Ilse war eine jener Frauen, die still ihre zugewandte Art leben, die ihr Wesen ausmacht, derer aber oft nicht gedacht wird, wenn sie gegangen sind.
Sie war keine Berühmtheit, man wird ihr kein Mausoleum errichten, man wird ihr kein Staatsbegräbnis ausrichten – ich will aber öffentlich an sie erinnern, denn der eine oder andere, der bei Facebook unterwegs ist, hat sie auch gekannt.

Ilse war krank, das wusste ich, aber sie starb dennoch unerwartet. Mich hat diese traurige Nachricht faktisch „zufällig“ erreicht, als ich nach einem Urlaub bei facebook nachsah, was eigentlich mit Ilse „los“ sei. Es war so still geworden um sie. Auf ihrer Seite fand ich dann den Eintrag eines anderen Freundes, der darauf schließen ließ, daß Ilse gestorben sei.
Inzwischen bin ich mit der Familie im Kontakt. Mich hat Ilses Tod ziemlich betroffen gemacht, denn er kam überraschend.

In einem ihrer letzten Briefe – sie schrieb in ihren wunderbaren bunten Paketen, die sie hin und wieder schickte, gern farbig ausgestaltete Briefe – schrieb sie davon, daß es ihr gut gehe, daß sie sich auf die Begegnungen mit den Enkelkindern freue und klang eigentlich fröhlich und guten Mutes. Nun aber lag sie doch mehrere Wochen schwerkrank, wurde von Angehörigen gepflegt und ist nun still gegangen.

Wer war sie für mich und die Freunde, die sie kannten?
Ich habe Ilse zunächst per Facebook, später dann auch einmal persönlich kennenlernen dürfen, als sie mich in der Uckermark im Dörfchen Hetzdorf besucht hat. Die Sache kam so: ich hatte in jenem uckermärkischen Dörfchen ein Internet-Projekt begonnen und dazu aufgerufen, sich, wenn man möchte, mit einer Rosenspende an einem neu zu errichtenden Rosen-Garten zu beteiligen. Die Sache ging sehr schnell voran, Zeitungen und Fernsehen kamen, um von diesem „Internet-Garten“ zu berichten und das Dörfchen wurde bekannt, was ja auch beabsichtigt war. Ilse Jehle war eine der ersten, die spontan bei dem riskanten Projekt dabei war – und seither dabei geblieben ist.

Ilse schickte Rosen, sie schickte Blumensamen, sie schickte Bücher für die Rosenbibliothek – ich habe immer vermutet, sie müsste wohl irgendeine geheime Quelle für all die interessanten Bücher haben, die sie uns spendiert hat. Da ist im Laufe der Jahre so manches zusammen gekommen. Ich habe Ilse immer als großzügig erlebt, sie hat freudig geschenkt, mit viel Liebe ihre Pakete gepackt und die Briefe dazu geschrieben. Das war bunt und fröhlich und vor allem herzlich.

So manche Mail habe ich ihr geschrieben, sie solle uns nicht so viel schenken, die Sachen kosteten doch alle Geld – das hat sie aber nicht weiter beeindruckt. Sie wollte uns helfen und sie tat es aus vollem Herzen. Mit anderen Worten: Ilse Jehle gehört im Rosengarten im uckermärkischen Hetzdorf wohl ein kleines Denkmal, denn sie hat das Projekt immer aus vollem Herzen unterstützt.

Eines Tages, da schrieb sie mir, sie würde ihre Tochter besuchen, die in der Nähe in Ausbildung sei und Hetzdorf läge doch sozusagen, von Süddeutschland aus gesehen, „am Wege“ und wie es denn mit einem Treffen wäre? Na prima wäre das! Und so kam es dann, daß wir uns getroffen haben. Mutter und Tochter saßen da auf meiner Couch mit dem schönen Blick zum Bach hinunter in den alten Garten.

Als ich 2016 in den Ruhestand ging und Hetzdorf Richtung Berlin verlassen habe, blieb der Kontakt zu Ilse bestehen. Wir waren, was die Beurteilung der gesellschaftlichen und politischen Situation in unserem Lande anbetrifft, sehr oft der gleichen Ansicht. Ich konnte das daran erkennen, welche meiner Beiträge Ilse geteilt hat auch gab es so manche Mail zwischen uns in diesen Angelegenheiten.

Ilse gehörte zu denen, die ein Interesse an meinen Büchern hatte und ich hab sie ihr immer gern geschickt, weil ich wusste, daß sie die Arbeiten aufmerksam lesen würde. So war es offenbar auch mit dem Krebstagebuch, das sie und ihre Angehören in Ilses letzten Lebenstagen intensiv beschäftigt hat.

Mir wird wohl ein inneres Bild von Ilse bleiben: ich sehe da ein schlankes, beinahe zierliches Persönchen, überaus freundlich und zugewandt, treu vor allem – was sie zusagte, hielt sie. Sie war unterstützend, hilfreich, verständnisvoll, kurz: ein durch und durch helfender Mensch. Ich habe mich manchmal gefragt, ob diese Zugewandtheit anderen Menschen gegenüber vielleicht auch ein wenig von der Bedürftigkeit ihrer eigenen Seele erzählt hat. Aber das kann ich sie nun nicht mehr fragen.

Ich bin sehr froh, Ilse kennengelernt zu haben. Ich bin dankbar für die jahrelange Verbindung zwischen uns. Ich weiß, daß es etlichen anderen Menschen, die sie gekannt haben, ebenso geht. Wir wollen sie in guter Erinnerung behalten.

3 Gedanken zu “Sie war eine stille, zugewandte Frau. Ein Nachruf auf Ilse Jehle

  1. Danke! Ich kannte Ilse Jehle dadurch, dass sie meine Bilder wohl mochte. Auf meiner Facebook-Seite. Denn sie zeigte es oft durch ein „Like“, manchmal durch einen Kommentar ergänzt. Irgendwann hatte ich sie dann „verloren“, und mir ist das nicht aufgefallen. Weil das andauernd auch mit anderen passiert, sie kommen und gehen. Als Bilderfan meine ich. Und nun diese Information, hat mich heute früh doch sehr erschüttert. Und so denke ich, sie könnte genauso gut Ilse Seele heißen…
    Danke!

  2. Auch ich habe ihre freundliche, interessierte Art sehr gemocht und bin nun traurig. Halten wir um so mehr zusammen!

  3. Danke für deine Worte. Du hast das Bild, dass ich von ihr hatte geschärft. Ich mochte auch ihre Art zu schreiben, Standpunkte zu beziehen, sich zu äußern. So, wie einige andere bleibt sie mir mit Hetzdorf und der Gruppe um dich herum in Erinnerung.

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