Der 4. 9. 2009 ist eine Zäsur im Krieg in Afghanistan, die meine Beurteilung dieses Krieges völlig verändert hat.
Denn an diesem Tag hat ein deutscher Offizier, weil er seine Soldaten schützen wollte, einen entführten Tanklaster angegriffen, um „führende Taliban“ zu treffen.
Die Amerikaner hatten ihn gewarnt.
Er befahl den Angriff trotzdem.
Im Ergebnis gab es „bis zu 142 Tote, darunter viele Zivilisten.“
Ein Minister, ein Staatssekretär, ein Generalinspekteur der Bundeswehr mussten wegen dieses Angriffs eines deutschen Offiziers auf Zivilisten inzwischen zurücktreten.
Das Parlament hat einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.
Der gegenwärtige Minister sagt: „aus heutiger Sicht“ sei die „Aktion“ „nicht zu verantworten“ gewesen.
Die Opfer bekommen bislang keine Entschädigung.
Die Kanzlerin sagt, dieser Krieg sei „notwendig für unsere Sicherheit“.
Ich glaube solcher Rede nicht mehr und bin nicht bereit, ihr länger zu folgen.
Der Außenminister meinte gestern, ein erster Teilabzug der Soldaten aus Afghanistan könne „Ende 2011“ beginnen. Er sagt das am Tag nach der Regierungserklärung der Kanzlerin und der folgenden Debatte im Parlament.
Ich halte diese Rede für eine Replik auf den zunehmenden Druck in der deutschen Bevölkerung, diesen Krieg endlich zu beenden.
Denn: am selben Tag ist Mc Chrystal in Deutschland, um eine „Großoffensive“ in Afghanistan vorzubereiten.
Die Amerikaner wollen gemeinsam mit der Allianz und Teilen der neuaufgebauten afghanischen Armee einen „entscheidenden Schlag“ gegen „die Taliban“ führen.
Dann wollen sie ihren Abzug beginnen.
Sagen sie.
Ich beobachte jedoch, daß in den Reden die rhetorische Aufrüstung weiter voran schreitet.
Im Parlament versteigt sich ein CDU Bundestagsabgeordneter (Andreas Schockenhoff) gar zu der Aussage: „Fällt Afghanistan, dann fällt Pakistan und dann haben wir eine Atombombe über einer deutschen Stadt“ .
Ich poste in diesem Beitrag „Kriegsbilder“, wie man sie in unseren Zeitungen nicht findet.
Denn: nicht ein einziges Menschenleben rechtfertigt, daß man in einen Krieg zieht. Und sei es ein „Krieg gegen den Terrorismus“, wie uns die Kriegsrhetorik weismachen will.
Mittlerweile sind im Afghanistan-Krieg mehr Menschen umgekommen, als beim Terrorangriff auf das World-Trade-Center.
Man kann Blut nicht mit Blut abwaschen.
Deshalb schicke ich diese Bilder, die die Opfer der gegenwärtigen Kriege zeigen.
Man findet sie kaum in den Zeitungen, weil solche Bilder die „Strategien“ stören.
Die Kanzlerin und andere haben gestern in der Bundestagsdebatte erneut der deutschen Öffentlichkeit weismachen wollen, dieser Krieg, der nun schon länger dauert, als der II. Weltkrieg gedauert hat, sei „not-wendig“.
Ich hatte das auch einmal geglaubt.
Ich habe den Mandaten für den Einsatz der Bundeswehr zugestimmt.
Es gibt keine Entscheidung, die ich mehr bereue, als diese.
Denn durch dieses Mandat wurde der 4. September 2009 überhaupt erst möglich.
Ich trage, gemeinsam mit meinen Kollegen, die dem Mandat für die Bundeswehr ebenfalls zugestimmt haben, die politische Verantwortung für diese Toten.
Das ist so und es lässt sich nicht wegargumentieren.
Wir haben mit unserem Mandat den 4. September 2009 ermöglicht.
Wir können politisch nicht ausschließen, daß es nicht erneut zu solchen „Vorfällen“ wie auf jener Sandbank im Fluss in der Nähe von Kunduz kommt.
Wir dürfen andererseits aber jene Opfer unter den Zivilisten nicht einfach „in Kauf nehmen“.
Deshalb gibt es nur den Weg des Abzugs der Truppen.
Ich schicke diese Kriegsbilder, weil ich diejenigen Kräfte im Lande unterstützen will, die für einen schnellen Abzug der Truppen aus Afghanistan eintreten.
Für mich war der 4. September 2009 die entscheidende Zäsur in der Beurteilung dessen, was Deutschland im Rahmen der Allianz in Afghanistan tut.
Ich bin seither nicht mehr bereit, jenen zu folgen, die diesen Krieg für „not-wendig“ halten.
Ich beurteile diesen Krieg nur noch aus einer Perspektive.
Aus der Perspektive derer, die ihm zum Opfer fallen.
Soldaten und Zivilisten.
Auf beiden Seiten.
Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg, die mich noch überzeugen könnte.
Denn: Blut kann man nicht mit Blut abwaschen (Bertha von Suttner).
Es gibt nur einen Weg, den ich bereit bin, mit zu gehen: Abzug aller Soldaten des Bündnisses.
Aus meiner Sicht gibt es nur noch die Möglichkeit, in einen Dialog einzutreten mit den Menschen, die eine westliche Kriegsrhetorik zum „Feind“ erklärt hat.
Es gibt keine Alternative.
Am Abend dieses Tages finde ich im Internet den Hinweis auf die neue Ausgabe des „Freitag“. Die Zeitung weist auf eine Ausstellung hin, die ab dem 24. April 2010 zu sehen ist. Der Journalist Christof Reuter (stern) und der Fotograf Marcel Mettelsiefen haben Menschen interviewt und fotografiert, die vom Bombenangriff in Kunduz direkt betroffen waren. Die „Gesichter hinter dem Krieg“.
hier der link:
Ich wünsche dieser Ausstellung viele Besucher und dem dazugehörigen Buch viele Leser.
Nachtrag: am 6. 10. 2016 erreicht mich die Nachricht, dass der Bundesgerichtshof eine Klage der Angehörigen der Opfer von Kundus auf Entschädigung abgewiesen hat.
Der Offizier, der den Befehl zur Bombardierung damals gab, wurde mittlerweile befördert.
Den Opfern verwehrt man Entschädigung.
Beinahe zeitgleich hat sich eine „Geberkonferenz“ darauf verständigt, Afghanistan etwa 12 Milliarden Dollar zu gewähren, wenn das Land die afghanischen Flüchtlinge, die das Land mittlerweile verlassen haben, wieder zurücknimmt.
Ich halte beide Entscheidungen für schamlos und empörend.
Soldaten fallen nicht.
Es zerfetzt ihnen den Bauch oder die Gliedmaßen, ihnen platzt der Kopf oder sie ersticken im gepanzerten Fahrzeug.
Aber sie „fallen“ nicht.
Die Rede vom „gefallenen Soldaten“ ist eine beschönigende, verharmlosende Rede derer, die ein Interesse daran haben, daß das Vaterland „verteidigt“ wird.
Vor dem „Feind“ natürlich. Und wer der „Feind“ ist, bestimmt die Obrigkeit. Aus strategischen Gründen.
Soldaten fallen nicht. Sie sterben einen fürchterlichen Tod.
Das ist die Botschaft von Erich Maria Remarque in seinem Buch „Im Westen nichts Neues“.Das Buch erschien erstmals ab dem 10. November 1928 in der Vossischen Zeitung als Vorabdruck, in Buchform am 29. Januar 1929. Der Roman wurde noch 1929 in 26 Sprachen übersetzt. Bis heute gibt es Ausgaben in über 50 Sprachen, die geschätzten Verkaufszahlen weltweit liegen bei über 20 Millionen.
Am Anfang eines Krieges werden noch Reden gehalten an den Metallsärgen, wenn sie mit den Resten der getöteten Soldaten aus fernen Landen zurückkehren in die Heimat.
Man stellt Fahnen auf und hält die Rede vom „gefallenen Soldaten“.
Wenn aber die Zahl der Getöteten steigt, werden die Reden weniger.
Anfangs gibt es noch offizielle Trauerbekundungen. Sogar die Kinder des Ministers sind noch „stolz“ auf die toten Männer. Man achtet darauf, daß von diesem „Stolz“ der Kinder des Ministers in den Gazetten berichtet wird. Das ist hilfreich, um den „Stolz“ auf die Toten im Volk zu verbreiten.
Wenn aber die Zahl der Getöteten steigt, wird man sie gleich vor Ort begraben müssen.
Am Ende des Krieges ist selbst dafür keine Gelegenheit mehr.
Die Männer liegen dort, wo sie den Tod getroffen haben.
Wie ist es mit den Kindern?
Sagen wir, mit Kindern, die zu einem stecken gebliebenen LKW laufen, da auf der Sandbank, mitten im Fluss.
Sie tragen leere Eimer und Flaschen. Wenn sie haben, auch einen alten Kanister.
Die Kinder wollen Treibstoff holen von diesem LKW da, der stecken geblieben ist in der Nacht, draußen auf der Sandbank im Fluss.
Treibstoff wollen sie holen für das kleine Dieselaggregat auf dem Hof des Vaters, damit ein wenig Strom da ist im Haus des Bauern.
Wie ist es mit den Kindern, wenn sie ums Leben kommen auf diesem Gang, sagen wir, durch Granaten, die auf Befehl eines deutschen Oberst auf sie abgeschossen wurden?
