheidung im April 1939 und Steffies Exil im Juli 1939 abstürzten. Albert Schaefer konnte – sogar mit noch mehr Möglichkeiten – zwar in Deutschland weiterarbeiten, aber Steffi, die weit bekannte und anerkannte Zeichnerin, Grafikerin und Gestalterin – ging als „house wife“ nach Großbritannien, sonst hätte sie gar kein Ausreisevisum mehr bekommen. Sie musste sich als Magd verdingen und hat unter ärmlichsten Verhältnissen in England leben müssen. Für die Jahre ab etwa 1923 bis etwa 1934 bei Ullstein aber gilt: es waren für beide zehn erfolgreiche, gute Jahre. Bis die Nazis kamen.
Lieber Herr Kasparick,vielen Dank für Ihren Hinweis & und all Ihre Recherche, sie bringt wirklich tol