Man sagt, „bis zu 142 Menschen – darunter viele Zivilisten“ seien bei Kundus auf diese Weise ums Leben gekommen.
Auf Befehl eines deutschen Oberst, der, um das Leben seiner Soldaten zu schützen, diesen Angriff befahl.
Wie ist es mit diesen Bauern und ihren Kindern, die da, auf dieser Sandbank, in diesem Fluss, ihr Leben verloren?
Sind sie „gefallen“?
Für wen?
Was werden nun die Angehörigen und Nachbarn im Dorf von diesem Tag ihren Enkeln erzählen, eines Tages, später, wenn sie mal wieder davon sprechen, von diesem plötzlichen Tod, der damals über das Dorf gekommen ist?
Was werden sie sagen?
Werden sie sagen: „die Deutschen haben uns damals gegen die Taliban verteidigt“?
Erich Maria Remarque hat eindringlich wie kaum jemand gezeigt, daß es im Krieg nur Opfer gibt.
Auf beiden Seiten.
Auf beiden Seiten sterben die Menschen auf brutale und fürchterliche Weise.
Es gibt im Krieg keine Gewinner, nur Tod.
Remarque schreibt aus der Sicht eines jungen Kriegsfreiwilligen. Er nennt sie wie Ernest Hemingway „die verlorene Generation“, die als Heimkehrer mühsam versuchen, wieder ins normale Leben zurück zu finden. In der „ZEIT“ kann ich im April das Jahres 2010 von solchen Kriegsfreiwilligen lesen, die, als schwer Verletzte heimgekehrt aus fernen Landen, mühsam versuchen, wieder ins normale Leben hinein zu finden.
In einem Interview mit Friedrich Luft sagte Remarque 1963: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, daß es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“
2010. Deutschland ist im Krieg.
Wir müssen aufhören mit der beschönigenden Rede vom „gefallenen Soldaten“.
Denn die Wahrheit des Krieges ist sehr konkret: explodierte Soldaten müssen beerdigt werden, die in die Luft flogen, als sie mit ihrem gepanzerten Wagen auf eine Mine fuhren.
Und Kinder, denen es die Körper zerriss, als ein Offizier den Angriff befahl, weil er seine Soldaten schützen wollte.
Wenn ein Soldat stirbt in einem solchen Krieg, dann sind seine letzten Gedanken vielleicht diese:
„..aber ich dachte nur an dein Gewehr, dein Bajonett, die Handgranaten. Wenn wir das Alles wegwerfen würden, könnten wir Brüder sein, aber sie wollen nicht dass wir das erkennen; und so handeln.
Wir dürfen die Wahrheit nicht erfahren, wir haben alle Mütter, Väter, die gleiche Angst vor dem Tod, den gleichen Schmerz.
Es gibt keinen Unterschied, es ist unmenschlich, vergib mir Kamerad.“ (Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues).
Er hat um sein Leben geschrieben und um das vieler junger Männer, die nach ihm in den Krieg zogen.
Wie kaum ein anderer hat er mit seinen wenigen Texten die Diskussion um Frieden und Krieg geprägt.
Wer sich in einer Diktatur gegen die Obrigkeit stellt in Friedensfragen, die ja immer Machtfragen sind, der muss genau überlegen, was er tut und wie er es tut.
Wer einen offenen Disput riskiert, riskiert Gefängnis oder aus „Ausreise“, Zwischenstation: Stasiknast Hohenschönhausen.
Wer jedoch im Lande bleiben und die notwendigen Veränderungen von innen her bewirken will, tut gut daran, behutsamer zu handeln.
Wir hatten uns als Studenten entschieden, den zweiten Weg zu gehen, denn wir wollten im Lande bleiben.
Deshalb spielten wir Borcherts „Draußen vor der Tür“. Inszenierten selbst, machten die Musik dazu, probten bis spät in die Nacht und zogen dann von Kirchgemeinde zu Kirchgemeinde um die Botschaft dieses starken Textes unter die Leute zu bringen.
Diese Dinge sind in gewissen Akten säuberlich vermerkt.
Der Literatur- und Friedenskreis um die Arztfamilie Hartmann in Greiz wurde eine wichtige Stütze für unsere Arbeit.
Mutige, klare Leute waren das, die sich nicht beirren ließen.
Der Höhepunkt des Abends mit dem Stück „Draußen vor der Tür“ war jedesmal die Rezitation von Borcherts Testament, entstanden im September oder Oktober 1947:
„Sag NEIN!“
Er hat es im Angesicht des eigenen Todes geschrieben, es ist sein Vermächtnis.
Die politische „Folie“ für unsere Theaterarbeit als Studenten war die Aufrüstungsdebatte in Deutschland: Pershings auf der einen, SS 20 auf der anderen Seite.
Wir standen auf der Seite derer im Osten, die ein kompromissloses „Nein!“ verlangten so, wie später Hunderttausende im Westen im Bonner Hofgarten standen und „Nein!“ verlangten;
und wir zogen von Ort zu Ort, abends, nach getaner Arbeit, um in Veranstaltungen unsere Überzeugung mit Hilfe der Worte von Wolfgang Borchert unter die Leute zu tragen, die, oft verängstigt und eingeschüchtert durch das, was sie für die Gefahren der Diktatur hielten, sich nicht mehr trauten, ihre Kritik offen anzubringen.
Mit Hilfe der Texte von Borchert aber entstanden Räume, in denen gesagt werden konnte, was viele dachten.
Die Friedensbewegung wurde zum Sammelbecken für die Opposition, was schließlich ein wirksamer Beitrag zum Fall der Mauer wurde.
Wer heute im Jahr 2010 die Gazetten liest und verfolgt, wie die Wortdrechselei im Parlament ihren Fortgang nimmt;
wer die Berichte über traumatisierte Kriegsheimkehrer in Medien wie ZEIT online liest, dem fällt jener „Kriegsheimkehrer“ ein, der in so großartiger Weise von Wolfgang Borchert in das Stück „Draußen vor der Tür“ gezeichnet worden ist.
Da sind sie wieder, die langen Schatten.
Was soll man jungen Männern sagen, die unsicher sind?
Immerhin ist ja eine Teilnahme an einem Einsatz in Afghanistan freiwillig.
Man soll ihnen sagen: „Sag NEIN!“.
Diese Kompromisslosigkeit hat ihren tiefen Grund darin, daß man „Blut nicht mit Blut abwaschen“ kann, wie Bertha von Suttner es formuliert hat.
Militärische Gewalt zieht immer mehr Gewalt nach sich.
Was der Mensch sät, das wird er ernten.
Wer also einen Beitrag zum Frieden am Hindukusch leisten will, der wird das nicht mit Hilfe des Militärs tun können.
Wer glaubt, mit militärischen Mitteln zum Frieden beizutragen, irrt. Noch dazu, wenn er stattdessen nach „mehr Waffen“ verlangt, wie es jüngst immer wieder geschieht. Man kann nun aus den Reihen des Militärs auch hören, man solle das Militär „in Ruhe seine Sache machen lassen“, wenn man nicht bereit sei, die Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. (ZEIT online von heute).
Das haben Militärs schon immer gewollt. Dass man sie in Ruhe „ihre Sache machen lassen“ soll.
Die Zahlen steigen: tote und verletzte Zivilisten und Soldaten. Von Tag zu Tag steigt die Zahl der Opfer weiter nach oben.
Eine militärische Strategie des Westens in Afghanistan ist zum Scheitern verurteilt, weil man mit Soldatenstiefeln die Herzen der Menschen nicht gewinnen kann.
Deutschland befindet sich erneut im Krieg.
Und nicht, „in einem Konflikt, der Züge eines Krieges trägt“ oder wie auch immer wieder anders vernebelnd gesprochen wird.
Wir schreiben das Jahr 2010.
Das Wetter ist schön, die Menschen sprechen vom Frühling und diversen Schwierigkeiten in ihrem Alltag, der Krieg ist weit weg, auch wenn die Zeitungen davon berichten.
Auch daran gewöhnt man sich.
Dieser „ferne Krieg“ macht es denjenigen leicht, die nach mehr Waffen rufen, wie es jüngst wieder geschehen ist, als 7 deutsche Soldaten starben.
Und es macht es denjenigen schwer, die verlangen: „Die Waffen nieder!“
Der Krieg ist weit weg.
Irgendwo am Hindukusch, wo auch immer das sein mag, dieses seltsame Afghanistan.
Deshalb gehen die Menschen in Deutschland dennoch am Morgen zur Arbeit oder zur Schule, fahren in die Universität und in den Urlaub.
Nur die Bilder von den Särgen, die in letzter Zeit häufiger im Fernsehen und in der Zeitung zu sehen sind, stören diesen Alltag ein wenig.
Aber nicht lange.
Man geht bald wieder über zur Tagesordnung einer Demokratie, die sich im Frieden wähnt.
Die politische Kaste vermeidet es möglichst, vom „Krieg“ zu sprechen, man dreht und wendet sich, spricht immer neue Worthülsen aus, redet von einem „bewaffneten Konflikt, der in Teilen den Charakter eines Krieges trägt“ und trägt auf diese Weise das ihre dazu bei, daß der Krieg weitergeht durchs Land.
Die Gründe für solches windende Sprechen sind vielfältig: es sind vor allem Bündnisfragen; man will sich nicht isolieren; man will seinen „Einfluss im Bündnis behalten“. Es sind innenpolitische Gründe auch, in Wahlkampfzeiten zumal.
Deshalb „stören“ die, die immer lauter vom „Krieg“ und seinem notwendigen Ende sprechen.
Deshalb werden Interviews nötig, den großen Medien „gegeben“, um wieder für „Ruhe“ zu sorgen. Diese Debatte stört.
Sie stört die „Strategie“, die sich die Oberen ausgedacht haben und für die sie ihre Gründe anführen.
Doch diese wankelmütige Taktiererei hat in den zurückliegenden Jahren eben nicht zu mehr Befriedung geführt, sondern dazu, daß „die militärische Komponente“ immer stärker ausgebaut wurde.
Deutschland rutschte immer tiefer in diesen Krieg des Westens hinein. Und sieht nun kaum noch eine Chance, da irgendwie wieder herauszukommen.
Es sei denn: man sagt ein klares „Nein!“ wie zum Beispiel die niederländischen Sozialdemokraten, die wegen dieser Frage die Regierung verließen und Neuwahlen erzwangen, von denen sie wußten, daß sie sie verlieren würden.
Oder wie die Kanadier, die auch im Bündnis stehen.
Das langsame, heimliche Hineingleiten Deutschlands in diesen Krieg wird nicht gestoppt oder gar gewendet, wenn die unklaren Worte in Parlament und Gazetten weiterhin die Debatte bestimmen.
Die Bevölkerung hat mittlerweile ein sehr feines Gespür dafür, „daß da schon lange etwas nicht mehr stimmt“. Dass es politische Gruppen gibt, die dieses Thema für sich „nutzen“ wollen, ist ein anderes Thema, das ich hier nicht behandeln will.
Ich werbe für Klarheit.
Zunächst für die Klarheit der Sprache.
Denn aus der Klarheit der Sprache erwächst klares Handeln.
Wir müssen die Dinge bei dem Namen nennen, auf den sie hören.
Wenn tote Soldaten in Blechsärgen aus dem „Einsatzgebiet“ zurückkehren; wenn traumatisierte Soldaten keine Unterstützung finden, wie es der Wehrbeauftragte selbst öffentlich beklagt, dann ist es höchste Zeit.
Da helfen auch „Machtworte“ nichts, die in Fraktionen und Abgeordnetengruppen gesprochen werden.
Solche „Machtworte“ sind allenfalls ein Zeichen dafür, wie schwierig die Situation empfunden wird und wie unsicher die Sprechenden selber sind in diesen Dingen.
Ich erinnere mich heute an Wolfgang Borchert und an unsere Abende, als wir als Studenten von Ort zu Ort zogen in der Zeit der Diktatur, im vorigen Jahrhundert,
um die Menschen „aufzurütteln“, wie wir das damals sagten.
Wir haben es versucht mit seinem Testament, geschrieben wenige Tage vor seinem Tod. 26 Jahre alt ist er geworden, der Große Mahner Wolfgang Borchert:
Bobrowski war Soldat an der „Ostfront“.
Er ist als Veränderter zurück gekehrt.
Sein Leben lang hat er versucht, mit seiner Dichtung „die Schuld der Deutschen“ wieder abzutragen.
Diese „Schuld der Deutschen“ – das wurde sein Lebensthema.
Seine überaus schönen Gedichte und Erzählungen „stellen die Dörfer wieder hin, die von den Deutschen zerstört worden sind“ schreibt Christoph Meckel über ihn.
Der wundervolle Roman „Levins Mühle“ wurde bezaubernd von der DEFA verfilmt. Großartig sein Text „Der Mahner“, „Mäusefest“ und anderes.
Den Literaturvorlesungen von Prof. Klaus-Peter Hertzsch (in den Wendejahren entstand von ihm das Lied „Vertraut den neuen Wegen“, es wurde sogar ins Gesangbuch aufgenommen, was die überaus schwere Prüfung hochgelahrter Kommissionen bedeutete) ist es zu verdanken, daß mir in meinem Leben Johannes Bobrowski in seinen Texten begegnete.
Seither sind wir Weggefährten.
„Diese Schuld der Deutschen“ – die marschierten, wenn sie sollten; die Bauerndörfer zerschossen, wenn sie den Befehl dazu hatten.
Die den Oberen blind glaubten, wenn die behaupteten, der Krieg sei „notwendig“ um das „Vaterland zu verteidigen“.
Wie war diese Schuld jemals wieder abzutragen?
„….einer beginnt den Gesang“: Johannes Bobrowski.
„…einer beginnt den Gesang“, leise, als Zeuge, in Trauer und unstillbarer Sehnsucht nach Leben, Ausgleich und Versöhnung, der Erhaltung seiner Erde – sein Mond, seine Sonne, seine Inseln und Küsten der aufgerichteten Kreuze und die unsagbare Tiefe skythischer Steppen – Tänzer auf rissiger Tenne, Bettler und Armenhäusler, Sänger, veranlagt zur Schwermut, Narren und Listige –
einer beginnt den Gesang, in Trauer um die wütende Vernichtung von Städten und Dörfern, von Scheunen und Kirchen, um die große Verdunkelung aller Himmel des Geistes und des Fleisches, der Lust auf dem weichen Laken Mondschatten, dem Licht von Glasfenstern und Augen, durstig nach Liebe und allem Glanz, nach dem Schutz modriger Keller, nach dem Wort Bruder für die Stunde Einsamkeit – begann seinen Gesang in den Laufgräben einer zerbrechenden Front, auf einer von Granaten gemarterten Erde, unter dem Helm aus Stahl, dieser trügerischen Wehr gegen den Tod“ – so schreibt Wieland Förster in seinem Beitrag „Ein Porträt – Johannes Bobrowski“ 1975.
Dieser fröhliche Trinker und Christenmensch Bobrowski rührt mich immer tief an, wenn ich seine zarten Texte lese.
Sieht man ein Foto von diesem Dichter in seiner großen und kräftigen Statur, traut man ihm die Zartheit gar nicht zu.
Hört man aber seine Stimme – es gibt Plattenaufnahmen mit von ihm selbst gelesenen Texten – dann stellt sich das Verständnis rasch ein.
Unser hochverehrter Professor Klaus-Peter Hertzsch, ein immer etwas kränklich wirkender, stark sehbehinderter Mann, der aus seiner Sehbehinderung aber schon früh eine hohe Tugend gemacht und unendlich viele Texte auswendig gelernt hatte, um „Wegzehrung“ zu haben, falls die Augen eines Tages ganz ihren Dienst aufgeben würden, er nahm uns in seinen Literaturvorlesungen gleichsam an die Hand – und führte uns in das Zimmer und zum Schreibtisch von Johannes Bobrowski. Die beiden kannten sich persönlich; Hertzsch hatte ihn, den Seelenverwandten, oft zu Lesungen eingeladen.
Und wir Studenten hockten auf den Fensterbänken des überfüllten Hörsaals, saßen auf dem Fußboden so gut es ging, denn aus der ganzen Stadt waren sie hinauf gepilgert in die kleine Sektion für Evangelische Theologie, um zu lauschen, was ihnen der Professor über die große Welt der Literatur zu künden wußte. Max Frisch hat er uns vorgestellt und Christa Wolf, Hermann Hesse und Johannes Bobrowski.
Es gehört zu den prägendsten Erfahrungen meines Lebens, auf welche Weise dieser kluge, belesene Mann mit seiner wundervoll bildhaften und daher präzisen Sprache uns in die Welt der Sprache einführte: seine Vorlesungen über Literatur waren selbst Literatur.
Nie werde ich vergessen, wie ich im Spätsommer 1989 mit einem Freund, der damals an seiner Promotion saß, oben im Arbeitszimmer in der Universität den „Aufruf zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei in Ostdeutschland“ auf Wachsmatrizen tippte, um sie unter die Leute zu bringen.
Professor Hertzsch betrat das Dachzimmer, sah, was wir da Verbotenes machten und meinte mit einem verschmitzten Lächeln unter Bezug auf Marx, Engels und Lenin:
„Na, meine Herren, da haben wir wohl eine vorrevolutionäre Situation?“
Im Oktober gründete sich die Sozialdemokratie neu.
Das alte System brach wenige Tage später in sich zusammen.
Neue Parteien wurden gegründet.
An der Spitze aller Reformgruppen – so stellte es sich etliche Monate später heraus – hatte die Stasi „Offiziere im besonderen Einsatz“ platziert, bewährte Spitzel: Ibrahim Böhme, Wolfgang Schnur…die Reihe ist lang.
„Diese Schuld der Deutschen“ – sie geht mir nach mein Leben lang. Schon als ich über den „Arierparagraphen“ an der Hochschule meine Examensarbeit anfertigte und zu verteidigen hatte, jenen Paragraphen der den Ausschluss aller jüdischen Beamten aus dem öffentlichen Dienst in Deutschland bedeutete; als wir im Lande unterwegs waren, um für unsere Arbeit Zeitzeugeninterviews durchzuführen mit Männern der Bekennenden Kirche, die die „Hitlerei“ noch aus eigenem Erleben kannten; später dann, als die „Schuld der Deutschen“ mir neu begegnete in der Geschichte der eigenen Familie; als neue Schuld sichtbar wurde, die die neue Diktatur am eigenen Volk auf sich geladen hat.
Immer hat mich dieses Thema begleitet und Johannes war mir ein stiller, tröstender Weggefährte, der aber ebenso wundervoll witzig und humorig zu erzählen wußte, daß einem vom Lachen die Tränen in den Augen standen.
Ich erinnere mich an ihn im Kriegsjahr 2010.
Denn mich treibt die Sorge um, daß die Deutschen nun erneut schuldig werden könnten, da am Hindukusch in diesem fernen Land, wenn sie einfache Menschen töten, Analphabeten oft, Bauern und ihre Kinder, beim nächtlichen Versuch, ein wenig Treibstoff aus dem LKW zu stehlen, der sich da festgefahren hat auf der Sandbank mitten im Fluss.
Auf Befehl eines Oberst, der um die Sicherheit seiner Soldaten fürchtet.
Am 4. April 1968 wurde der Friedensnobelpreisträger von 1964, Martin Luther King, erschossen. Den Gewaltbereiten wurde zuviel, wie dieser gewaltlose Visionär die amerikanische Gesellschaft veränderte.
Ich war zehn Jahre alt.
An Kings Tod kann ich mich nicht mehr aktiv erinnern, in dunkler Erinnerung sehe ich meinen Vater vor dem Radio sitzen und „RIAS Berlin“ oder „SFB Feature“ hören;
mit 1968 verbinde ich eine andere Erinnerung: die des Einmarsches der Nationalen Volksarmee in Prag. Ich erinnere das deshalb so genau, weil es einer der wenigen Momente war, in denen ich meinen Vater habe weinen sehen: „Nun haben sie das letzte Stück Freiheit verraten“ hat er damals gesagt, als die Hoffnung für eine Veränderung im Sozialismus, die sich in der Person von Dubcek gründete, mit Panzern der „Freunde“ (wie wir die Russen nannten) niedergemacht wurde.
Martin Luther King’s Botschaft hat meine Familie geprägt.
„Passiver Widerstand“ und die Bereitschaft, die Folgen des eigenen Handelns zu ertragen – das waren die „Stichworte“, mit denen unsere Familie in der Diktatur zu überleben versuchte.
Die Eltern waren, als die deutsche Grenze noch offen und die Mauer noch nicht gebaut war, im Jahr 1961 bewußt im Osten geblieben, und nicht, wie so viele ihrer Freunde, in den Westen „abgehauen“, weil sie hier einen Auftrag für sich sahen, von der Hoffnung zu sprechen. Mein Vater hatte, nach einer Schriftsetzerlehre in Halle beim Landgericht in der Registratur angefangen.
Dann kam Hilde Benjamin. Die „rote Hilde“. Diese „Justizministerin“ zog gegen ihre Genossen zu Felde, die es wagten, dem Zentralkomitee der SED offen zu widersprechen.
Mutige Kommunisten waren das. Viele von ihnen waren grade aus einem KZ gekommen, hofften auf einen Neuanfang im „Neuen Deutschland“.
Die „rote Hilde“ stellte sie vor Gericht, weil sie die Politik der „Gruppe Ulbricht“ störten.
Diese „Dessauer Prozesse“ sind gut dokumentiert. Die „rote Hilde“ stellte ihre eigenen kommunistischen Genossen vor „Gericht“ und ließ sie unter anderem in den „Roten Ochsen“ nach Halle bringen, einem Zuchthaus, das schon den Nazis als Folterort gedient hatte.
Das war der Moment, wo Vater seinen Beruf bei der Justiz in Halle quittierte.
„In diesem Staat kann man kein Recht sprechen. Das ist Willkürjustiz.“ Er fing seine dritte Berufsausbildung, ein Theologiestudium an – in der schönen Lutherstadt Wittenberg – und wurde Pfarrer in der Diktatur. Ein kritischer Geist allenthalben, kein Freund der Obrigkeit, gewiß nicht.
„Steh zu deinen Entscheidungen“ – trage die Folgen deines Handelns aufrecht. Damit sind wir groß geworden. Und deshalb war es eigentlich nur selbstverständlich, daß wir drei Jungs weder bei den Pionieren, noch bei der FDJ, weder im Armeelager noch bei der Armee waren.
An „Wahlen“ nahmen wir nie teil. Denn alleine schon die Teilnahme an einer Wahl galt als „Bekenntnis zum sozialistischen Staat“.
Als die staatlichen Wahlhelfer am Wahlsonntag – nach der Gottesdienstzeit versteht sich – ins Pfarrhaus kamen, um doch noch mal einen Versuch zu machen, diesen renitenten Pfarrer von der Notwendigkeit der Stimmabgabe zu überzeugen, pflegte meine Mutter zu sagen:
„Wollen Sie einen Kaffee? Ist auch ein guter“ (von der Patengemeinde aus dem Westen, nicht so ein Kaffeeersatz aus dem Osten, den wir in Anlehnung an „Jacobs Krönung“ „Erichs Krönung“ nannten).
Dann ging sie in die Küche und kam mit einem Holzteller herein, auf dem ein Apfel lag.
Diesen Teller stellte sie vor die beiden Herren und meinte trocken: „Bitte, greifen Sie doch zu! Wählen Sie sich doch einen aus!“
Das war dann das Ende des „Gesprächs“.
„Je klarer du bist, um so einfacher ist es“- das hatten wir im Elternhaus gelernt und es ist richtig. Denn man wußte uns schon bald „einzuordnen“.
Wir galten in politischer Hinsicht als „unverbesserlich“ und „nicht zu überzeugen“. Ok. Dann war es eben so.
Allerdings: obwohl wir drei zu den Klassenbesten gehörten, durften wir an einer „Erweiterten Oberschule“ kein Abitur ablegen.
Margot Honecker hatte was dagegen.
Da war die Konsequenz des Handelns zu tragen. Es gab glücklicherweise noch jene drei kleinen kirchlichen Schulen, in denen man ein ordentliches humanistisches Abitur ablegen konnte: in Naumburg, in Potsdam-Hermannswerder und im kleinen Moritzburg in Sachsen. Ich hatte meine helle „Freude“ an Latein und Griechisch in Naumburg…..oh oh, das war eine harte Schule, aber es war eine sehr gute Schule.
Etliche der Gründer der ostdeutschen Sozialdemokratie haben in Naumburg oder Hermannswerder ihr Abitur gemacht. Die Geschichte dieser Schulen muß erst noch geschrieben werden.
Die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz in der Nachbarstadt Zeitz gehört in jene Zeit. Ich war zu seiner Beerdigung. Sie wurde zum Fanal gegen die Diktatur. Das ZDF berichtete live. Der Korrespondent durfte anschließend nicht mehr in der DDR drehen.
Leiste „passiven Widerstand“ bedeutete: beteilige dich nicht an einem System, das selbständiges Denken verhindert und widersprich, wo du es für geboten hältst. Folge deinem Gewissen.
Aber, sei bereit, die Konsequenzen deines Handelns zu tragen. Mit diesen „Leitsätzen“ sind wir groß geworden. Übrigens sehr fröhlich, wie angemerkt sei.
Martin Luther King galt uns für solches selbstbestimmtes Leben als leuchtendes Vorbild.
Es gibt einen sehr beeindruckenden Film über King: „… dann war mein Leben nicht umsonst“. Filmbiografie, USA 1970, Regie: Sidney Lumet, Ely Landau, Joseph L. Mankiewicz, Buch: Sidney Lumet, Ely Landau und Joseph L. Mankiewicz, Produzent: Ely Landau. Mit: Paul Newman, Joanne Woodward, Ruby Dee, Clarence Wilson, Burt Lancaster.
Ich habe diesen Film, der über den „Filmverleih“ des Evangelischen Jungmännerwerkes auszuleihen war (schon wieder ein Wunder mitten in der Diktatur), in der Universitätsstadt gezeigt, später, um gemeinsam mit den Jugendlichen, für die ich als Jugendpfarrer Verantwortung trug und mit denen ich jene Pazifismusstudien betrieb, über die ich hier schreibe, anschaulich zu machen, wovon wir sprachen, wenn wir Gewaltlosigkeit einübten.
Die Räume waren rappelvoll. Kein Sitzplatz mehr zu haben. Man saß oder stand, wo grade noch irgendwie Platz war.
Damals, Anfang der achtziger Jahre, war eine solche Sache ein Affront gegenüber dem Staat. Diese Filmvorführung wurde jedenfalls von den „staatlichen Stellen“ so verstanden.
Ich mußte gemeinsam mit dem Superintendenten „zum Rapport“ beim Rat des Bezirks und zur Kreisleitung der SED. Die Jungs in Lederjacke waren auch immer freundlich, wenn sie am Gespräch teilnahmen.
Heutzutage gibts ja kaum etwas harmloseres, als bei youtube oder amazon oder wem auch immer eine DVD zu bestellen und in einer größeren Versammlung zu zeigen.
In den achtzigern war das anders, wenn es so ein Film war und wenn um einen herum die Diktatur alles beherrschte.
In diesem Film singen sie, nachdem die Polizei sie mal wieder zusammengeknüppelt hatte, nach all dem vielen schweren körperlichen Leid, das für die eigene Überzeugung zu tragen war – da singen sie, diese Schwarzen, die mit Martin Luther King gemeinsam gewaltlos ankämpften gegen die Ungerechtigkeit.
Sie hatten bei Gandhi gelernt.
Sie singen „We shall over come“.
Es hat mich seither immer sehr seltsam berührt, wenn dieses Lied auf dem „Festival des politischen Liedes“, das regelmäßig in Berlin abgehalten wurde, von FDJ-Liedergruppen gesungen wurde, so, als hätten die jemals auch nur irgendetwas für die eigene Überzeugung aushalten müssen. Dieses Lied gehörte zum Standardrepertoire von FDJ Singeklubs. Ich habe das immer wie eine „Enteignung“ empfunden. Denn dieses Lied gehörte Menschen, die bereit waren, für ihre Überzeugungen etwas auf sich zu nehmen, aber es gehörte nicht jenen, die angepasst und „immer schön mit der Masse mit“ in ihren mehr oder weniger frisch gebügelten blauen Hemden da standen und nichts auszuhalten hatten außer ihrer eigenen Langeweile.
Das Lied wurde aber auch gesungen in kirchlichen Jugendgruppen.
Später habe ich es wieder gehört in der Friedensbewegung, da gehörte es auch hin, da wurde Widerstand geleistet.
Und jedes Mal klang es anders.
Deutschland im Kriegsjahr 2010.
Wenn ich richtig sehe, sind wir mal wieder in der Minderheit, wenn wir ein neues Mandat für die Bundeswehr fordern.
Macht nix.
Willkommen zu Hause.
Von Tolstoi führt die Spur direkt zu Gandhi.
Über den Mahatma („Große Seele“) ist viel geschrieben worden. Der Film über ihn hat mehrere Oscars gewonnen. Man glaubt deshalb, Gandhi zu „kennen“.
Ich fürchte, das ist eine Täuschung.
Während der Diktatur wurde Ghandi für uns wichtig, weil er uns half, harte Gespräche mit der Obrigkeit vorzubereiten.
Die FDJ an der Universität hatte auf den Bergen des Saaletals „Tribunale“ gegen uns abgehalten. Deftig garniert mit brennenden Fackeln zog man über jene „Träumer“ und „Visionäre“ her, die „Schwerter zu Pflugscharen“ auf ihren Jacken trugen. Wir sollten „endlich aufwachen“ wurde uns gesagt und „die Realitäten anerkennen“, der „Friede muß bewaffnet sein“! Die „Errungenschaften des Sozialismus“ seien „zu verteidigen“.
Wir hielten solcher Rede ein Zitat entgegen: „Schwerter zu Pflugscharen!“ – ein Zitat aus dem Alten Testament. (Micha 2)
Auf dem Aufnäher war jene große Metallarbeit zu sehen, die die Sowjetunion der UNO geschenkt hatte: man sieht, wie ein Mann ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet.
Es war Anfang der achtziger Jahres des vorigen Jahrhunderts.
Wenige Jahre nur vor dem völligen Zusammenbruch eines politischen Systems, das sich in „ewiger Freundschaft“ mit der Sowjetunion verbunden glaubte…..
Nun also hatte die SED den Gedanken, einen „Dialog“ zu führen mit denjenigen, die sie eigentlich für „politisch unzuverlässig“ hielt – z.B. den Theologen da oben in ihrer kleinen Sektion (das Wort „Fakultät“ wurde erst nach der Wende wieder eingeführt) an der Universität.
Das Papier zur „Gemeinsamen Sicherheit“, das zwischen SPD und SED ausgehandelt und bereits auf etlichen kirchenlichen Großveranstaltungen (auch kleineren) diskutiert worden war; die Prozesse in der Sowjetunion hin zu mehr Öffnung und Dialog (Gorbatschow kam mit dem Buch „Perestroika“ erst 1987) und die wachsende Ausreisewelle hatten zu einer gewissen „Gesprächsbereitschaft“ geführt. Das Ziel dieser „Gespräche“ bestand darin, wieder Ruhe in die Gesellschaft zu bringen.
Wie war mit dem „politischen Gegner“ in Zeiten der Diktatur ein wirkliches Gespräch zu führen?
Wie war mit jemandem zu reden, der einen für „rückschrittlich“ und „fehlorientiert“ einschätzte und tagtäglich in der Arbeit bekämpfte? (ich habe später im „Maßnahmeplan“ der Stasi dokumentiert gefunden, daß man mithilfe der 19 IMs, die man „angesetzt“ hatte, vorhatte, mich zu „zerstören“.)
Nun, wir haben uns gründlich vorbereitet. Wir haben Gandhi gelesen.
Es war klar: diese „Gespräche“ würden sowohl von der SED, von der Parteileitung, von der FDJ und auch von der Staatssicherheit gründlich ausgewertet werden (was sich später in meiner Akte umfänglich beschrieben wiederfand). Man würde „nichts dem Zufall überlassen“. Eine tatsächliche Gesprächsatmosphäre würde voraussichtlich nicht entstehen, denn die „Christlichen Kreise“ (darin waren vor allem CDU-Mitglieder organisiert) hatten diesen „Dialog“ mit uns unangepassten Kirchenleuten häufig im Auftrag der SED zu führen.
Was also konnten wir selbst angesichts solcher Rahmenbedingungen dazu beitragen, daß dennoch möglichst ein offenes Gespräch entstand?
Wie konnten wir vermeiden, daß es nur zu einem Schlagabtausch wurde, bei dem sich jede „Seite“ die je eigenen Argumente wie Plakate vor die Nase hielt oder um die Ohren schlug?
Konkret: was konnten wir selbst zur Befriedung der Situation beitragen?
Man würde uns angreifen, keine Frage. Die FDJ hatte sich gut vorbereitet. Wir kannten die Argumente. Der Saal war voll mit Funktionären. Wir waren nur zu dritt.
Würde es gelingen, ohne Aggression zu antworten?
Ghandi musste helfen.
Dieser große Inder, der soviel Erfahrung gesammelt hat im gewaltfreien Widerstand.
Im Kreis der jungen Leute, die ich um mich hatte – ich war damals für kirchliche Jugendarbeit verantwortlich – haben wir ihn studiert.
Und haben im Rollenspiel eingeübt, wie ein friedlicher Dialog trotz Angriffen durchzuhalten wäre – oft, das sei nebenher bemerkt, zum Verdruß von Armee und Staatssicherheit, weil wir in diesen Rollenspielen beispielsweise Musterungen zur Armee „durchspielten“, um den jungen Männern Argumentationssicherheit zu geben, wenn sie sich zu den „Bausoldaten“ mustern ließen. Wir hatten gewaltfreie Kommunikation zu lernen.
Nicht die anderen.
Wir haben sie eingeübt, haben studiert und sind immer wieder bei Gandhi in die Lehre gegangen.
Grundlage dieser Vorbereitungen war seine Autobiografie „Meine Experimente mit der Wahrheit“, ein Buch, das erst 1982 in erster Auflage beim Union Verlag Berlin erschienen war – eine Sensation!
Wenn ich heute dieses Buch aus dem Regal nehme, diese „Experimente mit der Wahrheit“, wenn ich die vielen Zettel in seinen Seiten stecken sehe – beinahe auf jeder Seite habe ich mir wichtige Stellen angestrichen, kommentiert, große Teile auch exzerpiert, das Tagebuch gibt umfangreich Auskunft – und wenn ich mich frage, was von diesen Mühen in der Diktatur eigentlich geblieben ist, heute, zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer, dann ist es dies:
Die wirkliche Veränderung beginnt immer bei dir selbst.
Verlange niemals eine Veränderung von einem anderen, solange du nicht selbst bereit bist, dich zu verändern.
Versuche, die Wahrheit im Argument des anderen zu entdecken.
Das war sehr schwer für uns einzusehen.
Denn wir waren eine bekämpfte Minderheit in einer Gesellschaft, deren überwiegende Mehrheit selbstverständlich bei Pionieren, FDJ, in Parteien und bei der Armee organisiert war und alles mehr oder weniger engagiert „mitmachte“, was die Oberen verlangten.
Ich muss heute öfter lächeln, wenn so mancher, der damals FDJ-Funktionär war, und uns das Leben schwer machte, weil wir nicht „zur Wahl“ gingen, heute als „Widerständler“ gilt und hohe politische Ämter inne hat.
Aber gerade wir, die wir in der Minderheit waren, wir Kirchenleute und die mutigen jungen Leute noch viel mehr, die in ihren Schulen, an der Hochschule oder im Betrieb sich tagtäglich noch ganz anders auseinandersetzen mussten als wir, die wir bei der Kirche arbeiteten – gerade von uns wurde unerbittlich verlangt, zunächst an uns selbst zu arbeiten. Zum Beispiel an der eigenen Bereitschaft zur Aggression im Gespräch.
Gandhi verlangte es.
Wenn man dieses Buch „Meine Experimente mit der Wahrheit“ in einer Diktatur liest – dreißig Jahre meines Lebens habe ich diese Lebenserfahrung gemacht -, dann bekommt man ein Gespür für die Unerbittlichkeit, die Gandhi von sich und seinen Leuten verlangte.
Er war unerbittlich gegenüber seinen Leuten, mit denen er schließlich im gewaltfreien Widerstand die Engländer aus dem Lande trieb und Indien zur freien Nation machte, weshalb man ihn heute noch den „Vater der Nation“ nennt.
Er war noch unerbittlicher gegen sich selbst.
Möglicherweise konnten wir nur dank seiner Schule mit unserem „gewaltlosen Widerstand“ einen Beitrag leisten, so daß die Mauer fiel.
Wir sind im Kriegsjahr 2010.
Und ich erinnere mich an die frühen achtziger Jahre.
Weshalb?
Weil wir heute wieder in einer Minderheit sind, wenn wir ein neues Mandat für die Bundeswehr verlangen, nachdem die Kanzlerin und ihr Minister offen von einem „Krieg“ sprechen, in dem Deutschland sich befindet, ohne das Mandat zu ändern, das unter anderen Bedingungen gegeben worden war.
Den Einwand, die „Linke“ sei als einzige Fraktion im Parlament für den Abzug aus Afghanistan, lasse ich nicht gelten, denn es mutet mich immer noch sehr seltsam an, das ausgerechnet diejenigen, die schon Kinder und junge Jugendliche in eine vormilitärische Ausbildung zwangen; ausgerechnet die, die den Wehrdienstverweigerern während der Diktatur das Leben überaus schwer machten, ihnen Berufsperspektiven und Ausbildung verweigerten; ausgerechnet die, die mit oft unglaublicher Rafinesse gegen Andersdenkende vorgingen; daß ausgerechnet die, die einzigen seien, die glaubwürdig einen Pazifismus verträten – das ist aus meinem Blickwinkel die pure Heuchelei.
Ich gestehe zu, daß etliche jüngere Leute mittlerweile bei der früheren SED mitmachen, die erst knapp über die zwanzig Lenze zählen und nicht verantwortlich gemacht werden können für die Diktatur.
Das ändert jedoch nichts an der einfach zu durchschauenden Taktik einiger Parteistrategen, dieses „Thema“ überaus populistisch für sich zu besetzen.
Nein, das Wort „Minderheit“ bezieht sich auf die anderen im Bundestag vertretenen Parteien.
Ich kann derzeit noch keine Mehrheit erkennen, die einen schnellen Abzug der Bundeswehr zulassen würde – es sei denn Sozialdemokraten und Grüne würden durch einen eigenen Antrag die Regierung dazu zwingen, der Bundeswehr ein neues Mandat zu geben, das mit der Verfassung übereinstimmt.
Es war ja schon verdächtig, daß wir in den Zeiten der Diktatur freiwillig russische Literatur lasen.
Denn in Zeiten der Diktatur war russische Literatur offiziell verordnet. Man musste sie in der Schule lesen. In Auswahl, versteht sich. Man las Lenin vor allem, aber auch Literatur – die offizielle. Scholochow zum Beispiel. Ostrowski, später auch Dsingis Aitmatow.
Wir aber lasen die Russen – freiwillig. Und eine Welt tat sich auf.
Schon bei Michail Bulgakow („Der Meister und Margarita“) wurde es interessant. Denn plötzlich kam die Religion ins Spiel. Und die passte den Oberen überhaupt nicht in den Kram.
Aber Lew Tolstoi?
Gut. Die „großen“ Stücke: „Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“, „Kreutzersonate“ und anderes wurden auch „offiziell“gelesen. Zwar nicht in der Schule oder im Studium, und wenn, dann eher oberflächlich. Man „kannte“ diese Sachen vom Tolstoi, gewiß. Aber verstand man ihn?
Denn mit seinem Pazifismus hatten die Oberen nicht viel im Sinn. Das galt als dekadent, als unpolitisch, als „bürgerlich“ (was zu Zeiten der Diktatur immer ein Schimpfwort war), als „nicht klassenbewußt“.
„Bürgerlich“ hieß so viel wie: „das ist von gestern“.
Um so spannender wurde es also, den großen Russen genau zu studieren. Wir lasen sozusagen gegen das an, was die Oberen uns weismachen wollten.
Romain Rolland ging voran. Ich war über Stefan Zweig zu ihm gekommen.
Nun lag sein Buch „Das Leben Tolstois“ auf dem Tisch und ließ nicht mehr locker.
Die Fährte führt zu Gandhi. Doch davon später.
„Im November 1853 war der Türkei der Krieg erklärt worden. Tolstoi meldete sich zur Donau-Armee, dann ließ er sich zur Krim-Armee beordern und kam am 7. November 1854 in Sewastopol an. Er brannte vor Begeisterung und patriotischem Glauben. Er erfüllte tapfer seine Pflicht und befand sich oft in Gefahr….“ (Romain Rolland, Das Leben Tolstois, Rütten & Loening 1974, 37). Die „Sewastopoler Erzählungen“ entstanden. Patriotisch die erste und die dritte, doch in der zweiten schildert er den Tod Praskuchins. „Zwei ganze Seiten sind dort der Beschreibung dessen gewidmet, was in der Seele des Unglücklichen in der Sekunde vor sich geht, in der die Granate am Boden liegt und leise zischt, bevor sie krepiert – und eine ganze Seite schildert das, was in ihm vor sich geht, nachdem sie krepiert ist und ein Splitter ihm mitten in die Brust gedrungen war und ihn getötet hatte“. (Rolland, a.a.O., S. 41). „Und der Christ Tolstoi vergißt den Patriotismus seiner ersten Erzählung und verflucht den ruchlosen Krieg:
„Und diese Menschen, alles Christen, die sich zu ein und demselben erhabenen Gesetz der Liebe und Selbstlosigkeit bekennen, sollten angesichts dessen, was sie angerichtet haben, nicht von Reue ergiffen werden und impulsiv vor demjenigen auf die Knie sinken, der, als er ihnen das Leben schenkte, in die Seele eines jeden zugleich mit der Furcht vor dem Tode auch die Liebe zum Guten und Schönen gelegt hat? Sie sollten sich nicht unter Tränen der Freude und des Glücks in die Arme fallen wie Brüder?“ (Rolland, a.a.O. S. 42).
Um sich mehr der Literatur widmen zu können, bittet Tolstoi 1865 um den Abschied aus der Armee und reist von Januar bis Juli 1857 nach Frankreich, in die Schweiz und nach Deutschland.
„Er glaubte an den Fortschritt…. . Ihm war, als drücke dieses Wort etwas aus. ….Aber diese Reise ins Ausland brachte diesen Glauben zum Einstürzen. So bewies ihm am 6. April 1857 in Paris der Anblick einer Hinrichtung davon, wie hinfällig sein Aberglaube an den Fortschritt war.
Als ich sah, wie sich der Kopf vom Körper trennte und dann mit dumpfen Geräusch auf dem Boden des Korbes aufschlug begriff ich – nicht mit dem Verstand, sondern mit meinem ganzen Wesen-, daß keine Theorie von der Vernunft der bestehenden Ordnung und des Fortschritts diese Handlungsweise rechtfertigen könne, und wenn auch die ganze Menschheit auf Grund irgendwelcher Lehrsätze, die seit Erschaffung der Welt aufgestellt wurden, behaupten würde, so etwas sei notwendig, so wüßte ich doch, daß so etwas nicht notwendig ist, daß so etwas schlecht ist. Denn nicht, was die Leute sagen und tun, und auch nicht der Fortschritt entscheidet darüber, was gut und notwendig ist, sondern mein Herz.“ (Tolstoi: Meine Beichte; zitiert bei Rolland, a.a.O. S. 49).
Das war Sprengstoff in Zeiten der Diktatur.
Denn plötzlich konnten wir einen Kompass sehen, der es uns ermöglichte, im Alltag der Diktatur irgendwie auf dem Weg zu bleiben.
Wir lasen und lasen, wir lauschten, hörten zu, nahmen auf, was unser dieser großartige Russe zu sagen hatte.
Und gelangten am Ende zu jenem legendären Brief, den Tolstoi am 7. September 1910 an Gandhi schrieb, zwei Monate vor seinem Tod:
An M.K. Gandhi, Johannesburg, Transvaal, Südafrika.
7. September 1910, Kotschety.
Ich habe Ihre Zeitschrift Indian Opinion erhalten und freute mich, kennenzulernen, was darin über die Anhänger des Verzichtes auf alle Gegenwehr durch Gewalt geschrieben wird. Zugleich überkam mich das Verlangen, Ihnen die Gedanken auszudrücken, die durch die Lektüre in mir erweckt wurden.
Je länger ich lebe – und besonders jetzt, da ich den Tod deutlich herannahen fühle -, desto stärker drängt es mich, auszusprechen, was ich vor allem andern lebhaft empfinde und was meiner Meinung nach von ungeheurer Wichtigkeit ist: es handelt sich darum, was man den Verzicht auf allen Widerstand durch Gewalt heißt, worin sich aber letzten Endes nichts anderes ausdrückt, als die durch Truggespinste noch nicht entstellte Lehre vom Gesetz der Liebe. Die Liebe, mit anderen Worten das Streben der Menschenseelen nach Vereinigung und ihr daraus sich ergebendes Verhalten untereinander, sie stellt das höchste und einzige Gesetz des Lebens dar – das weiß und fühlt ein jeder in der Tiefe seines Herzens (wie wir es am deutlichsten an den Kindern sehen); er weiß es, solange er nicht in die Lügennetze weltlichen Denkens verstrickt ist. Dieses Gesetz ist von allen Weltweisen, den indischen sowohl wie den chinesischen und jüdischen, den griechischen und römischen, verkündet worden. Am klarsten ist es, glaube ich, von Christus ausgesprochen, der geradezu sagte, daß darin alles Gesetz und die Propheten enthalten seien. Doch nicht genug damit, in Voraussicht der Verzerrung, die dieser Erkenntnis widerfährt und jederzeit widerfahren kann, wies er ausdrücklich auf die Gefahr einer Entstellung hin, wie sie Leuten naheliegt, die von weltlichen Interessen leben, nämlich daß solche sich das Recht nehmen könnten, ihre Interessen mit Gewalt zu verteidigen oder, wie er es ausdrückt, Schlag mit Schlag zu vergelten, sein entwendetes Eigentum mit Gewalt zurückzuholen und so weiter und so weiter. Er wußte, wie es jeder verständige Mensch wissen muß, daß jede Anwendung von Zwang unvereinbar mit der Liebe als dem höchsten Lebensgesetz ist und daß, sobald Vergewaltigung auch nur in einem einzigen Fall als zulässig erscheint, damit zugleich dies Gesetz negiert wird. Die ganze, äußerlich so glanzvolle, christliche Zivilisation erwuchs aus diesem offenbaren und seltsamen, zum Teil absichtlichen, größtenteils aber unbewußten Mißverständnis und Widerspruch. Im Grunde aber galt das Gesetz der Liebe nicht mehr und konnte nicht mehr gelten, sowie daneben die Abwehr mittels Gewalt gestellt wurde – galt aber einmal das Gesetz der Liebe nicht, so gab es überhaupt kein Gesetz außer dem Recht des Stärkeren. So lebte die Christenheit durch neunzehn Jahrhunderte hindurch. Allerdings ließen sich die Menschen zu allen Zeiten von der Gewalt als oberstem Prinzip in ihrer Gesellschaftsordnung leiten. Der Unterschied zwischen den christlichen und allen anderen Nationen bestand nur darin, daß im Christentum das Gesetz der Liebe so klar und bestimmt gegeben war wie in keiner anderen Religion und daß seine Anhänger sich feierlich dazu bekannten, trotz alledem aber Gewaltanwendung für zulässig erachteten und ihr Leben auf Vergewaltigung gründeten; daher ist das Leben der christlichen Nationen ein einziger großer Widerspruch zwischen dem, was sie bekennen, und dem, worauf sie ihr Dasein aufbauen: ein Widerspruch zwischen der Liebe, die das Gesetz des Handelns vorschreiben soll, und der Vergewaltigung, die unter verschiedenen Formen anerkannt wird, als da sind: Regierungen, Gerichte und Militär, die als notwendig hingestellt und gepriesen werden. Dieser Widerspruch verschärfte sich mit der Entwicklung des geistigen Lebens der Christenheit, und er ist in der letzten Zeit zur höchsten Spannung gediehen. Die Frage steht jetzt so: eins von beiden müssen wir wählen; entweder zugeben, daß wir überhaupt keine religiöse Sittenlehre anerkennen und uns nur vom Recht des Stärkeren in unserer Lebensführung bestimmen lassen, oder fordern, daß alles zwangsweise Erheben von Abgaben eingestellt, all unsre gerichtlichen und polizeilichen Institutionen und vor allem das Militär aufgehoben werden.
In diesem Frühjahr prüfte beim Religionsexamen an einem Töchterinstitut Moskaus zuerst der Religionslehrer und dann der gleichfalls anwesende Erzbischof die Mädchen über die zehn Gebote und im besonderen über das fünfte. Auf das richtige Hersagen des Gebotes hin stellte der Erzbischof jeweils meist noch die Frage: ist das Töten immer und in allen Fällen durch das Gesetz Gottes verboten? Und die unglücklichen, durch ihre Lehrer verdorbenen Mädchen mußten antworten und antworteten auch: nicht immer, denn im Kriege und bei Hinrichtungen darf getötet werden. Als aber einem dieser unglücklichen Geschöpfe (was ich erzähle, ist keine Anekdote, sondern tatsächlich passiert und mir von einem Augenzeugen berichtet) die übliche Zusatzfrage gestellt wurde, ob denn das Töten immer Sünde sei, da wurde das Mödchen rot und entgegnete erregt und entschieden: „Ja, immer!“ Und auf all die herkömmlichen Sophismen des Erhzbischofs blieb es unerschütterlich dabei: Töten sei unter allen Umständen untersagt, auch schon im Alten Testament, Christus aber habe nicht nur zu töten verboten, sondern überhaupt dem Nächsten Böses zu tun. Der Erzbischof in all seiner Majestät und Redegewandtheit verstummte, und das Mädchen behielt den Sieg.
Ja, wir können in den Zeitungen von unsern Fortschritten in der Beherrschung der Luft schreiben, von verwickelten diplomatischen Beziehungen, von verschiedenen Klubs, von Entdeckungen, von allerhand Bündnissen, von sogenannten Kunstwerken, und wir mögen darüber hinweggehen, was jenes Mädchen entgegnete: totschweigen können wir es jedoch nicht, weil es ein jeder Christenmensch fühlt, mag er es auch noch so unklar fühlen. Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, Heilsarmee, Zunahme von Verbrechen, Arbeitslosigkeit, der wachsende widersinnige Luxus der Reichen und die Verelendung der Armen, das furchtbare Anschwellen der Selbstmordzahlen, all das sind Merkmale jenes inneren Widerspruches, der gelöst werden muß und gelöst werden wird. Und selbstverständlich so gelöst werden muß, daß das Gesetz der Liebe anerkannt und jede Gewaltanwendung verworfen wird. Daher steht Ihre Wirksamkeit in Transvaal, das für uns am Ende der Welt liegt, dennoch im Mittelpunkte unserer Interessen und stellt die wichtigste Betätigung dar, an der die Welt augenblicklich teilnehmen kann und woran nicht nur die christlichen, sondern alle Völker der Welt teilnehmen werden.
Ich denke, es wird Sie freuen, zu hören, daß auch bei uns in Rußland eine solche Agitation schnell um sich greift, daß die Weigerungen, Militärdienst zu leisten, sich von Jahr zu Jahr mehren. Wie gering auch bei Ihnen noch die Zahl derjenigen ist, die auf alle Gegenwehr mit Gewalt verzichten, und wie klein auch bei uns die Anzahl der Leute, die jeden Heeresdienst verweigern – die einen wie die andern dürfen sich sagen: Gott ist mit uns. Und Gott ist mächtiger denn die Menschen.
In dem Bekenntnis zum Christentum, wenn auch nur zu einem derart entstellten Christentum, wie es bei uns gelehrt wird, und in dem Glauben zugleich an die Notwendigkeit von Heeren und ihrer Ausrüstung zu Schlächtereien allergrößten Maßstabes, darin liegt ein solch offenbarer, himmelschreiender Widerspruch, daß er über kurz oder lang, wahrscheinlich aber sehr bald in voller Nacktheit zutage treten muß; das aber wird entweder die christliche Religion vernichten, die zur Aufrechterhaltung der Staatsgewalt nicht zu entbehren ist, oder es wird das Militär und alle damit verbundene Gewaltanwendung, die der Staat nicht weniger benötigt, hinwegfegen. Diesen Widerspruch empfinden alle Regierungen, Ihre britische ebensowohl wie unsere russische, und daher wird die Erkenntnis dieses Widerspruchs von den Regierungen aus Selbsterhaltungstrieb energischer verfolgt als jede andere staatsfeindliche Tätigkeit, wie wir es in Rußland erlebt haben und wie es aus den Aufsätzen Ihrer Zeitschrift hervorgeht: die Regierungen wissen, woher ihnen die größte Gefahr droht, und wahren mit wachsamem Auge in dieser Hinsicht nicht mehr bloß ihre Interessen, sondern kämpfen hier geradezu um ihr Sein oder Nichtsein.
Mit vorzüglicher Hochachtung.
Lew Tolstoi“
(Romain Rolland, a.a.O. S.214-216).
Man kann vielleicht ahnen, wie ein solcher Text in einer Diktatur wirken musste, die glaubte, in allem Recht zu haben. Dieser Text stellte die Machtfrage.
Und er hatte Wirkungen. Viele der jungen Menschen, mit denen ich damals Anfang der achtziger Jahre jenen Text las und besprach, waren aktiv und taten das Ihre zum Fall der Mauer.
Ich will diesem Brief hier nicht mehr viel hinzufügen, nur soviel sagen:
Heute, im Kriegsjahr 2010, in dem uns Kanzlerin, Minister und andere wieder weismachen wollen, wir hätten „die Freiheit Deutschlands“ am Hindukusch zu „verteidigen“, erinnern wir uns an den großen Russen Lew Tolstoi, der uns schon so lange Jahre im Leben ein Wegweiser und eine Orientierung war und weiterhin ist.
Wir werden denen nicht folgen, die uns weismachen wollen, wir hätten unsere Freiheit zu verteidigen in Afghanistan.
Deutschland hat keine Feinde in Afghanistan.
Dort leben Menschen muslimischen Glaubens, Angehörige der Bruderreligion des Christentums.
Wir werden nicht dem „Recht des Stärkeren“ folgen, sondern wir folgen dem, was uns die Suttner, Stefan Zweig und Lew Tolstoi auf den Weg gegeben haben und was jener Erzbischof nicht glauben wollte:
„Töten ist immer und in jedem Fall untersagt.“
Deshalb müssen die Soldaten der Bundeswehr zurückgezogen werden aus Afghanistan.
Je schneller. Je besser.
Thomas Mann sagt 1952 anlässlich des zehnten Todestags von Stefan Zweig über dessen Pazifismus:
„Es gab Zeiten, wo sein radikaler, sein unbedingter Pazifismus mich gequält hat. Er schien bereit, die Herrschaft des Bösen zuzulassen, wenn nur das ihm über alles Verhaßte, der Krieg, dadurch vermieden wurde. Das Problem ist unlösbar. Aber seitdem wir erfahren haben, wie auch ein guter Krieg nichts als Böses zeitigt, denke ich anders über seine Haltung von damals…“
Deutschland ist im Krieg.
Kanzlerin und ihr Minister gebrauchen dieses Wort, nachdem man anfänglich jahrelang herumgedruckst hatte, ob es sich bei dem „Einsatz“ der Bundeswehr am Hindukusch um einen „Kampfeinsatz“ oder um einen „Krieg im umgangssprachlichen Sinne“ handeln könne.
Die Worte werden gewechselt.
Die Politik wird nicht geändert – man macht weiter wie bisher.
Die Zahl der getöteten Zivilisten steigt, die Zahl der getöteten Soldaten ebenfalls.
Die Zahl der getöteten Zivilisten steigt schneller.
In solchen Zeiten des Krieges ist es gut, sich an die inneren Verbündeten zu erinnern, an die Stützen eines europäischen Pazifismus, der – allenthalben verlacht zu seiner Zeit – gegen alles Gebrüll in Medien und Gesellschaft sich nicht beirren lässt.
Stefan Zweig gehört für mich neben Bertha von Suttner, Romain Rolland und anderen, über die noch zu schreiben sein wird, zu jenen wenigen stillen Denkern, die mir ein inneres Überleben während der Diktatur ermöglicht haben.
Als wir verlacht und ausgegrenzt wurden, weil wir uns weigerten, der „Nationalen Volksarmee“ zu „dienen“; als wir schon vorher daran gehindert wurden – trotz bester schulischer Leistungen – ein Abitur an einer staatlichen Schule abzulegen und entsprechend frei ein Studium zu wählen; als die FDJ „Tribunale“ auf den Bergen des Jenaer Saaletals gegen uns veranstaltete, die wir für „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Schwerter zu Pflugscharen“ eintraten – seit damals gehört Stefan Zweig, dieser stille Mann, der am 22. Februar 1942 in Brasilien „aus freiem Willen und mit klaren Sinnen“ aus dem Leben gegangen ist, zu den wichtigsten Stützen und Wegbegleitern in meinem Leben.
Er hat mir ein Überleben in der Diktatur ermöglicht. Bei ihm war ich innerlich zu Hause.
Sein Buch über einen der mächtigsten Männer des französischen Geheimdienstes „Joseph Fouche“ erschien in zweiter Auflage überraschend 1983 im Verlag der Nation in Ost- Berlin und war uns ein „Paradetext“ für unseren alltäglichen Umgang mit der Staatssicherheit.
Sein „Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt“, schon aus dem Exil geschrieben, war das Fundament unseres inneren Widerstandes gegen die Diktatur schlechthin.
Ich hatte einen kleinen Kreis junger Leute um mich gesammelt während der Diktatur und wir lasen diese Texte, um innerlich irgendwie am Leben zu bleiben.
Diese Worte gaben Kraft für den täglichen kleinkarierten Alltag in der Diktatur, der von einem ständigen „Nein!“ sagen geprägt war.
„Nein!“ zur Mitgliedschaft in Pionieren und FDJ; „Nein!“ zu einer Teilnahme an der vormilitärischen Ausbildung; „Nein!“ zur Nationalen Volksarmee; „Nein!“ zu einer Beteiligung an Wahlen, die ja gar keine freien Wahlen waren. Wir hatten dafür Konsequenzen zu tragen und wir trugen sie.
Weil wir Stefan Zweig im Gepäck hatten.
Als die Aufrüstungsdebatte ihren Höhepunkt erreichte – in Bonn versammelten sich über 500.000 Menschen, um gegen Pershings zu demonstrieren; in Ostdeutschland eskalierte die Auseinandersetzung zwischen der SED, der FDJ und den kirchlichen Jugendgruppen („Gegen NATO-Waffen Frieden schaffen!“ und „Schwerter zu Pflugscharen!“), kehrten wir immer wieder zu Stefan Zweig und seinen stillen präzisen Texten zurück, um uns zu vergewissern, ob wir noch auf dem richtigen Kurs unterwegs waren.
Heute, im Kriegsjahr 2010, ist es gut, sich an diesen kompromisslosen Pazifisten und großen Europäer zu erinnern.
Wieder geht es um das große Thema „ein Gewissen gegen die Gewalt“ wie Zweig es im „Castellio“ so wunderbar präzis entfaltet hat.
Wieder ist es an der Zeit, „Nein!“ zu sagen.
„Nein!“ zu einem „weiter so“ der Bundeswehr in Afghanistan.
Die Strategie des „christlichen“ Westens in diesem tief religiösen muslimischen Land ist gescheitert.
Mit Soldatenstiefeln kann man die Herzen der Menschen nicht gewinnen.
Wenn eine Kanzlerin von „Krieg“ spricht, dann ist der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch nicht mehr durch das Grundgesetz legitimiert.
Denn es verbietet deutschen Soldaten, an einem Krieg teilzunehmen.
Das klare und kompromißlose „Nein!“ des stillen Mannes Stefan Zweig ist heute nötiger denn je.
Ihr Buch „Die Waffen nieder!“ wurde in sechzehn Sprachen übersetzt und erschien in vierzig Auflagen.
Bertha von Suttner erhielt nicht nur als erste Frau 1905 den Friedensnobelpreis, sie war es auch, die ihren Freund Alfred Nobel zur Stiftung des Nobel-Preises inspirierte.
Im Kriegsjahr 2010 ist es gut, sich an diese mutige und klare Frau zu erinnern.
Denn, es mangelt an Mut und es mangelt an Klarheit.
Suttner stammte aus einer „Kriegerfamilie“: Die geborene Kinsky hatte Militärs zu ihren Vorfahren. Ein Graf Kinsky war in die Katastrophe Wallensteins verwickelt gewesen. Ein anderer leitete die Wiener-Neustädter Militärakademie und focht 1794/95 als kommandierender General gegen die französische Armee in den Niederlanden. Ihr Vater starb noch vor ihrer Geburt als pensionierter Feldmarschalleutnant und ihr Vormund gehörte gleichfalls zu den höchsten Militärs der Monarchie, schwärmte für Radetzky und hielt den Ruhm der österreichischen Armee für „einen der schönsten Bestandteile der allgemeinen Weltordnung.“ (zitiert nach: Bertha von Suttner. Lebenserinnerungen. Verlag der Nation Berlin 1970, S. 12).
An Stefan Zweig schreibt sie:
„Die Menschen begreifen nicht, was vorgeht … Warum tut ihr nichts, ihr jungen Leute?
„Euch geht es vor allem an! Wehrt euch doch, schließt euch zusammen!Laßt nicht immer alles uns paar alte Frauen tun, auf die niemand hört.“ (http://www.wirtschaftsmuseum.at/pdf/Suttner_tsch.pdf)
Mit wichtigen Menschen ihrer Zeit stand sie im Kontakt: Leo Tolstoi, Stefan Zweig, Alfred Nobel, Alfred Fried (Friedensnobelpreis 1911), Andres Carnegie, Albert von Monaco u.a.
Vor tausenden von Menschen hat sie gesprochen, hat geschrieben, hat sich engagiert.
Die UNO hat ihr viel zu verdanken, gehört sie doch zu den Visionärinnen einer weltweiten Kooperation der Staaten zum Erhalt des Friedens.
Man hat sie oft ausgelacht.
Und man hat nicht auf sie gehört.
Mann hat weiter gerüstet – im Ersten Weltkrieg, später im Zweiten Weltkrieg.
Neuerdings ist auch von Deutschen wieder der Ruf nach schwereren Waffen im Krieg zu hören.
Es ist an der Zeit, sich der Bertha von Suttner zu erinnern.
Sie hat sich nicht anfechten lassen von denen, die sie als „naiv“ kennzeichneten.
Auch heute ist zu hören, wer einen Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan fordere, sei „naiv“.
Viel klüger sei es, im Bündnis der Allianz weiter Soldaten an den Hindukusch zu schicken. „Fürs Vaterland“ oder „für unsere Freiheit“.
Diese Rede nach „mehr Tapferkeit“ und „großen Opfern“ war im Krieg schon immer falsch und gefährlich.
Als ich mit einer Gruppe von jungen Abiturienten in den Jahren um 1983 die Texte der großen Pazifisten las und diskutierte, als die Staatssicherheit diese Aktivitäten mit zunehmender Nervosität beobachtete und schließlich ihre „Maßnahmepläne“ gegen mich aufschrieb, stand die Bertha von Suttner ganz am Anfang einer Reihe von Veranstaltungen, die sich mit der großen Tradition des Pazifismus befasste.
Wir haben uns damals nicht einschüchtern lassen. Es war richtig so.
Die Saat der von Suttners, der Tolstois, von Gandhi und King, von Zweig und Romain Rolland ist aufgegangen.
Wir werden denen, die nach „mehr Waffen“ rufen, nicht folgen.
Frau von Suttner notiert am 12. Mai 1914 in ihr Tagebuch:
„Gegen den Übermilitarismus, der jetzt die Atmosphäre erfüllt, ist nicht anzukämpfen. Die einzigen – weil sie auch eine Macht sind -, auf die man hoffen kann, daß wir den Krieg abwenden, sind die Sozialdemokraten.“
Im Kriegsjahr 2010 kommt den Sozialdemokraten wieder eine wichtige Rolle zu.
Sie müssen erkennen und sehen, daß die militärische Strategie des Westens in Afghanistan gescheitert ist.
Ihnen fällt die Rolle zu, offen zu sagen und dafür zu kämpfen, daß die Bundeswehr ein neues Mandat braucht.
Die Bundeswehr darf sich nicht an einem Krieg beteiligen.
Dies ist von der Kanzlerin einzufordern.
Wir brauchen Mut im Parlament.